Rubinkolibri

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Rubinkolibri
Rubinkolibri ♂

Rubinkolibri ♂

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Kolibris (Trochilidae)
Gattung: Clytolaema
Art: Rubinkolibri
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Clytolaema
Gould, 1853
Wissenschaftlicher Name der Art
Clytolaema rubricauda
(Boddaert, 1783)

Der Rubinkolibri (Clytolaema rubricauda) ist eine Vogelart aus der Familie der Kolibris (Trochilidae). Er ist die einzige Art der Gattung Clytolaema und lebt endemisch in Brasilien. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt. Der Rubinkolibri ist nicht mit dem nordamerikanischen Rubinkehlkolibri identisch.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rubinkolibri ♀

Der Rubinkolibri erreicht eine Körperlänge von etwa 11,3 cm, wobei die Flügel 7,6 cm, der Schwanz 4,4 cm und der gerade schwarze Schnabel 1,9 cm lang sind. Dabei wiegen die Vögel nur ca. 7 g. Die Kopfseiten, der Nacken und der Vorderrücken, sowie der Bauch des Männchens sind dunkelgrün. Die Stirn und die Brust glitzern stark grasgrün, wobei ein roter Fleck die Kehle ziert. Der Hinterrücken ist goldbronze, die Flügel schwärzlich purpurn. Der rotbraune Schwanz hat bronzegrüne Außensäume an allen Federn. Hinter dem Auge befindet sich ein kleiner weißer Fleck. Die Füße sind dunkelbraun.[1] Gelegentlich kommen melanistische männliche Exemplare vor.[2] Es gibt einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus. So ist die Oberseite des Weibchens grün glänzend. Wie die Männchen haben sie postokular einen kleinen weißen Fleck und schwärzlich-purpurne Flügel. Die Unterseite ist hell rotbraun, die Schwanzfedern bronzegrün, wobei die äußeren Paare der Steuerfedern komplett ockerbraun gefärbt sind. Die folgenden Steuerfedern sind ockerfarben mit bronzefarbenen Enden und Außensäumen, sowie einer blassen Endspitze. Schnabel und Beine sind wie beim Männchen gefärbt. Insgesamt sind die Weibchen etwas kleiner.[1]

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Ei wiegt ca. 0,74 g bei einer Größe von 16,2 × 10,0 mm. Die Brutzeit ist von November bis März. Die Brutdauer beträgt 15 Tage. Die Jungvögel sind ca. 25 Tage Nesthocker bevor sie das Nest verlassen.[1]

Verhalten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Clytolaema rubricauda

Peter Feinsinger und Robert Knight Colwell haben 1978 fünf verschiedene Rollen für das Zusammenleben von Kolibris definiert. So unterschieden sie zwischen Traplinern an Pflanzen mit hohem Belohnungsgrad[3], Revierverteidiger[3], Traplinern an Pflanzen mit geringem Belohnungsgrad[4], territorialen Parasiten bzw. Eindringlingen und Generalisten.[4] Die männlichen Rubinkolibris werden in die Gruppe der Territorialisten eingeordnet, d. h., sie verteidigen ihr Revier aggressiv gegen Artgenossen und andere Kolibriarten. Gelegentlich plündern sie ein Revier, welches von Weißkehlkolibris (Leucochloris albicollis) (Vieillot , 1818) verteidigt wird. Sind nicht ausreichend Nahrungsressourcen vorhanden, agieren sie auch als Generalisten. Aufgrund ihres hohen Energiebedarfs fliegen sie dann auch weit verstreute Blütenkronen an und nehmen gelegentlich auch Nektar von stiellosen Pflanzen auf. Die Weibchen gelten als Generalisten und sind weniger territorial.[5]

Nahrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Pflanzen, die der Rubinkolibri anfliegt, gehören die zu den Hülsenfrüchtlern gehörende Gattung Inga, die zu den Riemenblumengewächsen gehörende Gattung Psittacanthus, die zu den Gesneriengewächsen gehörende Art Mendoncia coccinea, Passionsblumen und die zu den Pfeilwurzgewächsen gehörende Art Stromanthe sanguinea. Insekten fangen die Vögel im Flug, indem sie, von einem Ast abfliegend, kurze Jagdausflüge machen und auf den gleichen oder einen anderen Ast zurückkehren.[6]

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitungsgebiet (grün) des Rubinkolibris

Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über den Südosten Brasiliens. Hier findet man sie vom Bundesstaat Goiás über Minas Gerais bis nach Rio Grande do Sul.[7] Hier halten sich die Vögel gerne in Wäldern mit Araukarien, Gebüsch, Plantagen und Parks auf.[2]

Lautäußerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre Stimme klingt wie jig, jig, jig, wobei das im Gesang in ein jüg chrrrrr, jüg cherrrr, jüg chrrrr übergeht.[1]

Etymologie und Forschungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pieter Boddaert beschrieb den Kolibri unter dem Namen Trochilus rubricauda. Einen Fundort nannte er nicht.[8] Es war John Gould, der ihn in der Lieferung 6 seiner Kolibritafeln 1853 in die neue Gattung Clytolaema einordnete.[9][10] Dieser Name ist griechischen Ursprungs und leitet sich von »klutos, κλυτος« für »glorreich, prächtig« und »laimos, λαιμος« für »Hals, Kehle« ab.[11] Das Artepitheton »rubricauda« ist aus dem lateinischen Worten »ruber, rubra« für »rot« und »cauda, χλωρος« für »Schwanz« abzuleiten.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Grantsau: Die Kolibris Brasiliens. Ein Bestimmungsschlüssel für alle Kolibriformen Brasiliens. Expressão e Cultura, Rio de Janeiro 1988, ISBN 978-85-208-0101-7.
  • Ber van Perlo: A Field Guide to the Birds of Brazil. Oxford University Press, Oxford 2009, ISBN 978-0-19-530155-7 (online [abgerufen am 21. Oktober 2014]).
  • David William Snow, Dante Luiz Martins Teixeira: Hummingbirds and their flowers in the coastal mountains of Southeastern Brazil. In: Journal of Ornithology. Band 123, Nr. 4, 1982, ISSN 0021-8375, S. 446–450, doi:10.1007/BF01643279.
  • Peter Feinsinger, Robert Knight Colwell: Community organization among neotropical nectar-feeding birds. In: American Zoologist. Band 18, Nr. 4, 1978, ISSN 0003-1569, S. 779–795, doi:10.1093/icb/18.4.779.
  • Ivan Sazima, Silvana Buzato, Marlies Sazima,: An assemblage of hummingbird-pollinated flowers in a montane forest in southeastern Brazil. In: Botanica Acta. Band 109, Nr. 2, 1996, ISSN 0932-8629, S. 327–334, doi:10.1111/j.1438-8677.1996.tb00555.x.
  • Silvana Buzato, Marlies Sazima, Ivan Sazima: Pollination of three species of Abutilon (Malvaceae) intermediate between bat and hummingbird flower syndromes. In: Flora; Morphologie, Geobotanik, Oekophysiologie. Band 189, Nr. 4, 1994, ISSN 0367-2530, S. 327–334.
  • James A. Jobling: Helm Dictionary of Scientific Bird Names. Christopher Helm, London 2010, ISBN 978-1-4081-2501-4.
  • Pieter Boddaert: Table des planches enluminéez d'histoire naturelle de M. D'Aubenton: avec les denominations de M.M. de Buffon, Brisson, Edwards, Linnaeus et Latham, precedé d'une notice des principaux ouvrages zoologiques enluminés. sine nomine, Utrecht 1783 (online [abgerufen am 21. Oktober 2014]).
  • John Gould: A monograph of the Trochilidæ, or family of humming-birds. Band 4, Lieferung 6. Taylor and Francis, London 1853 (online [abgerufen am 21. Oktober 2014]).
  • Frederick Herschel Waterhouse: The dates of publication of some of the zoological works of the late John Gould, F.R.S. R. H. Porter, London 1885 (online [abgerufen am 21. Oktober 2014]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rubinkolibri – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Rolf Grantsau, S. 110
  2. a b Ber van Perlo, S. 70.8
  3. a b Peter Feinsinger u. a., S. 783.
  4. a b Peter Feinsinger u. a., S. 784.
  5. Ivan Sazima u. a., S. 157.
  6. David William Snow u. a., S. 448.
  7. IOC World Bird List Hummingbirds
  8. Pieter Boddaert, S. 17.
  9. John Gould, Tafel 249 plus Text, Volume 4. Diese entspricht der Lieferung 6 aus dem Jahre 1853.
  10. Frederick Herschel Waterhouse, S. 47. Hier wird das Publikationsjahr, Lieferung mit den Tafel in A monograph of the Trochilidæ, dargestellt.
  11. James A. Jobling, S. 111.
  12. James A. Jobling, S. 340.