Rudolf Ulrich Krönlein

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Rudolf Ulrich Krönlein

Rudolf Ulrich Krönlein, auch Rudolph Ulrich Krönlein (* 19. Februar 1847 in Stein am Rhein; † 26. Oktober 1910 in Zürich), war ein Schweizer Chirurg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulrich Krönleins Eltern waren der Gerber Johann Michael Krönlein und seine Ehefrau Anna Elisabeth geb. Gräflein. Er besuchte die Kantonsschule Schaffhausen und war Mitglied der Mittelschulverbindung Scaphusia Schaffhausen. Er begann sein Medizinstudium 1866 an der Universität Zürich, setzte es 1868 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn fort und beendete es in Zürich 1870 mit dem Staatsexamen. Im selben Jahr war Krönlein – mit Edmund Rose, Zürcher Ordinarius für Chirurgie – während des Deutsch-Französischen Krieges im Lazarett Tempelhof bei Berlin tätig. Am 8. August 1872 wurde Krönlein zum Dr. med. promoviert.[1] Anschließend ging er zu dem berühmten Berliner Chirurgen Bernhard von Langenbeck. Es folgten 1874 die Habilitation und 1878 die Ernennung zum a.o. Professor sowie zum Direktor der Chirurgischen Klinik in Gießen. Schon 1879 kehrte Krönlein zu von Langenbeck zurück. Hier erhielt er 1881 den Ruf aus Zürich zum Nachfolger seines Lehrers Rose als Ordinarius für Chirurgie. Im selben Jahr (1881) wurde er Direktor der Chirurgischen Klinik und Poliklinik am Kantonsspital Zürich. Von 1886 bis 1888 war Krönlein zugleich Rektor der Universität Zürich. An Krönleins Klinik führte sein Oberarzt Schlatter[2] 1897 eine der ersten erfolgreichen operativen Entfernungen des gesamten Magens (Gastrektomie) durch. Im Herbst 1910 war Krönlein schwer erkrankt und trat von seinen Posten zurück. Sein Nachfolger wurde am 15. Oktober 1910 Ferdinand Sauerbruch, der wenige Tage vor Krönleins Tod noch eine Gold- und Geldspende, die er zuhause verwahrt hatte (vom übrigen Nachlass wurden nach seinem Steuerschulden bezahlt), für den Aufbau einer Kinderabteilung am Kantonsspital erhalten hatte und zudem für Krönlein die Briefe einer ehemaligen Geliebten verbrannt haben soll. Mit dieser Spende wurde zusammen mit einem von Krönlein dem Kuratorium der Klinik vermachten Bargeldbetrag dann eine Kinderklinik errichtet.[3] Rudolf Ulrich Krönlein fand auf dem Friedhof Enzenbühl seine letzte Ruhestätte.

Spezialgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudolf Ulrich Krönlein arbeitete über die Peritonitis. Als eine wegweisende Leistung wird die erstmals von ihm durchgeführte operative Entfernung eines entzündeten Wurmfortsatzes (Appendizitis), der durchgebrochen und ursächlich für eine schwere Bauchfellentzündung[4] war, angesehen, wodurch 1884 die Entwicklung der Appendektomie bei fortgeschrittener Blinddarmentzündung begann (Für die Ehefrau des Chemikers und Nobelpreisträgers Richard Willstätter kam 1908 jedoch Krönleins Hilfe zu spät, da zu seiner Zeit keine Operationen in der Nacht durchgeführt wurde, die Operation der an akuter und fortgeschrittener Blinddarmentzündung leidenden Frau von Krönlein auf den nächsten Morgen verschoben wurde[5]). Für die Operation des Pankreas hat Krönlein den anatomischen Weg beschrieben. Auch gilt er als Pionier der Lungenresektion, die von ihm an einem Mädchen mit Lungensarkom schon vor der Erfindung des Druckdifferenzverfahrens durch Ferdinand Sauerbruch vorgenommen wurde.

Mitgliedschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krönlein war Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), deren Jahresversammlung ihn 1905 für ein Jahr zum Vorsitzenden wählte.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Weitere Bemerkungen über die Lokalisation der Hämatome der Art. meningea media und deren operative Behandlung. In: Beiträge zur klinischen Chirurgie. 13, S. 66–74, 1895 siehe auch http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2009/12416/
  • Ein Wort zur Abwehr. Separatdruck der Neuen Zürcher Zeitung. Zürich 1903.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dissertation: Die offene Wundbehandlung nach Erfahrungen aus der chirurgischen Klinik zu Zürich.
  2. Carl Schlatter: Über Ernährung und Verdauung nach vollständiger Entfernung des Magens – Oesophagoenterostomie – beim Menschen. In: Bruns’ Beiträge zur klinischen Chirurgie. Band 19, 1897, S. 757–776.
  3. Ferdinand Sauerbruch, Hans Rudolf Berndorff: Das war mein Leben. Kindler & Schiermeyer, Bad Wörishofen 1951; zitiert: Lizenzausgabe für Bertelsmann Lesering, Gütersloh 1956, S. 123–132 und 304 f..
  4. Ferdinand Sauerbruch, Hans Rudolf Berndorff: Das war mein Leben. Kindler & Schiermeyer, Bad Wörishofen 1951; zitiert: Lizenzausgabe für Bertelsmann Lesering, Gütersloh 1956, S. 130.
  5. Ferdinand Sauerbruch, Hans Rudolf Berndorff: Das war mein Leben. (1951) 1956, S. 288 f.