Ruhrsandstein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Steinerne Turm in Dortmund ist aus Ruhrsandstein.
Die Kirche St. Peter zu Syburg in Syburg besteht aus Ruhrsandstein.

Als Ruhrsandstein wird ein entlang der Ruhr in Nordrhein-Westfalen, Deutschland vorkommender Sandstein bezeichnet, der als Baumaterial vielfältige Verwendung findet.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ruhrsandstein entstand aus Fluss-Sedimenten vor etwa 320 Millionen Jahren im so genannten Namur C, einem Zeitabschnitt des Oberkarbon. Bei den Bewegungen der Erdkruste wurden die Schichten des Karbon gefaltet und verdichtet (Variskische Faltung). Aus diesen Bewegungen heraus entstanden Klüfte im Gestein (Risse quer zur Streichrichtung der Bänke).

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ruhrsandstein zeichnet sich – im Gegensatz zu den meisten anderen in Mitteleuropa gewonnenen Sandsteinen – durch geringe Wasseraufnahme, sehr hohe Druckfestigkeit, Abriebfestigkeit und Verwitterungsbeständigkeit aus. Er ist intensiv kieselig zementiert und durch Kornbindung gefestigt. In Deutschland gilt der Ruhrsandstein als einer der resistentesten Sandsteine überhaupt.

Er hat sowohl graue als auch gelbliche, rötliche und bräunliche Farbtöne. Die Eintönungen entstehen insbesondere durch Oxidationsprozesse (Eisenhydroxid, Limonit). Die glänzenden Partikel im Ruhrsandstein stammen zumeist vom Muskovit-Glimmer. Einige Schichten enthalten auch Knollen aus Eisenerz. Gelegentlich findet man im Ruhrsandstein Versteinerungen von Pflanzen (Schuppenbäume, Farne und so weiter) als Treibgut. Auf Schichtflächen können kohlige Flitter auftreten; in einigen Sandsteinbänken sind Steinkohle-Flöze zwischengelagert.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Empfangsgebäude des Bahnhofs Hattingen aus Ruhrsandstein
Kohleflöz im Ruhrsandstein an der Zeche Nachtigall

Ruhrsandstein wurde historisch für viele sakrale und profane Bauwerke insbesondere im Ruhrgebiet und im bergisch-märkischen Bereich verwendet. Er wird für Mauerwerk, Treppenstufen, Bodenbelag, Fenster- und Türumrahmungen und Wandbekleidungen verwendet. Im Innenausbau findet Ruhrsandstein darüber hinaus Verwendung für Küchenarbeitsplatten und Waschtische, Kamine und Kaminabdeckungen. Er zählt zu den verschleißfestesten Sandstein in Deutschland und ist einer der wenigen Sandsteine, die poliert (Fachleute sprechen hierbei von teilpoliert) werden können.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberflächennahe Gesteinsvorkommen des Ruhrsandsteins befinden sich grundsätzlich nördlich der Ruhr im Ardeygebirge bei Dortmund sowie westlich davon auf beiden Seiten des Ruhrtals bis nach Mülheim. Geologen bezeichnen im engeren Sinne nur den Sandstein der „(Unteren und Oberen) Sprockhöveler Schichten“ als Ruhrsandstein.

Steinbrüche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den vergangenen Jahrhunderten gab es hunderte von größeren und kleineren Ruhrsandsteinbrüchen in der Region. Die Bauern betrieben ihre eigenen kleinen Brüche im Wald. Anders war es bei den großen Steinbruchunternehmern, die auch als Bauunternehmer auftraten.

Heute (Stand 2013) wird das Gestein noch in fünf Steinbrüchen abgebaut (von Ost nach West):

Stillgelegte Steinbrüche (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Informationstafel zum Steinbruch Opherdicke
Betrieb Bezeichnung Ort/Lage
Opherdicke Opherdicke Holzwickede
Ebberg Ebberg Schwerte
Imberg Universitätsstraße Bochum
Nacken Herdecke
Bosselmann Sirrenberg Sprockhövel
Nippus Hammertal und Sirrenberg Sprockhövel
Vogel Sirrenberg Sprockhövel
Kopperschläger Hammertal Witten
Wigmann Hammertal Witten
Blankenagel Hammertal Witten
Rauen Kohlensiepen Witten-Gedern
Bandmann Witten-Vormholz
Külpmann Albringhausen Wetter-Albringhausen (Koordinaten: 51° 22′ 23,7″ N, 7° 18′ 42,1″ O)
Külpmann Altenhain Wetter-Albringhausen
Külpmann Altenhain Wetter-Albringhausen
Külpmann Hödey Wetter-Voßhöfen
Külpmann Am Ostholz Wetter-Volmarstein

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Olaf Otto Dillmann: Der Ruhrsandstein. In: Naturstein. 12/1998. 53. Jg., Ulm, ISSN 0028-1026, S. 62–67.
  • Olaf Otto Dillmann: Vorkommen und Gewinnung von Naturwerkstein am Nordrand des Sauerlandes (Exkursion F am 27. März 2008). Jber. Mitt. oberrhein. geol. Ver., N.F. 90, Stuttgart 2008, S. 255–265 (10 Abb.).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]