Rudolf Leuzinger

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Rudolf Leuzinger

Rudolf Leuzinger (* 17. Dezember 1826 in Netstal; † 11. Januar 1896 in Mollis) war ein Schweizer Kartograph. Er gilt als einer der produktivsten Kartographen und besten Interpreten von Gebirgslandschaften und geologischen Formen. Er stellte als erster Terrainkarten in Farblithographie her.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Ausbildung als Kartenstecher bei Joh. Wurster & Comp. in Winterthur, die vom Kartographen Jacob Melchior Ziegler geleitet wurde arbeitete er bei Wurster mehrere Jahre als Kartograph unter anderem an den topographischen Karten des Kantons St. Gallen und des Kantons Appenzell.

1859 machte er sich selbständig und gründete eine kartographische und lithographische Anstalt in der Stadt Glarus. Sie wurde bald für ihre wissenschaftlich und technisch wertvollen Produktionen, darunter auch Kartenstiche, bekannt. 1860 wurde er von Kaiser Napoleon III. beauftragt, einige Karten für seine Histoire de Jules César in Paris anzufertigen. Auf Einladung der Berner Regierung begann er 1861 für die kantonale Forst- und Baudirektion in Bern tätig zu werden, wo er mehrere Schulkarten, touristische Karten und Karten als Beilage zu einer Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten erstellte.

Als der 1863 neu gegründete Schweizer Alpen-Club beschloss, Jahrbücher mit Karten herauszugeben, bot sich ihm ein neues Arbeitsfeld. Viele Tourenkarten wurden von Leuzinger gestochen und fast alle Bände enthielten Arbeiten von seiner Hand. Die Tourenkarten basierten oft auf den geodätischen Originalaufnahmen des Eidgenössischen Topographischen Bureaus und so ergab sich eine enge Beziehung zu dieser Organisation, insbesondere zu Oberst Hermann Siegfried.[1]

Die Bundesversammlung von 1868 beschloss, einen neuen Topographischen Atlas der Schweiz herauszugeben. Siegfried beauftragte Leuzinger mit den schwierigen Stichen der Berge aufgrund der Originalkarten von Dufour (Dufourkarte) und Siegfried (Siegfriedkarte) selbst.

Durch die Heirat seiner Tochter Rosina Susanna 1876 wurde Leuzinger Schwiegervater von Eduard Rubin, Schweizer Oberst und Erfinder der Vollmantelkugel und der militärischen Schmidt-Rubin-Gewehre.

Leuzinger starb im Alter von 69 Jahren an Herzversagen.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte des Albulagebiets von 1893

Seine mehr als 300 Karten sind eine seltene Kombination von Genauigkeit, wissenschaftlicher Gründlichkeit und Kunstfertigkeit und brachten ihm mehrere nationale und internationale Auszeichnungen ein. Zu seinen Arbeiten bei Wurster gehörten die topographischen Karten des Kantons St. Gallen und des Kantons Appenzell (16 Blätter, 1849–1851), der Atlas aller Kontinente (1851), der hypsometrischen Atlas (1856) und der topographischen Karte der Insel Madeira (1856).

Für die Siegfriedkarte fertigte Leuzinger die Hochgebirgsblätter mit 117 monochromen Stichen an, die im In- und Ausland Beachtung fanden. In Kupferstich oder in Chromolithographie erstellte er Karten der Schweiz, der Kantone Aargau, Bern, Freiburg, Glarus, Graubünden, Neuenburg, St. Gallen und Tessin sowie Spezialkarten der Innerschweiz, des Berner Oberlandes, der Gegend um Grindelwald, des Albulagebiets, der Rigi, der Insel Sumbawa, die Schulkarte der Schweiz von 1895, eine grosse Karte von Frankreich, Reliefkarten der Schweiz, von Südbayern, Tirol und Salzburg, Palästina, eine Reisekarte von Oberitalien, eine Eisenbahnkarte Europas, kleine Karten für Baedeker- und Meyers Reisebücher sowie die Terrainzeichnung auf den Karten des Rhonegletscherwerkes und auf Xaver Imfelds Montblanc-Karte.[2]

„Aus Mollis (Kanton Glarus) kommt die Trauerkunde, daß der berühmte Kartograph Rudolf Leuzinger gestorben ist. Sein Tod ist ein schwerer, unersetzlicher Verlust nicht nur für seine Familie, sondern auch eben so sehr für die schweizerische Kartographie. Was er für dieselbe geleistet, das hat er mit wissenschaftlich sicherer Künstlerhand auf ungezählte Lithographiesteine gezeichnet und dadurch sein Andenken bei Mit- und Nachwelt gesichert. In der Darstellung des Hochgebirges, in der Feinheit und Treue der Charakteristik, in der Plastik der Terrainwiedergabe war er ein unübertroffener Meister. Davon zeugen zahlreiche Blätter des Siegfriedatlas, seine Reise- und Schulkarten[;] davon wird noch sein letztes Werk, die Imfeldsche Montblanc-[K]arte, zeugen, die demnächst bei Schmid, Francke & Co. in Bern (Offizielles Depot der eidgenössischen Karten) erscheinen soll. Durch seine in Hunderttausenden von Exemplaren verbreiteten Schulkärtchen ist Leuzinger ebenso vielen Schweizerkindern schon in früher Jugend ein treuer Führer in der Heimatskunde gewesen, und vielen Tausenden von Touristen, Einheimischen und Fremden, die das schöne Land durchwanderten, wurde er mit seinen Karten ein unentbehrlicher, zuverlässiger Begleiter.“

Nachruf in der Illustrirten Welt, Heft 16 1896[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • L. Held: Kartograph Rudolf Leuzinger. Jahrbuch des Schweizer Alpenclubs XXXI, Bern 1896, Seiten 296–303.
  • Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik XVIII, 1896, Seiten 279–282 (mit Bild)
  • Geographisches Jahrbuch XX, 1897, Seite 474.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. L. Held: Kartograph Rudolf Leuzinger. In: Die Alpen. 1895, abgerufen am 11. Januar 2021 (wiedergegeben beim Schweizer Alpen-Club).
  2. Karte der Schweiz. In: e-rara. 1876, abgerufen am 11. Januar 2021.
    Karte der Schweiz für Schulen. In: e-rara. 1877, abgerufen am 11. Januar 2021.
    Reliefkarte der Schweiz. In: Gallica.bnf. Abgerufen am 11. Januar 2021.
  3. Rudolf Leuzinger †.Die Illustrirte Welt. Blätter aus Natur und Leben, Wissenschaft und Kunst zur Unterhaltung und Belehrung für die Familie, für Alle und Jeden / Illustrirte Welt. Deutsches Familienbuch. Blätter aus Natur und Leben, Wissenschaft und Kunst / Das Buch für Alle / Illustrierte Welt vereinigt mit Buch für Alle. Illustrierte Familien-Zeitung, Jahrgang 1896, S. 390 (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/tew

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Rudolf Leuzinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien