Rotierende Raumstation

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Rotierende Raumstation, Konzept von Wernher von Braun, 1952.

Rotierende Raumstationen (englisch: von Braun wheels) sind hypothetische, reifenförmige, um ihre eigene Achse rotierende Raumstationen oder Raumschiffe, die durch ihre Rotation den Effekt einer künstlichen Schwerkraft bedingen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der russische Raumfahrtpionier Konstantin Tsiolkovsky dachte bereits 1903 über die Möglichkeit einer rotierenden Raumstation nach. 1928 findet sich die Beschreibung einer rotierenden Raumstation in dem unter dem Pseudonym Hermann Noordung in Berlin veröffentlichten Buch Problem der Befahrung des Weltraums des slowenisch-österreichischen Autors Herman Potočnik. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der zu jener Zeit in Berlin tätige Ingenieur Wernher von Braun das Buch kannte. Braun wurde, trotz seiner Kollaborationen mit den Nationalsozialisten, zu einem wichtigen Teil des US-amerikanischen Raketenprojekts und beschrieb, zusammen mit Willy Ley, eine entsprechende Struktur im Jahr 1952 in dem Magazin Collier’s Weekly.[1][2][3][4]

Der Film 2001-Odysee im Weltraum popularisierte die Idee im Jahr 1968; zuweilen wird die Erstidee sogar dem Co-Autor des Drehbuchs, Arthur C. Clarke, zugeschrieben. Seitdem sind rotierende Raumstationen häufiger in Sci-Fi-Filmen anzutreffen.

2011 stellte die NASA das Konzept Nautilus-X vor. Dabei handelte es sich um ein Raumschiff für lang andauernde Missionen. Teil des Konzepts war ein rotierender Ring.

Das US-amerikanische Unternehmen Gateway Foundation veröffentlichte Mitte der 2010er die Vision einer Raumstation in einer niedrigen Erdumlaufbahn für bis zu 1250 Gäste.[5] Unter dem Projektnamen „Von-Braun-Station“ erregte dieses Konzept 2019 die Aufmerksamkeit der Medien.[6] Finanziert werden soll die Raumstation durch Mitgliedsbeiträge und die Einnahmen aus einer Lotterie.[7]

Praktische Experimente (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1965: Bei einem missglückten Experiment wurden die Astronauten an Bord von Gemini 8 durch die Rotation ihres Gefährts einer starken Beschleunigung ausgesetzt.
  • 1966: Gemini 11 und ein Agena-Zielkörper rotierten durch ein Seil miteinander verbunden umeinander. Der Effekt war für die Astronauten kaum spürbar, aber beobacht- und messbar. Gemini 12 führte wenige Wochen später ein ähnliches Experiment durch.[8]
  • 2018: Die unbemannte deutsche Mission Eu:CROPIS nutzte die Rotation eines Satelliten um die Gravitiationsbedingungen auf dem Mond für Experimente zum Pflanzenwachstum zu simulieren.[9]

Beispiele für rotierende Raumstationen in Literatur und Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Raumstationen. Traum und Wirklichkeit (PDF). sfgh.de. Abgerufen am 13. Januar 2020.
  2. Wernher von Braun: Crossing The Last Frontier. In: Collier’s Weekly. 22. März 1952, S. 24–29, abgerufen am 15. Januar 2020 (englisch).
  3. Willy Ley: A Station in Space. In: Collier’s Weekly. 22. März 1952, S. 30–31, abgerufen am 15. Januar 2020 (englisch).
  4. Patrick Barry: Wheels in the Sky. First Science, 2014, abgerufen am 13. Januar 2020 (englisch).
  5. What is the Gateway. Gateway Foundation, 2016.
  6. Für 2027 geplant. Urlaub im All? So abgefahren soll das erste Weltraumhotel aussehen. Stern Online. 23. September 2019, abgerufen am 13. Januar 2020.
  7. Von Braun Station. gatewayspaceport.com. Abgerufen am 13. Januar 2020.
  8. Gemini12 Mission Report (PDF); Kapitel 1–3; abgerufen am 19. Januar 2020
  9. Kompaktsatellit auf polarer Umlaufbahn - Abschied von Mission Eu:CROPIS. DLR, 13. Januar 2020, abgerufen am 19. Januar 2020.