Routerzwang

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Routerzwang bewirkt, dass ein Teilnehmer kein eigenes Gerät für den Netzzugang verwenden kann, da der Netzbetreiber die Zugangsdaten zu seinem Netz auch auf Anfrage nicht mitteilt.[1][2][3] Ein Zwangsrouter ist ein DSL-Router, Kabelmodem bzw. Kabelroutermodem oder integriertes Zugriffsgerät, das ausschließlich der Netzbetreiber konfiguriert.[4][5] Ein Zwangsrouter kann technisch vollwertig ausgestattet sein; er kann jedoch auch willkürlich beschränkt sein, so dass z. B. eine eingebaute WLAN-Funktionalität erst gegen einen monatlichen Aufpreis freigeschaltet wird.[1] Er kann zudem die Netzneutralität beeinträchtigen, indem seine Konfiguration bestimmte Dienste priorisiert oder diskriminiert.[6] Nach Vertragsende ist das Gerät für den Nutzer oft wertlos, da er die Zugangsdaten nicht ändern kann. Deshalb sind bei einigen Netzbetreiber diese Geräte oft nur Mietgeräte.

Rechtslage in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das öffentliche Telekommunikationsnetz endet zukünftig am passiven Netzabschlusspunkt, das ist die TAE Steckdose. Dahinter soll der Endverbraucher bestimmen.
Gleiches soll laut Gesetz auch für die Kabelnetzbetreiber gelten. Netzabschluß wird dann die Multimediadose (MMD) sein.

Die Gesetzesänderung vom 23. Januar 2016 (BGBl. I S. 106) präzisiert die Rechtslage. Mit dem vollständig liberalisierten Endgerätemarkt[7] der Richtlinie 2008/63/EG vom 20. Juni 2008 über den Wettbewerb auf dem Markt für Telekommunikationsendeinrichtungen war die bisherige Handhabung unvereinbar.[2]

Der Zwangsrouter wurde durch eine Klarstellung im Telekommunikationsgesetz (TKG) mit Wirkung vom 1. August 2016 abgeschafft: Es wurde festgelegt, dass der Zugang zu öffentlichen Telekommunikationsnetzen gemäß § 45d Abs. 1 TKG ein passiver Netzabschlusspunkt sei, und das öffentliche Telekommunikationsnetz am passiven Netzabschlusspunkt ende.

Bußgeldbewehrte Informationspflichten für die Netzbetreiber sollen sicherstellen, dass gegen Anbieter vorgegangen werden kann, die weiterhin auf Zwangsroutern bestehen sollten. Teilnehmer erhalten seit dem 1. August 2016[8] die notwendigen Zugangsdaten und die Anschlussinformationen in Textform, unaufgefordert und kostenfrei bei Vertragsschluss (§ 41b Abs. 1 Satz 3 TKG).[9]

Sicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die markteinschränkende Wirkung des Zwangs führt zu einer geringeren Vielfalt bei der Routerhardware, da die meisten Zugangsanbieter aus Kostengründen die Routerhardware eines einzigen Herstellers verwenden. Wegen der vom Zugangsanbieter bestimmten Zeitpunkte für Softwareupdates wird zudem der Softwarestand vereinheitlich. Daher wird teilweise befürchtet, dass Angriffe auf Netzinfrastrukturen im großen Stil ermöglicht werden.[6] Zugangsanbieter sehen teilweise gerade die Sicherheit als Grund, um die Zugangsdaten nicht auszuhändigen.[10] Am LAN-Ausgang des Routers für den Netzzugang kann ein frei wählbarer zweiter Router angeschlossen werden, den der Nutzer beliebig administriert und zusätzlich für die Absicherung des eigenen Netzes nutzt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Andreas Fischer: DSL-Anbieter: So umgehen Sie den Routerzwang, com! professional vom 23. März 2014, zuletzt abgerufen am 21. Oktober 2015
  2. a b Entwurf eines Gesetzes zur Auswahl und zum Anschluss von Telekommunikationsendgeräten (BT-Drs. 18/6280)
  3. Beck aktuell Nachrichten: Gesetzentwurf: Router künftig frei wählbar
  4. Stefan Krempl: Große Koalition will Zwangsrouter der Provider verhindern, heise.de, abgerufen am 20. Oktober 2015
  5. Antworten und kleine Anfrage bezüglich Aussagen der Bundesnetzagentur zu sogenannten Zwangsroutern (BT-Drs. 17/13841)
  6. a b Stellungnahme des CCC an die Bundesnetzagentur zur Sicherheit vereinheitlichter Routersoftware (PDF; 194 K), S. 9 bzw. S. 3
  7. Siehe auch: Endgerätemonopol
  8. zunächst in § 11 des Gesetzes über Funkanlagen und Telekommunikationsendeinrichtungen eingeführt und mit Wirkung vom 4. Juli 2017 in das Telekommunikationsgesetz übernommen
  9. Artikel 2 des Gesetzes vom 27. Juni 2017 (BGBl. I S. 1947, 1960)
  10. Andreas Fischer: So umgehen Sie den Routerzwang: Welche Provider wollen einen Routerzwang?, com! professional vom 23. März 2014, zuletzt abgerufen am 21. Oktober 2015