Rudi Völler

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Rudi Völler

Rudi Völler (2014)

Spielerinformationen
Voller Name Rudolf Völler
Geburtstag 13. April 1960
Geburtsort HanauDeutschland
Größe 180 cm
Position Stürmer
Vereine in der Jugend
1968–1975
1975–1977
TSV 1860 Hanau
Kickers Offenbach
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1977–1980
1980–1982
1982–1987
1987–1992
1992–1994
1994–1996
Kickers Offenbach
TSV 1860 München
Werder Bremen
AS Rom
Olympique Marseille
Bayer 04 Leverkusen
73 (19)
70 (46)
137 (97)
142 (44)
58 (24)
62 (26)
Nationalmannschaft
1979–1982
1980
1982–1994
BR Deutschland U-21
BR Deutschland B
Deutschland
19 (10)
3 0(0)
90 (47)
Stationen als Trainer
2000–2004
2000
2004
2005
Deutschland (Teamchef)
Bayer 04 Leverkusen (interim)
AS Rom
Bayer 04 Leverkusen (interim)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Rudolf „Rudi“ Völler (* 13. April 1960 in Hanau) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler. Mit der Nationalmannschaft wurde er 1990 Weltmeister, daneben gewann er 1993 die Champions League mit seinem damaligen Verein Olympique Marseille. Von 2000 bis 2004 war er Teamchef der deutschen Nationalmannschaft, die unter seiner Leitung 2002 Vize-Weltmeister wurde. Seit Januar 2005 bekleidet er das Amt des Sportdirektors beim Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudi Völler wurde 1960 in Hanau als einer von vier Söhnen von Kurt und Ilse Völler geboren. Der Vater war gelernter Dreher, arbeitete später als Lagermeister und war Jugendbetreuer beim örtlichen Fußballverein TSV 1860 Hanau, bei dem er auch als Spieler aktiv gewesen war. Die Mutter arbeitete nebenher als Näherin und Putzfrau. Mit acht Jahren nahm sein Vater ihn zum ersten Mal mit zum Training.

Völler wollte von Anfang an nur im Sturm spielen und entpuppte sich schnell als Talent. Ab der C-Jugend spielte er im Sturm des TSV und erzielte von da an 40 bis 50 Tore pro Saison. Mit 15 Jahren wurde er von dem Offenbacher Talentspäher Hermann Nuber entdeckt.

Er besuchte die Realschule sowie eine Hanauer kirchliche sogenannte Sonntagsschule. Nach seinem Realschulabschluss wollten ihn die Kickers Offenbach verpflichten, doch Völler absolvierte zuerst eine Lehre. So arbeitete er als Bürokaufmann-Auszubildender auf der Kickers-Geschäftsstelle und später bei der Firma LÖBRO, die Gelenkwellen für Autos und Lkw herstellte.

Offenbach und 1860 München[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit 16 Jahren trainierte Völler erstmals mit der Profimannschaft des damaligen Zweitligisten Kickers Offenbach. Als 17-Jähriger gab er im November 1977 sein Debüt in der ersten Mannschaft. In dieser Saison absolvierte er noch fünf weitere Ligaspiele und erzielte im Januar 1978 sein erstes Profitor für die Kickers.

Vor der Saison 1978/79 unterschrieb er bei den Kickers seinen ersten Profivertrag. Er spielte noch bis zum Ende der Saison 1979/80 in Offenbach am Main und brachte es am Ende auf insgesamt 67 Spiele mit 18 Toren.

1980 wechselte Völler für eine Ablöse über 700.000 DM zum Erstligisten TSV 1860 München. In seiner ersten Erstligasaison gelangen ihm in 33 Spielen neun Tore, doch der TSV 1860 stieg in die 2. Bundesliga ab. Obwohl Völler in der Saison 1981/82 mit 37 Toren Torschützenkönig wurde, wurde der direkte Wiederaufstieg um einen Punkt verpasst. Wegen großer finanzieller Belastungen entzog der DFB dem TSV die Lizenz, ein Zwangsabstieg in die drittklassige Bayernliga war die Folge. Völler wechselte daraufhin zu dem ambitionierten Erstligisten Werder Bremen, der die vorangegangene Saison als Aufsteiger mit dem fünften Platz abgeschlossen hatte. Er sollte bei Bremen als Mittelstürmer der Nachfolger des ehemaligen Nationalspielers Erwin Kostedde werden.

Im Frühjahr 1982 hatte der damalige Bundestrainer Jupp Derwall Völler als einzigen Zweitligaspieler in den vorläufigen 40-Spieler-Kader für die WM in Spanien nominiert. Letztendlich zog Derwall aber die etablierten Stürmer Klaus Fischer und Horst Hrubesch vor.

Von 1979 bis 1982 bestritt er 19 Spiele für die U-21-Nationalmannschaft und schoss dabei 10 Tore. 1982 wurde er U-21-Vizeeuropameister und erzielte im ersten Endspiel in Sheffield gegen England das Tor für die deutsche Mannschaft bei der 1:3-Niederlage. Im mit 3:2 gewonnenen Rückspiel in Bremen kam er nicht zum Einsatz. Zudem bestritt er 1980 drei Spiele für die B-Nationalmannschaft.

Werder Bremen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Saison 1982/83 wurde Werder Bremen punktgleich mit dem Meister Hamburger SV Vizemeister und Völler in seiner ersten Bremer Spielzeit Bundesliga-Torschützenkönig. Am 17. November 1982 debütierte er außerdem bei der 0:1-Niederlage in Nordirland in der deutschen Nationalmannschaft, als er für Lothar Matthäus eingewechselt wurde.

Bei der für die bundesdeutsche Auswahl enttäuschenden EM 1984 erreichten viele seiner Mitspieler nicht annähernd ihre Leistungsgrenze. Völler dagegen erzielte in den drei Vorrundenspielen, nach denen Deutschland ausschied, die beiden einzigen Tore für sein Team. Somit war er einer der wenigen bundesdeutschen Spieler, die die EM zumindest in Teilen als Erfolg verbuchen konnten.

In den Spielzeiten 1984/85 und 1985/86 folgten weitere Vize-Meisterschaften mit Werder Bremen, 1986 abermals wegen der schlechteren Tordifferenz. Dabei wurde er im vorletzten Spiel der Hinserie im Spiel bei Bayern München von Klaus Augenthaler so schwer gefoult, dass er fast die komplette Rückrunde ausfiel und erst am vorletzten Spieltag der Saison gegen die Bayern wieder eingewechselt werden konnte. Trotz der langen Verletzungspause wurde er für die WM 1986 nominiert und erreichte mit der deutschen Mannschaft das Finale. Er war mit drei Toren bester deutscher Torschütze im Turnier. Zwei seiner Tore erzielte er nach Einwechslungen und war dadurch bis zur WM 2014 erfolgreichster Einwechselspieler der deutschen Mannschaft bei Weltmeisterschaften, ehe er von André Schürrle abgelöst wurde, der in diesem Turnier drei Jokertore erzielte.

Weitere Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1987 wechselte er vom SV Werder Bremen zur AS Rom in die Serie A, in welcher er mit seinem Verein in der Saison 1987/88 den dritten Platz erreichte. Bei der EM 1988 wurde er in allen vier Spielen eingesetzt und erzielte in der Partie gegen Spanien beide Tore zum 2:0-Sieg.

Zwei Jahre später, 1990, wurde Völler mit der bundesdeutschen Nationalmannschaft Weltmeister: Beim 1:0-Sieg gegen Argentinien im Finale von Rom war es Völler, der im Strafraum gefoult wurde, bevor Andreas Brehme den anschließenden Elfmeter zum 1:0 verwandelte.

Mit der AS Rom gewann er 1991 den italienischen Pokal und erreichte im gleichen Jahr das Finale des UEFA-Cup, in dem seine Mannschaft allerdings Inter Mailand unterlag. 1992 kamen Völler und die AS Rom bis ins Viertelfinale des Europapokals der Pokalsieger, in welchem die Mannschaft jedoch gegen den späteren Finalisten AS Monaco ausschied, der dann im Finale gegen Völlers ehemaligen Verein Werder Bremen unterlag.

Als sich Lothar Matthäus 1992 am Knie verletzte und nicht an der EM im selben Jahr teilnehmen konnte, wurde Völler Kapitän der Nationalmannschaft. Im Turnier brach er sich allerdings im ersten Spiel gegen die GUS den Arm und konnte bei den weiteren Spielen nicht mehr eingesetzt werden.[1]

Zur Spielzeit 1992/93 wechselte er zu Olympique Marseille, wo er – als erster deutscher Fußballer überhaupt – 1993 die erste Ausgabe der Champions League, vormals Europapokal der Landesmeister, gewann. Völler wurde im Finale, das die Franzosen 1:0 gegen den AC Mailand gewannen, in der 78. Minute gegen Jean-Christophe Thomas ausgewechselt.

Bei der WM 1994 erzielte er im Achtelfinale gegen Belgien zwei Tore (Endstand 3:2). Das Viertelfinale gegen Bulgarien, wonach Deutschland ausschied, war sein letztes Spiel in der Nationalmannschaft.

Für die Nationalmannschaft spielte er 90 Mal und erzielte 47 Tore, was ihn gemeinsam mit Jürgen Klinsmann zum vierterfolgreichsten Torjäger der deutschen Nationalmannschaft macht.[2] Er bestritt 15 WM-Spiele und schoss dabei acht Tore sowie acht EM-Spiele, bei denen er vier Tore erzielte.

Bayer Leverkusen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudi Völler 2009

1994 kehrte er nach Deutschland zurück. Für Bayer 04 Leverkusen absolvierte er 62 Bundesligaspiele und erzielte 26 Tore, bevor er schließlich 1996 seine aktive Karriere beendete, um danach bis 2000 als Sportdirektor für den Verein zu arbeiten.

Fußballtrainer und Manager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. Juli 2000, kurz nach der EM, bei der die deutsche Nationalelf unter Erich Ribbeck als Titelverteidiger schon in der Vorrunde als Gruppenletzter ausgeschieden war, wurde Völler Teamchef der DFB-Auswahl.

Ursprünglich sollte Völler den Posten ein Jahr lang (bis 2001) innehaben, bis Christoph Daums Vertrag bei Bayer 04 Leverkusen ausliefe und dieser den Posten übernehmen konnte. Als Daum wegen nachgewiesenen Drogenkonsums nicht mehr für das Amt des Bundestrainers berücksichtigt wurde, wurde Völler unbefristet eingestellt. Für knapp einen Monat war er im Herbst 2000 nach der Entlassung von Daum gleichzeitig Interimstrainer bei Bayer 04 Leverkusen.

Seinen größten Erfolg erzielte Völler 2002: Entgegen vielen Prognosen von Experten, die ein frühes Aus prophezeit hatten, schaffte er mit der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2002 in Südkorea und Japan den Sprung ins Finale. Deutschland unterlag gegen Brasilien mit 0:2.

Für Schlagzeilen sorgte Völler am 6. September 2003: Nach einem enttäuschenden 0:0 der deutschen Nationalelf in einem EM-Qualifikationsspiel in Island gegen die „Brasilianer des Nordatlantik“ (Zitat Gerhard Delling) bekundete er in einem Live-Interview mit ARD-Moderator Waldemar Hartmann seinen Unmut, nachdem er zur schlechten Leistung seiner Mannschaft befragt worden war. Er attackierte vor laufender Kamera insbesondere die Kommentatoren Delling und Günter Netzer wegen ihrer seiner Meinung nach unsachgemäßen und negativen Berichterstattung. Hartmann, der dies nicht gelten lassen wollte, wurde deswegen von Völler ebenfalls zurechtgewiesen. Völler entschuldigte sich später öffentlich für seine Wortwahl, hielt aber an seiner grundsätzlichen Kritik einer seiner Ansicht nach desavouierenden Berichterstattung fest.

Nachdem die deutsche Nationalmannschaft bei der EM 2004 bereits in der Vorrunde ausgeschieden war, erklärte Völler am 24. Juni 2004 seinen Rücktritt als Teamchef der deutschen Nationalelf.

Am 30. August 2004 wurde Völler neuer Trainer beim italienischen Fußballverein AS Rom. Bereits am 25. September 2004 trat er wegen des ausbleibenden sportlichen Erfolgs jedoch wieder zurück.

Seit dem 18. Januar 2005 fungiert Völler erneut als Sportdirektor von Bayer 04 Leverkusen. Am 16. September 2005 wurde er als Nachfolger von Klaus Augenthaler Übergangstrainer für drei Bundesligaspiele. Am 9. Oktober 2005 gab er das Traineramt an Michael Skibbe ab und arbeitet seitdem wieder als Sportdirektor. Sein Vertrag läuft bis 2022.

Rekorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine 73 Tore in den ersten 100 Spielen für Werder Bremen stellen einen Bundesliga-Rekord dar.[3]

Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Trainer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vize-Weltmeister: 2002 mit Deutschland

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudi Völler beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Hanau

Privat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Völler ist seit 1995 in zweiter Ehe mit der Italienerin Sabrina verheiratet. Aus dieser Beziehung hat er zwei Söhne sowie einen weiteren Sohn und eine Tochter aus erster Ehe. Sein Sohn Marco spielt in der Basketball-Bundesliga für die Gießen 46ers[4] und sein Sohn Kevin Völler-Adducci spielt beim Fußballverein FC Büderich in der Bezirksliga Niederrhein.[5]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Presse wurde Völler kritisiert, da er für den umstrittenen Energieanbieter Teldafax warb.[6][7] Seit Sommer 2011 ist Völler als Werbefigur für Sparkassen zu sehen.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der WM 1990 wurde er vom niederländischen Nationalspieler Frank Rijkaard mehrmals bespuckt. Aufgrund seiner darauffolgenden Beschwerde beim Schiedsrichter wurde Völler anschließend zusammen mit Rijkaard vom Platz gestellt.

In seiner aktiven Zeit erhielt Völler wegen seiner Minipli-Dauerwelle den Spitznamen Tante Käthe.[8] Legendär waren auch die langgezogenen Ruuuuuuuuudi-Rufe in deutschen Fußballstadien sowie (während und nach der WM 2002) das Lied der Band La Rocca mit dem gar zum Satz des Jahres 2002 gekürten Titel Es gibt nur ein’ Rudi Völler zur Melodie von Guantanamera. Von der Kölner Mundartband Höhner wurde er 2001 im Titel Tante Käthe als Bundestrainer besungen.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Schoen: Legenden - Rudi Völler. tvschoenfilm, 2006.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich Kühne-Hellmessen/Tom Bender: Ruuuuudi: mein Leben, mein Karriere, meine Geheimnisse. Sportverlag, Berlin 1996, ISBN 3-328-00703-2.
  • Lutz Mathesorf/Volker Sponholz: ... Ruudi! Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3-499-23275-8.
  • Hans-Dieter Schütt/Rudi Völler: Rudi Völler, Superstar. Sportverlag, Berlin 1992, ISBN 3-7700-1151-1.
  • Carsten Wittmaack: Rudi für Deutschland. Droste Verlag, Düsseldorf 2002, ISBN 3-328-00572-2.
  • Volker Sponholz: Ein Mann für Tante Käthe Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2004, ISBN 3-499-23752-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rudi Völler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Rudi Völler – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ARD-Euro-Rückblick 1992 (Memento vom 12. Juni 2008 im Internet Archive)
  2. Rekordschützen der deutschen Nationalmannschaft auf dfb.de (Memento vom 5. Juli 2014 im Internet Archive)
  3. Gomez lässt Müller stehen - Völler ist der Beste. Wer hat die besten Quoten nach 100 Spielen bei einem Verein? kicker online. Abgerufen am 30. März 2016
  4. Der kleine Völler betritt die große Bühne. Welt N24, 24. September 2016, abgerufen am 26. September 2016.
  5. Kevin Völler-Adducci in der Datenbank von transfermarkt.de. Abgerufen am 30. März 2016.
  6. Serviceflop. Wechseln ist kein Klacks mit Teldafax. Focus Online. 8. März 2011, abgerufen am 30. März 2016.
  7. Sönke Iwersen, Jürgen Flauger: Stromanbieter. Bayer Leverkusen prüft Trennung von Teldafax. Handelsblatt.com. 18. März 2011, abgerufen am 30. März 2016.
  8. 11 Freunde: »Wir waren Blues Brothers« vom 13.11.2011, geladen am 24.06.2016
  9. Wolfgang Schoen: Legenden (2006) auf tvschoenfilm.com (Memento vom 3. November 2013 im Internet Archive)