Roulette-Systeme

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Roulette-Systeme sind Methoden, die einen systematischen Gewinn des Spielers beim Roulette erzielen sollen. Versuche, solche Systeme zu entwickeln, gibt es seit über 250 Jahren. Dauerhaftes Gewinnen beim Roulette ist nicht möglich.

Praktisch erfolgreiche Roulette-Systeme nutzen statistische Abweichungen, etwa Kesselfehler. Dabei muss ein Roulettetisch lange ausgewertet werden, um zu erkennen welche Zahlen überhäufig kommen. Aufgrund mechanischer Fertigungstoleranzen ist kein Tisch stochastisch perfekt. Weitere praktizierte Methoden nutzen eine mit spezieller Erkennungs- und Vorhersagesoftware kombinierte Kamera oder manuelles Auslösen eines technischen Mechanismus zur Messung der Drehzahl. Spieler, die solche Methoden anwenden, erhalten oft Hausverbot und wechseln dann in das nächste Casino mit derselben Arbeitsmethode.

Das bekannteste System ist das Martingale-System (Martingalespiel). Bei diesem Roulette-System setzt man jede Runde auf eine "50:50"-Chance (z.B. Rot/Schwarz, Pair/Impair oder Manque/Passe, mit Zeroteilung: 49,325%:49,325%) bei Verlust den doppelten Einsatz und beginnt im Gewinnfall von Neuem. Bei einem Starteinsatz von z.B. 1 EUR beträgt der Einsatz in der zehnten Runde schon 512 EUR. Über mehrere Runden ist der Gesamtgewinn mit diesem Roulette-System immer nur so groß wie der Starteinsatz. Im Verlustfall jedoch verliert man das gesamte Kapital. Außerdem wird diese Strategie meist durch Tischlimits begrenzt. Obwohl dieses System den Spieler nach einer gewissen Zeit unweigerlich in den Ruin führt, ist es das populärste Roulette-System, weil unerfahrene Spieler glauben, eine Chance würde sich nicht so oft wiederholen.

Für jede Verlustprogressionsart hat der Mathematiker Koken[1] mathematisch geschlossen oder durch Computersimulation eine „erlaubte Spielstrecke“ ermittelt, für welche die Wahrscheinlichkeit eines positiven Spielresultats einen vorgegebenen Grenzwert nicht unterschreitet. Eine für die „erlaubte Spielstrecke“ vorausgesetzte Gewinnwahrscheinlichkeit von 75% bedeutet ein Risiko von 25% für den Gesamtverlust, der erheblich größer als der erwartete Gewinn ist.

Auswahl der richtigen Standardwette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl auf den ersten Blick alle Standardwetten zueinander ein ausgewogenes Einsatz-Gewinn-Verhältnis haben, gibt es auf den zweiten Blick Unterschiede.

Diese ergeben sich aus Sonderregelungen, welche die Spielausrichter (Spielbanken, Clubs) einführten (abweichend von der klassischen Roulettespielregel, die die Gebrüder François Blanc und Louis Blanc in Europa schufen) und sie ergeben sich aus spielüblichen Abgaben auf bestimmten Chancengruppen.

  • Bei Wetten auf einzelne Zahlen (Pleins) wird im Falle eines Gewinnes erwartet, dass der Gewinner den Spielbankangestellten einen einfachen Einsatz beim Plein bzw. einen halben einfachen Einsatz beim Wetten auf zwei nebeneinanderliegende Zahlen (Cheval) als Trinkgeld überlässt. Im "Klassischen Spiel" (auch: "Großes Spiel") wird das Trinkgeld in der Regel in einem besonderen Behälter am Tisch, genannt Tronc gesammelt. Beim "Automatenspiel" (auch: "Kleines Spiel") erfolgt der Troncabzug im Fall eines Treffers automatisch. Der Gewinn reduziert sich dadurch auf das 34-fache des Einsatzes.

Das Einsatz-Gewinn-Verhältnis verschlechtert sich somit um 2,7 % bei Einsätzen auf "Pleins" im Vergleich zu anderen Standardwetten.

  • Bei Wetten auf "Einfache Chancen" (Rot, Schwarz, Gerade, Ungerade, Manque oder Passe) gilt für europäische Spielausrichter die Regel, dass bei Erscheinen der 0 (Zero) oder der 00 (Doppelzero) der Einsatz im klassischen Spiel im Vergleich zu den Standardwetten nicht ganz verloren geht; er unterliegt der sogenannten "Sperrung", bei der die Hälfte des Einsatzes für die folgende Zahlenauslosung als 'gesperrter' Wetteinsatz auf der jeweiligen Chance verbleibt und im Fall eines Treffers wieder in voller Höhe am Spiel teilnimmt (oder der Spieler lässt "teilen" und er erhält die Hälfte des Einsatzes ohne Teilnahme an der Folgeauslosung ausgezahlt, die andere Einsatzhälfte verbleibt bei der Bank). Diese Sonderregelung verbessert das Einsatz-Gewinn-Verhältnis um 1,35 % für "Einfache Chancen" im "Klassischen Spiel" (mechanisches Roulette an croupierbedienten Tischen), nicht aber im "Automatenroulette" (halb- oder vollautomatisches Computerroulette mit oder ohne croupierbedientem Kessel), wo der Grundsatz des Totalverlusts bei Erscheinen der 0 oder der 00 generell vorprogrammiert ist. Die Teilnahme am Roulette im "Automatenspiel" mit Zero und Doppelzero bedeutet für den Spieler ein um 4,05 % höheres Risiko als im "Klassischen Spiel" mit einer Zero.

Hinsichtlich der sonderregelbedingten Konditionen ist das Gewinn-Verlustverhältnis im "Klassischen Spiel" auf "einfachen Chancen" somit mathematisch bedingt vorteilhafter als auf allen anderen Chancen, während dies im "Automatenspiel" nicht der Fall ist.

Da sowohl im "Klassischen Spiel", als auch im "Automatenspiel" der Troncabzug auf Pleintreffern erfolgt, sind die Gewinnerwartungen bei Standardwetten in jedem Fall am niedrigsten bei Einsätzen auf "Pleins".

Somit ergibt sich,

  • dass die Teilnahme am "Automatenspiel" in jedem Fall ungünstiger als im "Klassischen Spiel" ist, auf Grund der dort fehlenden Zeroregelung.
  • dass Standardwetten auf "Pleins" und "Chevals" mathematisch nachteiliger als auf allen anderen Chancen sind.

Diese rechnerisch unstrittige Tatsache sollte man insbesondere auch bei der Wettkombination berücksichtigen, die sich gewissermaßen aus mehreren Standardwetten zusammensetzt, indem die Bündelung von Standardwetten auf einer "Einfachen Chance" (z.B. Manque oder Pass) hier einen Strategievorteil ergeben kann.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Claus Koken: Roulette. Computersimulation und Wahrscheinlichkeitsanalyse von Spiel und Strategien. 2., verbesserte Auflage. Oldenbourg, München 1987, ISBN 3-486-20444-0.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Russel T. Barnhart: Beating the Wheel. The System that has won over six Million Dollars from Las Vegas to Monte Carlo. Biased-Wheel Play, Wheel-Watching Systems, Electronics, Cheating Methods, Mathematics, Anecdotes. (Winning Strategies at Roulette). Kensington Publishing, New York NY 1992, ISBN 0-8184-0553-8.
  • Pierre Basieux: Die Zähmung der Schwankungen. Lizenz für nachhaltige Roulette-Gewinne. Printul, Geretsried bei München 2003, ISBN 3-925575-31-6 (Wurfweitenspiele, Physikalische Vorhersagemethoden, Statistische Effekte).
  • Claus Koken: Roulette. Computersimulation und Wahrscheinlichkeitsanalyse von Spiel und Strategien. 2., verbesserte Auflage. Oldenbourg, München 1987, ISBN 3-486-20444-0.
  • Edward O. Thorp: The Physical Prediction of Roulette. Computer Sports Systems, Woodland Hills CA 1982.