Rudolf Todt

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Rudolf Immanuel Traugott Todt (* 19. Februar 1839 in Mödlich (Prignitz); † 14. Oktober 1887 in Brandenburg an der Havel) war ein evangelischer Pfarrer in der Mark Brandenburg, der sich mit dem wissenschaftlichen Sozialismus auseinandersetzte und diesen vom Neuen Testament her für berechtigt erklärte. Er veröffentlichte auch Flugschriften unter dem Pseudonym Rudolf Mors.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudolf Todt war der Sohn eines Pfarrers und studierte an den Universitäten Halle und Berlin Evangelische Theologie. Er wurde Hauslehrer und trat 1867 eine Pfarrstelle in Barenthin (Ostprignitz) an. 1880 wurde er Pfarrer in Brandenburg an der Havel und war dort von 1885 bis 1887 Superintendent.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Zeit als Landpfarrer studierte Todt unter anderem die Schriften von Karl Marx und Ferdinand Lassalle. Seit 1872 veröffentlichte er einzelne Artikel zu diesem Thema. 1877 erschien sein Hauptwerk „Der radikale deutsche Socialismus und die christliche Gesellschaft“.

Todt legte seinem Buch eine Dreiteilung zugrunde, die damals oft auf August Bebel zurückgeführt wurde,[2] tatsächlich aber, wie Todt richtig feststellte, von Carl Boruttau stammte. Der Sozialismus erstrebe: „Auf staatlichem Gebiet den Republikanismus, auf wirthschaftlich-socialem den Communismus, auf religiösem den Atheismus.“[3]

Gerhard Besier charakterisiert Todts Hauptwerk so: Der Verfasser entwickle eine christliche Sozialethik auf Grundlage der marxistischen Gesellschaftsanalyse und des Neuen Testaments. Er habe einen christlichen Sozialismus vertreten, der sich dem radikalen Sozialismus vielfach annäherte. „Dessen atheistisches Gedankengut hielt er für akzidentiell.“[4]

Todt gehörte 1877 zu den Gründern des „Central-Verein für Social-Reform auf religiöser und constitutionell-monarchistischer Grundlage“ und war Redakteur der gleichzeitig neu erscheinenden Zeitschrift „Der Staats-Socialist“. Verein und Zeitschrift existierten nur bis 1882. Der „Central-Verein“ zeigt die Ambivalenz von Todts Sozialismus. In der Gesellschaftsanalyse wagte er radikale Positionen, hinsichtlich der Umsetzung von Reformen blieb er „fixiert auf den preußisch-deutschen Obrigkeitsstaat“.[5]

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der radikale deutsche Socialismus und die christliche Gesellschaft. Wittenberg 1877. (Digitalisat)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Seils: Die Bedeutung Rudolf Todts für die Begegnung zwischen der evangelischen Kirche und dem Sozialismus. In: … und fragten nach Jesus. Beiträge aus Theologie, Kirche und Geschichte. Festschrift für Ernst Barnikol zum 70. Geburtstag. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1964, S. 228–250.
  • Günter Brakelmann: Kirche und Sozialismus im 19. Jahrhundert. Die Analyse des Sozialismus und Kommunismus bei Johann Hinrich Wichern und bei Rudolf Todt. Witten 1966.
  • Johannes Kandel: Preußischer Sozialkonservativismus am Ende des 19. Jahrhunderts. Pfarrer Rudolf Todts Auseinandersetzung mit dem Sozialismus im Widerstreit der kirchlichen und politischen Lager. Bonn 1993.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Untersuchungen auf einem landwirtschaftlichen Verein über die Frage: was sollen und was können die Sozialdemokraten, Rathenow 1874. Was Graf Eulenberg und Fürst Bismarck dem Lande über die Socialdemokratie gesagt haben, Rathenow 1876.
  2. Sebastian Prüfer: Sozialismus statt Religion. Die deutsche Sozialdemokratie vor der religiösen Frage 1863–1890. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, S. 40 f.
  3. Rudolf Todt: Der radikale deutsche Socialismus und die christliche Gesellschaft, S. 51.
  4. Gerhard Besier: Kirche, Politik und Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Oldenbourg, München 1998, S. 32.
  5. Traugott Jähnichen, Norbert Friedrich: Geschichte der sozialen Ideen im deutschen Protestantismus. In: Helga Grebing (Hrsg.): Geschichte der sozialen Ideen in Deutschland. 2. Auflage, Wiesbaden 2005, S. 867–1103, hier S. 933.