Ruchheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ruchheim
Stadtteil von Ludwigshafen
DEU Ludwigshafen COA.svg
Wappen Karte
Wappen Lage in Ludwigshafen
Daten
Fläche: 9,61 km²
Einwohner: 6.072[1]
Bevölkerungsdichte: 631,84 Einwohner/km²
Postleitzahl: 67071

Ruchheim ist ein Stadtteil und zugleich einer der zehn Ortsbezirke der kreisfreien Stadt Ludwigshafen am Rhein in Rheinland-Pfalz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruchheim von Süden

Ruchheim liegt etwa neun Kilometer westlich vom Stadtkern und kann über die Autobahn erreicht werden. Der Ort liegt in einer Niederterrasse der Rheinebene und weist nur geringe Höhenunterschiede auf. Die Höhenlage schwankt lediglich zwischen 94 und 95 Meter über NN. Dadurch ist auch der Grundwasserspiegel sehr hoch. Das führte dazu, dass früher die meisten Häuser ohne Keller gebaut wurden. Auch der Friedhof war ohne Auffüllung kaum benutzbar und wurde daher um etwa einen Meter aufgefüllt. Andererseits bietet diese Lage günstige Bedingungen für die Beregnung der Felder und damit den Gemüseanbau.

Die 929 Hektar große Gemarkung grenzt im Norden an die Gemeinden Maxdorf und Eppstein, im Westen an Fußgönheim und im Süden an Mutterstadt (alle Rhein-Pfalz-Kreis). Im Osten liegt der Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruchheim liegt in der Oberrheinischen Tiefebene, die durch den Odenwald vor kalten Ostwinden und durch den Pfälzerwald vor stürmischen Westwinden geschützt ist. Deshalb wehen hier hauptsächlich Winde aus Norden und Süden. Am häufigsten sind die Winde aus Südwesten. Dadurch gehört die Gegend zu einer der regenärmsten Regionen in Deutschland. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei etwa 10 °C.

Durch die Lage westlich von Ludwigshafen bleibt Ruchheim von den Industrieabgasen der Stadt Ludwigshafen weitgehend verschont. So sagt auch ein alter Spruch:

Zwei Stunden vom Gebirg und zwei Stunden vom Rhein ist gut sein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel am Gemeinschaftshaus
Schloss

Ruchheim wurde bereits im Jahr 771 im Lorscher Codex anlässlich einer Schenkung erstmals urkundlich erwähnt.[2]

Im Jahr 1700 wurde Ruchheim an die aus Basel stammende Familie von Russicon verkauft. Diese baute das Wasserschloss zu einer barocken Schlossanlage um, von der noch das Wohnhaus und Teile der Umfassungsmauer erhalten sind.

Am 16. März 1974 wurde Ruchheim nach Ludwigshafen eingemeindet. Der Ort hatte damals 2409 Einwohner.[3] Mittlerweile ist er auf ca. 6200 Einwohner angewachsen.

Die Geschichte Ruchheims ist auch an einer Gedenktafel am Gemeinschaftshaus zusammengefasst.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der älteste überlieferte Namen Ruchheims findet sich im Lorscher Codex in der Form Richinisheim,[2] was so viel wie Heim des Richin bedeuten soll. Der Name Richinesheim taucht im Jahr 895 in einer Urkunde des Klosters Weißenburg auf. In einer Urkunde des gleichen Klosters aus dem 10. Jahrhundert heißt es dann Ruochheim (Heim des Ruoch). Im Jahr 1271 wird der Ortsname mit Rucheim wiedergegeben. Ab 1600 findet sich dann zum ersten Mal die heutige Schreibweise Ruchheim. Allerdings wird der Name noch 1836 vereinzelt Rugheim geschrieben.

Zur Schreibweise des Namens gibt es eine gerne erzählte Anekdote aus dem Jahr 1972, in dem der SPD-Ortsverein im Saal Zum Schwanen sein 70. Gründungsfest feierte. Auf der Bühne stand in großen roten Styroporbuchstaben:

70 Jahre SPD Ruchheim

Da kam der Hauswirt Kurt Gerhardt in den Saal und schimpfte:

Was habt dann Ihr g'schafft? Seit wann schreibt mer dann Ruchem mit zwä 'h'?

Die Frage stürzte die ganze Versammlung in Verwirrung und alle Genossen fingen an zu buchstabieren. Keiner war sich mehr sicher, wie der Ortsname richtig geschrieben würde. So griffen sie zum Telefonbuch und stellten erleichtert fest, dass sie Ruchheim doch richtig geschrieben hatten.[4]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brunnen mit Paul Münch

Vor dem Schloss steht ein Brunnen, der an den 1879 in Ruchheim geborenen Mundartdichter Paul Münch erinnert.

Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Astrid-Lindgren-Grundschule werden etwa 220 Kinder in neun Klassen bis zur 4. Klassenstufe unterrichtet.

Kindertagesstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zwei Kindertagesstätten in Ruchheim haben Platz für insgesamt 215 Kinder.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Ruchheim gibt es eine katholische und eine protestantische Kirchengemeinde. Außerdem bestand von 1850 bis 1940 eine selbständige jüdische Gemeinde, die eine Synagoge besaß.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gesangverein 1862 Ruchheim ist ein Männerchor, der 1862 gegründet wurde und damit zu den ältesten Chören Ludwigshafens und des Rhein-Pfalz-Kreises gehört. Die Chorgemeinschaft Ruchheim 1975 ist ein gemischter Chor, der 1975 gegründet wurde.

Sportvereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den bedeutenden Vereinen in Ruchheim zählen der SVR (Sportverein-Ruchheim) und der mitgliederstärkere TVR (Turnverein-Ruchheim).

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Ruchheim führt die Rhein-Haardtbahn und eine Buslinie der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV). Außerdem liegt der Ort in der Nähe der Bundesautobahn A 650, A 61 und der Bundesstraße B 9.

Ruchheim hat einen Reiterhof. Der Leuchtfeuerhof in Ruchheim entstand 2005 auf dem Gelände eines ehemaligen Gemüsebaubetriebes und zählt zu einem der 14 landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieben dieses Stadtteils von Ludwigshafen am Rhein. Seinen Namen erhielt er in Anlehnung an ein Zitat des gebürtigen Ludwigshafener Philosophen Ernst Bloch, der seine Heimatstadt als eine der ersten Seestädte des Binnenlandes beschrieb und als solche eine Leuchtfeuerfunktion ausübten. Bekannt ist der Leuchtfeuerhof in der Metropolregion Rhein-Neckar als Pferdebetrieb, hier vor allem als Reitschule.

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Barth: Ruchheim gestern und heute. Stadtarchiv Ludwigshafen, Ludwigshafen 1986. ISBN 3-924667-11-X.
  • Karl Senck: Die Leit hänn's g'sagt. Ruchheimer Anekdoten. Eigenverlag, Ludwigshafen 1997.
  • Stadtarchiv der Stadt Ludwigshafen am Rhein, Stefan Mörz, Klaus Jürgen Becker (Hrsg.): Geschichte der Stadt Ludwigshafen am Rhein: Bd. 1. Von den Anfängen bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Ludwigshafen am Rhein 2003, ISBN 3-924667-35-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Rheinpfalz, Marktplatz LU, 9. März 2011
  2. a b Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 4), Urkunde 2082 19. August 771 – Reg. 663. In: Heidelberger historische Bestände - digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 37, abgerufen am 20. Januar 2016.
  3. Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Seite 185 (PDF; 2,6 MB)
  4. Zitiert nach Karl Senck: Die Leit hänn's g'sagt. Ruchheimer Anekdoten. Ludwigshafen: Eigenverlag, 1997

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ludwigshafen-Ruchheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 28′ 27″ N, 8° 19′ 46″ O