Ruine Schneeburg (Ebringen)

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Ruine Schneeburg

Luftaufnahme der Schneeburg

Staat Deutschland
Ort Ebringen
Entstehungszeit vor 1312
Burgentyp Höhenburg, Gipfellage
Erhaltungszustand Ruine
Ständische Stellung Freiadlige
Geographische Lage 47° 58′ N, 7° 48′ OKoordinaten: 47° 57′ 38″ N, 7° 47′ 53″ O
Höhenlage 516 m ü. NN
Ruine Schneeburg (Baden-Württemberg)

Die Schneeburg ist die Ruine einer Gipfelburg auf dem 516 m ü. NN hohen westlichen Nebengipfel des Schönbergs auf der Gemarkung von Ebringen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in Baden-Württemberg. Sie liegt zwischen Uffhausen im heutigen Freiburger Stadtteil Sankt Georgen und Ebringen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Erbauer und Namensgeber der Burg waren in der älteren Literatur aufgrund der alten Bezeichnung „Schnewesberg“ die Schnewlin vermutet worden.[1] Die Schnewlin, die um 1300 mehrere Burgen erwarben, haben aber niemals selbst eine erbaut.[2] Auch die Konstruktion einer Verbindung über den Begriff „Schnee“ ist unzulässig.[3]

Die Burg wird 1312 erstmals erwähnt, und zwar in der Hand eines Friedrich von Hornberg.[4] Es existieren keine Nachrichten darüber, wie die Hornberger in den Besitz gekommen waren und ob sie möglicherweise sogar die unbekannten Erbauer waren. Einen Anhaltspunkt dafür, dass sie vor den Hornbergern den Schnewlin gehört haben könnten, gibt es nicht.[5] 1302 wurde die Wilde Schneeburg bei Oberried als „nuwe [neue] unde wilde Snevspurg“ bezeichnet, woraus gefolgert wird, die „alte“ Schneeburg auf dem Schönberg müsse damals bereits existiert haben.[6] Bei der Oberrieder Schneeburg gibt es aber Hinweise auf eine zweite Burg, sodass sich die Formulierung nicht auf die auf dem Schönberg beziehen muss. Es ist deshalb nicht auszuschließen, dass diese „sogar erst im frühen 14. Jahrhundert errichtet wurde. Sie wäre damit eine der am spätesten gegründeten Burgen im Breisgau“.[7]

Am 9. November 1349 übereignete Werner von Hornberg, der Sohn oder Neffe Friedrichs, die als sein Eigentum bezeichnete Burg an das Kloster Sankt Gallen. Als Gegenleistung erhielt er sie als Lehen wieder zurückübertragen, entsprechend aber auch die Ortsherrschaft über Ebringen, Berg- und Talhausen, womit die Burg zum Mittelpunkt einer kleinen Lehensherrschaft Ebringen wurde. Werners Schwester war mit Johann Schnewlin von Wiger verheiratet, verzichtete aber zusammen mit ihren Söhnen am 7. Juni 1387 gegen Zahlung von 200 Gulden auf alle von ihr herrührenden Ansprüche auf die Schneeburg und die Herrschaft Ebringen.[8]

Als Konrad von Hornberg 1426 seinen erblichen Anspruch auf die Schneeburg und Ebringen verfolgte, machte Konrad Dietrich von Ratsamhausen aus deren Verpfändung eine Forderung von 1200 Gulden geltend. Da Konrad die Zahlung nicht leisten konnte, packte er „den Stier bei den Hörnern“[9] und heiratete die Nichte des Konrad Dietrich, der er durch Vertrag vom 24. März 1428 als Sicherheit für den Witwenstand 2500 Gulden überschrieb, gesichert durch „Sneburg die Vesten“ und Ebringen. Damit war die Position der Hornberger gesichert, wenn auch immer wieder konkurrierende Ansprüche innerhalb der Familie zu Streitigkeiten führten.

Ab 1433 begannen die Hornberger, Grundstücke in Ebringen zu erwerben, um in der Folge die Herrschaft von der Schneeburg in das Dorf zu verlegen.[10] Das erste Ebringer Schloss war schon vor 1500 auf dem Areal des heutigen errichtet worden. Die Burg wurde verlassen und dem Verfall preisgegeben. Die in der älteren Literatur wiederholt geäußerte Annahme, sie sei 1525 in den Schlachten des Bauernkrieges zerstört worden, ist unbelegt und kaum wahrscheinlich.[11] Schon 1574 ist von dem alten und abgegangenen Schloss Schneeburg die Rede.[12]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

NebenraumHauptraum
Grundriss der Ruine[13] mit eingezeichneten Kamerapositionen der Panorama-Aufnahmen von Nebenraum (blau) und Hauptraum (rot)

Die rechteckige Burg liegt auf einer Kuppe des Schönbergs auf 550 Meter über NN in Nord-Süd-Richtung.[14] Sie ist etwa 38 Meter lang und 16 Meter breit und von einem breiten Burggraben umgeben, der auf der steilen Ostseite fehlt und auf der Nordseite am tiefsten aus dem Gestein gehauen ist. Der Aushub des Grabens dient teilweise als Vorwall. Der Graben, die Bauweise, die Struktur des Mauerwerks, der fehlende Bergfried (allenfalls könnte die nördliche Schmalseite in der Art einer Schildmauer erhöht gewesen sein), die am nördlichen Fenster der Westseite wiedereingebauten Reste von Fenstergewänden aus Buntsandstein und das bei zehn Begehungen durch Heiko Wagner 2000 bis 2005 aufgefundene Material verweisen auf das Ende des 13. Jahrhunderts und die Zeit um 1300.

Der Baubestand ist 1905 gesichert und teilweise rekonstruiert worden. Die Nordwestecke ist mit einer Höhe von etwa 13,50 Metern am besten erhalten. Auf das rund 4 Meter hohe fensterlose Erdgeschoss (Pferdestall oder Lagerraum) ist über zwei Geschosse ein Wohngebäude mit noch je einem Fenster aufgemauert. Sofern nicht bei der Sanierung 1905 erstellt, könnte es sich bei einem darüber befindlichen Mauerrest um die Wand des Dachgeschosses handeln. Der Nordteil wird als Hauptbau angesehen, in dem sich der Wohnsitz des Besitzers und ein Saal befanden. Über die Dachformen der Burg lassen sich keine Aussagen machen.

Den größten Bereich der Burg nimmt der wohl nicht überdachte Hof im mittleren Teil ein. Dort ist an Stelle des alten Brunnens eine neu aufgemauerte Steineinfassung zu sehen, die bisweilen als Feuerstelle verwendet wurde. Die Ringmauer des Hofes ist mittlerweile verschwunden. Heiko Wagner vermutet den Zugang in die Burg, ähnlich dem heutigen Weg, in ihrem mittleren bis nördlichen Teil auf der Ostseite.

In das im Süden befindliche, zweigeteilte Gebäude sind in die Fensteröffnungen neue Sandsteingesimse eingebaut worden, die dem entsprechen, was in Bruchstücken im alten Brunnenschacht gefunden wurde. Es könnte der Lagerhaltung, als Wohnraum für Bedienstete und als Küchenbau gedient haben.

In den 1930er Jahren existierten hölzerne Aussichtsterrassen sowie Aufgänge dorthin an einem Teil der Mauern.[15]#

Im Sommer 2021 wurde das Landesamt für Denkmalpflege informiert, dass ein großer Stein aus der nördlichen Grundmauer abzubrechen drohe, was den Erhalt der gesamten Mauer beeinträchtigen könnte. Bis Februar 2022 waren nur Sicherungsmaßnahmen getroffen worden.[16]

Panorama des Hauptraums (Standort: roter Punkt im Lageplan)
Panorama des Nebenraums (Standort: blauer Punkt im Lageplan)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heiko Wagner: Die Schneeburg am Schönberg – 700 Jahre alt, in: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins „Schau-ins-Land“, 2012, S. 15–29 (online). Vorabdruck: Gemeinde Ebringen, 2012.
  • Peter Paul Albert: Die Schneeburg. Zur Geschichte der Burg und ihrer Besitzer. In: Zeitschrift der Gesellschaft zur Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den angrenzenden Landschaften. Band 25, Freiburg im Breisgau 1909, S. 51–90 (online).
  • Alfons Zettler, Thomas Zotz: Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau, I. Nördlicher Teil: Halbband A-K. Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2003, ISBN 3-7995-7364-X, S. 98–106.
  • Arthur Hauptmann: Burgen einst und jetzt. Burgen und Burgruinen in Südbaden und angrenzenden Gebieten, Band 2. Verlag Südkurier, Konstanz 1987, ISBN 3-87799-075-4, S. 39–42.
  • Walter Fahl: Vor den Toren Freiburgs – Schönberg-Batzenberg-Panorama, Kehrer, Freiburg i. Br. 1986.
  • Helmut Bender, Karl-Bernhard Knappe, Klauspeter Wilke: Burgen im südlichen Baden. 1. Auflage. Verlag Karl Schillinger, Freiburg im Breisgau 1979, ISBN 3-921340-41-1, S. 166–169.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schneeburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [Joseph] Bader: Urkunden über die Schneeburg bei Ebringen im Breisgau, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Band 18, 1865, S. 463 f. online; Fridrich Pfaff: Die Schneeburgen im Breisgau und die Snewelin von Freiburg, in: Alemannia, Band 32, 1904, S. 307 (Datei:De Alemannia XXXII 317.jpg bei Wikimedia Commons); Fritz Geiges: Die Schnewburg auf dem Schinberg, in: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins „Schau-ins-Land“, 1874, S. 37 online.
  2. Albert, S. 58; Edmund Weeger: Die Herrschaft Ebringen bis 1621, in: Clausdieter Schott und Edmund Weeger: Ebringen, Herrschaft und Gemeinde, Band I, Freiburg o. J. [1992], S. 68.
  3. Hermann Nehlsen: Die Freiburger Familie Snewlin, Freiburg 1967 online, S. 21
  4. Edmund Weeger: Die Herrschaft Ebringen bis 1621, in: Clausdieter Schott und Edmund Weeger: Ebringen, Herrschaft und Gemeinde, Band I, Freiburg o. J. [1992], S. 68.; Wagner, S. 17.
  5. Hermann Nehlsen: , Die Freiburger Familie Snewlin, Freiburg 1967 online, S. 68 (Fußnote 180).
  6. Thomas Zotz: Herrschaften am Schönberg in Mittelalter und früher Neuzeit, in: Helge Körner (Hrsg.): Der Schönberg. Natur- und Kulturgeschichte eines Schwarzwald-Vorberges. Freiburg 2006, ISBN 3-935737-53-X, S. 275 (zobodat.at [PDF]).
  7. Wagner, S. 17.
  8. Edmund Weeger: Die Herrschaft Ebringen bis 1621, in: Clausdieter Schott und Edmund Weeger: Ebringen, Herrschaft und Gemeinde, Band I, Freiburg o. J. [1992], S. 69 f.
  9. Hermann Oechsler: Ebringen von 1349 bis 1559 unter der Lehenherrschaft von Adeligen, in: Zeitschrift des Freiburger Geschichtsvereins, 1929, S. 13. online
  10. Wagner, S. 18.
  11. Edmund Weeger: Der Schönberg als Kriegsschauplatz und Siedlungen rund um den Schönberg, beides in: Helge Körner (Hrsg.): Der Schönberg, Freiburg 2006, ISBN 3-935737-53-X, S. 286 und S. 322 f. online; Wagner, S. 287.
  12. Thomas Zotz: Herrschaften am Schönberg in Mittelalter und früher Neuzeit, in: Helge Körner (Hrsg.): Der Schönberg, Freiburg 2006, ISBN 3-935737-53-X, S. 280 online
  13. Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Grossherzogtums Baden, Bd. 6.1.: Kreis Freiburg Land, Tübingen/Leipzig 1904, S. 295 online; ein 2003 erstellter Grundriss bei Wagner, S. 22.
  14. Dies und die folgenden Ausführungen basieren überwiegend auf Wagner, S. 20–28.
  15. Ebringen im Wandel der Zeit, Geiger-Verlag, Horb am Neckar 1988, ISBN 3-89264-263-X, S. 33.
  16. Michael Dörfler: Ruine der Schneeburg oberhalb von Ebringen droht einzustürzen. Badische Zeitung, 1. April 2022, abgerufen am 2. April 2022.