Rottenacker

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Rottenacker
Rottenacker
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Rottenacker hervorgehoben
Koordinaten: 48° 14′ N, 9° 41′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Alb-Donau-Kreis
Höhe: 530 m ü. NHN
Fläche: 10,29 km2
Einwohner: 2163 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 210 Einwohner je km2
Postleitzahl: 89616
Vorwahl: 07393
Kfz-Kennzeichen: UL Vorlage:Infobox Verwaltungseinheit in Deutschland/Wartung/Kfz enthält Kleinbuchstaben
Gemeindeschlüssel: 08 4 25 104
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bühlstraße 7
89616 Rottenacker
Webpräsenz: www.rottenacker.de
Bürgermeister: Karl Hauler
Lage der Gemeinde Rottenacker im Alb-Donau-Kreis
Landkreis BiberachLandkreis EsslingenLandkreis GöppingenLandkreis HeidenheimLandkreis ReutlingenUlmAllmendingen (Württemberg)Allmendingen (Württemberg)Altheim (Alb)Altheim (bei Ehingen)Altheim (bei Ehingen)Amstetten (Württemberg)AsselfingenBallendorfBalzheimBeimerstettenBerghülenBernstadt (Alb)BlaubeurenBlausteinBreitingenBörslingenDietenheimDornstadtEhingen (Donau)Ehingen (Donau)EmeringenEmerkingenErbach (Donau)GriesingenGrundsheimHausen am BussenHeroldstattHolzkirchHüttisheimIllerkirchbergIllerriedenLaichingenLangenauLauterach (Alb-Donau-Kreis)LonseeMerklingenMunderkingenNeenstettenNellingenNerenstettenOberdischingenObermarchtalOberstadionÖllingenÖpfingenRammingen (Württemberg)RechtensteinRottenackerSchelklingenSchnürpflingenSetzingenStaigUntermarchtalUnterstadionUnterwachingenWeidenstettenWesterheim (Württemberg)WesterstettenBayernKarte
Über dieses Bild

Rottenacker ist eine Gemeinde im Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg. Die Gemeinde gehört der Verwaltungsgemeinschaft Munderkingen an.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserkraftwerk an der Donau
Im Rottenacker Kaminnest siedeln Weißstörche

Rottenacker liegt am Rand der Schwäbischen Alb sieben Kilometer südwestlich von Ehingen (Donau) direkt an der Donau.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde grenzt im Norden und Osten an die Stadt Ehingen, im Süden an Unterstadion und im Westen an die Stadt Munderkingen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rottenacker wurde im 6. bis 7. Jahrhundert vermutlich als fränkische Siedlung gegründet und wurde erstmals 1085 als apud Rotenakere und 1116 als Rotinakkier erwähnt, das laut neueren Forschungen womöglich „Platz, wo die Gemeinde zusammentritt“ bedeutet. Bis ins 14. Jahrhundert war der Ort als Reichslehen zwischen Graf von Berg und Graf von Wartstein geteilt, dessen abhängige Ritterfamilien ihren Besitz im 14. Jahrhundert an das Kloster Blaubeuren übergaben, womit der Ort fast vollständig in dessen Besitz gelang. 1447 ging der Ort an Württemberg, wobei er ab 1536 unter der württembergischen Klosterverwaltung Blaubeuren stand. Im Bauernkrieg nahmen Rottenacker Bauern 1525 im Baltringer Haufen teil. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde der Ort stark zerstört, weswegen er nach 1634 ausgestorben war und erst vier Jahre später wieder vereinzelt Familien dort niederließen. Ab 1648 zogen viele Schweizer in den Ort um. Im 19. Jahrhundert gab es Auswanderungswellen in den Kaukasus und nach Nordamerika; allein zwischen 1851 und 1854 suchten 28 Familien und 48 Ledige in Nordamerika eine neue Heimat. 1806 war Rottenacker teil des neugebildeten Oberamtes, das 1938 zum Landkreis Ehingen überging.[2]

Die Separatisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im späten 18. Jahrhundert erlebte der Radikale Pietismus wieder einen Aufschwung, denn viele Pietisten trennten sich aus religiösen Gründen von der Kirche. In Württemberg nannte man sie allgemein Separatisten. Seit 1785 stieg der Leinenweber Johann Georg Rapp aus Iptingen zum Anführer der württembergischen Separatisten auf und versammelte etwa 2000 Anhängerinnen und Anhänger. Als Rapp 1803 in die Vereinigten Staaten auswanderte, übernahm die Separatistengruppe aus Rottenacker die Führungsrolle im württembergischen Radikalpietismus. Sie war 1800 auf Anregung der Magd Barbara Grubenmann aus Teufen im schweizerischen Kanton Appenzell Ausserrhoden entstanden, die sich in Rottenacker aufhielt. Etwa 70 Personen separierten sich von der Kirche. Von Anfang an spielten politische Motive eine wichtige Rolle; so beschimpften die Separatisten den württembergischen Kurfürsten Friedrich und die herrschaftlichen Beamten. Im Mai 1804 ließ der Kurfürst 14 der radikalsten Männer durch ein Militärkommando verhaften und auf die Festung Hohenasperg bringen, wo manche jahrelang in Gefangenschaft blieben. Da sich manche Eltern weigerten, ihre Kinder zur Schule zu schicken, nahm man die Kinder weg und brachte sie in das Stuttgarter Waisenhaus.

Im Jahr 1811 kauften einige Separatisten das Vogthaus neben der Kirche und lebten in einer Gütergemeinschaft zusammen. Schließlich erwarb eine Separatistengruppe aus Württemberg 1816 das Schlossgut Brandenburg bei Dietenheim an der Iller mit dem Ziel, eine radikalpietistische Kommunität zu gründen. Als König Friedrich das Ansinnen ablehnte, wanderten die Separatisten in die Vereinigten Staaten aus und gründeten in Ohio die Siedlung Zoar. Dort lebten sie als „Zoar Society“ in Gütergemeinschaft zusammen. Im Jahr 1898 musste die Zoar Society aufgelöst werden, nachdem eine nachwachsende Generation nicht mehr bereit war, auf privates Eigentum zu verzichten.[3]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2016 wurde Karl Hauler zum zweiten Mal wiedergewählt.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Kommunalwahl im Mai 2014 hat der Gemeinderat 10 Mitglieder, zwei Frauen und acht Männer.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rottenacker liegt an der Donautalbahn von Donaueschingen nach Ulm. Seit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2014 wird Rottenacker wieder regelmäßig von Regionalbahnen bedient. Das denkmalgeschützte, 1870 errichtete Empfangsgebäude des Bahnhofes steht jedoch leer und ist stark sanierungsbedürftig.[4]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich Tenngler (1447–1511), Landvogt und Autor „Der Laienspiegel“
  • Konrad Sam (um 1483–1533), Reformator. Er stand schon 1520 mit Martin Luther in Verbindung und wurde 1524 vom Rat der Stadt Ulm zum Prediger berufen
  • Franz Carl Hiemer (1768–1822), Maler, Librettist und Schauspieler.
  • Johannes Breimaier (1776–1834), religiöser Separatist. Er regte 1819 in Zoar die Einführung des Gemeineigentums an. Ein englischer Zeitungsbericht von 1845 über Zoar und vergleichbare religiöse Gemeinschaftssiedlungen in den USA beeindruckte Friedrich Engels im Vorfeld des Kommunistischen Manifests von 1848.
  • Christoph Diehm (1892–1960), SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS und Polizei, NSDAP-Politiker, Polizeipräsident sowie SS- und Polizeiführer
  • Gerhard Storz (1898–1983), Pädagoge, Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Kultusminister des Landes Baden-Württemberg
  • Martin Storz (1900–1995), Landwirt, Verwaltungsbeamter und 1953–1961 Landtagsabgeordneter (CDU)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eberhard Fritz: Separatisten und Separatistinnen in Rottenacker. Eine örtliche Gruppe als Zentrum eines „Netzwerks“ im frühen 19. Jahrhundert. In: Blätter für württembergische Kirchengeschichte 98/1998. S. 66–158.
  • Eberhard Fritz: Roots of Zoar, Ohio, in early 19th century Württemberg: The Separatist group of Rottenacker and its Circle. Part one. Communal Societies 22/2002. p. 27–44. Part two. Communal Societies 23/2003. p. 29–44.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rottenacker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2016 (Hilfe dazu).
  2. http://www.rottenacker.de/fileadmin/download/Geschichte_fuer_Internet_2013.pdf Geschichte Rottenackers (PDF-Datei)
  3. Rudolf Stumberger: Das kommunistische Amerika. Auf den Spuren utopischer Kommunen in den USA. Mandelbaum, Wien 2015 ISBN 978-3-85476-647-6 (Die Separatisten von Zoar: S. 138–162)
  4. Auktionskatalog