Russland beim Eurovision Song Contest

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Bilanz

Flagge Russlands
Übertragende Rundfunkanstalt
C1R, RTR
Erste Teilnahme
1994
Anzahl der Teilnahmen
20 (Stand 2016)
Höchste Platzierung
1 (2008)
Höchste Punktzahl
491 (2016)
Niedrigste Punktzahl
17 (1995)
Punkteschnitt (seit erstem Beitrag)
147,80 (Stand 2016)
Punkteschnitt pro abstimmendem Land im 12-Punkte-System
4,01 (Stand 2016)

Dieser Artikel befasst sich mit der Geschichte Russlands als Teilnehmer am Eurovision Song Contest.

Regelmäßigkeit der Teilnahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Beitritt zur EBU nahm Russland erstmals 1994 am Wettbewerb teil. 1996 erreichte Russland aufgrund des Ausscheidens von Andrei Kosinski in der internen Qualifikationsrunde nicht das Finale des Eurovision Song Contests. Wegen schlechter Vorjahresplatzierungen war Russland 1998 nicht für den Eurovision Song Contest zur Teilnahme zugelassen, der zuständige Fernsehsender realisierte dies aber nicht und wählte dennoch intern die Sängerin Tatjana Owsijenko mit dem Lied Solnze mojo aus, das aber selbstverständlich nicht in Birmingham antreten durfte.[1] Der Wettbewerb wurde daraufhin 1998 nicht in Russland ausgestrahlt, weshalb das Land den Regeln nach auch 1999 nicht teilnehmen durfte und erst 2000 wieder teilnahm.

2015 sollte durch Russland der letztmals 2008 veranstaltete Intervision Song Contest, damals eine Konkurrenzveranstaltung zum ESC, wiederbelebt werden, aus der aber nichts wurde. Die insgesamt sechste Ausgabe (nach 1977–1980 und 2008) sollte in der Schwarzmeermetropole Sotschi stattfinden, wo auch die Olympischen Winterspiele 2014 stattfanden. Trotz dieser Konkurrenzveranstaltung nahm Russland auch 2015 am ESC in Österreich teil.

Erfolge im Wettbewerb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit 19 Teilnahmen konnte Russland bereits einige Erfolge beim Wettbewerb verbuchen: das Land kam bisher ein Mal auf Platz 1 (2008), vier Mal auf den zweiten Platz (2000, 2006, 2012 und 2015) und drei Mal auf den dritten Platz (2003,2007 und 2016). 14 der 19 Beiträge, also ca. 74 %, landeten in der ersten Hälfte. Zudem kam Russland, abgesehen von der Vorrunde 1996, nie unter die letzten sechs und schied nie in dem seit 2004 bestehenden Halbfinale aus. Russland war in diesem Wettbewerb der erfolgreichste Teilnehmer in den 2000er Jahren. Seit 2012 belegte Russland nur Plätze in den Top 10.

Liste der Beiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Farblegende:   – Siege.   – Punktgleichheit mit dem letzten Platz.   – Beiträge ohne Finalteilnahme.

Jahr Interpret Titel
(Musik / Text)
Übersetzung Platz Punkte
1994 Youddiph
Юдифь
Wetschny strannik
Вечный странник
(Lew Zemlinski / Judif als 'Pilgrim')
Ewiger Wanderer 09 / 25 70
1995 Filipp Kirkorow
Филипп Киркоров
Kolybelnaja dlja wulkana
Колыбельная для вулкана
(Ilja Berschadski / Ilja Resnik)
Wiegenlied für einen Vulkan 17 / 23 17
1996 Andrei Kossinski
Андрей Косинский
Ja eta ja
Я это я
(Andrei Kossinski, Nikolai Denissow)
Ich bin, was ich bin 26 / 29
(Qfkr.)
14
1997 Alla Pugatschowa
Алла Пугачева
Primadonna
Примадонна
(Alla Pugatschowa)
- 15 / 25 33
1998 Nicht qualifiziert
1999 Auf Teilnahme verzichtet
2000 Alsou
Алсу
Solo
(Andrew Lane, Brandon Barn)
- 02 / 24 155
2001 Mumi Troll
Мумий Тролль
Lady Alpine Blue
(Ilja Lagutenko)
Alpenblaue Dame 12 / 23 37
2002 Prime Minister
Премьер-Министр
Northern Girl
(Kim Breitburg / K. Kawalerjan, E. Fridljand, I. Antonjan)
Nordisches Mädchen 10 / 24 55
2003 t.A.T.u.
Тату
Ne wer, ne boisja
Не верь, не бойся
(Waleri Polijenko / Mars Lasar)
Glaube nicht, hab keine Angst 03 / 26 164
2004 Julija Sawitschewa
Юлия Савичева
Believe Me
(Maxim Fadejew / Brenda Loring)
Glaube mir 11 / 24 67
2005 Natallja Padolskaja
Наталья Подольская
Nobody Hurt No One
(Wiktor Drobytsch / Mary Applegate, JP Järvinen)
Niemand verletzt niemanden 15 / 24 57
2006 Dima Bilan
Дима Билан
Never Let You Go
(Alexander Lunjew / Karen Kawalerjan, Irina Antonjan)
Ich werde Dich nie gehen lassen 02 / 24
SF: 03 / 23
248
2007 Serebro
Серебро
Song #1
(Maxim Fadejew / Daniil Babitschew)
Lied Nummer eins 03 / 24 207
2008 Dima Bilan
Дима Билан
Believe
(Dima Bilan & Jim Beanz / Dima Bilan & Jim Beanz)
Glaube 01 / 25
SF: 03 / 19
272
2009 Anastassija Prychodko
Анастасія Приходько
Mamo
Мамо
(Konstantin Meladse, Diana Golde)
Mama 11 / 25 91
2010 Peter Nalitch
Пётр Налич
Lost and Forgotten
(Pjotr Nalitsch)
Verloren und vergessen 11 / 25
SF: 07 / 17
90
2011 Alexei Worobjow
Алексей Воробьёв
Get you
(Alexei Worobjow, RedOne, AJ Junior, Bilal Hajjii, Eric Sanicola)
Dich bekommen 16 / 25
SF: 09 / 19
77
2012 Buranowskije Babuschki
Бура́новские ба́бушки
Party for Everybody
(Wiktor Drobysch / Olga Tuktarjowa)
Feier für Jeden! 02 / 26
SF: 01 / 18
259
2013 Dina Garipowa
Дина Гарипова
What If
(Gabriel Alares, Leonid Gutkin / Joakim Bjornberg)
Was wäre, wenn 05 / 26
SF: 02 / 16
174
2014 Tolmatschowa-Schwestern
Сёстры Толмачёвы
Shine
(Dimitris Kontopoulos, Filipp Kirkorow)
Scheinen 07 / 26
SF: 06 / 16
89
2015 Polina Gagarina
Полина Гагарина
A Million Voices
(Gabriel Alares, Joakim Björnberg, Katrina Noorbergen, Leonid Gutkin, Vladimir Matetsky)
Eine Million Stimmen 02 / 27
SF: 01 / 16
303
2016 Sergej Lasarew
Сергей Лазарев
You Are The Only One
(Dimitris Kontopoulos, Filipp Kirkorow)
Du bist die Einzige 03 / 26
SF: 01 / 18
491

Fernsehsender[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tolmachevy Sisters, 2014 in Kopenhagen
Polina Gagarina, 2015 in Wien
Sergei Lasarew, 2016 in Stockholm

Die Zuständigkeit für den Eurovision Song Contest wechselte mehrmals zwischen den beiden staatlichen russischen Fernsehsendern: 1994 und 1996 war RTR zuständig, 1995 und ab 1997 schließlich immer Perwy kanal (ehemals ORT). 2007 organisierte erstmals wieder RTR die Teilnahme, nun wechselt die Zuständigkeit von Jahr zu Jahr.

Nationale Vorentscheide[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fast alle russischen Beiträge wurden intern ausgewählt, lediglich sieben Mal fand eine im Fernsehen übertragene Vorausscheidung statt: 1994 stellten neun Interpreten je einen Titel vor, bevor eine Jury den Sieger kürte. Ursprünglich sollten elf Titel antreten, zwei wurden jedoch disqualifiziert: Ein Ausschnitt des Liedes Oi, oi, oi wurde entgegen den Regeln vor dem Wettbewerb im Radio gespielt, dem anderen Lied Kogda wernus w Rossiju wurde vorgeworfen, antisemitisch zu sein. Beide Lieder wurden dennoch als Pausennummer gespielt.[2] 1996 traten vierzehn Sänger an, unter denen erneut eine Jury den Favoriten bestimmte. Alla Pugatschowa, russische Vertreterin ein Jahr später, war Mitglied dieser Jury. 2005 fanden vor dem Finale noch drei Vorrunden mit insgesamt 29 Liedern statt. Erstmals wurde ausschließlich per Telefon abgestimmt. 2008 fand erneut eine Vorentscheidung statt. An ihr nahmen 27 Künstler teil.[3] Auch 2009 gab es eine öffentliche Vorentscheidung, 2012 wurde das Verfahren von 2008 wiederholt. Aus 150 Bewerbern wurde eine Finalistengruppe aus 25 Beiträgen zusammengestellt, aus der am 7. März ein Gewinner ermittelt wird. Die Entscheidung bestimmen eine nationale Jury und ein Televoting, denen gleich viel Gewichtung zugestanden wird.[4] Seit 2013 wurden alle russischen Beiträge intern ausgewählt und landeten in den Top10.

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Fall der Sprachregelung 1999 wurden die russischen Beiträge überwiegend auf Englisch vorgestellt, lediglich t.A.T.u., die vorher mit englischsprachigen Liedern europaweit Erfolg hatten, sangen Ne wer, ne bojsja auf Russisch. Auch im Jahr 2009 hat Russland Anastassija Prychodko an den Start gehen lassen, mit einem russisch- und ukrainischsprachigem Beitrag Mamo. Der erste Refrain dieses Beitrages ist auf Ukrainisch, der Rest ist komplett auf Russisch. Das Intro des Beitrags von 2011 war in Russisch, der gesamte Song ansonsten auf Englisch. Im Jahr 2012 war nur der Refrain auf Englisch gesungen, der Rest des Liedes entsprang dem Udmurtischen. Von den Beiträgen 1994 und 1997 existiert jeweils eine englische Fassung, umgekehrt 2001, 2002 und 2006 eine russische.[5] Primadonna wurde zudem auf Französisch veröffentlicht.

Verschiedenes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mit 303 Punkten ist Russlands Beitrag von 2015 der bislang erfolgreichste Zweitplatzierte der ESC-Geschichte. Außer 2009 und 2012 hätte diese Punktzahl in jeder früheren Auflage des Wettbewerbs zum Sieg gereicht. Zudem war dies das erste Mal in der Geschichte, dass ein anderer Beitrag als der Sieger die 300-Punkte-Marke übertraf.
  • Wann immer Russland beim ESC den zweiten Platz erreichte, lag ein nordisches Land an der Spitze: 2000 Dänemark, 2006 Finnland, 2012 und 2015 Schweden. Wenn Russland Dritter wurde, gewann ein südosteuropäisches Land: 2003 die Türkei, 2007 Serbien und 2016 die Ukraine.
  • Die Tolmatschowa-Schwestern, Vertreterinnen von 2014, waren die ersten Teilnehmer beim ESC, die zuvor den Junior Eurovision Song Contest gewonnen hatten.
  • Russland ist das einzige Land im gesamten Wettbewerb, welches seit der Einführung der zwei Halbfinals immer demselben Halbfinale zugelost wurde, nämlich dem Ersten.
  • Hätte es 2016 ein reines Zuschauer-Voting gegeben, hätte Russland gewonnen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. eurovisionsongs.net
  2. Russian Final (Memento vom 8. Dezember 2003 im Internet Archive)
  3. Russian Final (Memento vom 2. April 2008 im Internet Archive)
  4. eurovision.tv
  5. diggiloo.net