Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2015

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Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2015
2015 Rugby World Cup
Anzahl Nationen 20 (von 96 Bewerbern)
Weltmeister Neuseeland Neuseeland (3. Titel)
Austragungsort England England
Eröffnungsspiel 18. September 2015
Endspiel 31. Oktober 2015
Spiele 48
Punkte 2439 (⌀: 50,81 pro Spiel)
Versuche 271 (⌀: 5,65 pro Spiel)
Zuschauer 2.477.805 (⌀: 51.621 pro Spiel)
Meiste Punkte Argentinien Nicolás Sánchez (97)
Meiste Versuche Neuseeland Julian Savea (8)
Gelbe Karte Gelbe Karten 50 (⌀: 1,04 pro Spiel)
Rote Karte Rote Karten (⌀: 0,02 pro Spiel)
2011
2019

Die 8. Rugby-Union-Weltmeisterschaft (englisch 2015 Rugby World Cup; walisisch Cwpan Rygbi'r Byd 2015) fand vom 18. September bis zum 31. Oktober 2015 in England statt. Im Juli 2009 war England vom International Rugby Board zum Ausrichter des Turniers bestimmt worden; weitere Bewerber waren Italien, Japan und Südafrika.[1] Es fanden insgesamt 48 Spiele in 13 Stadien (zwölf in England und eines in Wales) statt, bei denen fast 2,5 Millionen Zuschauer anwesend waren.

Im Finale, das im Twickenham Stadium in London stattfand, setzte sich Titelverteidiger Neuseeland mit 34:17 gegen Australien durch und errang als erstes Team zum dritten Mal den Weltmeistertitel. Von den 20 teilnehmenden Mannschaften hatten sich zwölf aufgrund ihrer Platzierung in den besten drei der Vorrundengruppen der Weltmeisterschaft 2011 qualifiziert, die übrigen acht Mannschaften in kontinentalen und interkontinentalen Ausscheidungsturnieren.

Bewerbungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Weltverband World Rugby (bis 2014: International Rugby Board) wünschte, dass alle interessierten Verbände bis zum 15. August 2008 ihre Absicht für die Ausrichtung der Weltmeisterschaften 2015 und 2019 bekanntgeben. Erforderlich war zu diesem Zeitpunkt lediglich eine Absichtserklärung ohne detaillierte Planungen. Zehn Verbände, so viele wie nie zuvor, bekundeten formell ihr Interesse: Australien, England, Irland, Italien, Jamaika, Japan, Russland, Schottland, Südafrika und Wales.[2]

Von diesen zehn Verbänden zogen sechs in der ersten Hälfte des Jahres 2009 ihre Kandidatur zurück. Übrig blieben England, Italien, Japan und Südafrika, wobei England und Japan als Favoriten galten. Am 28. Juli 2009 erteilte der Weltverband der englischen Kandidatur den Zuschlag. England trägt somit zum zweiten Mal nach 1991 eine Weltmeisterschaft aus. Die Bewerbung war Teil einer breit angelegten Strategie Großbritanniens, die vorsah, möglichst viele sportlich hochkarätige Wettbewerbe der 2010er Jahre auszurichten. Dazu gehörten auch die Olympischen Sommerspiele 2012, die Rugby-League-Weltmeisterschaft 2013, die Commonwealth Games 2014, die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 (die allerdings nach Russland vergeben wurde) und die Cricket-Weltmeisterschaft 2019.[3] Japan erhielt die Weltmeisterschaft 2019 zugesprochen.

Qualifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teilnehmende Länder der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2015:
  • Gastgeber
  • Qualifiziert als Top-Zwölf 2011
  • Qualifikation
  • In der Qualifikation gescheitert
  • Keine Teilnahme
  • Neben Gastgeber England, das sich auch sportlich durch das Erreichen des Viertelfinales der Weltmeisterschaft 2011 qualifizierte, waren vorab die sieben weiteren Viertelfinalisten der letzten WM-Endrunde sowie die vier Drittplatzierten der Vorrundengruppen für das Turnier qualifiziert. So waren noch acht Plätze für das insgesamt zwanzig Nationen umfassende Turnier in der Qualifikation zu vergeben. Jeweils zwei Plätze waren für die Kontinentalverbände Europas und Amerikas und einer für Afrika, Asien und Ozeanien reserviert. Der letzte Startplatz wurde in einer interkontinentalen Qualifikationsrunde ausgespielt.

    Die qualifizierten Mannschaften waren: England als Gastgeber und Viertelfinalist 2011, Neuseeland als Titelverteidiger, Frankreich als Zweit- und Australien als Drittplatzierter 2011, Wales als Halbfinalist, die Viertelfinalisten Irland, Südafrika und Argentinien, die Gruppendritten Schottland, Samoa, Tonga und Italien. Hinzu kamen Kanada und die USA als die zwei Qualifikanten Amerikas, Georgien und Rumänien aus Europa, Fidschi aus Ozeanien, Japan aus Asien, Namibia aus Afrika und Uruguay als Sieger des Interkontinentalen Vergleichs.

    Die teilnehmenden Nationen waren fast die gleichen wie bei der WM vor vier Jahren. Anstelle von Russland hatte sich diesmal Uruguay qualifiziert.

    Austragungsorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Bereits am Tag der Bekanntgabe, dass England das WM-Turnier 2015 ausrichten wird, wurden provisorisch auch Stadien vorgestellt, in denen die Spiele ausgetragen werden sollen. Die offizielle Bekanntgabe der Stadien mitsamt dem Turnierplan erfolgte am 2. März 2013. Von diesen sind zwölf in England, während sich das Millennium Stadium in Wales befindet. Bereits 2011 hatte der Weltverband die Nutzung des Millennium Stadium genehmigt, aufgrund der hohen Kapazität und der strategischen Lage.[4] Von den dreizehn Stadien sind zwei im Besitz von Rugbyvereinen (Kingsholm Stadium und Sandy Park), zwei sind Rugby-Nationalstadien (Twickenham Stadium und Millennium Stadium), zwei sind Mehrzweckstadien (Wembley-Stadion und Olympiastadion London) und die übrigen sieben sind Stadien von Fußballvereinen.

    Vorgeschlagene Stadien, die es nicht in die Endauswahl schafften, waren das Stadium of Light in Sunderland, die Ricoh Arena in Coventry, das St. Mary’s Stadium in Southampton, das Pride Park Stadium in Derby, Anfield in Liverpool und das Ashton Gate Stadium in Bristol.[5] Der Fußballverein Manchester United, Besitzer des Old Trafford, zog seine Zusage im April 2013 zurück und begründete diesen Schritt mit der Verpflichtung, Rugby-League-Spiele auszutragen sowie mit Befürchtungen, dass der neue Hybridrasen beschädigt werden könnte.[6] Die Organisatoren ersuchten daraufhin beim Stadtrivalen Manchester City um die Nutzung des Etihad Stadium. Der Verein gab seine Zustimmung, jedoch nur für ein einziges Spiel anstatt wie vorgesehen für drei.[7]

    Die folgende Tabelle zeigt eine Übersicht der Stadien:[8]

    London Cardiff London London Manchester
    Twickenham Stadium Millennium Stadium Olympiastadion London Wembley-Stadion Manchester City Stadium
    Kapazität: 81.605 Kapazität: 74.154 Kapazität: 54.000 Kapazität: 90.000 Kapazität: 55.097
    Gesamtzuschauerzahl: 796.171 Gesamtzuschauerzahl: 564.524 Gesamtzuschauerzahl: 266.216 Gesamtzuschauerzahl: 178.286 Gesamtzuschauerzahl: 50.778
    Schnitt: 79.617 Schnitt: 70.565 Schnitt: 53.243 Schnitt: 89.143 Schnitt: 50.778
    TwickersPremFinal08.jpg Inside the Millennium Stadium, Cardiff.jpg Olympic Stadium - geograph.org.uk - 2193743.jpg Wembley Stadium closeup.jpg City of Manchester Stadium 2.jpg
    Newcastle
    Birmingham Leeds
    St. James’ Park Villa Park Elland Road
    Kapazität: 52.409 Kapazität: 42.785 Kapazität: 37.914
    Gesamtzuschauerzahl: 153.867 Gesamtzuschauerzahl: 79.131 Gesamtzuschauerzahl: 66.641
    Schnitt: 51.289 Schnitt: 39.565 Schnitt: 33.320
    East Stand.JPG 2012 Community Shield.JPG Elland Road 4.jpg
    Leicester Brighton Milton Keynes Gloucester Exeter
    Leicester City Stadium Brighton Community Stadium Stadium:mk Kingsholm Stadium Sandy Park
    Kapazität: 32.312 Kapazität: 30.750 Kapazität: 30.717 Kapazität: 16.500 Kapazität: 12.300 *
    Gesamtzuschauerzahl: 86.475 Gesamtzuschauerzahl: 58.468 Gesamtzuschauerzahl: 80.212 Gesamtzuschauerzahl: 57.327 Gesamtzuschauerzahl: 32.709
    Schnitt: 28.825 Schnitt: 29.234 Schnitt: 26.737 Schnitt: 14.332 Schnitt: 10.903
    Inside Stadium - geograph.org.uk - 1296756.jpg West Stand - Amex Stadium - geograph.org.uk - 2634148.jpg Denbigh south stand 16 may 07.JPG Kingsholm in 2007.jpg Sandy Park 3 - geograph-376587.jpg

    * Das Stadion wurde bis zum Zeitpunkt des Turniers ausgebaut.

    Im Twickenham Stadium in London fanden vier Vorrundenspiele, darunter das Eröffnungsspiel der WM, zwei Viertel- und die Halbfinals und das Endspiel statt, im Cardiffer Millennium Stadium wurden sechs Vorrundenspiele und zwei Viertelfinals ausgetragen, im Londoner Olympiastadion fand neben vier Vorrundenspielen das Spiel um Platz drei statt. Die weiteren Stadien waren Spielorte für Vorrundenspiele.

    Spielplan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Anzahl täglicher Spiele während des Turnieres
    Gruppenphase
    September/Oktober
    Fr.
    18.
    Sa.
    19.
    So.
    20.
    Mo.
    21.
    Di.
    22.
    Mi.
    23.
    Do.
    24.
    Fr.
    25.
    Sa.
    26.
    So.
    27.
    Mo.
    28.
    Di.
    29.
    Mi.
    30.
    Do.
    1.
    Fr.
    2.
    Sa.
    3.
    So.
    4.
    Mo.
    5.
    Di.
    6.
    Mi.
    7.
    Do.
    8.
    Fr.
    9.
    Sa.
    10.
    So.
    11.
    Zeremonien
    Gruppe A 1 1 1 1 1 1 1 1 2
    Gruppe B 1 1 1 1 1 2 1 1 1
    Gruppe C 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1
    Gruppe D 2 1 1 1 1 1 1 2
    Finalrunde
    Oktober
    Mo.
    12.
    Di.
    13.
    Mi.
    14.
    Do.
    15.
    Fr.
    16.
    Sa.
    17.
    So.
    18.
    Mo.
    19.
    Di.
    20.
    Mi.
    21.
    Do.
    22.
    Fr.
    23.
    Sa.
    24.
    So.
    25.
    Mo.
    26.
    Di.
    27.
    Mi.
    28.
    Do.
    29.
    Fr.
    30.
    Sa.
    31.
    Zeremonien
    Finalrunde 2 2 1 1 1 1
    Farblegende
  • Eröffnungs- und Schlussfeier
  • Gruppenspiele
  • Finalrunde
  • Spiel um Platz 3
  • Finale
  • Auslosung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Am 3. Dezember 2012, noch während der Qualifikationsphase, wurden in London die Gruppen der Weltmeisterschaft ausgelost. Dabei waren die Teilnehmer auf fünf Töpfe verteilt. Ausschlaggebend für die ersten drei Töpfe mit den bereits qualifizierten Mannschaften war zum Zeitpunkt die Platzierung in der World-Rugby-Weltrangliste nach Abschluss der End-of-year Internationals 2012. So kamen Neuseeland, Südafrika, Australien und Frankreich in den Lostopf 1, England, Irland, Samoa und Argentinien in den Lostopf 2 und Wales, Italien, Tonga und Schottland in den Lostopf 3. Im vierten Lostopf befanden sich die Qualifikanten Ozeanien, Europa 1, Asien, Amerika 1, im fünften Afrika, Europa 2, Amerika 2 und der Sieger des Interkontinentalen Vergleichs. Die Auslosung der Gruppen ergab folgende Einteilung:

    Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D
    Australien Australien
    England England
    Wales Wales
    Fidschi Fidschi
    Uruguay Uruguay
    Sudafrika Südafrika
    Samoa Samoa
    Schottland Schottland
    Japan Japan
    Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
    Neuseeland Neuseeland
    Argentinien Argentinien
    Tonga Tonga
    Georgien Georgien
    Namibia Namibia
    Frankreich Frankreich
    IrlandIrland Irland
    Italien Italien
    Kanada Kanada
    Rumänien Rumänien

    Offizielle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Am 7. April 2015 gab der Weltverband die Namen der Offiziellen bekannt. Insgesamt wurden zwölf Schiedsrichter, sieben Assistenten und vier Video-Schiedsrichter bestimmt.[9]

    Schiedsrichter
    Land Name
    England England Wayne Barnes
    Irland Irland George Clancy
    England England JP Doyle
    Frankreich Frankreich Jérôme Garcès
    Frankreich Frankreich Pascal Gaüzère
    Neuseeland Neuseeland Glen Jackson
    Sudafrika Südafrika Craig Joubert
    Irland Irland John Lacey
    Wales Wales Nigel Owens
    Sudafrika Südafrika Jaco Peyper
    Frankreich Frankreich Romain Poite
    Neuseeland Neuseeland Chris Pollock
    Assistenten
    Land Name
    Argentinien Argentinien Federico Anselmi
    Sudafrika Südafrika Stuart Berry
    Neuseeland Neuseeland Mike Fraser
    Australien Australien Angus Gardner
    Wales Wales Leighton Hodges
    Italien Italien Marius Mitrea
    Frankreich Frankreich Mathieu Raynal
    Video-Schiedsrichter
    Land Name
    Australien Australien George Ayoub
    England England Graham Hughes
    Neuseeland Neuseeland Ben Skeen
    Sudafrika Südafrika Shaun Veldsman

    Turnierregeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Es gibt vier Vorrundengruppen mit jeweils fünf Teilnehmern. Innerhalb jeder Gruppe spielen die Mannschaften je einmal gegeneinander. Die Mannschaften auf den Plätzen 1 und 2 qualifizieren sich für das Viertelfinale. Die drittplatzierten Mannschaften sichern sich die Teilnahmeberechtigung für die WM 2019.

    Die Punkteverteilung in der Vorrunde erfolgt nach folgendem System:

    • 4 Punkte bei einem Sieg
    • 2 Punkte bei einem Unentschieden
    • 0 Punkte bei einer Niederlage (vor möglichen Bonuspunkten)
    • 1 Bonuspunkt für vier oder mehr Versuche, unabhängig vom Endstand
    • 1 Bonuspunkt bei einer Niederlage mit sieben oder weniger Spielpunkten Unterschied

    Bei Punktgleichheit von zwei oder mehr Mannschaften wird die bessere Tabellenposition nacheinander nach folgenden Kriterien ermittelt:

    1. Sieger der Direktbegegnung zwischen 2 punktgleichen Mannschaften
    2. Bessere Differenz bei den Spielpunkten
    3. Bessere Differenz bei den Versuchen
    4. Höhere Anzahl der Spielpunkte
    5. Höhere Anzahl der Versuche
    6. Bessere Platzierung in der World-Rugby-Weltrangliste vom 12. Oktober 2015

    Die Finalrunde beginnt mit den Viertelfinalspielen. Jedes Spiel muss zwingend mit einem Sieg enden. Steht es in einer Begegnung nach der regulären Spielzeit von 80 Minuten unentschieden, folgt eine Verlängerung von 2 x 10 Minuten. Ist noch immer kein Sieger ermittelt, gibt es eine weitere Verlängerung von zehn Minuten Dauer mit Sudden Death. Wenn auch nach insgesamt 110 Minuten immer noch kein Sieger feststeht, wird der Sieger in einem Platztrittschießen zu den Goalstangen bestimmt.

    Vorrunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • für Viertelfinale und WM 2019 qualifiziert
  • für WM 2019 qualifiziert
  • Gruppe A[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Spielszene England – Australien

    Mit England, Australien und Wales galt die Gruppe A bereits seit der Auslosung als „Todesgruppe“, da einer dieser drei Turnierfavoriten bereits in der Vorrunde scheitern würde.[10] Als einziges Team dieser Gruppe blieb Australien unbesiegt. Die Australier kamen zunächst zu zwei ungefährdeten Siegen gegen Fidschi und Uruguay. Im dritten Spiel fügten sie dem Gastgeber die bisher höchste Heimniederlage der Geschichte zu.[11] Mit dem vierten Sieg über Wales sicherten sie sich den ersten Platz dieser Gruppe.

    Wales, das auf mehrere verletzte Stammspieler (darunter Leigh Halfpenny[12]) verzichten musste, begann mit einem Sieg gegen Uruguay; es handelte sich um die erste Begegnung überhaupt zwischen diesen beiden Mannschaften. Im vorentscheidenden Spiel gegen England lagen die Waliser zur Halbzeit noch sieben Punkte zurück, holten dann aber auf und drehten die Partie in der hektischen Schlussphase noch zu ihren Gunsten.[13] Der Sieg gegen Fidschi wiederum entsprach den Erwartungen. Vor dem letzten Spiel gegen Australien stand die Qualifikation für das Viertelfinale fest; die Niederlage gegen Australien bedeutete den zweiten Gruppenrang.

    England bezwang im Eröffnungsspiel der WM das Team aus Fidschi. Gegen Wales lag der Gastgeber bis weit in die zweite Halbzeit hinein in Führung, geriet dann aber in der Schlussphase in Rückstand. Anstatt einen zugesprochenen Penalty zu treten und dadurch wenigstens ein Unentschieden zu sichern, entschied sich Kapitän Chris Robshaw stattdessen für ein line-out. Der anvisierte Versuch kam nicht zustande und England verlor das Schlüsselspiel, wodurch die Mannschaft frühzeitig unter enormen Druck geriet.[13] Gegen Australien musste unbedingt ein Sieg gelingen, doch die deutliche Niederlage hatte zur Folge, dass die Engländer keine Chance mehr auf ein Weiterkommen hatten. Die letzte gewonnene Partie gegen Uruguay war somit bedeutungslos.

    Fidschi verlor die ersten drei Spiele gegen England, Australien und Wales. Einzig gegen Uruguay kam ein Sieg zustande. Uruguay blieb in allen Partien chancenlos und wies von sämtlichen WM-Teilnehmern die schlechteste Bilanz auf.

    Land Spiele Siege Unent. Ndlg. Spiel-
    punkte
    Diff. Bonus-
    punkte
    Punkte
    1. Australien Australien 4 4 0 0 141:35 +106 1 17
    2. Wales Wales 4 3 0 1 111:62 +49 1 13
    3. England England 4 2 0 2 133:75 +58 3 11
    4. Fidschi Fidschi 4 1 0 3 84:101 −17 1 5
    5. Uruguay Uruguay 4 0 0 4 30:226 −196 0 0
    18. September 2015
    England England 35 : 11 Fidschi Fidschi Twickenham Stadium, London

    20. September 2015
    Wales Wales 54 : 09 Uruguay Uruguay Millennium Stadium, Cardiff

    23. September 2015
    Australien Australien 28 : 13 Fidschi Fidschi Millennium Stadium, Cardiff

    26. September 2015
    England England 25 : 28 Wales Wales Twickenham Stadium, London

    27. September 2015
    Australien Australien 65 : 03 Uruguay Uruguay Villa Park, Birmingham

    1. Oktober 2015
    Wales Wales 23 : 13 Fidschi Fidschi Millennium Stadium, Cardiff

    3. Oktober 2015
    England England 13 : 33 Australien Australien Twickenham Stadium, London

    6. Oktober 2015
    Fidschi Fidschi 47 : 15 Uruguay Uruguay Stadium mk, Milton Keynes

    10. Oktober 2015
    Australien Australien 15 : 06 Wales Wales Twickenham Stadium, London

    10. Oktober 2015
    England England 60 : 03 Uruguay Uruguay Manchester City Stadium, Manchester

    Gruppe B[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Bryan Habana erzielt einen Versuch gegen die USA

    Südafrika war vor der ersten Partie gegen Japan haushoher Favorit, scheiterte aber völlig überraschend gegen den krassen Außenseiter mit 32:34. Die Springboks kamen nie entscheidend weg und mussten in der Nachspielzeit noch einen Versuch hinnehmen, wodurch sie unfreiwillig eine der größten Sensationen in der Rugby-Geschichte ermöglichten.[14] In der Folge konnten sich die Springboks wieder fangen und erzielten drei deutliche Siege gegen Samoa, Schottland und die USA. Im letzten Spiel gegen die USA erzielten sie zehn Versuche und ließen keinen einzigen Punkt des Gegners zu; Bryan Habana erzielte seinen insgesamt 15. WM-Versuch und zog mit dem bisher alleinigen Rekordhalter Jonah Lomu gleich.[15]

    Schottland siegte zum Auftakt deutlich gegen Japan, das nach dem Sensationssieg gegen Südafrika nur vier Tage Erholungspause gehabt hatte. Während die USA ebenfalls deutlich bezwungen wurden, blieben die Bravehearts gegen die Südafrikaner weitgehend chancenlos. Im Spiel gegen Samoa lagen die Schotten zur Halbzeit knapp mit drei Punkten zurück, ehe sie sich in der zweiten Hälfte ebenso knapp durchsetzten und damit den zweiten Gruppenrang sicherten.

    Japan wurde vor dem Spiel gegen Südafrika keinerlei Chancen eingeräumt; bei den Buchmachern lautete die Gewinnquote für einen japanischen Sieg 349:1.[16] Verschiedene Rugby-Experten verglichen den völlig unerwarteten 34:32-Sieg mit dem „Miracle on Ice“.[17] Im zweiten Spiel gegen Schottland hielten die Japaner nur eine Halbzeit lang mit, ehe sie aufgrund der kurzen Regenerationszeit einbrachen. Wieder erholt, realisierten sie zwei ungefährdete Siege gegen Samoa und die USA. Obwohl die Japaner drei Spiele gewonnen hatten, konnten sie sich aufgrund der fehlenden Bonuspunkte nicht für das Viertelfinale qualifizieren.

    Samoa begann mit einem Sieg gegen die USA, konnte sich aber in den drei folgenden Partien gegen Südafrika, Japan und Schottland nicht durchsetzen und verpasste auch die direkte Qualifikation für die WM 2019. Das Team der USA vermochte keine Akzente zu setzen und verlor alle vier Spiele.

    Land Spiele Siege Unent. Ndlg. Spiel-
    punkte
    Diff. Bonus-
    punkte
    Punkte
    1. Sudafrika Südafrika 4 3 0 1 176:56 +120 4 16
    2. Schottland Schottland 4 3 0 1 136:93 +43 2 14
    3. Japan Japan 4 3 0 1 98:100 −2 0 12
    4. Samoa Samoa 4 1 0 3 69:124 −55 2 6
    5. Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 4 0 0 4 50:156 −106 0 0
    19. September 2015
    Sudafrika Südafrika 32 : 34 Japan Japan Brighton Community Stadium, Brighton

    20. September 2015
    Samoa Samoa 25 : 16 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Brighton Community Stadium, Brighton

    23. September 2015
    Schottland Schottland 45 : 10 Japan Japan Kingsholm, Gloucester

    26. September 2015
    Sudafrika Südafrika 46 : 06 Samoa Samoa Villa Park, Birmingham

    27. September 2015
    Schottland Schottland 39 : 16 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Elland Road, Leeds

    3. Oktober 2015
    Samoa Samoa 05 : 26 Japan Japan Stadium mk, Milton Keynes

    3. Oktober 2015
    Sudafrika Südafrika 34 : 16 Schottland Schottland St. James' Park, Newcastle

    7. Oktober 2015
    Sudafrika Südafrika 64 : 00 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Olympiastadion, London

    10. Oktober 2015
    Samoa Samoa 33 : 36 Schottland Schottland St. James' Park, Newcastle

    11. Oktober 2015
    Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 18 : 28 Japan Japan Kingsholm, Gloucester

    Gruppe C[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Gedränge im Spiel Neuseeland – Argentinien

    Neuseeland bekundete im ersten Spiel gegen Argentinien etliche Mühe und lag zur Halbzeit zurück, setzte sich aber schließlich mit zehn Punkten Differenz durch. 89.019 Zuschauer im Wembley-Stadion sorgten für einen Rekord: Nie zuvor waren bei einem Rugby-WM-Spiel so viele Menschen anwesend.[18] Die drei übrigen Spiele gegen Namibia, Georgien und Tonga endeten mit deutlichen Siegen, wobei nur die Georgier die All Blacks eine Zeitlang fordern konnten.

    Nach der Startniederlage gegen Neuseeland konzentrierte sich Argentinien auf das Erreichen des zweiten Gruppenranges, was auch deutlich gelang: Die Siege gegen Georgien, Tonga und Namibia waren nie gefährdet und führten zur Qualifikation für das Viertelfinale.

    Georgien siegte in der ersten Partie etwas überraschend gegen Tonga. Es folgten erwartete Niederlagen gegen Argentinien und Neuseeland. Im letzten Spiel ging es für die Georgier darum, sich mit einem zweiten Sieg gegen Namibia direkt für die WM 2019 zu qualifizieren. Dies gelang ihnen nur ganz knapp mit einem Punkt Vorsprung.

    Tonga wurde seiner Reputation nicht gerecht und kassierte im ersten Spiel gegen Georgien eine Niederlage. Zwar gewannen sie gegen Namibia, doch angesichts der Überlegenheit Argentiniens und Neuseelands reichte dieser eine Sieg nicht für die direkte WM-Qualifikation. Weitgehend chancenlos blieb Namibia, das aber in der Partie gegen Georgien beinahe den ersten Sieg überhaupt in einem WM-Spiel hätte feiern können.

    Land Spiele Siege Unent. Ndlg. Spiel-
    punkte
    Diff. Bonus-
    punkte
    Punkte
    1. Neuseeland Neuseeland 4 4 0 0 174:49 +125 3 19
    2. Argentinien Argentinien 4 3 0 1 179:70 +109 3 15
    3. Georgien Georgien 4 2 0 2 53:123 −70 0 8
    4. Tonga Tonga 4 1 0 3 70:130 −60 2 6
    5. Namibia Namibia 4 0 0 4 70:174 −104 1 1
    19. September 2015
    Tonga Tonga 10 : 17 Georgien Georgien Kingsholm, Gloucester

    20. September 2015
    Neuseeland Neuseeland 26 : 16 Argentinien Argentinien Wembley-Stadion, London

    24. September 2015
    Neuseeland Neuseeland 58 : 14 Namibia Namibia Olympiastadion, London

    25. September 2015
    Argentinien Argentinien 54 : 09 Georgien Georgien Kingsholm, Gloucester

    29. September 2015
    Tonga Tonga 35 : 21 Namibia Namibia Sandy Park, Exeter

    2. Oktober 2015
    Neuseeland Neuseeland 43 : 10 Georgien Georgien Millennium Stadium, Cardiff

    4. Oktober 2015
    Argentinien Argentinien 45 : 16 Tonga Tonga Leicester City Stadium, Leicester

    7. Oktober 2015
    Namibia Namibia 16 : 17 Georgien Georgien Sandy Park, Exeter

    9. Oktober 2015
    Neuseeland Neuseeland 47 : 09 Tonga Tonga St. James' Park, Newcastle

    11. Oktober 2015
    Argentinien Argentinien 64 : 19 Namibia Namibia Leicester City Stadium, Leicester

    Gruppe D[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Line-out im Spiel Irland – Rumänien

    In Gruppe D kamen vier der fünf Teams aus Europa, wovon drei in den Six Nations vertreten sind. Irland begann mit zwei relativ lockeren Siegen gegen Kanada und Rumänien, während Italien lange Gegenwehr leistete und nur knapp bezwungen werden konnte. In der letzten Partie wurde der Gruppensieger ermittelt, wobei sich Irland souverän gegen Frankreich durchsetzte.

    Frankreich kam zunächst zu drei ungefährdeten Siegen gegen Italien, Rumänien und Kanada, ohne dabei jedoch überzeugend zu wirken. Die Niederlage im letzten Spiel gegen Irland bedeutete den zweiten Gruppenrang.

    Italien begann mit einer Niederlage gegen Frankreich. Die Azzurri bekundeten im zweiten Spiel gegen Kanada etliche Mühe und setzten sich letztlich mit nur fünf Punkten Differenz durch. Während in der Partie gegen Irland eine knappe Niederlage resultierte, feierten die Italiener gegen Rumänien den zweiten Sieg und sicherten sich die WM-Teilnahme 2019.

    Rumänien musste zunächst gegen die beiden Gruppenfavoriten antreten und verlor jeweils deutlich. Kanada konnte knapp mit zwei Punkten Differenz geschlagen werden, gegen Italien gab es die dritte Niederlage. Erwartungsgemäß belegte Kanada den letzten Gruppenrang, doch das Team hätte durchaus die Chance gehabt, sowohl Italien als auch Rumänien zu schlagen.

    Land Spiele Siege Unent. Ndlg. Spiel-
    punkte
    Diff. Bonus-
    punkte
    Punkte
    1. IrlandIrland Irland 4 4 0 0 134:35 +99 2 18
    2. Frankreich Frankreich 4 3 0 1 120:63 +57 2 14
    3. Italien Italien 4 2 0 2 74:88 −14 2 10
    4. Rumänien Rumänien 4 1 0 3 60:129 −69 0 4
    5. Kanada Kanada 4 0 0 4 58:131 −73 2 2
    19. September 2015
    IrlandIrland Irland 50 : 07 Kanada Kanada Millennium Stadium, Cardiff

    19. September 2015
    Frankreich Frankreich 32 : 10 Italien Italien Twickenham Stadium, London

    23. September 2015
    Frankreich Frankreich 38 : 11 Rumänien Rumänien Olympiastadion, London

    26. September 2015
    Italien Italien 23 : 18 Kanada Kanada Elland Road, Leeds

    27. September 2015
    IrlandIrland Irland 44 : 10 Rumänien Rumänien Wembley-Stadion, London

    1. Oktober 2015
    Frankreich Frankreich 41 : 18 Kanada Kanada Stadium mk, Milton Keynes

    4. Oktober 2015
    IrlandIrland Irland 16 : 09 Italien Italien Olympiastadion, London

    6. Oktober 2015
    Kanada Kanada 15 : 17 Rumänien Rumänien Leicester City Stadium, Leicester

    11. Oktober 2015
    Italien Italien 32 : 22 Rumänien Rumänien Sandy Park, Exeter

    11. Oktober 2015
    Frankreich Frankreich 09 : 24 IrlandIrland Irland Millennium Stadium, Cardiff

    Finalrunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Viertelfinale Halbfinale Finale
                       
    17. Oktober 2015 in London        
      Sudafrika Südafrika   23
    24. Oktober 2015 in London
      Wales Wales   19  
      Sudafrika Südafrika   18
    17. Oktober 2015 in Cardiff
        Neuseeland Neuseeland   20  
      Neuseeland Neuseeland   62
    31. Oktober 2015 in London
      Frankreich Frankreich   13  
      Neuseeland Neuseeland   34
    18. Oktober 2015 in Cardiff
        Australien Australien   17
      IrlandIrland Irland   20
    25. Oktober 2015 in London
      Argentinien Argentinien   43  
      Argentinien Argentinien   15 Spiel um Platz drei
    18. Oktober 2015 in London
        Australien Australien   29  
      Australien Australien   35   Sudafrika Südafrika   24
      Schottland Schottland   34     Argentinien Argentinien   13
    30. Oktober 2015 in London

    Viertelfinale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    17. Oktober 2015
    Sudafrika Südafrika 23 : 19 Wales Wales Twickenham Stadium, London

    17. Oktober 2015
    Neuseeland Neuseeland 62 : 13 Frankreich Frankreich Millennium Stadium, Cardiff

    18. Oktober 2015
    IrlandIrland Irland 20 : 43 Argentinien Argentinien Millennium Stadium, Cardiff

    18. Oktober 2015
    Australien Australien 35 : 34 Schottland Schottland Twickenham Stadium, London

    Das erste Viertelfinale zwischen Südafrika und Wales war bis zum Schlusspfiff hart umkämpft und von Defensivtaktik geprägt. Südafrika konnte zu Beginn mit verwandelten Strafstößen auf 9:3 davonziehen, ehe die Waliser durch einen Versuch von Gareth Davies in der 18. Minute und nachfolgender Erhöhung mit 9:10 die Führung übernahmen. Zur Pause führte Wales knapp mit 12:13. Nach einem Dropgoal und einem Penalty von Handré Pollard gingen die Springboks in der 62. Minute mit 18:16 in Führung, zwei Minuten später verwandelte Dan Biggar ebenfalls einen Penalty und die Waliser führte nun 18:19. Es gelang ihnen jedoch nicht, den knappen Vorsprung über die Zeit zu retten, da Fourie du Preez in der 75. Minute erfolgreich einen Versuch erzielte und eine erneute Reaktion ausblieb.[19]

    Mit Neuseeland und Frankreich trafen im zweiten Viertelfinale die beiden Finalteilnehmer der Weltmeisterschaft 2011 aufeinander. Während damals nur ein Punkt den Ausschlag gegeben hatte, verlief diese Partie völlig einseitig zugunsten der All Blacks. Die Franzosen konnten in den ersten 15 Minuten noch einigermaßen mithalten, brachen dann aber zusehends ein. Bereits zur Halbzeit lagen die Neuseeländer vorentscheidend mit 29:13 in Führung. In der zweiten Hälfte waren die All Blacks in allen Belangen überlegen und siegten letztlich deutlich mit 62:13.[20] Die Differenz von 49 Punkten war die größte, die in einem WM-Spiel in der Finalrunde jemals erzielt wurde. Besonders überragend war Julian Savea mit drei Versuchen; mit seinen bisher acht Versuchen bei dieser WM egalisierte er die von Jonah Lomu und Bryan Habana gehaltene Bestmarke.[21]

    Irland und Argentinien standen sich im dritten Viertelfinale gegenüber. In den ersten Spielminuten gerieten die favorisierten, aber ersatzgeschwächten Iren nach zwei Versuchen und einem Penalty Argentiniens rasch mit 0:14 in Rückstand, ehe sie selbst das erste Mal punkten konnten. Nach einem Versuch von Luke Fitzgerald stand es zur Pause noch 10:20. In der zweiten Spielhälfte schienen die Iren zunächst die Partie zu dominieren, als sie durch Penalties und einen Versuch von Jordi Murphy bis auf 20:23 herankamen und ein Führungswechsel durchaus im Bereich des Möglichen schien. Die Pumas konnten aber nochmals zulegen und zogen dank Versuchen von Joaquín Tuculet und Juan Imhoff auf 20:43 davon.[22] Es war dies der erste argentinische Sieg gegen Irland seit der Weltmeisterschaft 2007.

    Vor dem letzten Viertelfinale galt Australien als haushoher Favorit gegen Schottland. Die Wallabies gingen erwartungsgemäß durch einen Versuch von Adam Ashley-Cooper in Führung, doch ein Versuch von Peter Horne brachte die Schotten in der 18. Minute mit 5:10 in Führung. Australien reagierte mit Versuchen durch Drew Mitchell und Michael Hooper, doch Greig Laidlaw hielt mit erfolgreichen Penaltykicks dagegen, sodass die Schotten zur Halbzeit überraschend mit 15:16 führten. Mit zwei weiteren Versuchen durch Mitchell und Tevita Kuridrani zogen die Australier in der 64. Minute auf 32:24 davon. Die Schotten ließen nicht nach und gingen in der 74. Minute (mittlerweile hatte es stark zu regnen begonnen) mit einem Versuch von Mark Bennett 32:34 in Führung. Damit schien die Entscheidung gefallen zu sein. Kurz vor Ende traf Schiedsrichter Craig Joubert eine umstrittene Entscheidung, da seiner Meinung nach ein Schotte ein absichtliches Abseits verursacht hatte. Er sprach den Australiern einen Penalty zu, den Bernard Foley in der letzten regulären Spielminute zum 35:34-Sieg verwertete.[22]

    Halbfinale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    24. Oktober 2015
    Sudafrika Südafrika 18 : 20 Neuseeland Neuseeland Twickenham Stadium, London

    25. Oktober 2015
    Argentinien Argentinien 15 : 29 Australien Australien Twickenham Stadium, London

    Zum ersten Mal in der Geschichte der Rugby-Weltmeisterschaft waren im Halbfinale ausschließlich Teams aus der südlichen Hemisphäre vertreten. Im ersten Halbfinale traf Südafrika auf Neuseeland. Obwohl die All Blacks den ersten Versuch der Partie erzielten, gelang es den Springboks immer wieder, ihre Gegner zu Regelübertretungen zu treiben und dadurch Penaltys zugesprochen zu erhalten. Zur Halbzeit führte Südafrika verdient mit 12:7. Zu Beginn der zweiten Hälfte setzte Regen ein. Daniel Carter verkürzte mit einem Dropgoal auf 12:10 und Beauden Barrett brachte Neuseeland mit einem Versuch in der 52. Minute mit 12:17 in Führung. Handré Pollard erzielte einen Penalty zum 15:17, doch Carter stellte den bisherigen Vorsprung umgehend wieder her. Patrick Lambies Penalty in der 69. Minute brachte Südafrika nochmals auf 18:20 heran. Die All Blacks konnten den knappen Vorsprung über die Zeit retten.[23]

    Im zweiten Halbfinale kam es zum Duell zwischen Argentinien und Australien. Dabei erwischten die Wallabies eindeutig den besseren Start und lagen nach Versuchen von Rob Simmons und Adam Ashley-Cooper bereits nach zehn Minuten mit 3:14 in Führung. Erst nach und nach fanden die Pumas in Spiel. Es gelang ihnen allerdings nicht, die gut organisierte australische Defensive ernsthaft in Bedrängnis zu bringen und waren auf Penaltykicks von Nicolás Sánchez angewiesen. Ashley-Cooper erzielte einen weiteren Versuch, so dass es zur Pause 9:19 für Australien stand. Auch in der zweiten Hälfte konnten die Argentinier die australische Defensive kaum durchdringen. Acht Minuten vor Spielende sorgte Ashley-Coopers dritter Versuch für die Entscheidung und Australien gewann das Spiel souverän mit 15:29.[24]

    Spiel um Platz 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    30. Oktober 2015
    Sudafrika Südafrika 24 : 13 Argentinien Argentinien Olympiastadion, London

    Im Spiel um Platz 3 erwischte Südafrika eindeutig den besseren Start und setzte Argentinien von Beginn an unter Druck. Den ersten Versuch für die Springboks erzielte JP Pietersen in der 6. Minute, unmittelbar nachdem die Pumas eine Gelbe Karte kassiert hatten und somit für zehn Minuten mit einem Mann weniger auskommen mussten. Mit drei erfolgreichen Penaltykicks erhöhte Handré Pollard die Führung bis zur Halbzeit auf 16:0. Kurz nach dem Seitenwechsel kamen die Argentinier durch einen Dropkick von Nicolás Sánchez zu ihren ersten drei Punkten, jedoch reagierte Eben Etzebeth umgehend mit einem weiteren Versuch für die Südafrikaner. Nach je einem Penalty stand es in der 52. Minute 24:6, ehe der Spielfluss merklich abflaute und fast eine halbe Stunde lang nichts Nennenswertes mehr geschah. Mit einem Versuch durch Juan Pablo Orlandi in der Nachspielzeit verkürzten die Pumas auf 24:13 und betrieben somit noch etwas Resultatkosmetik.[25]

    Finale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    31. Oktober 2015
    Neuseeland Neuseeland 34 : 17 Australien Australien Twickenham Stadium, London

    Zum ersten Mal in der Geschichte der Rugby-WM standen sich im Finale Neuseeland und Australien gegenüber, die zuvor je zwei Weltmeistertitel gewonnen hatten. Erstmals seit dem Finale der WM 1995 war kein Team der Nordhemisphäre vertreten. Von Beginn an gingen die neuseeländischen All Blacks in die Offensive, brachten aber aufgrund der starken Verteidigungsleistung der australischen Wallabies wenig Zählbares zustande. So stand es nach 27 Minuten erst 3:3. Der verletzungsbedingte Ausfall von Matt Giteau (leichte Gehirnerschütterung) schwächte jedoch das australische Team. Daniel Carter erhöhte mit zwei Penaltys auf 9:3, ehe Nehe Milner-Skudder unmittelbar vor der Pause den ersten Versuch für die All Blacks erzielte. Zur Halbzeit stand es 16:3 für Neuseeland. Zwei Minuten nach Beginn der zweiten Hälfte sorgte Ma’a Nonu mit einem zweiten Versuch scheinbar für die Vorentscheidung, da Neuseeland nun 21:3 in Führung lag. In der 52. Minute erhielt Ben Smith eine Gelbe Karte (als erster Spieler überhaupt in einem WM-Finale), womit Neuseeland die nächsten zehn Minuten in Unterzahl agieren musste. Während dieser Zeitstrafe erzielten David Pocock und Tevita Kuridrani je einen Versuch für Australien. Sie verkürzten den Spielstand auf 21:17, womit eine Viertelstunde vor Spielende alles wieder offen schien. Carter reagierte mit einem Dropkick und einem Penalty zum vorentscheidenden 27:17. In der 79. Minute schloss Beauden Barrett einen Konterangriff ab und erzielte den dritten Versuch der All Blacks, woraufhin Carter zum Schlussstand von 34:17 erhöhte. Den WM-Pokal Webb Ellis Cup überreichte Prinz Harry, der Ehrenvorsitzende der Rugby Football Union.[26]

    Weltmeister 2015

    Neuseeland

    Neuseeland
    (Dritter Titel)

    Statistiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Mannschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Ergebnis der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2015:
  • Sieger
  • Finalist
  • 3. Platz
  • 4. Platz
  • Viertelfinalteilnahme
  • In der Gruppenphase ausgeschieden
  • Keine Teilnahme
  • Mannschaft Spiele Siege Unent. Ndlg. Punkte Versuche Erhöh-
    ungen
    Straf-
    tritte
    Drop-
    goals
    Gelbe
    Karten
    Rote
    Karten
    Neuseeland Neuseeland 7 7 0 0 290 39 28 11 2 5 0
    Australien Australien 7 6 0 1 222 28 17 16 0 4 0
    Sudafrika Südafrika 7 5 0 2 241 26 15 25 2 3 0
    Argentinien Argentinien 7 4 0 3 250 27 23 21 2 5 0
    IrlandIrland Irland 5 4 0 1 154 18 14 12 0 2 0
    Frankreich Frankreich 5 3 0 2 133 13 13 14 0 1 0
    Schottland Schottland 5 3 0 2 170 17 14 19 0 3 0
    Wales Wales 5 3 0 2 130 12 11 15 1 1 0
    Japan Japan 4 3 0 1 98 9 7 13 0 1 0
    England England 4 2 0 2 133 16 10 10 1 1 0
    Italien Italien 4 2 0 2 74 7 6 9 0 0 0
    Georgien Georgien 4 2 0 2 53 5 5 6 0 3 0
    Fidschi Fidschi 4 1 0 3 84 10 8 6 0 3 0
    Tonga Tonga 4 1 0 3 70 8 3 8 0 1 0
    Samoa Samoa 4 1 0 3 69 7 5 10 0 3 1
    Rumänien Rumänien 4 1 0 3 60 7 5 5 0 4 0
    Namibia Namibia 4 0 0 4 70 8 6 6 0 6 0
    Kanada Kanada 4 0 0 4 58 7 4 5 0 3 0
    Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 4 0 0 4 50 5 2 7 0 1 0
    Uruguay Uruguay 4 0 0 4 30 2 1 6 0 3 1
    Gesamt 48 2439 271 197 224 8 50 1

    Punkte und Versuche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Meiste erzielte Punkte:[27]

    Name Punkte
    1. Argentinien Nicolás Sánchez 97
    2. Sudafrika Handré Pollard 93
    3. Australien Bernard Foley 82
    Neuseeland Daniel Carter
    5. Schottland Greig Laidlaw 79
    6. Japan Ayumu Gorōmaru 58
    7. Wales Dan Biggar 56
    8. Italien Tommaso Allan 44
    9. England Owen Farrell 43
    10. Neuseeland Julian Savea 40

    Meiste erzielte Versuche:[28]

    Name Versuche
    1. Neuseeland Julian Savea 8
    2. Neuseeland Nehe Milner-Skudder 6
    3. Sudafrika Bryan Habana 5
    Wales Gareth Davies
    Sudafrika JP Pietersen
    Argentinien Juan Imhoff
    7. Australien Adam Ashley-Cooper 4
    Australien Drew Mitchell
    Kanada D.T.H. van der Merwe
    Schottland Tommy Seymour

    Fernsehübertragung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die Übertragungsrechte für Deutschland wurden von Eurosport erworben. Die Sendergruppe übertrug im deutschsprachigen Raum 30 der 48 WM-Spiele live.[29] Im Veranstalterland Großbritannien wurden dem Netzwerk ITV die Übertragungsrechte zugesprochen.

    Für die Kampagne The Game Starts Here des Sponsors Beats by Dre schuf der britische Musiker Jacob Collier ein A-cappella-Arrangement der Hymne Jerusalem, das vor jedem Meisterschaftsspiel im britischen Fernsehen ausgestrahlt wurde.[30]

    Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Commons: Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2015 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. 2015 & 2019: It's England then Japan! (Nicht mehr online verfügbar.) Planet Rugby, 28. Juli 2009, archiviert vom Original am 2. Mai 2014; abgerufen am 28. Juli 2009 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.planetrugby.com
    2. IRB confirm 2015 & 2019 host bids. BBC Sport, 15. August 2008, abgerufen am 17. September 2015 (englisch).
    3. England 2015 will be best Rugby World Cup ever, says RFU chief Francis Baron. The Daily Telegraph, 28. Juli 2009, abgerufen am 17. September 2015 (englisch).
    4. Millennium Stadium confirmed as RWC'15 venue. ESPN, 24. Mai 2011, abgerufen am 17. September 2015 (englisch).
    5. Rugby World Cup 2015: long list of potential venues named – but Leicester's Welford Road left out. The Daily Telegraph, 29. Oktober 2012, abgerufen am 17. September 2015 (englisch).
    6. Manchester United pass up chance to host Rugby World Cup over pitch fears. The Guardian, 2. April 2013, abgerufen am 17. September 2015 (englisch).
    7. 2015 Rugby World Cup can only persuade Manchester City to host one game. The Daily Telegraph, 3. April 2013, abgerufen am 17. September 2015 (englisch).
    8. Rugby World Cup 2015 venues. The Daily Telegraph, 3. Juni 2015, abgerufen am 17. September 2015 (englisch).
    9. Match officials announced for Rugby World Cup 2015. World Rugby, 7. April 2014, abgerufen am 17. September 2015 (englisch).
    10. Brendan Gallagher: Rugby World Cup 2015 draw: England drawn with Wales and Australia in 'Group of death'. The Daily Telegraph, 3. Dezember 2012, abgerufen am 29. Oktober 2015 (englisch).
    11. Paul Rees: England put to the sword after Australia’s Bernard Foley cuts loose. The Guardian, 3. Oktober 2015, abgerufen am 29. Oktober 2015 (englisch).
    12. Michael Aylwin: Wales full-back Leigh Halfpenny ruled out of Rugby World Cup. The Guardian, 7. September 2015, abgerufen am 29. Oktober 2015 (englisch).
    13. a b Michael Robausch: Wales dreht Partie gegen England in dramatischem Finish. derStandard.at, 27. September 2015, abgerufen am 29. Oktober 2015.
    14. Rugby-WM: Japan bejubelt Sensation. Spiegel Online, 19. September 2015, abgerufen am 29. Oktober 2015.
    15. Rugby World Cup 2015: South Africa 64-0 USA. BBC Sport, 7. Oktober 2015, abgerufen am 29. Oktober 2015 (englisch).
    16. Sean Ingle: Japan’s Eddie Jones still beaming after South Africa Rugby World Cup shock. The Guardian, 21. September 2015, abgerufen am 29. Oktober 2015 (englisch).
    17. Ben Dirs: Rugby World Cup 2015: Japan's win over South Africa 'a miracle'. BBC Sport, 20. September 2015, abgerufen am 29. Oktober 2015 (englisch).
    18. Crowd Pleaser: Record Rugby World Cup attendance at Wembley Stadium. Rugby World Cup, 20. September 2015, abgerufen am 29. Oktober 2015 (englisch).
    19. Rugby-WM: Südafrika bricht Wales das Herz. Spiegel Online, 17. Oktober 2015, abgerufen am 29. Oktober 2015.
    20. Neuseeland demütigt Frankreich. Neue Zürcher Zeitung, 17. Oktober 2015, abgerufen am 29. Oktober 2015.
    21. Savea plays down Lomu comparison. Sporting Life, 18. Oktober 2015, abgerufen am 29. Oktober 2015 (englisch).
    22. a b Michael Robausch: Schotten fordern Australien alles ab, Halbfinale ohne Europäer. derStandard.at, 18. Oktober 2015, abgerufen am 29. Oktober 2015.
    23. Michael Robausch: All Blacks nach hartem Kampf im Endspiel. derStandard.at, 24. Oktober 2015, abgerufen am 29. Oktober 2015.
    24. Michael Robausch: Australien fordert All Blacks im Finale. derStandard.at, 25. Oktober 2015, abgerufen am 29. Oktober 2015.
    25. Michael Aylwin: South Africa claim World Cup bronze with victory over Argentina. The Guardian, 30. Oktober 2015, abgerufen am 31. Oktober 2015 (englisch).
    26. Michael Robausch: Rugby-WM: Neuseeland zum dritten Mal Weltmeister. derStandard.at, 31. Oktober 2015, abgerufen am 31. Oktober 2015.
    27. Most points scored. rugbyworldcup.com, 31. Oktober 2015, abgerufen am 31. Oktober 2015 (englisch).
    28. Most tries scored. rugbyworldcup.com, 31. Oktober 2015, abgerufen am 31. Oktober 2015 (englisch).
    29. RWC 2015: Sendeplan zur Rugby-WM 2015. Total Rugby, abgerufen am 27. September 2015.
    30. Jacob Collier: Jerusalem – Jacob Collier (Soundtrack for Beats by Dre: "The Game Starts Here"). 22. September 2015, abgerufen am 16. Februar 2017.