Ruhland

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Ruhland (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Ruhland
Ruhland
Deutschlandkarte, Position der Stadt Ruhland hervorgehoben
Koordinaten: 51° 27′ N, 13° 52′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Oberspreewald-Lausitz
Amt: Ruhland
Höhe: 96 m ü. NHN
Fläche: 37,22 km²
Einwohner: 3693 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 99 Einwohner je km²
Postleitzahl: 01945
Vorwahl: 035752
Kfz-Kennzeichen: OSL, CA, SFB
Gemeindeschlüssel: 12 0 66 272
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rudolf-Breitscheid-Straße 4
01945 Ruhland
Webpräsenz: www.stadt-ruhland.de
Bürgermeister: Uwe Kminikowski (CDU)
Lage der Stadt Ruhland im Landkreis Oberspreewald-Lausitz
Sachsen Cottbus Landkreis Dahme-Spreewald Landkreis Elbe-Elster Landkreis Spree-Neiße Landkreis Teltow-Fläming Altdöbern Bronkow Calau Frauendorf (Amt Ortrand) Großkmehlen Großräschen Grünewald Guteborn Hermsdorf (bei Ruhland) Hohenbocka Kroppen Lauchhammer Lindenau (Oberlausitz) Lübbenau/Spreewald Luckaitztal Neupetershain Neu-Seeland Ortrand Ruhland Schipkau Schwarzbach (Lausitz) Schwarzheide Senftenberg Tettau (Brandenburg) Vetschau/SpreewaldKarte
Über dieses Bild

Ruhland (sorbisch: Rólany) ist eine Stadt im Landkreis Oberspreewald-Lausitz im Süden des Landes Brandenburg, westlich der Stadt Hoyerswerda und östlich der Stadt Elsterwerda. Die Stadt Ruhland ist Sitz der Amtsverwaltung des Amtes Ruhland.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Ruhland liegt etwa zehn Kilometer südwestlich von Senftenberg und südöstlich von Lauchhammer in der Oberlausitz. Unmittelbar nördlich der Stadt beginnt die Niederlausitz, von ihr durch die Schwarze Elster getrennt. Durch den Ort fließen das Ruhlander Schwarzwasser und der Binnengraben. Ruhland liegt im geografischen Raum der Königsbrück-Ruhlander Heiden.

Das Gebiet um Ruhland und Tettau ist heute der einzige Teil der Oberlausitz im Land Brandenburg.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Ruhland gehören die Stadt Ruhland und der Ortsteil Arnsdorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruhland wurde als Fischerdorf gegründet und war schon vor 1200 Kirchdorf. Urnenfunde lassen auf eine Besiedlung bereits in jüngerer Altsteinzeit schließen (ca. 2500 v. Chr.). Im Jahre 1317 wurde der Ort als Rulant erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahre 1397 wurde Ruhland in einer Urkunde König Wenzels IV. von Böhmen erstmals als Stadt genannt.[2] Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Ruhland Grenz- und Zollstation zwischen der Oberlausitz und Kursachsen. Bis 1635 gehörte die Stadt zur Böhmischen Krone, ging dann mit den Lausitzen an das Kurfürstentum Sachsen über. 1815 kam Ruhland mit der gesamten nördlichen Oberlausitz zu Preußen, wo es erst zur Provinz Brandenburg (1815–25) und sodann zur Provinz Schlesien gehörte (1825–1945). Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Stadt zunächst Teil des Landes Sachsen (1945–1952), später des DDR-Bezirkes Cottbus (1952–1990). Seit 1990 gehört sie zum Land Brandenburg.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde Ruhland mehrfach durch Brände zerstört, so zum Beispiel 1624, 1661 und 1648. Am 22. Juli 1768 fielen fast alle Häuser einem weiteren Großbrand zum Opfer: 184 Bürgerhäuser, 60 Scheunen sowie öffentliche Gebäude und die Kirche. 20 Gebäude überstanden den Brand. Eines davon existiert heute noch und befindet sich in der Dresdner Straße, auf der Wetterfahne ist das Jahr 1672 angegeben. Der Wiederaufbau 1768–1774 erfolgte nach Plänen von Samuel Locke. Die Kirche wurde in der heutigen Form im Barockstil zwischen 1772 und 1774 neu erbaut. Das Holz für den Turmbau bekam Ruhland von der angrenzenden Gemeinde Zschornegosda (Teil des heutigen Schwarzheide) geschenkt.[3] Am 1. April 1870 wurde Ruhland an die Bahnstrecke Großenhain–Cottbus angebunden und erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung, der an der Marktplatzbebauung nachvollzogen werden kann. Das ansässige Gewerbe, besonders die Fischerei und das Schuhmacherhandwerk, versorgte bis 1900 das Umland. Ab dem 19. Jahrhundert wurde die Stadt zudem vom nahen Braunkohletagebau geprägt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtkirche
Jahr Einwohner
1875 1786
1890 1958
1910 2626
1925 3110
1933 3395
1939 4055
1946 4533
1950 4669
1964 4394
1971 4345
Jahr Einwohner
1981 4670
1985 4612
1989 4413
1990 4325
1991 4191
1992 4131
1993 4080
1994 4052
1995 4037
1996 4089
Jahr Einwohner
1997 4134
1998 4178
1999 4232
2000 4262
2001 4215
2002 4157
2003 4121
2004 4093
2005 4106
2006 4043
Jahr Einwohner
2007 3982
2008 3948
2009 3935
2010 3896
2011 3819
2012 3754
2013 3747
2014 3693

Gebietsstand des jeweiligen Jahres[4][5], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 45.6 %
 %
50
40
30
20
10
0
49,9 %
17,5 %
17,0 %
15,6 %
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Die Stadtverordnetenversammlung von Ruhland besteht aus 16 Stadtverordneten und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 ergab folgende Sitzverteilung:[6]

  • CDU: 8 Sitze
  • SPD: 3 Sitze
  • Unabhängiger Freier Wählerbund: 3 Sitze
  • Linke: 2 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uwe Kminikowski (CDU) wurde in der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 mit 75,4 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von fünf Jahren[7] gewählt.[8]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 10. November 1992 genehmigt.

Blasonierung: „In Gold ein schwarzer doppelköpfiger Adler mit roter Zunge und Bewehrung, über ihm schwebend eine rotgefütterte goldene Krone.“[9]

Das Wappen war einst silber (weiß) und trägt einen zweiköpfigen Drachenvogel, so wie es heute an der Matzmühle zu sehen ist. Heute trägt es einen goldenen (gelben) Hintergrund. Nur der Schützenverein trägt noch das Wappen mit einem blauen Hintergrund. Das Wappen des Amtes ist neu und ähnlich dem der Nachbarstadt Schwarzheide. Es zeigt die Amtsfarben Schwarz, Blau; Silber und die Amtskirche. Hierbei handelt es sich um die Kirche der Stadt Ruhland.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Willkommen in Ruhland, Niederschlesien / Zollhaus
Fachwerkhaus aus der Zeit vor dem Stadtbrand an der Ecke Bahnhofstraße/Hospitalstraße
Pfarramt am Kirchplatz
Schlussstein eines Hauses an der Ecke Bahnhofstraße/Kirchplatz

Baudenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ältestes Haus in Ruhland (1672), Dresdener Straße 35, 2009

In der Liste der Baudenkmale in Ruhland und in der Liste der Bodendenkmale in Ruhland stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Denkmäler. Am 13. Oktober 2012 wurde die Nachbildung der Kursächsischen Postdistanzsäule von 1732 auf dem Marktplatz eingeweiht.

Geschichtsdenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gedenkstein auf dem Friedhof von Ruhland zur Erinnerung an die Toten des Zwangsarbeiterlagers, die während des Zweiten Weltkrieges bei der Brabag Zwangsarbeit verrichten mussten. Die Firma hatte auf ihrem Werksgelände auch ein KZ-Außenlager des KZ Sachsenhausen errichtet
  • Gedenkstein für neun sowjetische sowie ein Grabstein für einen niederländischen Zwangsarbeiter auf dem Friedhof von Ruhland
  • Gedenkstein für neun Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft auf dem Friedhof von Ruhland
  • Sowjetischer Ehrenfriedhof gegenüber dem Friedhofsvorplatz von Ruhland

Jugendkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1960er Jahren erlangte das Zollhaus Ruhland, eine nahe der Autobahnabfahrt gelegene Gaststätte mit Tanzsaal, überregionale Bedeutung für die Entwicklung einer von der herrschenden SED unabhängigen und westlich orientierten Jugendkultur. Die resolute Wirtin Trude Wolf lud auch nach der Leipziger Beatdemo immer wieder von den Genehmigungs-Behörden verbotene bzw. im SED-Staat unerwünschte Beat-Bands ein, die Tramper und Kunden aus allen Bezirken der DDR anzogen.[10] Ruhland wurde zu einem "Mekka der Osthippies".[11] In den 1980er Jahren organisierte der Enkel der verstorbenen Wirtin vor allem Blues-Konzerte, u. a. mit der Kult-Band Monokel.[12]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt besitzt eine Autobahnanbindung an die A 13 mit Anschlussstellen in Ruhland und Schwarzheide. Durch die Bundesstraße 169 im Norden, die B 97 im Südosten und die B 96 im Nordosten ist die Stadt sehr gut erreichbar.

Der Bahnhof Ruhland ist ein Kreuzungsbahnhof der Deutschen Bahn AG; hier treffen sich die Bahnstrecken Hoyerswerda–Falkenberg und Großenhain–Cottbus.

Im nahe gelegenen Schwarzheide befindet sich ein Verkehrslandeflugplatz der Kategorie II.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Stadt verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ruhland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2014 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Homepage Amt Ruhland
  3. Artikel in der Lausitzer Rundschau am 23. August 2008
  4. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberspreewald-Lausitz. S. 26–29
  5. Bevölkerung im Land Brandenburg nach kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden 1991 bis 2014
  6. Ergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai 2014
  7. § 73 des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes
  8. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014
  9. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  10. Gerold Hildebrand: Ungehorsame Schüler in Anklam und Ruhland, in: Horch und Guck, 11. Jg., Heft 38 (2/2002), S. 39–41
  11. Hippies in der DDR auf jugendopposition de
  12. Harald Hauswald in: Michael Rauhut, Thomas Kochan (Hrsg.): Bye Bye, Lübben City, Bluesfreaks, Tramps und Hippies in der DDR. Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf 2004.