Runzhausen

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Runzhausen
Das Wappen von Runzhausen
Koordinaten: 50° 47′ 42″ N, 8° 33′ 39″ O
Höhe: 313 (303–325) m ü. NHN
Fläche: 5,4 km²[1]
Einwohner: 645 (31. Dez. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 119 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Postleitzahl: 35075
Vorwahl: 06462
Ortsansicht
Ortsansicht

Runzhausen ist ein Stadtteil von Gladenbach im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Der Ort liegt im Gladenbacher Bergland und damit im Naturpark Lahn-Dill-Bergland im Tal der Allna. Oberhalb des Ortes befindet sich die Quelle des Flusses. Der Hauptort Gladenbach liegt 3 km südlich. Im Ort treffen sich die Bundesstraße 453 und die Landesstraße 3288.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Ortsnamen Ramizhusen wurde das Dorf im Jahre 1334 erstmals erwähnt.[1] Um 1773 wird der Abbau von Silber in Runzhausen genannt. Kupfer- und Nickel-Abbau erfolgt im 19. Jahrhundert.

Mitten im Ort steht die Evangelische Kirche. Sie wurde 1781 von Georg Blecher erbaut, der im Folgejahr auch die wenige Kilometer südwestwestlich gelegene evangelische Kirche Allna errichtete. Die Glocke hingegen ist wesentlich älter und wird nach einer gotischen Minuskelinschrift auf das Jahr 1400 datiert.[3] Auf dem quadratischen Fachwerkbau sitzt ein allseitig abgewalmtes Dach, auf dem ein achtseitiger Dachreiter steht. Es ist neben den Kirchen in Seelbach und Frohnhausen eine von drei nach ihrem Äußeren sog. „Kaffeemühlenkirchen“ im Landkreis.

Am 1. April 1972 wurde Runzhausen im Rahmen der Gebietsreform in Hessen in die Stadt Gladenbach eingegliedert.[4]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Runzhausen unterstand im Überblick:[5][1]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rechtsprechung gibt 1821 im Rahmen der Trennung von Justiz und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte über. „Landgericht Gladenbach“ war daher von 1821 bis zur Abtretung an Preußen 1866 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Gladenbach. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Nach der Abtretung des Kreises Biedenkopf an Preußen infolge des Friedensvertrags vom 3. September 1866 zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen wurde der Landgerichtsbezirk Gladenbach preußisch.[7] Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung im vormaligen Herzogtum Nassau und den vormals zum Großherzogtum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[8] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Landgerichts in Amtsgericht Gladenbach. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Dillenburg und das Appellationsgericht Wiesbaden.[9]

Vom 1. Oktober 1944[10] bis 1. Januar 1949[11] gehörte das Amtsgericht Gladenbach zum Landgerichtsbezirk Limburg, danach aber wieder zum Landgerichtsbezirk Marburg. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Aufhebung des Amtsgerichts Gladenbach[12], welches fortan nur noch als Zweigstelle des Amtsgerichts Biedenkopf fungierte.[13] Am 1. November 2003 wurde diese Zweigstelle schließlich aufgelöst.[14]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[1]

1502: 11 Männer
1577: 27 Hausgesesse
1630: 24 Hausgesesse (9 zweispännige, 6 einspännige Ackerleute, 9 Sonstige).
1742: 55 Haushalte
1830: 736 evangelische, 2 römisch-katholische Einwohner
1867: Erwerbspersonen: 49 Landwirtschaft.
1885: 260 evangelische, keine katholischen, 13 andere Christen.
1961: 530 evangelische, 44 römisch-katholische Einwohner. Erwerbspersonen: 113 Land- und Forstwirtschaft, 136 produzierendes Gewerbe, 21 Handel und Verkehr, 9 Dienstleistungen und sonstiges.
Runzhausen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
239
1840
  
262
1846
  
296
1852
  
295
1858
  
300
1864
  
278
1871
  
258
1875
  
279
1885
  
273
1895
  
303
1905
  
335
1910
  
339
1925
  
355
1939
  
403
1946
  
593
1950
  
615
1956
  
552
1961
  
577
1967
  
633
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Runzhausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 5. Juli 2017)
  2. Einwohnerzahlen im Internetauftritt der Stadt Gladenbach, abgerufen im August 2017
  3. Kirche Runzhausen - Beschreibung der Kirche auf der Webseite der Kirchengemeinden RuBeRa (Runzhausen, Bellnhausen, Rachelshausen)
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 350.
  5. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  6. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 7 (bei google books).
  7. Art. 14 des Friedensvertrages zwischen dem Großherzogthum Hessen und dem Königreiche Preußen vom 3. September 1866 (Hess. Reg.Bl. S. 406–407)
  8. Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim vom 26. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1094–1103)
  9. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 26. Juni d. J. in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen, mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 218–220)
  10. Erlaß zur Änderung von Oberlandesgerichtsbezirken vom 20. Juli 1944 (RGBl. I S. 163)
  11. Erlass des Hessischen Ministers der Justiz vom 14. Dezember 1948 — 3230/2 — Ia 4988 — Betrifft: Gerichtsorganisation (Änderung von Landgerichtsbezirken) (StAnz. 52/1948 S. 563)
  12. Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 12. Februar 1968 (GVBl. I S. 41–44)
  13. Anordnung des Hessischen Ministers der Justiz vom 1. Juli 1968 — 3211 — II/4 — 894 — Betrifft: Gerichtsorganisation (Errichtung von Zweigstellen der Amtsgerichte) (StAnz. 28/1968 S. 1037–1039)
  14. Dritte Verordnung zur Anpassung gerichtsorganisatorischer Regelungen vom 10. Oktober 2003 (GVBl. I S. 291)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Runzhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien