Rudolf Benario

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Rudolf Benario (* 20. September 1908 in Frankfurt am Main; † 12. April 1933 im KZ Dachau) war ein deutscher Volkswirt. Zusammen mit Ernst Goldmann und Arthur Kahn gilt er als erster in einem nationalsozialistischen KZ ermordeter Jude.

Gedenktafel für Rudolf Benario in Fürth. Die neben der Tafel stehende Birke wurde von Benario gepflanzt.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benario wurde als Sohn des damaligen Redakteurs der Frankfurter Zeitung und späteren Leiters des Instituts für Zeitungskunde an der Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Nürnberg, Leo Benario, und seiner Ehefrau Marie, geborene Bing, geboren. Sein Großvater mütterlicherseits war der Geheime Kommerzienrat Ignaz Bing.

In seiner Jugend besuchte er von 1918 bis 1922 das Alte Gymnasium in Nürnberg und dann das Gymnasium Carolinum, ein humanistisches Gymnasium in Ansbach, wo er zu Ostern 1927 das Reifezeugnis erwarb. Anschließend studierte er Sozialwissenschaften und Rechtswissenschaften in Erlangen, Würzburg, Berlin und zuletzt erneut in Erlangen. Im Wintersemester 1929/1930 legte er an der Philosophischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen das Examen zum Diplom-Volkswirt ab. 1932 promovierte Benario in Erlangen mit einer Arbeit über Wirtschaftsräte in der deutschen Literatur und Gesetzgebung der Jahre 1840 bis 1849 zum Doktor der Staatswissenschaften (mündliche Prüfung am 11. November 1932). Die Arbeit wurde 1933 publiziert.

Politisch engagierte sich Benario, der zuletzt in der Moststraße 35/II in Fürth lebte, als Führer der Jungsozialisten sowie, während seiner Studentenzeit, als Leiter eines sozialistischen Studentenbundes mit der Bezeichnung „Republikanischer Studentenbund, Hochschulgruppe Nürnberg-Erlangen“. Außerdem war er Mitglied der KPD. Als Leiter der jüdisch-kommunistischen Intellektuellengruppe in Nürnberg spielte er eine wichtige Rolle in der KPD-Bezirksleitung Nordbayern.

Wenige Wochen nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 wurde Benario Anfang März 1933 von der SA verhaftet. Über die Verhaftung von Benario berichtete der nationalsozialistische „Fürther Anzeiger“ in seiner Ausgabe vom 10. März 1933: Der „… sattsam bekannte kommunistische Winsler und Jude Benario [wurde] in Schutzhaft genommen“. Einen Monat später, am 11. April 1933, wurde er durch die Landespolizei ins KZ Dachau überstellt. Am 12. April wurde Benario zusammen mit den Häftlingen Ernst Goldmann, Arthur Kahn und Erwin Kahn vom Wachkompanieführer Hans Steinbrenner zum Leeren eines Müllkastens herangezogen und dabei so lange mit einem Ochsenziemer geschlagen, bis sie zusammenbrachen und aus Mund, Nase und anderen Körperteilen bluteten. Am Abend erschien Steinbrenner nach dem Appell in der Baracke II, in der die vier Männer untergebracht waren, rief sie auf und forderte sie auf ihm zu folgen. Er ging mit Benario, Goldmann und den Kahns zu dem Schießplatz im Wald außerhalb von Dachau, wo er sie den SS-Männern Hans Brunner und Max Schmidt und dem SS-Sturmführer Robert Erspenmüller übergab, die die Männer noch tiefer in den Wald führten und dort niederschossen. Benario, Goldmann und Arthur Kahn starben sofort, Erwin Kahn erlag nach einigen Tagen seinen Verletzungen. Offiziell wurde erklärt, die Männer seien „auf der Flucht erschossen“ worden.

Die vier Männer waren damit die ersten Juden, die in einem nationalsozialistischen KZ zu Tode gebracht wurden.[1] Einige Monate später ließ Himmler mit der sogenannten Postenpflicht die Ermordung von Häftlingen innerhalb eines KZ erfolgreich legalisieren.

Benario wurde auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Nürnberg begraben. Im Ausland wurde seine Ermordung bereits im Sommer 1933 durch das kommunistische Braunbuch bekannt gemacht.

Seit 2007 erinnert eine Gedenktafel nahe der Weiherstraße (Uferpromenade) in Fürth an Benario. Die Tafel wurde kurz vor der Veranstaltung zum 80. Todestag am 12. April 2013 entwendet, gleichzeitig der Name des SS-Kompanieführers vor dem Standort der Tafel auf den Boden geschrieben („Hans Steinbrenner hier“). Die Tafel konnte bis zur Veranstaltung ersetzt, die Schrift entfernt werden. Vorschläge, Straßen in Fürth nach Benario zu benennen, wurden 1988 und 2001 vom Ältestenrat des Stadtrates abgelehnt, 2012 stimmte der Stadtrat jedoch zu.[2]

In Fürth eröffnete die Antifaschistische Linke Fürth zum 78. Todestag, am 12. April 2011, den „Infoladen Benario“, auf den Mitte Februar 2012 im Umfeld einer Neo-Nazi-Demonstrationen ein Anschlag verübt wurde.[3]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wirtschaftsräte in der deutschen Literatur und Gesetzgebung der Jahre 1840 bis 1849. Herzogenaurach 1933. (Dissertation)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Komitee zum Gedenken der Fürther Shoah-Opfer (Bearbeitung Gisela Naomi Blume): Memorbuch zum Gedenken an die von den Nazis Ermordeten Fürther Juden. Fürth 1997. S. 47 f. u. S. 137; Hans-Günter Richardi: Schule der Gewalt. Das Konzentrationslager Dachau 1933-1934. München 1983. S. 88 ff.; Udo Sponsel, Helmut Steiner: Erinnerung an Rudolf Benario. Eines der ersten Opfer des nationalsozialistischen Terrors. In: Fürther Heimatblätter 1997, Nr. 2.; Bernd Noack: Quälende Erinnerung. Fürther Nachrichten vom 7. Februar 2012, S. 3 (Lokalteil).
  2. Wolfgang Handel:Ehre für den Alt-OB und zwei Nazi-Opfer, Fürther Nachrichten v. 28. März 2012, S. 1 (Lokalteil); Johannes Alles: Nazi-Opfer verhöhnt, Fürther Nachrichten v. 12. April 2013.
  3. Timo Müller: Neonazistischer Anschlag auf Infoladen Benario.