Weiße Zimt-Himbeere

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Weiße Zimt-Himbeere
Rubus parviflorus 9481.JPG

Weiße Zimt-Himbeere (Rubus parviflorus)

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Rosoideae
Gattung: Rubus
Art: Weiße Zimt-Himbeere
Wissenschaftlicher Name
Rubus parviflorus
Nutt.

Die Weiße Zimt-Himbeere (Rubus parviflorus), auch Nutka-Himbeere[1] genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Rubus innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae).[1] Sie ist in Nordamerika weitverbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration
Habitus und Laubblätter
Radiärsymmetrische Blüte

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rubus parviflorus ist ein dichter, laubabwerfender Strauch und erreicht Wuchshöhen von 0,5 bis 2,0, selten bis zu 3 Metern.[2] Er wächst oft in großen Beständen, die sich durch unterirdische Rhizome ausbreiten. Die aufrechten Äste werden zwei Jahre alt[2] und besitzen höchstens Durchmesser von 1,5 Zentimetern. Die Rinde ist anfangs spärlich behaart, später verkahlend und besitzt Drüsen.[2] Im Gegensatz zu vielen anderen Rubus-Arten hat die Weiße Zimt-Himbeere keine Stacheln.[3]

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die einfache, Blattspreite ist mit einer Länge von 5 bis 20 Zentimetern sowie einer Breite von 5 bis 25 Zentimetern viel größer als bei den meisten anderen Rubus-Arten und im Umriss kreis- bis nierenförmig mit herzförmiger Spreitenbasis. Die handförmig gelappte Blattspreite ist leicht bis moderat tief selten drei- oder sieben, meist fünflappig. Der Blattrand ist grob, unregelmäßig gesägt oder doppelt gesägt. Die Spreitenspitze ist kurz zugespitzt oder stumpf.[2] Die Blattunterseite ist kahl bis dicht behaart und es sind Drüsenhaare vorhanden.[2][3][4] Die untereinander freien, aber mit dem Blattstiel verwachsenen Nebenblätter sind bei einer Länge von 5 bis 15 Millimetern lanzettlich bis eiförmig.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die end- und seitenständigen, zymösen bis thyrsusförmigen Blütenstände enthalten meist drei bis sieben (1 bis 15) Blüten.[2] Der Blütenstiel ist spärlich bis moderat behaart und moderat bis dicht mit gelblichen bis rötlichen Drüsen bedeckt.[2]

Die Blüten von Rubus parviflorus gehören mit Durchmessern von 2 bis 6 Zentimetern zu den größten in der Gattung Rubus, wodurch ihr botanisches Artepitheton parviflorus für "kleinblütig" zu einer „Fehlbezeichnung“ wird.[5] Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Es sind fünf Kelchblätter vorhanden. Die fünf freien, weißen Kronblätter sind bei einer Länge von meist 14 bis 22 (10 bis 28) Millimetern breit verkehrt-eiförmig.[2] Es sind zahlreiche blassgelbe Staubblätter vorhanden. Die Staubfäden sind fadenförmig. Die vielen Fruchtblätter sind im oberen Bereich dicht behaart. Die Griffel sind keulenförmig und kahl.[2]

Die essbaren Sammelfrüchte sind bei einem Durchmesser von 1 bis 1,8 Zentimetern halbkugelförmig[2] und reifen leuchtend rot im Hoch- bis Spätsommer.[2] Es sind 50 bis 60 Steinfrüchte vorhanden, die sich leicht vom Fruchtboden lösen.[2] Wie bei anderen Himbeeren handelt es sich nicht um echte Beeren, sondern um Sammelsteinfrüchte, die um einen zentralen Fruchtboden angeordnet sind. Die einzelnen Steinfrüchte können vorsichtig vom Fruchtboden entfernt werden; sie zeigen so ihre Ähnlichkeit mit einem Fingerhut, was der Pflanze vielleicht ihren Namen beschert hat, denn die wörtliche Übersetzung von Thimbleberry wäre „Fingerhutbeere“.[6]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14.[2][7]

Verwechslungsmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rubus parviflorus sollte nicht mit Rubus spectabilis (englisch auch Salmonberry) oder Rubus occidentalis (englisch gleichfalls Thimbleberry genannt) verwechselt werden.

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bestäuber von Rubus parviflorus sind Wildbienen, Honigbienen und Hummeln.[5] Sie sind Raupen-Nahrung und Nektarquelle für den Schwärmer Proserpinus flavofasciata.[5] Die Früchte sind attraktiv für Vögel.[5]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rubus parviflorus ist im westlichen Nordamerika von Alaska und südlich bis Kalifornien, New Mexico und in den mexikanischen Bundesstaaten Chihuahua sowie San Luis Potosí verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet erweitert sich ostwärts bis zu den Rocky Mountains und diskontinuierlich bis ins Gebiet der Großen Seen. Sie gedeiht in Höhenlagen von Meereshöhe im Norden bis zu 3000 Metern im Süden.[8][9][10] Es gibt Fundortangaben für die kanadischen Provinzen Ontario, Alberta sowie British Columbia und die US-Bundesstaaten Alaska, Oregon, Washington, Minnesota, South Dakota, Wisconsin, Michigan, Colorado, Idaho, Montana, Wyoming, Arizona, Kalifornien, Nevada, Utah sowie New Mexico und dem mexikanischen Bundesstaat Chihuahua.[1] Rubus parviflorus ist in vielen Gebieten ein Neophyt.[1]

Rubus parviflorus wächst typischerweise an Straßenrändern, Eisenbahntrassen und Lichtungen; sie ist gewöhnlich ein Erstbesiedler in der ökologischen Sukzession auf Kahlschlägen und Waldbrandflächen.

Die Weiße Zimt-Himbeere ist Bestandteil des Unterwuchses in Wäldern; typische Begleitarten sind der Farn Dryopteris arguta, Trillium ovatum und Smilacina racemosa.[11]

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstbeschreibung von Rubus parviflorus erfolgte 1818 durch Thomas Nuttall The Genera of North American Plants. Philadelphia, USA., Volume 1, Seite 308–309.[12] Synonyme für Rubus parviflorus Nutt. sind: Bossekia nutkana Greene, Bossekia parviflora (Nutt.) Greene, Rubacer parviflorum (Nutt.) Rydb., Rubus natkanus G.Don, Rubus nutkanus Moc. ex Ser., Rubus nutkanus var. nuttallii Torr. & A.Gray, Rubus nutkanus var. parviflorus (Nutt.) Focke, Rubus velutinus Hook. & Arn., Rubus ribifolius C.K.Schneid., Rubus parviflorus var. bifarius Fernald, Rubus parviflorus var. grandiflorus Farw., Rubus parviflorus var. heteradenius Fernald, Rubus parviflorus var. hypomalacus Fernald, Rubus parviflorus subsp. velutinus (Hook. & Arn.) R.L.Taylor & MacBryde.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Küche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Früchte sind kleiner, flacher und weicher als Himbeeren und besitzen viele kleine Samen. Aufgrund der weichen Konsistenz können sie nur schlecht verpackt und versandt werden, so dass sie nur selten kommerziell angebaut werden.

Dessen ungeachtet kann die wilde Zimt-Himbeere roh oder getrocknet gegessen werden. Aus ihr wird Konfitüre hergestellt, welche als lokale Delikatesse in ihrem Verbreitungsgebiet verkauft wird, namentlich auf der Keweenaw-Halbinsel der Oberen Halbinsel des Staates Michigan. Zimt-Himbeeren-Konfitüre wird aus gleichen Teilen Früchten und Zucker hergestellt. Die Masse wird zwei Minuten gekocht und dann in Gefäße abgefüllt. Ohne Zucker sind die gekochten "Beeren" mit ihrem hervorragenden süß-sauren Geschmack einige Zeit im Kühlschrank haltbar und können allen Arten von Desserts und Vinaigrettes zugefügt werden.[13]

Kultivierte Pflanze im Botanischen Garten der Universität Helsinki, Finnland

Anbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rubus parviflorus wird von spezialisierten Baumschulen als Zierpflanze kultiviert. Sie wird darüber hinaus in traditionellen Naturgärten, im naturnahen Garten- und Landschaftsbau und in Renaturierungsprojekten verwendet. Die Früchte sind wohlriechend.[14] Am erfolgreichsten ist die Vermehrung durch das Pflanzen von dormanten Rhizom-Teilen oder Spross-Abschnitten bzw. durch Samen.

Größe der reifen Zimt-Himbeere

Zuchtformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cultivare wurden wegen ihrer duftenden Blüten und/ oder attraktiven Herbstfärbung in verschiedenen Qualitäten selektiert.[15]

Eine doppelblütige Form der Weißen Zimt-Himbeere wurde von Iva Angerman (1903–2008) zwischen Squamish (British Columbia) und West Vancouver entdeckt.[16] Diese Form ist nicht kommerziell in Erscheinung getreten, sondern wird im Botanischen Garten der University of British Columbia in Vancouver und im Royal British Columbia Museum in Victoria (British Columbia) kultiviert.

Eine andere doppelblütige Zimt-Himbeere wurde etwa 1975 von Bob Hornback auf dem Starrett Hill (Monte Rio, Kalifornien) gefunden; sie wurde als Cultivar ‘Dr. Stasek’ nach einem Kunst-Dozenten der Sonoma State University benannt.

Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Pflanzenteile von Rubus parviflorus wurden für mannigfaltige medizinische Zwecke durch Indianer genutzt.[13][15][17] Zimt-Himbeeren besitzen sehr hohe Gehalte an den Vitaminen A und C und können zur Behandlung von Skorbut eingesetzt werden. Wickel aus getrockneten und pulverisierten Blättern können zur Behandlung von Wunden und Verbrennungen verwendet werden, während die frischen Blätter Akne lindern. Ein Tee aus Blättern oder Wurzeln wird zur Behandlung von Übelkeit, Brechdurchfall oder Dysenterie verabreicht. Die Blätter können auch als natürliches Toilettenpapier benutzt werden.[18]

Trivialnamen in anderen Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Englischsprachige Trivialnamen sind Thimbleberry, Salmonberry.[1][19]

Die Konkow, ein Stamm der Maidu, nennen diese Art wä-sā’ (Penuti-Sprachen).[20]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Rubus parviflorus im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen im 7. November 2017.
  2. a b c d e f g h i j k l m Lawrence A. Alice, Douglas H. Goldman, James A. Macklin, Gerry Moore: Flora of North America, Rubus parviflorus Nuttall - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 9: Magnoliophyta: Picramniaceae to Rosaceae. Oxford University Press, New York und Oxford, 2015, ISBN 978-0-19-534029-7.
  3. a b Rubus parviflorus. In: Jepson eFlora. Jepson Flora Project - Jepson Herbarium; University of California, Berkeley, abgerufen am 18. Januar 2017 (englisch).
  4. David (Editor) Giblin: Rubus parviflorus. Burke Museum, University of Washington. 2015. Abgerufen am 3. Juli 2016.
  5. a b c d Lady Bird Johnson Wildflower Center, University of Texas: Rubus parviflorus. Abgerufen am 12. Februar 2013.
  6. Earl J.S. Rook, Rubus parviflorus Thimbleberry photo
  7. Rubus parviflorus bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  8. Steven. K. Sullivan: Rubus parviflorus. 2015. Abgerufen am 3. Juli 2016.
  9. Rubus parviflorus. In: PLANTS Database. United States Department of Agriculture = USDA - Natural Resources Conservation Service, 2015, abgerufen am 3. Juli 2016 (englisch).
  10. SEINet, Southwestern Biodiversity, Arizona chapter mit Fotos, Beschreibung und Verbreitungskarte.
  11. C. Michael Hogan. 2008. Coastal Woodfern (Dryopteris arguta), GlobalTwitcher, ed. N. Stromberg (Memento des Originals vom 11. Juli 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.globaltwitcher.com
  12. Rubus parviflorus bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 7. November 2017.
  13. a b Ethnobotany, University of Michigan
  14. Las Pilitas Nursery horticultural treatment: Rubus parviflorus — Thimbleberry.
  15. a b US Forest Service Fire Ecology
  16. Anthony J. F. Griffiths, Fred R. Ganders: Wildflower Genetics-a Field Guide for British Columbia and the Pacific Northwest.. Flight Press, Vancouver 1983, ISBN 0-919843-00-X.
  17. Native American Ethnobotany (University of Michigan - Dearborn) — for Rubus parviflorus. Abgerufen am 17. November 2017
  18. Henry Holly: Thimbleberry. In: The Northwest Forager™. 18. August 2014, abgerufen am 18. Januar 2017 (englisch).
  19. Brian Klinkenberg (Hrsg.): Rubus parviflorus. In: E-Flora BC: Electronic Atlas of the Plants of British Columbia. Lab for Advanced Spatial Analysis, Department of Geography, University of British Columbia, Vancouver, abgerufen am 11. November 2017 (englisch, mit Foto und Verbreitung in British Columbia).
  20. Victor King Chesnut: Plants used by the Indians of Mendocino County, California. Government Printing Office, 1902, S. 408 (Abgerufen am 24. August 2012).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Weiße Zimt-Himbeere (Rubus parviflorus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien