Rundschwanzmakropode

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Rundschwanzmakropode
Macropodus ocellatus.png

Rundschwanzmakropode (Macropodus ocellatus)

Systematik
Ordnung: Anabantiformes
Unterordnung: Labyrinthfische (Anabantoidei)
Familie: Osphronemidae
Unterfamilie: Macropodusinae
Gattung: Makropoden (Macropodus)
Art: Rundschwanzmakropode
Wissenschaftlicher Name
Macropodus ocellatus
Cantor, 1842

Der Rundschwanzmakropode (Macropodus ocellatus, Syn.: Macropodus chinensis) ist ein kleiner Süßwasserfisch aus der Unterordnung der Labyrinthfische. Die Fische kommen in China zwischen Perlfluss und Amur, auf Taiwan und im westlichen und südlichen Flachland von Korea vor. Auf die japanische Hauptinsel Honshū, auf Shikoku und möglicherwesie auch in die russische Amurregion wurde der Rundschwanzmakropode vom Menschen eingeführt.[1]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rundschwanzmakropode wird maximal 8 cm lang[2] und bleibt damit kleiner als der Makropode (Macropodus opercularis) oder der Schwarze Makropode (Macropodus spechti). Ferner unterscheidet er sich durch die geringere Kopfbreite, wodurch der Kopf spitzer erscheint, von den beiden vorgenannten Arten. Charakteristisch für die Art ist die abgerundete Schwanzflosse, während der Schwanz der übrigen Makropoden tief gegabelt ist. Bei älteren Männchen des Rundschwanzmakropoden nimmt sie eine länglich-ovale Form an. Die Bauchflossen der Fische sind bei Wildfängen sehr kurz, bei Nachzuchten aus Aquarien können sie sich stark verlängern. Wie bei anderen Makropoden sind die Enden von Rücken- und Afterflosse lang, bei den Männchen sehr lang ausgezogen.[3] Insgesamt sind Männchen deutlich größer, meist dunkler gefärbt als die Weibchen und bekommen im Alter einen hohen, aufgewölbten Nacken.[1]

Der Rundschwanzmakropode hat eine graugelbe Grundfärbung. Auf dem Kiemendeckel befindet sich der namensgebende Augenfleck (Latein.: „ocellatus“), der grünlich oder bläulich ist. In der Fortpflanzungszeit werden Kehle, Bauch und der mittlere Rumpfbereich der ausgewachsenen Männchen und aggressiver Weibchen dunkelbraun, schiefergrau oder schwarz und können bei einem bestimmten Lichteinfall von der Seite bläulich irisieren. Die unpaaren Flossen bekommen bläulichweiße Säume; die Membranen von Rücken- und Afterflosse zeigen hellblaue Streifen und die Schwanzflosse hellblaue Punkte. Als Schreckfärbung zeigt der Rundschwanzmakropode ein fischgrätenähnliches Streifenmuster auf den Körperseiten.[3]

Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rundschwanzmakropoden bewohnen stehende und langsam fließende Gewässer, vor allem in Niederungen. Darunter sind auch überflutete Reisfelder mit Wasserständen von nur 10 bis 20 cm, sowie Restwassertümpel. Das große, vor allem in Nord-Süd-Richtung ausgedehnte Verbreitungsgebiete, reicht von der kalt-gemäßigten Zone in Nordkorea und der Mandschurei bis in die südchinesischen Subtropen. Im nördlichen Teil ihres Verbreitungsgebietes sind kalte Winter mit Lufttemperaturen von −20 °C nicht selten. Die Fische überstehen die Winter dann unter einer dicken Eisdecke bei Wassertemperaturen um die 4 °C. Der deutsche Ichthyologe Hans-Joachim Paepke konnte 1990 in Nordkorea Rundschwanzmakropoden in ihrem natürlichen Lebensraum untersuchen. Unter anderem fand er die Fische in einem kleinen Weiher im Einzugsgebiet des Taedong-gang. Die spärliche Ufervegetation bestand vor allem aus Gewöhnlicher Strandsimse (Bolboschoenus maritimus). Im offenen Wasser wuchsen die Japanische Wassernuss (Trapa japonica), das Raue Hornblatt (Ceratophyllum demersum) und das Krause Laichkraut (Potamogeton crispus). Außer den Rundschwanzmakropoden kamen die Silberkarausche (Carassius auratus), der Gründling (Gobio gobio cynocephalus), der Blaubandbärbling (Pseudorasbora parva) und der große, piscivore Karpfenfisch Chanodichthys erythropterus in dem Weiher vor.[4]

Viele Jahrzehnte älter sind Untersuchungen über den Lebensraum der Rundschwanzmakropode in den Einzugsbereichen des Hai He-Flusses und von der Insel Chongming Dao an der Mündung des Jangtsekiangs. Im Hai He lebte der Rundschwanzmakropode zusammen mit der Halbschnäblerart Hyporhamphus intermedius, dem Stachelaal Sinobdella sinensis, den Grundelartigen Rhinogobius davidi und Micropercops swinhonis und der Bitterlingsart Rhodeus sinensis. Auf der Insel Chongming Dao lebten Rundschwanzmakropoden in den vielen kleinen Flüssen und Gräben die die Insel durchziehen und die mit Rauem Hornblatt (Ceratophyllum demersum) und Ährigem Tausendblatt (Myriophyllum spicatum) bestanden waren. Begleitfische waren der Graskarpfen (Ctenopharyngodon idella), die Bitterlingsart Rhodeus ocellatus und die piscivoren Karpfenfische Culter alburnus und Hemiculter leucisculus. Außerdem fand man hier die Chinesische Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis).[5]

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rundschwanzmakropoden werden bei einer Wassertemperatur von 26 °C sehr agil und kommen in Balzstimmung. Die Männchen werden dunkel und beginnen ein Schaumnest zu bauen, die Weibchen werden hellgelb. Zunächst sind die Männchen sehr aggressiv und verjagen auch Weibchen, die sich zu früh nähern. Mit männlichen Rivalen tragen sie, ihre Breitseiten präsentierend, Kommentkämpfe aus.[6] Fortpflanzungbereite Weibchen nähern sich immer wieder den Männchen bis sie schließlich geduldet werden und durch Führungsschwimmen zum Schaumnest geführt werden. Dabei dämpfen die Weibchen die Aggressivität der Männchen durch Demutsgesten. Die Paarung wird durch einen „Wackeltanz“ eingeleitet bei dem die Schwanzflosse heftig hin und her geschlagen wird. Beim Ablaichen umschlingt das Männchen das Weibchen und dreht es auf den Rücken, mit dem Bauch zum Schaumnest. In einem Zeitraum von einer bis zwei Stunden kommt es zu 12 bis 15 Ablaichvorgängen bei denen insgesamt 200 bis 300 Eier abgegeben werden.[7] Unmittelbar nach dem Ablaichen werden die Männchen wieder unscheinbar graugelb. Die Brutpflege besteht nur aus einer Stabilisierung des Schaumnestes durch neu produzierte Luftblasen und das gelegentliche Umsortieren der Eier. Bei einer Temperatur von 26 °C schlüpfen die Larven nach 28 bis 38 Stunden. Mit einer Klebedrüse am Kopf können sie sich an Wasserpflanzen, Ästen oder auch an der Kahmhaut an der Wasseroberfläche anhaften. Nach etwa 3,5 Tagen schwimmen sie frei und beginnen zu fressen. Die Jungfische wachsen sehr schnell und in Freilandteichen in Europa gehaltene Exemplare haben sich schon in ihrem ersten Sommer ihrerseits wieder vermehrt.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Joachim Paepke (1994): Die Paradiesfische: Gattung Macropodus. In: Die Neue Brehm-Bücherei. Band 616. Westarp Wissenschaften, Magdeburg. ISBN 3-89432-406-6.

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Paepke (1994), Seite 91.
  2. a b Paepke (1994), Seite 89.
  3. a b Paepke (1994), Seite 90.
  4. Paepke (1994), Seite 93.
  5. Paepke (1994), Seite 94.
  6. Paepke (1994), Seite 95.
  7. Paepke (1994), Seite 96.
  8. Paepke (1994), Seite 99.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]