Rudolf Saliger (Techniker)

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Porträtrelief an der Technischen Universität Wien
Grab in der Feuerhalle Simmering (Entwurf Viktor Hammer)

Rudolf Saliger (* 1. Februar 1873 in Spachendorf bei Freudenthal, Österreichisch-Schlesien; † 31. Jänner 1958 in Wien) war ein österreichischer Techniker und Pionier des Stahlbetonbaus.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saliger studierte an der Technischen Hochschule in Wien und praktizierte dann im Brückenbaubüro der Südbahngesellschaft. Es folgten weitere Studienjahre in Deutschland, Belgien und Frankreich. 1907 wurde er an die Technische Hochschule in Braunschweig berufen, danach nach Prag und Dresden, ehe er schließlich von 1910 bis 1933 an der Technischen Hochschule in Wien wirkte. Hier war er 1924/25 auch Rektor. Daneben war Saliger zwischen 1927 und 1934 Bauberater der Gemeinde Wien. Nach dem „Anschluss“ wurde Saliger nach dem Rauswurf von Karl Holey interimistisch wieder Rektor der Technischen Hochschule. In dieser Funktion begrüßte Saliger das neue Regime in zahlreichen „Huldigungstelegrammen“ und Reden.[1]

1939 wurde er in die Wiener Akademie der Wissenschaften aufgenommen. 1940 trat er auch der NSDAP bei.[2] Im selben Jahr emeritierte er. In den Jahren vor seiner Emeritierung hatte Saliger wesentlichen Einfluss auf die Nazifizierung der Technischen Hochschule sowie die strukturelle Benachteiligung von jüdischen und sozialdemokratischen Studenten gehabt. Laut Juliane Mikoletzky erfolgte diese im Vergleich zu anderen Hochschulen sehr rasch und geordnet.[1]

Nach 1945 wurde Saliger als „Minderbelasteter“ eingestuft, im selben Jahr wurde seinem Nachsichtsgesuch stattgegeben, aus „technisch-wissenschaftlichen Gründen“.[1]

Nach seinem Tode wurde seine Asche in einer – als ehrenhalber gewidmetes Grab geführten – Urnennische am Friedhof der Feuerhalle Simmering beigesetzt.[3] Der Entwurf für das Grabdenkmal stammt von Viktor Hammer.

1965 benannte man die Saligergasse in Wien-Favoriten nach ihm.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudolf Saliger gilt als Pionier des Eisenbetonbaus. Auf Grund seiner Initiative wurden an den österreichischen Hochschulen Lehrkanzeln für Eisenbetonbau eingerichtet. Außerdem befasste er sich mit Statik.

Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Praktische Statik. Einführung in die Standberechnung der Tragwerke mit besonderer Rücksicht auf den Hoch- und Eisenbetonbau. Deuticke: Leipzig, 1927 (2. erweiterte Auflage)
  • Das Gesicht des neuen Russland. Reiseeindrücke. Springer: Wien, 1932
  • Der Eisenbeton. Seine Berechnung und Gestaltung. Kröner: Leipzig, 1933 (6. ergänzte Auflage)
  • Dauerversuche an Eisenbetonbalken mit verschiedenen Stahlbewehrungen. Österreichischer Ingenieur- und Architektenverein: Wien, 1935
  • Versuche an Eisenbetonbalken unter ruhenden und herabfallenden Lasten. Springer: Wien, 1936
  • Die neue Theorie des Stahlbetons auf Grund der Bildsamkeit im Bruchzustand. Deuticke: Wien, 1947
  • Fortschritte im Stahlbeton durch hochwertige Werkstoffe und neue Forschungen. Deuticke: Wien, 1950
  • Denken und Tun eines Technikers. 3 Bde. Selbstverlag: Wien, 1952–53
  • Der Stahlbetonbau. Werkstoff, Berechnung, Gestaltung. Deuticke: Wien, 1956 (8. erweiterte Auflage)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“ (PDF; 4,4 MB), S. 168ff, Forschungsprojektendbericht, Wien, Juli 2013
  2. a b c d Deutsche biographische Enzyklopädie, abgerufen am 13. März 2009.
  3. www.friedhoefewien.at – Ehrenhalber gewidmete Gräber im Friedhof Feuerhalle Simmering (PDF 2016), abgerufen am 7. März 2018

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]