Ruciane-Nida

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Ruciane-Nida
Wappen von Ruciane-Nida
Ruciane-Nida (Polen)
Ruciane-Nida
Ruciane-Nida
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Pisz
Fläche: 17.01[1] km²
Geographische Lage: 53° 38′ N, 21° 32′ OKoordinaten: 53° 38′ 0″ N, 21° 32′ 0″ O
Höhe: 128 m n.p.m.
Einwohner: 4609
(31. Dez. 2016)[2]
Postleitzahl: 12-220[3]
Telefonvorwahl: (+48) 87
Kfz-Kennzeichen: NPI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 58: OlsztynekSzczytnoPiszSzczuczyn
DW 610: Piecki → Ruciane Nida
Schienenweg: Olsztyn–Ełk
Nächster int. Flughafen: Warschau
Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 49 Ortschaften
18 Schulzenämter
Fläche: 357,74 km²
Einwohner: 8253
(31. Dez. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 23 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2816043
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Piotr Feliński[1]
Adresse: Aleja Wczasów 4
12-220 Ruciane-Nida
Webpräsenz: www.ruciane-nida.pl



Ruciane-Nida [ruˈt͡ɕanɛ ˈɲida] (deutsch: Rudczanny, 1938 bis 1945 Niedersee, sowie: Nieden) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren, Powiat Piski (Kreis Johannisburg). Sie gehört zur Stadt- und Landgemeinde Ruciane-Nida, deren Amtssitz sich in ihr befindet.

Stadt Ruciane-Nida[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt etwa 70 Kilometer östlich von Olsztyn (Allenstein) und 16 Kilometer südlich von Mikołajki (Nikolaiken) in der Masurischen Seenplatte und inmitten der Johannisburger Heide (polnisch Puszcza Piska), zwischen dem Jezioro Guzianka Mała (Kleiner Guschiener See) und dem stark gekrümmten Jezioro Nidzkie (Niedersee). Die Kreisstadt Pisz (deutsch Johannisburg) liegt 16 Kilometer in östlicher Richtung.

Segelboote auf dem Niedersee (2008)

Stadtgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Ruciane-Nida liegt auf 128 Metern Höhe ü. NN[1]. Das Gebiet der Stadt umfasst 17,o7 km². Im Jahre 2016 waren hier 4609 Einwohner gemeldet[1].

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt Ruciane-Nida gehören die Ortsteile:

  • Guzianka (Guszianka, 1938 bis 1945 Guschienen)
  • Kowalik (Kowallik, 1938 bis 1945 Müllershof)
  • Nida (Nieden)
  • Ruciane (Rudczanny, 1938 bis 1945 Niedersee).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudczanny südlich der Städte Insterburg und Nikolaiken auf einer Landkarte von 1908
Dampfer-Anlegestelle 1915 in Rudczanny
Yachthafen am Niedersee
Segelyachten mit umgelegtem Segelmast an der Schleuse Guzianka
Bahnstation
Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg

Die Stadt Ruciane-Nida entstand erst nach dem Zweiten Weltkrieg und wurde am 1. Januar 1966 durch den Zusammenschluss zweier Orte gegründet[1]:

An der Stelle des heutigen Stadtteils Ruciane gab es bereits im 14. Jahrhundert kleinere Ansiedlungen, darunter eine Köhlerei. 1679 wird eine Wassermühle an der Mündung eines Flüsschens in den Niedersee (Jezioro Nidzkie) erwähnt. Von 1866 bis 1869 entstand die erste Straßenverbindung von Rudczanny nach Johannisburg. Auf Grund der wachsenden Einwohnerzahlen eröffnete 1880 in Nieden ein Standesamt. 1898 erfolgte der Anschluss an das Eisenbahn-Schienennetz nach Sensburg (Mrągowo). Bereits zu dieser Zeit entwickelte sich der Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor in der Stadt.

Während des Ersten Weltkrieges gab es in der Umgebung des Ortes Gefechte zwischen deutschen Truppen und russischen Armeen.

Bis 1945 gehörte der Ort Niedersee zum Kreis Sensburg im Regierungsbezirk Gumbinnen, ab 1905 im Regierungsbezirk Allenstein in der preußischen Provinz Ostpreußen.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges errichtete die Wehrmacht hier Bunkeranlagen. Direkt neben der Schleuse am Niedersee war 2015 noch immer ein kleiner oberirdischer Bunker erhalten. Mit dem Vorrücken der Roten Armee wurde die Zivilbevölkerung der Orte vollständig evakuiert. Am 27. Januar 1945 besetzte die Rote Armee die Region. Dabei verursachten die Kämpfe im Ort schwere Zerstörungen. Nach Kriegsende wurde die südliche Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung gestellt. Niedersee wurde 1945 in Ruciane umbenannt und der Nachbarort Nieden in Nida. Soweit die deutschen Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie vertrieben.

1946/47 wurde die Bahnstrecke Olsztyn–Ełk (deutsch Allenstein–Lyck) wieder errichtet, und die Brücken, die die deutsche Wehrmacht gesprengt hatten, wurden instand gesetzt. 1949 bis 1952 wurde ein Sägewerk errichtet, aber erst 1951 wurden Ruciane und 1952 Nida an das öffentliche Elektrizitätsnetz angeschlossen. Am 11. Dezember 1954 wurde in Nida ein großes Werk für Holzfaser- und Holzspanplatten errichtet. Der Betrieb wurde zu einem der größten seiner Art in Europa und exportierte unter anderem in die Vereinigten Staaten, nach Kanada und ins Vereinigte Königreich. 1965 arbeiteten in der Fabrik 1144 Menschen.

Das Stadtrecht erhielt der Ort am 1. Januar 1966, als sich die Dörfer Nida und Ruciane zusammenschlossen. Im Rahmen einer Verwaltungsreform kam der Ort 1975 zur neu gebildeten Woiwodschaft Suwałki und blieb dort bis zu deren Auflösung 1999 und kam zur Woiwodschaft Ermland-Masuren. Ruciane-Nida ist als Sitz eines Schulzenamtes[4] (polnisch Sołectwo) eine Ortschaft der Stadt- und Landgemeinde gleichen Namens.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1966 3050
1987 4793
2016 4609[1]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das einst evangelische Gemeindehaus ist heute katholische Kirche im Ortsteil Ruciane
Evangelisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine evangelische Kirchengemeinde besteht in Ruciane-Nida nicht mehr. Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzten dem Gemeindeleben im heutigen Ortsteil Ruciane ein Ende. Das Gemeindehaus mit Kapellenraum wurde an die katholische Kirche vergeben. Evangelische Einwohner orientieren sich heute zur Pfarrei in Pisz, die im nahegelegenen Wejsuny eine Filialkirche unterhält. Sie gehört zur Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Katholisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die neue katholische Kirche im Ortsteil Nida

Gab es vor 1945 nur sehr wenige Katholiken im Gebiet Ruciane und Nida – die wegen ihrer geringen Zahl nach Johannisburg bzw. Sensburg ausgerichtet waren – , so bestehen heute in der Stadt zwei Pfarrgemeinden. Im Ortsteil Ruciane ist das vorher evangelische Gemeindehaus zu einer Kirche aufgewertet worden. Im Ortsteil Nida entstand in den 1980er Jahren ein neues Kirchengebäude, dem die Filialkirche in Krzyże (Kreuzofen) zugeordnet ist.

Beide Gemeinden in Ruciane-Nida sind in das Dekanat Pisz im Bistum Ełk der polnischen katholischen Kirche eingegliedert.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Entwurf des Stadtwappens veranstaltete die Verwaltung 1967 einen Wettbewerb, den der Bildhauer Henryk Mączkowski aus Olsztyn (Allenstein) gewann.

Das Wappen zeigt auf blauem Grund eine gelbe Fabrik und ein weißes Segelboot. Damit sind die damals wichtigsten Faktoren für den Ort, die Spanplattenfabrik und der Tourismus, dargestellt.

Gmina Ruciane-Nida[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindegebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die am 1. Januar 1966 gegründete Stadt- und Landgemeinde Ruciane-Nida umfasst eine Fläche von 357,74 km². Die Gesamtfläche liegt in der Johannisburger Heide (polnisch Puszczta Piska), der nördliche Gemeindeteil außerdem im Mazurski Park Krajobrazowy (Landschaftspark Masuren). Ein Großteil der Fläche bilden dieSeen der Masurischen Seenplatte:

Ein weiterer großer Teil der Gemeindefläche wird vom Wald der Johannisburger Heide bestimmt. Viele kleinere Forstsiedlungen bestimmen darum das Bild der Gemeindeortschaften.

Am 31. Dezember 2016 waren im Gebiet der Gmina 8253 Einwohner registriert, die in 49 Ortschaften leben, die in 18 Schulzenämtern zusammengefasst sind. In der Stadt Ruciane-Nida lebt mehr als die Hälfte der Einwohnerschaft.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Ruciane-Nida besteht aus folgenden Ortschaften:

Polnischer Name Deutscher Name
(bis 1945)
Polnischer Name Deutscher Name
(bis 1945)
Bartlewo Barteln Onufryjewo Onufrigowen
1929–1945 Rehfelde
Borek Osiniak Fedorwalde (-Peterhain)
Gałkowo Galkowen-Nikolaihorst
1938–45 Nickelshorst
Piaski Piasken
Gąsior Gonschor
1938–1945 Gonscher
Pieczysko Pieczisko
1935–1945 Waldofen
Głodowo Glodowen
1935–1945 Spirdingshöhe
Piotrowo (Fedorwalde-) Peterhain
Iwanowo Iwanowen Popielno Popiellnen
1928–1945 Spirding
Iznota Isnothen Pranie Seehorst
bis 1908: Pranie
Jeleń Ruciane Rudczanny
1938–1945 Niedersee
Kadzidłowo Kadzidlowen
1938–1945 Einsiedeln
Ruczaj
Kamień Kamien
1938–1945 Keilern
Śwignajno Schwignainen
Karwica Kurwien Szeroki Bór Breitenheide
Karwica Mazurska Bahnhof Kurwien Ukta (Alt) Ukta
Kokoszka Kokoska
1938–1945 Kienhausen
Warnowo Warnold
Końcewo Konzewen
1938–1945 Warnold
Wejsuny Weissuhnen
Krzyże Kreuzofen Wierzba Wiersba
1938–1945 Beldahnsee
Ładne Pole Schönfeld Wojnowo Eckertsdorf
Lipnik Lipnik
1938–1945 Falkenhöhe
Wólka Dietrichswalde
Lisiczyn Wygryny Wigrinnen
Majdan Maudannen Wypad Wypad
1938–1945 Waldsiedeln
Maskulińskie Zameczek Schlösschen
Nida Nieden Zamordeje Samordey
1938–1945 Samordei
Niedźwiedzi Róg Bärenwinkel Zaroślak
Nowa Ukta Neu Ukta Zdrużno Sdrusno
1938–1945 Eichenborn

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Ruciane-Nida ist von fünf Nachbargemeinden in drei Landkreisen umgeben:

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gebiet der Stadt- und Landgemeinde Ruciane-Nida gibt es neun Kirchen, von denen fünf der katholischen Konfession die Mehrheit darstellen. Die Kirchen befinden sich in:

  • Karwica (Kurwien): eine katholische Filialkirche der Pfarrei Turośl (Turoscheln, 1938 bis 1945 Mittenheide)
  • Krzyże (Kreuzofen): eine katholische Filialkirche der Pfarrei Ruciane-Nida (Stadtteil Nida)
  • Ruciane-Nida (Rudczanny/Niedersee-Nieden): Zwei katholische Pfarrkirchen (Stadtteil Ruciane bzw. Nida)
  • Ukta ((Alt) Ukta): eine katholische Pfarrkirche, eine evangelische Filialkirche der Pfarrei Mikolajki (Nikolaiken)
  • Wejsuny (Weissuhnen): eine evangelische Filialkirche der Pfarrei Pisz (Johannisburg)
  • Wojnowo (Eckertsdorf): eine polnisch-orthodoxe Kirche, eine Kirche der Altgläubigen (ehem. Philipponen).

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In früheren Jahrhunderten spielten die Holzwirtschaft und der Fischfang für die Einwohner eine große Rolle. Im 20. Jahrhundert siedelte sich im Ort ein Spanplattenwerk an, das jedoch 1995 Konkurs anmelden musste und anschließend aufgelöst wurde.

Wichtig für den Ort heute ist der Tourismus. Es gibt Angebote für den Wassersport, insbesondere für den Segelsport. Vom Niedersee aus führt eine Wasserstraße zum Spirdingsee, dem größten See in der Region.[5] Fahrten über die Seen bis nach Nikolaiken sind möglich. Es gibt Camping-Möglichkeiten, Reiterhöfe, Hotels und Pensionen. Der Kleine Guschiener See (Jezioro Guzianka Mała) und der Beldahn-See (Jezioro Bełdany) haben einen Wasserhöhenunterschied von zwei bis drei Metern und sind durch eine Schleuse bei Guzianka (Guszianka, 1938 bis 1945 Guschienen) verbunden.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schienen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Gemeinde führt seit 1884 die Bahnstrecke Olsztyn–Ełk (Allenstein–Lyck) mit den Bahnstationen Karwica Mazurska (Kurwien), Ruciane-Nida (Rudczanny/Niedersee), Ruciane-Nida Zachód (Nieden) und Szeroki Bór (Breitenheide).

Straßen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außerdem verlaufen die Landesstraße 58 sowie die Woiwodschaftsstraßen 609 und 610 durch das Gemeindegebiet. Die einzelnen Ortschaften sind durch Nebenstraßen und Landwege vernetzt. Die Stadt Ruciane-Nida sowie einige Seeuferorte sind auch über die Wasserstraßen per Dampfer der Weißen Flotte, per Haus- und Segelboot erreichbar.

Luft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nächstgelegenen Flughäfen Danzig und Warschau sind nur auf zeitraubenden Wegen erreichbar.

Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 55.
  • Józef Śliwiński: Z dziejów Rucianego-Nidy i okolic. Wyższa Szkoła Pedagogiczna, Olsztyn 1993, ISBN 83-900851-0-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stadt Ruciane-Nida – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Gmina Ruciane-Nida – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Ruciane-Nida bei Polska w liczbach
  2. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  3. Polnisches Postleitzahlenverzeichnis 2013, S. 1088
  4. Wykaz sołtysów gminy Ruciane-Nida
  5. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 55.