Rudi Goguel

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Rudolf „Rudi“ Oskar Goguel (* 21. April 1908 in Straßburg, Deutsches Reich; † 6. Oktober 1976 in Ost-Berlin) war ein deutscher Widerstandskämpfer während der nationalsozalstischen Herrschaft. Als Mitglied der KPD verhaftet und interniert, komponierte er im Krankenrevier[1] während seiner Haftzeit im Emslandlager KZ Börgermoor das bekannte Moorsoldatenlied.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudolf Goguel war das zweite Kind einer recht wohlhabenden bürgerlichen Familie. Die Mutter entstammte dem protestantischen Großbürgertum, und war zunächst Hausfrau. Der Vater hatte sich aus kleinen Verhältnissen zum Musiklehrer und Inhaber eines Konservatoriums hochgearbeitet. Die Eltern trennten sich um 1913, als Goguel fünf Jahre alt war. Als Jugendlicher war er mit völkischen Gruppen wandern und musizieren, nahm aber auch an paramilitärischen Übungen teil. Nach dem Abitur 1926 in Freiburg machte er eine Lehre zum kaufmännischen Angestellten und arbeitete später in der Werbeabteilung einer Düsseldorfer Maschinenfabrik.

In dieser Zeit wandte er sich vom romantischen Rechtsradikalismus ab. Seine Leidenschaft war die Musik. Ein Musikstudium hatten die kärglichen Mittel der durch Scheidung, Rückfall Straßburgs an Frankreich und Inflation verarmten Familie nicht zugelassen. Seine Freizeit gehörte aber der Musik und er wurde Mitglied einer Gruppe von jungen, SPD-nahen Musikreformern, der „Musikantengilde“, die ihn auch politisch stark beeinflusste. 1930 trat er der KPD bei und der Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO). Eine wichtige Rolle spielte dabei auch der Schauspieler und Regisseur Wolfgang Langhoff. Ende 1932 war er Instrukteur bei der RGO für die Angestelltenarbeit in drei Bezirken. Im Juni 1932 wurde er wegen eines Artikels in der illegalen Betriebszeitung und seines politischen Engagements als KPD-Funktionär von der Maschinenfabrik entlassen.[2]

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er verhaftet und ins KZ Börgermoor im Emsland verschleppt. Dort komponierte er die Melodie des Moorsoldatenliedes. Nach seiner Entlassung 1934 aufgrund eines Gnadengesuches seiner todkranken Mutter ging er in den Untergrund und arbeitete in der Illegalität für die KPD. Dabei kam es zu ersten größeren Konflikten mit der Partei. Im Gegensatz zu anderen glaubte er nicht mehr an die unmittelbar bevorstehende Revolution oder an den schnellen Zusammenbruch der NS-Herrschaft. Am 27. September 1934 wurde er ein zweites Mal verhaftet. In den folgenden Tagen wurde er dermaßen gefoltert, dass er einen engen Mitarbeiter verriet. Daraufhin stürzte er sich von der zweiten Etage des Polizeigefängnisses in den Keller. Eine schwere Kopfverletzung sowie ein steifer Arm waren die Folge. Die Kopfverletzung führte ab 1938 zu immer wiederkehrenden Anfällen traumantischer Epilepsie. In einem Gerichtsprozess wurde er zu zehn Jahren Zuchthaus wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt. Die Strafe verbüßte er von 1934 bis 1944 in den Zuchthäusern Remscheid-Lüttringhausen, Wolfenbüttel, Celle und Hameln.

Nach seiner Entlassung aus der Haft am 27. September 1944 wurde er umgehend in „Schutzhaft“ genommen und über das KZ Sachsenhausen ins KZ Neuengamme verschleppt. Dieses KZ wurde Anfang Mai 1945 vor den heranrückenden britischen Soldaten der alliierten Invasionsstreitkräfte geräumt. Die KZ-Häftlinge wurden auf Schiffe in der Lübecker Bucht gebracht. Goguel zählt zu den wenigen Überlebenden der Bombardierung der Häftlingsflotte durch britische Flugzeuge am 3. Mai 1945. Insgesamt waren auf dem Häftlingsschiff Cap Arcona und weiteren Schiffen viele tausend KZ-Häftlinge zusammengepfercht, von denen die meisten beim Bombardement starben.[3]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging Goguel nach Süddeutschland. Seine Verlobte wohnt in Konstanz. Er arbeitete 1946 als Redakteur und Politiker für die KP Südbaden und Konstanz. Goguel wurde von der französischen Besatzungsmacht als einer der Vertreter von vier Parteien eingesetzt für die Redaktion und herausgebende Gesellschaft des Südkuriers, zusammen mit Hermann Fiebing, Hermann Dörflinger, Karl Julius Großhans und Friedrich Munding.[4]

Damals verfasste er seine Autobiographie Es war ein langer Weg. 1949 kandidierte er bei der Bundestagswahl für die KPD. Nach massiven parteiinternen Auseinandersetzungen enthielt sich Goguel fortan jeden Engagements in seiner Partei. Nach einer Tätigkeit für den Parteiverlag in Düsseldorf ging er 1952 nach Ostberlin und erhielt eine Anstellung beim Deutschen Institut für Zeitgeschichte (DIZ). Von 1959 bis 1968 war er Abteilungsleiter an der Humboldt-Universität Berlin für die „Geschichte der imperialistischen Ostforschung“. Er durfte auch ohne akademische Ausbildung einen Doktortitel erwerben. Nachdem die Abteilung gegen Goguels Widerstand dem Deutschen Wirtschaftsinstitut angegliedert worden war, ging Goguel 1969 enttäuscht in den Ruhestand.

Grabstätte

1964 zählte er zu den Mitbegründern der Lagergemeinschaft Neuengamme im Komitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR. Sein Buch über seine Erlebnisse an Bord der Cap Arcona erschien 1972. Ein Jahr später erschien sein Beitrag in dem Sammelband Juden unterm Hakenkreuz. 1973 erhielt er den Vaterländischen Verdienstorden in Silber.[5][6]

Goguel erlag am 6. Oktober 1976 im Alter von 68 Jahren einem Hirnschlag. Seine Urne wurde in der Grabanlage Pergolenweg der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Berliner Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt. Die Grabrede hielt der Journalist Gerhard Leo, ein Freund aus den Tagen beim „Freien Volk“ in Düsseldorf.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Es war ein langer Weg. Komet, Düsseldorf 1947.
    • Es war ein langer Weg. Volksverlag, Singen 1948.
    • Es war ein langer Weg. Hg. Mahn- und Gedenkstätte, Düsseldorf 2007, ISBN 978-3-98076747-7.
  • Über die Mitwirkung deutscher Wissenschaftler am Okkupationsregime in Polen im Zweiten Weltkrieg. Berlin 1964.
  • Rudi Goguel und Heinz Pohl: Oder-Neisse – Eine Dokumentation. In: Deutsches Institut für Zeitgeschichte, Berlin (Hrsg.): Reihe Quellen und Studien. Kongress-Verlag, Berlin 1956 (200 S.).
    • in Russ. Oder-Nejsse granica mira. Izd. inostrannoj literatury, Moskau 1960.
  • Wie es zur Oder-Neisse-Grenze kam. Referentenmaterial. Sektion Gesamtdeutsche und internationale Fragen, Heft 11, 1956.
  • Polen, Deutschland und die Oder-Neisse-Grenze. Rütten & Loening, Berlin 1959.
  • Nauka w służbie “Drang nach Osten”. Sekretariat Stanu do Spraw Szkolnictwa Wyższego i Zawodowego.[7] Berlin 1960 (polnisch).
  • Studien zur Geschichte der sozialistischen Länder Europas. Hg. Humboldt-Universität zu Berlin. 1968.
  • Cap Arcona. Röderberg, Frankfurt 1972; 1982.2
    • Kap Arkona. Izdatel’stvo Progress, Moskau 1975.
  • Antifaschistischer Widerstandskampf. Hg. Zentralleitung des Komitees der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR. Berlin 1974.
  • Antifaschistischer Widerstand und Klassenkampf. Militärverlag der DDR, Berlin 1976.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Historische Lieder aus acht Jahrhunderten. Gemeinsam herausgegeben von den Landeszentralen für politische Bildung Hamburg und Schleswig-Holstein, Redaktion: Wolfgang Hubrich, Helga Kutz-Brauer, Rüdiger Wenzel. Hamburg 1989, S. 108.
  2. Siegfried Mielke, Günter Morsch (Hrsg.): Gewerkschafter in Konzentrationslagern 1933–1945. Metropol-Verlag, Berlin 2011, S. 71.
  3. Siegfried Mielke, Günter Morsch (Hrsg.): Gewerkschafter in Konzentrationslagern 1933–1945. Metropol-Verlag, Berlin 2011, S. 72–78.
  4. Dieter Löffler: Weltoffen und der Heimat verbunden: Zum Tode des früheren Chefredakteurs Oexle. Zwei Jahrzehnte war er an der Spitze des SÜDKURIER – nun ist der frühere Chefredakteur Franz Oexle gestorben. In: Südkurier. 31. März 2018, abgerufen am 3. April 2018.
  5. Berliner Zeitung, 22. Mai 1973, S. 5.
  6. Siegfried Mielke, Günter Morsch (Hrsg.): Gewerkschafter in Konzentrationslagern 1933–1945. Metropol-Verlag, Berlin 2011, S. 79–81.
  7. Staatssekretariat für das Hoch- u. Fachschulwesen.