Rudi Carrell

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Rudi Carrell (1980)
Für das Rudi-Carrell-Denkmal von Bildhauer Carsten Eggers wurde in Alkmaar eigens der „Rudi Carrellplaats“ geschaffen.

Rudi Carrell (* 19. Dezember 1934 in Alkmaar, Niederlande; † 7. Juli 2006 in Bremen; eigentlich Rudolf Wijbrand Kesselaar) war ein niederländischer Showmaster und der Sohn von André Carrell. Er hatte im niederländischen und deutschen Fernsehen Shows, darunter die bedeutendste Unterhaltungsshow der 1970er Jahre im deutschen Fernsehen Am laufenden Band. Er lebte seit 1965 mit Unterbrechungen in Deutschland.

Als Amateur[Bearbeiten]

Erster Auftritt

Den ersten Bühnenauftritt hatte Carrell am Tag vor seinem 14. Geburtstag. Bei einem Schulabend für Schüler, Eltern und interessierte Alkmaarer führte er als Conférencier durch das Programm. Es war ein so großer Erfolg, dass er auch alle weiteren Schulabende präsentieren durfte. Bei einer Aufführung der Schultheatergruppe im Alkmaarer Theater Het golden Vlies (Das goldene Vlies) im Jahr 1949 wird Carrells Spiel von der Lokalzeitung Alkmaarsche Courant mit höchster Professionalität beschrieben. Darauf gestattet der Direktor des Theaters Carrell, alle Aufführungen kostenlos von einer hochgelegenen Balustrade aus zu verfolgen.[1]

Parisbesuch

Mit 15 Jahren verließ Carrell die Schule, er arbeitete zunächst in der Pflanzenernte, um sich einen dreimonatigen Paris-Besuch leisten zu können, wo er vor allem die Passanten auf den Straßen beobachtete. Beeindruckt hat ihn, wie im Lido eine einzige Dekoration variiert wurde, in dem man eine Tanzfläche von oben hinzufügte oder einen Wasserfall ergänzte. Im Februar 1951 begann Carrell dann eine Lehre bei der Hoornsche Credit- und Effektenbank in Alkmaar, die er aber nicht beendete. Dies war eine Parallele zu Johannes Heesters, der ebenfalls Schauspieler werden wollte, aber eine Banklehre begann und wieder abbrach.[1]

Bei seinem Vater

Im November 1952 wechselte er zu seinem Vater und war für sein Ensemble als Sekretär und Assistent tätig. Gelegentlich absolvierte er dabei schon kleine Auftritte.

Als Berufskünstler[Bearbeiten]

Erster Auftritt

Carrells Schritt zum Berufskünstler fand aber am 17. Oktober 1953 statt im Arnheimer Konzertsaal Musis Sacrum statt. Man fragt André Carrell für eine Betriebsveranstaltung an, der aber für den Tag schon gebucht war, und Rudi schlug am Telefon vor, er könne alles von seinem Vater auswendig und das Engagement übernehmen. André stimmte mit den Worten: Na, dann mach mal zu und Rudi trat erstmals unter den Namen Rudi Carrell auf. Es wurde ein so großer Erfolg, dass der Theaterkritiker seinen Aufführungen die Überschrift gab: Rudi Carrells Kabarett amüsiert das Personal der Gemeindebetriebe. [1] Der Erfolg veranlasste Carrell, umgehend ein eigenes Ensemble zu gründen, dass er Rudi Carrell’s Cabaretgezelschap nannte und mit dem er 1953 noch sechs Mal auftrat. Die ersten Kritiken bemängelten noch, dass das Programm noch sehr an André Carrell erinnere, aber im Laufe des Jahres 1954 gelang es Rudi, einen eigenen Stil zu finden.[2]

Radio
Rudi Carrell mit seinem Vater 1960

Zum Radio kommt Rudi Carrell durch die Vermittlung seines Vaters, sein erster Auftritt fand im Sommer 1954 in Leeuwarden statt. Dort tritt er beim Bonte Dinsdagvondtrein (Bunter Dienstagszug auf, einer populären Unterhaltungssendung des Senders AVRO.[2]

Auftritte

Wie alle Kleinkunstgruppen, so trat auch Rudi Carrell’s Cabaretgezelschap bei den unterschiedlichsten Veranstaltungen auf, beispielsweise von Wohnungsbaugenossenschaften, Sportvereinen oder Musikgruppen. Carrell präsentierte auch gerne Jazzveranstaltungen, da er selbst großer Jazzfan war. Im Jahr 1954 hatte Carrell bereits 37 Auftritte mit seiner Gruppe, 36 Auftritte mit seinem Vater, 27 Kindervorstellungen und 3 Auftritte im Radio.[2]

Carrell & Martron

Huub Matron war Teil eines bekannten Komikerduos, dass sich aufgelöst hatte. So suchte er im August 1956 einen Partner, um die noch bestehenden Verträge erfüllen zu können, darunter ein Radio- und ein Fernsehauftritt. Carrell sagte sofort zu, da er die Chance sah, schnell bekannt zu werden. Die Zusammenarbeit funktionierte nicht, aber Radio und Fernsehen nahmen beide als Solokünstler, so dass Carrell am 29. September 1956 erstmals vor einer Fernsehkamera stand, mit einer Solonummer als Fernsehdebütant. Die große Bekanntheit führte dazu, dass er mittlerweile die dreifache Gage verlangen konnte.[2]

Krantenjunge

Zur Radiosaison 1956/57 erhält Carrell von der AVRO einen Festvertrag für den Bonte Dinsdagvondtrein, mit seinen 21 Jahren als jüngster Künstler. Dort spielt er vier Jahre lang und über 200-mal den Krantenjunge (Zeitungsjunge), wobei er über aktuelle Themen mit selbstgeschriebenen Texten und Liedern Gags macht. Dabei wird er so bekannt, dass die Presse schon einmal vom Rudi „Krantenjongen“ Carrell spricht.[2] Sein Versuch, mit einer eigenen Show ins Fernsehen der AVRO zu gelangen scheitert aber, seine eingereichten Konzepte finden allesamt keine Beachtung. So bleibt es bei gelegentlichen Auftritten und im Juni 1959 endete die Zusammenarbeit deswegen.[2]

Wechsel zur VARA

Oktober 1959 startete Carrell mit einer eigenen Radioshow bei dem Sender VARA, die sich Week uit, week in (Heraus aus der Woche, hinein in die Woche) nannte. Dafür schrieb Carrell auch Musik, wobei er keine Noten lesen konnte und deswegen mit seinen Einfällen stets einen befreundeten Komponisten besuchen musste. Die Show war ein großer Erfolg, ein Fernsehengagement ließ dennoch auf sich warten.[2]

Rudi Carrell mit Annie Palmen beim Vorentscheid
Grand Prix d'Eurovision de la Chanson

Die Komponisten Willy van Hemert und Dick Schallies bieten Carrell an, ihn mit ihrem Titel Wat en geluck (Was ein Glück) für den Eurovision Song Contest 1960 vorzuschlagen. Die beiden hatten den letzten Siegertitel geschrieben. Die Vorauswahl wird am 9. Februar 1960 von der AVRO live im Fernsehen übertragen. Jedes Lied wird von zwei Interpreten gesungen, Carrells Titel von Annie Palmen und Carrell darf nach London zum Festival reisen. Das bringt ihm eine große Bekanntheit und als er zweitletzter wurde und sich darüber im Radio lustig machte, kam es so gut an, dass er endlich Angebote für das Fernsehen erhielt.

Erste Fernsehshow

Die Sender KRO und VARA boten eine Fernsehshow an, Carrell wählte seinen eigenen Sender, da ihn dieser beim Song Contest hervorragend unterstützt hatte. Es handelte sich um eine 30-minütige Sendung, um die Reaktion des Publikums zu testen. Rudi bestritt sie mit seinen Vater André Carrell, was ausgezeichnet ankam, so dass ein Vertrag über eine Show-Reihe mit 45 Minuten folgte.

Als TV-Showmaster[Bearbeiten]

Rudi Carrell mit Sandra Reemer und deren Bruder Franky in der Rudi Carrell Show, 1962
Rudi Carrell Show
Hauptartikel: Rudi Carrell Show

Die Rudi Carrell Show, deren Konzept Carrell sich ganz allein ausgedacht hatte, wurde zu einem gigantischen Erfolg.

Leslie Roberts

Bei der VARA befand man, dass Carrell einen Berater brauche, um mit jemandem über Ideen diskutieren zu können. Da es keinen geeigneten Niederländer für Carrells Stil gab, vermittelte er ihm Leslie Roberts aus England. Dieser hatte seine Karriere schon hinter sich, als Carrell ihn kennen lernte. Roberts hatte umfassende Kenntnis über das Showbusiness, er war schon Tänzer im Varieté und Regisseur bei der BBC gewesen. Die Zusammenarbeit hielt bis Ende der 1980er Jahre an, als er sich aus Altersgründen zurückzog. Roberts wichtigster Rat war stets, auf alle Details zu achten. Er fasste dies in die Aussage zusammen: Du musst vergessen eine gute Show machen zu wollen, sondern nur daran arbeiten, keine schlechte zu machen. Außerdem war er der Ansicht, dass man aus einer schlechten Idee keine gute Show machen kann: If you begin with shit, you’ll finish with shit.[3] Mit Roberts hatte Carrell auch niemals Streit, so wie es bei den anderen an der Show Beteiligten häufig vorkam.

Robinson Crusoe – Het Onbewoonde Eiland

1962 und 1963 war Carrell privat nach Montreux gereist, um den Wettbewerb Rose d’Or zu besuchen. Daraufhin beschloss er, es selber mit einem Beitrag zu versuchen. Es war eine sehr anspruchsvolle Veranstaltung mit vielen aufwendigen Produktionen aus den USA und Großbritannien, mit denen Carrell nicht mithalten konnte. So suchte er gemeinsam mit Leslie Roberts und seinem Regisseur Dick Harris nach einer Lösung. Die Idee seiner Show bestand in einer einzigen Dekoration pro Ausgabe. Diese stellte vorzugsweise einen Ort dar, an dem sich viele Menschen begegnen. Als Idee für den Festival-Beitrag wählte man das Gegenteil, nämlich eine einsame Insel, auf der Carrell alleine saß und mit minimalem Aufwand eine Show veranstaltete. Der Beitrag Robinson Crusoe – Het Onbewoonde Eiland wurde mit englischen Untertiteln nach Montreux geschickt und gewann mit der Silbernen Rose den zweiten Platz.

Deutsche Rudi Carrell Show

In Montreux hatte sich auch Mike Lekebusch umgesehen. So interessierte man sich bei Radio Bremen für Rudi Carrell: Der kleine Sender konnte sich keine teuren Produktionen leisten und Carrells Beitrag hatte mit minimalem Aufwand einen großen Effekt erzielt.[3] So kam es zu einem Vertrag mit Radio Bremen über 10 Folgen einer deutschen Rudi Carrell Show, der nach 8 Folgen bei der VARA in Hilversum in der Saison 1967/68 weitere 17 deutsche Ausgaben folgten.

Rudi Carrell, 1976
Rudi Carrell auf dem Bundeskanzlerfest 1977 mit Loki Schmidt
Am laufenden Band
Hauptartikel: Am laufenden Band

Von 1973 nach 1974 fand der Übergang von der Rudi Carrell Show zu Am laufenden Band statt, einer Spielshow mit Kandidaten, die nun 90 Minuten anstatt 60 Minuten Sendezeit hatte. Mit der letzten Sendung setzte sich Carrell vorübergehend zur Ruhe. Im November 1980 erschien aber schon Rudi kan het niet laten, Liedjesprogramma im niederländischen Fernsehen und am 1. Januar 1981 um 20.15 Uhr das Pendant Rudi kann’s nicht lassen, Geschichten und Lieder mit Rudi Carrell, eine 40-minütige Sendung aus den Fundushallen des niederländischen Fernsehens.[4]

Rudis Tagesshow
Hauptartikel: Rudis Tagesshow

Im Herbst 1981 startete Rudis Tagesshow, eine extrem erfolgreiche 30-Minuten-Sendung, deren Erfolg Carrell dazu bewegte, erneut eine große Samstagabend-Show zu präsentieren.

Die verflixte 7
Hauptartikel: Die verflixte 7

Die verflixte Sieben war eine Spielshow, welche die Spiele von Am laufenden Band teilweise wieder aufgriff. Sie war ein weniger großer, aber doch ordentlicher Erfolg.

Herzblatt
Hauptartikel: Herzblatt (Fernsehsendung)

Als eine weitere Sendung unter Carrells kreativer und moderierender Führung startete 1987 die Verkupplungsshow Herzblatt. Ein Jahr nach der Uraufführung von Herzblatt übernahm er in dem Film Starke Zeiten die Rolle des Moderators eines ähnlichen Formats und nahm sich und die Kandidaten auf die Schippe. Trotz ihrer Ansiedlung im Vorabendprogramm der ARD, unter zeitweiliger Teilnahme des ORF, konnten das Konzept und der Moderator die Massen an die Fernsehschirme locken und dabei bestens unterhalten. Die Sendung lief im Konzept weitgehend unverändert bis Mitte 2006 und wurde zuletzt von Alexander Mazza, dem siebten Moderator, präsentiert.

Die Rudi Carrell Show – Laß Dich überraschen

Mit der Rudi Carrell Show – Laß Dich überraschen, die meist nur als Überraschungsshow bezeichnet wurde, konnte Carrell an die großen Erfolge der 1970er Jahre wieder anknüpfen. Die Show hatte zeitweise eine höhere Einschaltquote als Wetten dass..?.

Rudis Tiershow

Rudis Tiershow war eine kleinere Show, die Radio Bremen von 1992 bis 1994 produzierte. Wegen des Weggangs zu RTL kam es nach zwei Jahren zu keiner weiteren Staffel mehr, obwohl der Sender gerne noch welche produziert hätte.

Rudis Lacharchiv

Rudis Lacharchiv zeigte Darbietungen aus seinen alten Shows. Die Sendung produzierte Radio Bremen von 1995 bis 1996.

Rudis Suchmaschine

Im Jahre 2000 sendete die ARD Rudis Suchmaschine, in der Carrell Kuriositäten aus der Welt des Internets präsentierte. Dazu wurde ein prominenter Gast eingeladen, der seine bevorzugten Internet-Seiten beschrieb. Die Sendung zeichnete sich durch minimalen Aufwand aus und war ein so geringer Erfolg, dass nicht einmal alle produzierten Folgen ausgestrahlt wurden.

Bei RTL[Bearbeiten]

J. E. Entertainment

Carrell zeigte sich Ende der 1980er Jahre unzufrieden mit den Zuständen bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten, gleichzeitig wollte Helmut Thoma ihn für seinen Sender RTL gewinnen. So kam es im September 1991 zur Gründung von J. E. Entertainment in Köln. Carrell war an diesem Produktionsunternehmen mit 25 % beteiligt und brachte dort auch seine Ideen ein. Es handelte sich um einen deutschen Ableger von Joop van den Ende Productions aus den Niederlanden, mit dem Carrell schon bei Die verflixte 7 zusammengearbeitet hatte. Carrell wollte zunächst im Hintergrund bleiben, aber man verkündet bereits zu Beginn, dass eine Carrell-Show geplant sei. Dies gefällt den Intendanten der ARD-Sender mit Ausnahme von Radio Bremen nicht und sie beschlossen, dass niemand bei den Privatsendern und in der ARD gleichzeitig eine Sendung haben dürfe. Diese Regel wurde erst mit dem Rückgang von Thomas Gottschalk zu Wetten dass..? wieder aufgehoben, zu diesen Zeitpunkt waren aber bereits sämtliche Carrell-Shows bei der ARD beendet. Carrell hatte an den Konzepten einiger Sendungen bei RTL mitgewirkt, darunter Wie bitte?! und die Mini Playback Show.[5]

Die Post geht ab
Hauptartikel: Die Post geht ab!

Im Privatfernsehen hatte Carrell noch eine große Spielshow. Die Post geht ab war eine Neuauflage von Am laufenden Band, brachte aber enttäuschende Einschaltquoten, so dass es zu keiner zweiten Staffel mehr kam. Eigentlich war Die Post geht ab! nur als Überbrückung gedacht, Carrell wollte gerne eine Überraschungsshow präsentieren, bei RTL hatte man aber Linda de Mol für viel Geld exklusiv verpflichtet, so dass diese Vorrang hatte. Aus den Plänen von Rudi ist dann nichts mehr geworden.[5]

Rudis Urlaubsshow

Rudis Urlaubsshow war eine Show, die Sonntags im Vorabendprogramm mit ordentlichen Erfolg von 1994 bis 1996 lief. Wie Die Post geht ab handelte es sich um eine Spielshow, bei der Carrell aber die Fehler nicht wiederholt hatte.[5]

Rudis Hundeshow

Rudis Hundeshow entsprach im Wesentlichen Rudis Tierschau bei Radio Bremen, es war ebenfalls eine Vorabendshow und zeigte alles rund um den Hund. Zum Team gehörte Gert Haucke, der ein großer Hundeliebhaber war. Die Show lief 1996 Sonntags im Vorabendprogramm, wobei es bei einer Staffel blieb.

7 Tage, 7 Köpfe
Hauptartikel: 7 Tage, 7 Köpfe

Seit 1996 produzierte er für den Privatsender RTL die Show 7 Tage, 7 Köpfe, in welcher er auch bis Ende 2002 zur Stammbesetzung zählte. Mit dabei war auch Mike Krüger, mit dem ihn eine langjährige private Freundschaft verband. Der Mitkomiker Kalle Pohl bezeichnete Carrell als einen Workaholic mit einem herausragenden humoristischen Talent.

Nebentätigkeiten[Bearbeiten]

Um seine Einnahmen zu steigern, hatte Carrell verschiedene Nebentätigkeiten:

Tourneen

Carrell nahm mit wachsender Bekanntheit in Deutschland auch Tourneen an, darunter im Herbst 1969 der Wollexpress 70 gemeinsam mit Chris Howland, es handelte sich um Veranstaltungen in 20 Städten, die vom Internationalen Wollsekretariat finanziert wurden. Im Sommer 1970 kam es zu einer Bädertournee, die über die deutschen Nordseeinseln verlief. Erst mit der Geburt des dritten Kindes verzichtet Carrell auf diese Einnahmequelle.

Werbung

Bereits 1963 hatte Carrell in den Niederlanden für Oberhemden der Marke Yokol geworben. In Deutschland machte er Werbespots für unterschiedliche Produkte, darunter 1967 für Opal-Strumpfhosen, 1972 für den VW Käfer 1303 und später für De Kuyper Genever, obwohl er gar keinen Genever mochte und keinen Volkswagen fuhr. Von 1977 warb er fünf Jahre lang für Edeka, wovon er besonders überzeugt war, da seine Frau kein Führerschein besaß und er immer selber zum Supermarkt fuhr. Es handelte sich um einen Exklusivvertrag, der es ihn erlaubte, andere Einnahmequellen zurückzustellen und insbesondere nicht mehr auf Tournee zu gehen.

Filme

1970 kam der Film als große Einnahmequelle hinzu, ein Vertrag mit der Lisa-Film über ein Lustspiel für die ganze Familie stellte sich aber als Komödie heraus, in der Carrell fast im gesamten Film als Frau verkleidet vorkommen sollte. Dabei mochte er es überhaupt nicht: Wenn es eine Masche im Showgeschäft gibt, die ich hasse wie die Pest, so ist es die Verkleidung. Ein Mann, der sich als Frau verkleidet - ich weiß es-, ist eines der ältesten und sichersten Mittel, das Publikum zum Lachen zu bringen. Aber, nennen sie es Geschmacksache, ich mag es nicht, mehr noch, ich hasse es. Nach Wenn die tollen Tanten kommen folgte Tante Trude aus Buxtehude und Die tollen Tanten schlagen zu. Bei Rudi, benimm dich!, dem letzten speziell für Carrell geschriebenen Film konnte dieser wenigsten noch beim Drehbuch mitreden und musste so nur im halben Film mit Frauenkleidern erscheinen.[2]

Schlager

Rudi Carrell trat auch als Schlagersänger in Erscheinung. Sein bekanntes Werk ist Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?, eine Coverversion von City of New Orleans, das 1975 erschien und in den folgenden Jahren bei jeden verregneten Sommer wieder aktuell wurde. Der größte Hit wurde Goethe war gut von 1978, bekannt ist außerdem Du bist mein Hauptgewinn, das Lied zur ARD-Fernsehlotterie 1977. Ferner gab es Der Herr gab allen Tieren ihren Namen und Mein Dorf, eine textnahe Übersetzung des in den Niederlanden äußerst bekannten Wim-Sonneveld-Klassikers Het dorp.

Biografie

1979 schrieb Carrell auch das Buch Gib mir mein Fahrrad wieder, in dem der Episoden aus seinem Leben mit einer fiktiven Rahmenhandlung verband. Der Titel bezieht sich auf die Beschlagnahme des Fahrrads, was nicht nur sein Vater, sondern vielen niederländischen Familien in der Besatzungszeit widerfuhr. Der Verleger Fritz Molden hatte schon die Biografie von Hildegard Knef und welche weiterer Prominente verlegt, bevor er bei Rudi Carrell anfragte. Der Vorabdruck in Bild vom 13. August bis zum 23. September brachte Carrell 350000 DM, das Buch blieb mit 50000 verkauften Exemplare hinter den Erwartungen zurück..[1] 1982 ging der Verlag in Konkurs und in der Konkursmasse befanden sich noch 10000 Exemplare, die Carrell erwarb und für 10 DM mit Signierung überraschend schnell auf Kaffeefahrten verkaufte, auf denen er die im Sommer 1983 auftrat.

Das Buch von 1972 Die Welt ist eine Show hatte Dick Harris geschrieben, wenngleich Rudi Carrell als Autor genannt wurde. Es beschrieb nur die Karriere, kein Privatleben.

Arbeitsweise[Bearbeiten]

Veranstaltungen

Rudi Carrell versuchte bei seinen ersten Auftritten, mit unterschiedlichen Themen in seinen Darbietungen ein möglichst breites Publikum anzusprechen. Rückblickend berichtete er: Bernd Stelter, mit dem ich wahnsinnig gerne in meiner Show 7 Tage - 7 Köpfe zusammengearbeitet habe, hat dieses unglaubliche, sehr seltene Talent, auf die Bühne zu gehen und sofort zu erfassen, wie die Stimmung im Saal ist, wer sein Publikum ist, wie er auf die gegebene Situation reagieren muss. Und innerhalb von wenigen Sekunden hat er das Publikum im Griff. Bei mir war das anders, als ich damals durch Holland tingelte und jeden Abend vor einem völlig anderen Publikum auftrat, das oft verschiedenartiger nicht hätte sein können. Ich habe schnell gemerkt, dass die Menschen so unterschiedlich gar nicht sind, auch wenn sie einen ganz anderen Hintergrund haben oder aus verschiedenen Schichten stammen. Letztlich lachen sie alle über dasselbe. Und ich habe in dieser Zeit gelernt, die breite Masse anzusprechen, ein Programm zu machen, das so vielen Menschen wie möglich Freude bereitet. Darum war ich später im Fernsehen auch so erfolgreich.[2]

Optische Gags

Schon bei seiner ersten Show im Fernsehen legte Carrell wert auf optische Gags. Diesen Grundsatz hielt er bis zu seinem Lebensende bei, so bestand er in 7 Tage, 7 Köpfe darauf, dass in jeder Ausgabe mindestens ein solcher Gag vorkommen sollte. Und es half ihm auch zu Beginn der Rudi Carrell Show in Deutschland, als seine Kenntnisse der deutschen Sprache noch eingeschränkt waren.

Hobbys

Jochen Busse beschrieb Carrell 2002 mit den Worten: Ich weiß nicht, was Rudi Carrell für ein Mensch ist, Ich kenne Rudi nur beruflich. Ich glaube, Rudi ist auch nur beruflich.[6] Carrell beschäftigte sich nahezu jeden Tag vollkommen mit dem Fernsehen. Er guckte viele Sendungen, kannte jeden neuen Moderator sofort und liebte es, über mit anderen über die Neuigkeiten des internationalen Showgeschäfts zu plaudern. Für ein Hobby blieb kaum Zeit. In Loosdreht hatte er sich eine Schmalfilmkamera gekauft, um seine Familie zu filmen - was aber auch seiner Arbeit nahe kam.[2] Er schaute gelegentlich Fußball und war Fan von Werder Bremen. Erst im hohen Alter kam noch Golfspiel hinzu.

Im Studio

Wenn Rudi ins Studio kam, war er stets perfekt vorbereitet. Dies erwartete er von seinen Mitarbeitern ebenso, sonst konnte er sich extrem aufregen. Die Zusammenarbeit mit dem Regisseur war grundsätzlich problematisch, und auch bei den übrigen Mitarbeitern hatte er die Vorstellung, ihnen erklären zu müssen, wie sie ihre Arbeit zu verrichten haben. Gisela Schlüter, die bei Die verflixte 7 mit dabei sein sollte, aber schon bei den Proben aufgab, berichtete über Carrell: Dieser Mensch ist ein Unmensch, so was habe ich noch nie erlebt.[7]

Privatleben[Bearbeiten]

In Alkmaar[Bearbeiten]

Wohnung

Rudi Carrell wurde in der Spoorstraat 35 geboren, ein kleines Haus in der Innenstadt von Alkmaar, wo die Familie im ersten Stock zur Miete wohnte. Bereits im April 1935 zog man aber um und dann noch einmal im April 1936, diesmal in das Reihenhaus Bergerweg 44. Zwar gehörte auch ein kleiner Garten dazu, die Wohnverhältnisse waren aber ausgesprochen beengt. Es handelte sich um eine Siedlung, die kurz vor dem 1. Weltkrieg gebaut wurde. Carrells Familie führte dort ein ausgesprochen bescheidenes Leben, so bestand die Wohnungseinrichtung vor allem aus Apfelsinenkisten und man konnte sich lange Zeit nicht einmal ein Fahrrad leisten. Als man endlich eins besaß, wurde es in der Besatzungszeit dann auch noch beschlagnahmt.[8]

Geschwister

Rudi hatte drei Geschwister: Geertruida Catharina, genannt Truus (* 1936), Adriaan (* 1941) und Andries (1944–1994)[8]

Kino

Rudi und seine Schwester Truus liebten Kinobesuche, wobei sie den Platzeinweiser beim Einsammeln des Mülls halfen und so freien Eintritt bekamen: Wir hatte vier Kinos in Alkmaar, alle im Umkreis von hundert Meter. Sonntags gingen wir manchmal dreimal ins Kino und ich habe so viele Filme gesehen, dass ich mich an das meiste gar nicht mehr erinnern kann. Was ich besonders liebte, waren die Filme von Charlie Chaplin - Truus heulte und ich lachte - und dann die vielen Showfilme aus Amerika, mit Fred Astaire und so. Die sah ich teilweise bis zu fünfmal.[8]

Außerdem liebte es Rudi, in Alkmaar die Leute auf der Straße zu beobachten.[8]

Besatzung

Carrell hatte in der Kriegszeit auch Niederländer erlebt, die mit der Besatzung kollaborierten, und ist andererseits am Bahndamm einen deutschen Lokführer begegnet, der ihm Kohlevorräte zeigte, so dass er es für unangebracht hielt, deutsche Touristen zu beleidigen. Das erste Mal verließ er im Sommer 1945 die Niederlande, als dänische Bauern hungernde Kinder für zwei Monte zu sich einluden. Bei der LKW-Fahrt durch Deutschland sah er viele Ruinen und dachte: Meine Güte, was müssen die Deutschen auch gelitten haben in diesem Krieg. Später überzeugte Carrell der Politiker Sicco Mansholt und dessen Idee vom Zusammenwachsen Europas.[1]

Erster Fernsehapparat

Nach dem Krieg hatte André Carrell zunehmenden Erfolg als Künstler, so dass sich die Familie schon ein wenig Luxus leisten konnte. Nach dem das Fernsehen in den Niederlanden 1951 startete, schaffte er sich sehr bald, nämlich schon im folgenden Jahr ein Fernsehapparat an. Das Fernsehen begeisterte auch Rudi sehr.

In Loosdrecht[Bearbeiten]

Wohnung

1955 zog André Carrell in ein größeres Haus nach Neu-Loosdrecht, zu dieser Zeit wohnten noch seine Kinder noch alle bei ihm. Lossdrecht lag nahe bei Hilversum, wo die Rundfunkanstalten ansässig waren, und zeichnete sich durch eine idyllische Seen-Landschaft aus.

Truus de Vries

Rudi hatte im Alter von 17 Jahren die 15-jährige Truus des Vries kennengelernt. Die beiden verlobten sich 1953 und heirateten am 16. Mai 1957 in Truus Heimatdorf Sint Pancras, das unweit von Alkmaar lag. Die beiden mieteten zunächst ein möbliertes Hausboot und kauften im Sommer 1958 für 25000 Gulden ein kleines Reihenhaus in Alt-Loosdrecht, Funtuslaan 83. Rudis Vater wohnte demgegenüber nur in einem gemieteten Haus, wobei ihm der immense Erfolg seines Sohns nicht behagte. Truus und Rudi bekommen zwei Kinder, Annemieke ((* 20. August 1958)) und Caroline (* 15. Juli 1962). Schon während der Geburt des zweiten Kindes war die Ehe nicht mehr intakt.[9]

In Deutschland[Bearbeiten]

Bremen

Mit seiner Arbeit bei Radio Bremen zog Carrell nach Bremen, zunächst in eine kleine Stadtwohnung, während seine Familie in Loosdrecht blieb. Dann mietete er ein Bungalow im Stadtteil Oberneuland, wo er mit seiner Familie wohnte. Dort gelang es zwar den Kindern, nicht aber Truus, sich einzuleben. 1967 kam es zur Trennung, aber erst 1973 zur Scheidung. Carrell überschrieb ihr dabei das Haus in Loosdrecht.[9] Carrell lebte fast ununterbrochen bis zu seinem Tod in Deutschland, besaß aber nie die deutsche Staatsbürgerschaft.

Anke Bobbert

Beim Bremer Sechstagerennen lernte Carrell die Bremerin und Tochter eines Schneidermeisters Anke Boobert (* 1940, † 2000) kennen. Sie arbeitete in der Verwaltung der Stadtwerke.[8] und wurde Carrells Freundin. 1972 hatte sie eine Affäire mit André Heller, dann drängte sie darauf, dass Carrell sich scheiden ließ.[10] Am 1. Februar 1974 heirateten die beiden. Sie hatten einen Sohn, Alexander (* 3. Juni 1977). Durch die Anstrengungen bei der Geburt bekam Anke Rheuma, wobei die Veranlagung zu dieser Krankheit in der Familie vererbt wurde. Rudi hat daraufhin mit Anke viele Spezialisten aufgesucht, um eine Heilung zu ermöglichen, es stellte sich aber ein chronischer Verlauf heraus, der dafür sorgte, dass sich Anke immer seltener in die Öffentlichkeit begab zu schließlich an der Krankheit verstarb.

Scholen

Ende der 1960er Jahre kaufte sich Carrell ein umgebautes Bauernhaus in Scholen und zieht dort mit Anke ein: Ich hatte das Haus durch Zufall entdeckt. Es sah von außen wie ein richtiger Bauernhof aus, von innen aber wie eine Art englischer Bungalow, schön antik eingerichtet, altes Holz, offener Kamin. Es könnte ein Landhaus aus einem Durbridge-Krimi sein.[10]

Belgien und Spanien

Als Carrell seine Filme drehte, war es steuerlich für ihn erheblich günstiger, im Ausland zu wohnen. So zog in den Norden von Belgien, in die Nähe des Freizeitparks Bobbejaanland. Das deutsche Anwesen wurde zum Zweitwohnsitz. Dort blieben Rudi und Anke aber nicht lange, bereits nach einem Jahr erlaubten die Filmgagen eine Villa mit Swinningpool im spanischen El Rosario. Über das Leben dort sagte Rudi rückblickend: Es war herrlich, es gab da alles. Nutten und Filmstars, Gangster und Gauner, Rauschgifthändler, Zuhälter, Hochstapler, Millionäre, schöne Frauen. Es war ein Tummelplatz für die schrägsten Vögel aus aller Welt. Das alles zu beobachten war eine einzige Gaudi für mich, und ich habe wahnsinnig viel gelacht. Niemand war da normal, außer den Touristen. Eine Woche vor Am laufenden Band flog er dann nach Bremen und meist schon am Tag nach der Show wieder zurück.[10]

Wachendorf

Mit dem großen Nebeneinnahmen schien Carrell sein Bauernhaus nicht mehr angemessen zu sein: Wir suchten etwas mit Wasser und entdeckten dann über eine Zeitungsannonce das Anwesen in Wachendorf mit einer ganzen Reihe von Gebäuden und dem herrlichen See. Das fand ich so toll, dass ich es 1975 sofort gekauft habe. Es handelte um das Rittergut Wachendorf, ein parkähnliches Grundstück mit Bauernhof in Syke im Stadtteil Wachendorf. Seine Frau organisierte die Umbauten, die vor allem sein Werbevertrag mit Edeka finanzierte. Deswegen nannte Carrell sein Haus auch Casa Edeka. Er unterstützte das Dorfleben und ließ beispielsweise seine gesamte Familie in den Schützenverein eintreten, obwohl dessen Aktivitäten keinen sonderlich interessierten.

Herkunft

1979 schaute Carrell mit einem Mitarbeiter der Stadtverwaltung Alkmaar nach seinen Vorfahren. Er hatte die Vermutung, er stamme von deutschen Vorfahren ab, da seine Perfektionsdrang untypisch für einen Holländer sei. Seine Mutter besaß so weit die Aufzeichnungen reichten, holländische Vorfahren, aber bei seinen Vater fand sich ein Vorfahren aus Schlesien. Carrells Ur-Ur-Urgroßvater, Jakob Kesselaar wurde 1805 geboren als Sohn von Friedhelm Kessler, geboren 1771 in Neustadt, Oberschlesien. Die Namensanpassung an die niederländischen Sprache war dabei nicht ungewöhnlich.[3]

Südfrankreich

Im Frühjahr 1980 kaufte sich Carrell in Èze ein Haus und zog dorthin. Er sagte rückblickend dazu: Ich brauchte dringend einen Ortswechsel, um abschalten zu können. und Ich habe damals wirklich gedacht, dass ich nie wieder Fernsehen machen kann, so ausgebrannt war ich da. Ein weiterer Grund lag in der Krankheit seiner Frau. Man glaubte, ein warmes Klima lindere sie, es stellte sich dann aber heraus, das Anke es nicht vertrug. Die Presse erfährt erst mit Verzögerung von der Auslandswohnung, belagert sie dann aber so sehr, dass es sogar ein Gericht Schmerzensgeld anerkennt. Schon Ende 1980 kehrt Carrell auf Anraten von Leslie Roberts wieder nach Deutschland zurück: Er hat mich überzeugt weiterzumachen. Schließlich, so meinte er, gebe es doch viel zu wenig echte Persönlichkeiten im deutschen Fernsehen.

Susanne Hoffmann

Bei den Arbeiten zu Rudis Tagesshow lernte Carrell die Drehbuchautoren Susanne Hoffmann (* 1960, † 2003) kennen, welche zum Team gehörte. Es kam zu einer Beziehung, die sich verstärkte, als er vermehrt zu Hause arbeitete. Rudi hatte sich nämlich zu seinem 50. Geburtstag die alte Mühle auf seinem Grundstück zu einem Arbeitshaus umbauen lassen, so dass er nicht jeden Tag nach Radio Bremen fahren musste. 1997 gab er die Beziehung öffentlich bekannt. Bald nach dem Tod seiner Frau Anke durch Herzversagen am 23. Februar 2000 kam es auch zur Trennung von Susanne Hoffmann, die im Alter von 43 Jahren am 6. April 2003 an einem Gehirntumor starb. Den Rechtsstreit mit ihren Erben konnte Carrell durch einen Vergleich beenden.

Simone Felischak

Am 7. Februar 2001 heiratete Carrell in Australien seine dritte Ehefrau, die damals 30-jährige Magdeburger Köchin Simone Felischak (* 8. Mai 1970), die er 1995 beim Golfspiel in Bad Griesbach im Rottal kennengelernt hatte.

Handabdrücke Carrells in der Bremer Lloyd-Passage, Juni 2006
Krebserkrankung

In einem Interview im November 2005 bestätigte Carrell in einen Interview mit Bunte, dass er an Lungenkrebs erkrankt sei. Krank fühle er sich aber trotzdem nicht: Krank sein heißt Fieber, Schmerzen, Übelkeit [… mir sind] all diese typischen Krankheitssymptome bisher, Gott sei Dank, erspart geblieben, aber er habe sich nach 51 ;Jahren mit bis zu drei Packungen Zigaretten pro Tag endlich das Rauchen abgewöhnt.

Bei der Aufzeichnung der letzten Folge von 7 Tage, 7 Köpfe wirkte Carrell noch einmal selbst mit. Stumm tritt er auf und gibt noch einmal den Running Gag der Show zum Besten: Er schüttet mit Hilfe eines Seiles ein Glas Wasser über die Hose von Harald Schmidt und verschwindet wortlos. Die Sendung wurde am 31. Dezember 2005, der Silvester-Show und letztmaligen Ausgabe von 7 Tage, 7 Köpfe, ausgestrahlt. In einem Interview scherzte Carrell:

„Gags, die wir für ,7 Tage, 7 Köpfe‘ nicht gebrauchen können, hebe ich auf. Und wenn ich in den Himmel komme, werde ich damit etwas nebenbei verdienen.“

Am 2. Februar 2006 freute sich der schwer erkrankte Rudi Carrell sichtlich über die Ehrung für sein Lebenswerk mit der Goldenen Kamera in Berlin. Ihm war seine Krankheit anzusehen, auch seine Stimme klang schwach und heiser. Dennoch konnte er sein Scherzen nicht lassen und sagte:

„Die Tatsache, dass ich hier heute Abend sein kann, verdanke ich vor allem meiner Krankenversicherung, dem Klinikum Bremen-Ost und der deutschen Pharmaindustrie.“

Und er fügte hinzu:

„Mit so einer Stimme kann man in Deutschland immer noch Superstar werden.“

Es sollte sein letzter Auftritt im Fernsehen sein.[11] Am 17. März 2006 erschien im Magazin der Süddeutschen Zeitung ein längeres Interview, in dem Rudi Carrell sehr offen über den Tod sprach.[12]

Tod

Zum Schluss lebte Rudi Carrell zurückgezogen auf seinem Gutshof in Syke Stadtteil Wachendorf im Landkreis Diepholz. Er starb am 7. Juli 2006 gegen Mittag im Alter von 71 Jahren im Klinikum Bremen-Ost. Am 9. Juli 2006 fand im engsten Familienkreis eine Trauerfeier statt. Carrell wurde am 25. Juli auf dem Friedhof im niedersächsischen Heiligenfelde (Syke) beigesetzt.[13] Aufgrund seines letzten Wunsches wurde die Urne seiner zweiten Ehefrau umgebettet und ruht jetzt neben ihm auf dem Friedhof. Rudi Carrell kündigte kurz vor seinem Tod in einem Interview mit dem SZ-Magazin an, auf eine öffentliche Beerdigung verzichten zu wollen: Aus Angst vor den Jacob Sisters. Mit ihren komischen Pudeln zerstören sie doch jede Atmosphäre. Die waren ja auch bei Moshammer.[14]

Denkmal[Bearbeiten]

Kurz vor seinem Tod saß Rudi Carrell für eine Bronze-Büste des Bildhauers Carsten Eggers Modell. Das Kunstwerk wurde noch zu seinen Lebzeiten fertig. Die Enthüllung des Denkmals im Jahr 2007 in seinem Geburtsort Alkmaar (Niederlande) erlebte Carrell nicht mehr. Auch nicht, dass ihm zu Ehren der Rudi Carrellplaats geschaffen wurde, der heute zu den Sehenswürdigkeiten von Alkmaar zählt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten]

Deutsch[Bearbeiten]

Singles[Bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Singles
[16]
Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?
  DE 18 05.05.1975 (14 Wo.)
Goethe war gut
  DE 9 30.10.1978 (19 Wo.)
  • 1971 – Trimm dich und halte dich fit / Wir sind alle kleine Sünderlein
  • 1975 − Wann wird’s mal wieder richtig Sommer? / Heul nicht
  • 1975 − Liebling, die Deutschen sterben aus / Mahlzeit
  • 1975 − La la la / Ich liebe dich
  • 1976 − Trink doch einen mit / Wer kann heut’ noch richtig flirten
  • 1976 − Rosi, lach mich noch mal an / Wir zwei, mein Hund und ich
  • 1978 − Goethe war gut / Mein Dorf
  • 1979 − Zu viel Schaum, zu wenig Bier / Der Herr gab allen Tieren ihren Namen
  • 1979 − Ein kleines Kompliment / Ich geh’ an deinem Haus vorbei
  • 1980 − Sie hat noch nie / Aber dennoch hat Herr Meier

Alben[Bearbeiten]

  • 1974 − Ein Abend mit Rudi Carrell
  • 1975 − Rudi Carrell
  • 1976 − Eine große Scheibe Carrell (Club-Sonderauflage)
  • 1978 − Rudi, Rudi, noch einmal

Kompilationen[Bearbeiten]

  • 1978 − Goethe war gut
  • 1979 − Rudis Schlagershow
  • 1995 − Das Beste aus Rudis Urlaubsshow
  • 1996 − Schlager am laufenden Band
  • 2000 − Sein ultimatives Album
  • 2003 − Unvergesslich (Kein Sommer ohne Rudi)
  • 2006 − Das Beste
  • 2006 − In Memoriam

Niederländisch[Bearbeiten]

Singles[Bearbeiten]

  • 1960 − Wat een geluk, Panama-kanaal
  • 1964 − Een muis in een molen in mooi Amsterdam, Polonaise
  • 1968 − De hoogste tijd, Rottinkie
  • 1976 − Samen een straatje om, La la la
  • 1980 − Zij heeft nog nooit, Het wordt een moordknul

Kompilationen[Bearbeiten]

  • 1980 − Komkommertijd

Filmografie[Bearbeiten]

Fernsehdokumentation[Bearbeiten]

  • Rudolf Wijbrand Kesselaar genannt Carrell - Fast ein Selbstporträt, ein Film von Klaus Michael Heinz, 90 Min., Das Erste, 18. Dezember 1999
  • Rudolf Wijbrand Kesselaar genannt Carrell - Fast ein Selbstporträt, ein Nachruf von Klaus Michael Heinz, 90 Min., Das Erste, 10. Juli 2006
  • Unser Bruder, Vater, Opa Rudi genannt Carrell, ein Film von Annemieke Kesselaar Klar und Dieter Klar, 45 Min., Das Erste, 20. Dezember 2009

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudi Carrell: Gib mir mein Fahrrad wieder. Molden, Wien, München, Zürich, Innsbruck 1979, ISBN 3-217-00981-9
  • Ingo Schiweck (Hrsg.): „Laß dich überraschen …“. Niederländische Unterhaltungskünstler in Deutschland nach 1945. Agenda-Verlag, Münster 2005, ISBN 3-89688-255-4.
  • Susanne Schult: Rudi Carrell. Das Image eines Stars in der Geschichte des deutschen Fernsehens. Der Andere Verlag, Osnabrück 2000, ISBN 3-934366-87-2 (Zugleich: Lüneburg, Univ., Diss., 2000).
  • Jürgen Trimborn: Rudi Carrell. Ein Leben für die Show. Die Biographie. C. Bertelsmann, München 2006, ISBN 3-570-00941-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rudi Carrell – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Ein Leben für die Show, Kapitel Conférencier Kesselaar
  2. a b c d e f g h i j Ein Leben für die Show, Kapitel Von Alkmaar nach Hilversum
  3. a b c Gib mir mein Fahrrad wieder, Kapitel 5. Tag
  4. Hamburger Abendblatt vom 31. Dezember 1980
  5. a b c Ein Leben für die Show, Kapitel Erfahrungen an neuen Ufern
  6. Ein Leben für die Show, Anhang
  7. Ein Leben für die Show, Kapitel 10 König des Samstagabends
  8. a b c d e Ein Leben für die Show, Kapitel Eine Kindheit in Holland
  9. a b Ein Leben für die Show, Kapitel Shootingstar in Deutschland
  10. a b c Ein Leben für die Show, Kapitel Rudi auf allen Kanälen
  11. Letzter Unterhaltungsauftritt
  12. Ein Leben danach? Nein. Dann ist es eben aus. Rudi Carrell im Interview mit dem SZ Magazin
  13. knerger.de: Das Grab von Rudi Carrell
  14. Der letzte deutsche Showmaster verlässt die Bühne. Ein Gespräch mit Rudi Carrell. In: SZ-Magazin.
  15. wird von der Fördergemeinschaft Gutes Hören und dem Forum Besser Hören gemeinsam vergeben, weil sich Rudi Carrell nach Angaben der Jury aktiv für die Akzeptanz von Hörgeräten für die tägliche Kommunikation eingesetzt hat
  16. Hit-Bilanz, deutsche Chart Singles 1956–2001 auf CD-ROM; Verlag: Taurus Press Verlag populärer Musik-Literatur GmbH