Roundnet

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Roundnet Ausrüstung

Roundnet (engl. für „Rundnetz“, auch bekannt als Spikeball) ist eine Mannschaftssportart aus der Gruppe der Rückschlagspiele, bei der zwei Mannschaften mit jeweils zwei Spielern um ein rundes, aufgespanntes Netz stehen. Jedes Team versucht den Ball so geschickt auf das Netz zu schlagen, dass ein Fehler der Gegner resultiert. Das Spiel zeigt einige Parallelen zum Beachvolleyball.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erfunden wurde das Spiel Ende der 1980er Jahre durch den US-Spieleentwickler Jeff Knurek, geriet aber nach kurzer Popularität wieder in Vergessenheit. Ein Grund war auch die geringe Langlebigkeit des Spielmaterials.[2] 2003 begeisterte sich der Foto-Journalist Chris Ruder für das Spiel seiner Kindheitstage, erwarb für 800 US-Dollar das Warenzeichen und gründete 2008 Spikeball Corporation.[3] Im Zuge der zunehmenden Popularität drohte der Firma ein Verlust des Markenschutzes für den Begriff Spikeball. Daraufhin entstand die Sportartbezeichnung Roundnet (kurzzeitig auch Revol).[4]

Ein erster überregionaler Wettbewerb fand zehn Jahre später in Pennsylvania statt. Die erste Weltmeisterschaft sollte im September 2020 in Belgien stattfinden, wurde jedoch aufgrund der COVID-19-Pandemie um ein Jahr verschoben.[5] Im Sommer 2021 nahmen bei der ersten Deutsche Meisterschaft in Münster fast 200 Teams teil.[6]

Regeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausrüstung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Netz wird so über einen Ring mit einem Durchmesser von rund 90 cm gespannt, dass der Spielball, wenn er aus einer Höhe von ca. 1,5 m mittig auf das Netz fällt, etwa 50 cm hochspringt. Der Ring steht auf 5 Füßen, die das Netz horizontal ca. 20 cm über dem Boden halten. Weiteres Equipment ist nicht notwendig, da es keine Spielfeldbegrenzung gibt und der Ball mit dem Körper gespielt wird. Bevorzugt wird der Ball mit den Händen gespielt, aber auch jedes andere Körperteil ist erlaubt.[7]

Der aktuell bekannteste Hersteller ist Spikeball, weshalb Roundnet umgangssprachlich auch unter diesem Markennamen bekannt ist. Andere bekannte Hersteller in Deutschland sind Rashball und Bamball.[8]

Spielablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vier Spieler nehmen jeweils im rechten Winkel um das Netz Aufstellung, wobei die Spieler desselben Teams nebeneinander stehen. Bis zum Aufschlag müssen die Spieler 2,13 m vom Netz entfernt stehen. Der aufschlagende Spieler wirft den Ball in die Luft und schlägt ihn anschließend auf das Netz. Jedes Team hat bis zu drei Ballkontakte, um den Ball wieder auf das Netz zu schlagen, wobei der Ball nicht festgehalten werden darf. Die Ballwechsel setzen sich fort, bis ein Team einen Fehler macht. Es ist den Spielern nicht erlaubt, den Ball oder gegnerische Spieler bei deren Ballwechsel zu behindern. Bei Behinderung eines gegnerischen Spielers, der den kommenden Ballkontakt ausführen darf, wird der Punkt wiederholt, sofern dies reklamiert wird (englisch hinder). Begeht eine Mannschaft einen Fehler, so erhält die andere Mannschaft einen Punkt. Als Fehler zählt, wenn der Ball den Boden oder das Netzgestänge (rim) berührt. Gleiches gilt, wenn der Ball das Netz oder einen Spieler aufeinander folgend zweimal berührt. Wenn der Ball von einem Spieler in der Aufwärtsbewegung berührt wird, darf derselbe Spieler einen weiteren Ballkontakt ausführen. Dieser gilt dann als zweiter Ballkontakt. Wenn der Ball während des Spiels zuerst das Netz und direkt danach den Rahmen berührt und dabei eine ungewöhnliche Richtungsänderung (pocket) macht, wird weitergespielt. Lediglich beim Aufschlag gilt dies als ein Fehler. Wenn nicht klar festgestellt werden kann, ob der Schlag korrekt ausgeführt wurde, wird der Punkt wiederholt. Das punktgewinnende Team erhält den nächsten Aufschlag. Gespielt wird üblicherweise bis 11, 15 oder 21.[7][9]

Bei den Spielregeln gab es in der Vergangenheit leichte Veränderungen, grundsätzlich stehen Ehrlichkeit und Fair Play an oberster Stelle. Fehler werden zugegeben, bei fehlender Einigkeit wird der Ballwechsel wiederholt. Statt offiziellen Schiedsrichtern gibt es lediglich unterstützende Beobachter (Observer).[9]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roundnet hat sich in Deutschland als Trendsportart insbesondere im öffentlichen Freizeitbereich (Strände, Parks) etabliert.[1] Im Profisport wird Roundnet zur Steigerung von Agilität und Koordination eingesetzt. So gehört Roundnet beispielsweise bei Manchester City (Fußball) und den Denver Nuggets (Basketball) zum regulären Trainingsprogramm.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Roundnet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Roundnet-spikeball-trendsport. Abgerufen am 19. November 2020.
  2. recreationinsider.com: Complete Guide to the History of Spikeball, vom 15. August 2019, abgerufen am 16. August 2021 (englisch).
  3. Galaxus.de: Die Spikeball-Story: Vom totgesagten Spiel zum Trendsport vom 25. Februar 2021, abgerufen am 16. August 2021.
  4. Musmagazin.de: Eine Frage des Markenrechts; vom 23. Juni 2021, geladen am 22. September 2021.
  5. Radio Kanada: Deux joueuses de Québec iront aux Mondiaux de spikeball, vom 27. Januar 2020, abgerufen am 16. August 2021 (französisch).
  6. Westfälische Nachrichten: Roundnet: Deutsche Meisterschaften: In Hiltrup geht's rund! Trendsportart sucht ihre Besten, vom 6. August 2021, geladen am 22. September 2021.
  7. a b Regelwerk. Abgerufen am 5. März 2021 (englisch).
  8. RoundnetShops. Abgerufen am 19. November 2020.
  9. a b Offizielle Spielregeln (Deutschland), abgerufen am 19. August 2021.
  10. Süddeutsche Zeitung: Spikeball: Mischung aus Volleyball und Squash, vom 23. Oktober 2018, abgerufen am 17. August 2021.