Ruciane-Nida

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Ruciane-Nida
Wappen von Ruciane-Nida
Ruciane-Nida (Polen)
Ruciane-Nida
Ruciane-Nida
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Pisz
Fläche: 17,07 km²
Geographische Lage: 53° 38′ N, 21° 32′ OKoordinaten: 53° 38′ 0″ N, 21° 32′ 0″ O
Einwohner: 4654
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 12-220 – 12-221
Telefonvorwahl: (+48) 87
Kfz-Kennzeichen: NPI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 58: OlsztynekSzczytnoPiszSzczuczyn
DW 610: Piecki–Ruciane Nida
Schienenweg: Olsztyn–Pisz
Nächster int. Flughafen: Warschau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 46 Ortschaften
16 Schulzenämter
Fläche: 357,74 km²
Einwohner: 8336
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 23 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2816043
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Leszek Gryciuk
Adresse: al. Wczasów 4
12-221 Ruciane-Nida
Webpräsenz: www.ruciane-nida.pl



Ruciane-Nida (deutsch Niedersee, früher Rudczanny) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Sie ist Sitz einer Stadt- und Landgemeinde im Powiat Piski.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt in der historischen Region Ostpreußen in der Masurischen Seenplatte, zwischen dem Guschienen-See (Guzianka Wielka) und dem stark gekrümmten Niedersee (Nidzkie), etwa 70 Kilometer östlich von Allenstein (Olsztyn) und 16 Kilometer südlich von Nikolaiken (Mikołajki).

Niedersee (Aufnahme 2008)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudczanny südlich der Städte Insterburg und Nikolaiken auf einer Landkarte von 1908.
Dampfer-Anlegestelle 1915 in Rudczanny
Yachthafen am Niedersee
Segelyachten mit umgelegtem Segelmast an einer Schleuse
Bahnstation
Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg

Die Ortschaft Ruciane-Nida entstand nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Zusammenschluss zweier Orte: Niedersee (bis 1938 Rudczanny) und Nieden.

An der Stelle des heutigen Ortsteils Ruciane gab es bereits im 14. Jahrhundert kleinere Ansiedlungen, darunter eine Köhlerei. 1679 wird eine Wassermühle an der Mündung eines Flüsschens in den Niedersee (Nidzkie-See) erwähnt. Von 1866 bis 1869 entstand die erste Straßenverbindung von Rudczanny nach Johannisburg. Auf Grund der wachsenden Einwohnerzahlen eröffnete 1880 in Nieden ein Standesamt. 1898 erfolgte der Anschluss an das Eisenbahn-Schienennetz nach Sensburg. Bereits zu dieser Zeit entwickelte sich der Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor in der Stadt.

Während des Ersten Weltkrieges gab es in der Umgebung des Ortes Gefechte zwischen dem deutschen Heer und russischen Armeen.

Bis 1945 gehörte Niedersee zum Kreis Sensburg im Regierungsbezirk Allenstein der preußischen Provinz Ostpreußen.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges errichtete die Wehrmacht hier Bunkeranlagen. Direkt neben der Schleuse am Niedersee war 2015 noch immer ein kleiner oberirdischer Bunker erhalten. Mit dem Vorrücken der Roten Armee wurde die Zivilbevölkerung der Orte vollständig evakuiert. Am 27. Januar 1945 besetzte die Rote Armee die Region. Dabei verursachten die Kämpfe im Ort schwere Zerstörungen. Nach Kriegsende wurde die südliche Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung gestellt. In Niedersee setzte nun die Zuwanderung polnischer Zivilisten ein. Niedersee wurde 1945 in Ruciane umbenannt und der Nachbarort Nieden in Nida. Soweit die deutschen Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie von den polnischen Behörden vertrieben.

1946/47 wurde wieder eine Bahnverbindung errichtet und die Brücken, die die deutsche Wehrmacht gesprengt hatten, wurden instand gesetzt. 1949 bis 1952 wurde ein Sägewerk errichtet, aber erst 1951 wurden Ruciane und 1952 Nida an das öffentliche Elektrizitätsnetz angeschlossen. Am 11. Dezember 1954 wurde in Nida ein großes Werk für Holzfaser- und Holzspanplatten errichtet. Der Betrieb wurde zu einem der größten seiner Art in Europa und exportierte unter anderem in die Vereinigten Staaten, nach Kanada und ins Vereinigte Königreich. 1965 arbeiteten in der Fabrik 1144 Menschen.

Das Stadtrecht erhielt der Ort am 1. Januar 1966, als sich die Dörfer Nida und Ruciane zusammenschlossen. Im Rahmen einer Verwaltungsreform kam der Ort 1975 zur neu gebildeten Woiwodschaft Suwałki und blieb dort bis zu deren Auflösung 1999.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1830 bis 1945 gab es im Gemeindegebiet eine Kolonie der aus Russland eingewanderten orthodoxen Sekte der Philipponen, die in der Gegend von Wojnowo einige Dörfer und ein orthodoxes Nonnenkloster gründeten.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1880 ca. 300 [2]
1914 420 [3]
1933 731 [4]
1939 771 [4]

Beim Zusammenschluss der beiden Orte Ruciane und Nida lebten 3050 Menschen in der Stadt.[2] 1987 lebten 4793 Menschen in Ruciane-Nida, davon 3500 in Nida und 1293 in Ruciane.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Entwurf des Stadtwappens veranstaltete die Verwaltung 1967 einen Wettbewerb, den der Olsztyner Bildhauer Henryk Mączkowski gewann. Das Wappen zeigt auf blauem Grund eine gelbe Fabrik und ein weißes Segelboot. Damit sind die damals wichtigsten Faktoren für den Ort, die Spanplattenfabrik und der Tourismus, dargestellt.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Ruciane-Nida besteht aus folgenden Ortschaften:

Polnischer Name Deutscher Name
(bis 1945)
Polnischer Name Deutscher Name
(bis 1945)
Bartlewo Barteln Onufryjewo Onufrigowen
1929–1945 Rehfelde
Borek Osiniak Fedorwalde
Gałkowo Galkowen-Nikolaihorst
1938-45 Nickelshorst
Piaski Piasken
Gąsior Gonschor
1938–1945 Gonscher
Pieczysko Pieczisko
1935–1945 Waldofen
Głodowo Glodowen
1938–1945 Spirdingshöhe
Piotrowo Peterhain
Iwanowo Iwanowen Popielno Popiellnen
1928–1945 Spirding
Iznota Isnothen Pranie Seehorst
Jeleń Forsthaus Kreuzofen
1938–1945 Forsthaus Hirschhagen
Ruciane Rudczanny
1938–1945 Niedersee
Kadzidłowo Kadzidlowen
1938–1945 Einsiedeln
Ruczaj Ellerborn
Kamień Kamien
1938–1945 Keilern
Śwignajno Schwignainen
Karwica Kurwien Szeroki Bór Breitenheide
Karwica Mazurska Bahnhof Kurwien Ukta Ukta
Kokoszka Kokoska
1938–1945 Kienhausen
Warnowo Gut Warnold
Końcewo Konzewen
1938–1945 Warnold
Wejsuny Weissuhnen
Krzyże Kreuzofen Wierzba Wiersba
1938–1945 Beldahnsee
Ładne Pole Schönfeld Wojnowo Eckertsdorf
Lipnik Lipnik
1938–1945 Falkenhöhe
Wólka Dietrichswalde
Lisiczyn Fuchswinkel Wygryny Wigrinnen
Majdan Kloster Wypad Wypad
1938–1945 Waldsiedeln
Maskulińskie Zameczek Schlößchen
Nida Nieden Zamordeje Samordei
Niedźwiedzi Róg Bärenwinkel Zaroślak Niederwald
Nowa Ukta Neu Ukta Zdrużno Sdrusno
1938–1945 Eichenborn

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In früheren Jahrhunderten spielten die Holzwirtschaft und der Fischfang für die Einwohner eine große Rolle. Im 20. Jahrhundert siedelte sich im Ort ein Spanplattenwerk an, das jedoch 1995 Konkurs anmelden musste und anschließend aufgelöst wurde.

Wichtig für den Ort ist der Tourismus. Es gibt Angebote für den Wassersport, insbesondere für den Segelsport. Vom Niedersee aus führt eine Wasserstraße zum Spirdingsee, dem größten See in der Region.[5] Fahrten über die Seen bis nach Nikolaiken sind möglich. Es gibt Camping-Möglichkeiten, Reiterhöfe, Hotels und Pensionen. Der Kleine Guschiener See (Guzianka Mała) und der Beldahn-See (Bełdany) haben einen Wasserhöhenunterschied von zwei bis drei Metern und sind durch eine Schleuse verbunden.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Ort führt die Bahnstrecke Olsztyn–Pisz (Allenstein – Johannisburg). Außerdem ist er über eine ausgebaute Landstraße für die Touristenbusse gut erreichbar.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 55.
  • Józef Śliwiński: Z dziejów Rucianego-Nidy i okolic. Wyższa Szkoła Pedagogiczna, Olsztyn 1993, ISBN 83-900851-0-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ruciane-Nida – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b http://www.ruciane-nida.org/index.php?option=com_content&task=view&id=33&Itemid=50
  3. http://ruciane-nida.com/index.php?option=com_content&task=view&id=6&Itemid=6&limit=1&limitstart=1
  4. a b http://www.verwaltungsgeschichte.de/sensburg.html#ew33sensnieders
  5. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 55.