Ruth Baumgarte

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Ruth Baumgarte im Atelier
Ruth Baumgarte, Porträt (1985)

Ruth Baumgarte (* 27. Juni 1923 in Coburg; † 7. Februar 2013 in Bielefeld) war eine deutsche Malerin und Galeristin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruth Baumgarte wurde als Tochter des Schauspielers, Schriftstellers, Regisseurs und Produzenten sowie späteren UFA-Verwaltungsdirektors und Mehrheitseigners der Tobis Filmproduktionsgesellschaften Kurt Rupli in Coburg geboren und wuchs in Berlin auf. Ihre erste künstlerische Ausbildung erhielt sie bei Emmy Stalmann an der Kunstschule des Westens, Berlin. Von 1941 bis 1944 studierte sie an der Hochschule für Bildende Künste Berlin bei Gerhard Ulrich, Carl Michel, Wilhelm Tank, Hermann Franzke und Kurt Wehlte und wurde mehrfach wegen besonderer Begabung preisgekrönt.[1] Während des Studiums war sie ständige Mitarbeiterin des Kaskeline–Zeichentrick-Ateliers. Infolge der Evakuierung der Hochschule im Zweiten Weltkrieg wechselte sie im März 1944 zur Staatlichen Industrie- und Kunstgewerbeschule Sonneberg in Thüringen.[2] Aufgrund der Schließung auch dieser Hochschule ging sie Ende August 1944 nach Dresden, verließ die Stadt aber nach wenigen Tagen und kehrte nach Berlin zurück, wo sie das Kriegsende erlebte.[3] Sie wurde zunächst Pressezeichnerin der ersten deutsch-russischen Tageszeitung, womit sie für sich und ihre Familie den Lebensunterhalt verdiente. Aufgrund ihrer ersten Ehe mit einem aus Bielefeld stammenden Künstler siedelte sie nach Westdeutschland um.[4]

Ruth Baumgarte in ihrem Atelier, Ende der 1960er Jahre

Tagesaktuell zeichnete sie für die in Bielefeld erscheinende Freie Presse, eine Vorgängerin der Neuen Westfälischen.[5] Auch als Buchillustratorin wurde sie bekannt und arbeitete für eine Vielzahl renommierter deutscher Verlage.[6] Seit Ende der 1940er Jahre erschloss sie sich zunehmend erfolgreich mit freier Kunst die Kunstszene und zeigte ihre Werke international. Zahlreiche Reisen in ferne Länder von Persien bis Afrika inspirierten die Künstlerin für ihre Arbeiten. Familiär verwurzelt hat sich Ruth Baumgarte Anfang der 1950er Jahre in Bielefeld. 1952 heiratete sie den Industriellen Hans Baumgarte (verstorben 1999), damaliger Eigentümer des Eisenwerks Baumgarte.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr Sohn Alexander Baumgarte ist heute alleiniger Eigentümer der von ihr 1986 maßgeblich mitgegründeten Samuelis Baumgarte Galerie und des späteren weiteren Unternehmenszweigs Art Consulting. Die Samuelis Baumgarte Galerie ist aus ihrer Mitte der 1970er Jahre gegründeten Bielefelder Galerie „Das Fenster“ an der Artur-Ladebeck-Straße hervorgegangen. Der ehemalige Feuilleton-Chef der Neuen Westfälischen, Martin Bodenstein, schrieb in seinem Buch Mimen, Maler und Mimosen: „Das Fenster besaß eine winzige Sitzecke für Enthusiasten, die nicht auf Kunstkomfort, sondern auf komfortable Kunst und obendrein auf Konversation mit ihren Schöpfern Wert legten. Mit ihrer legendären Galerie habe Ruth Baumgarte ‚die Butzenscheiben der Provinz aufgestoßen‘.“

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für ihre eigenen Arbeiten, vor allem für ihren Afrika-Zyklus reiste Baumgarte erstmals in den 1950er Jahren und seit den frühen 1980er Jahren häufig auf den afrikanischen Kontinent und besuchte Südafrika, Namibia, Zimbabwe, Tansania, Kenia und den Sudan.

Ruth Baumgarte bei einem Besuch der Massai, Anfang der 1990er

Seit 1985 besuchte sie Afrika fast jährlich. Aus bildnerischen Reisenotizen entstanden großformatige Ölgemälde, nach Erinnerungen geschaffen, zwischen der Symbiose afrikanischer Stammeskultur und zunehmender Industrialisierung und Zerstörung afrikanischer Riten. Diese Werke gerieten umso intensiver und tiefer nach Ausarbeitung im Atelier, als dies unmittelbar vor Ort möglich war, erklärte Ruth Baumgarte. Ihre Bilder aus diesem Zyklus, der zahlreiche Werke umfasst, zeigen Menschen, einzeln oder in Gruppen, vor in sich verschmelzenden Landschaftsvisionen. Doch die Szenen, einfühlsam und genau beobachtet, und gezeichnet, durchwirkte Ruth Baumgarte mit glühenden Farben, die zu einem eigenständigen und einzigartigen Stil heranreiften. „Die schwüle Hitze Afrikas kann ich nur durch diese Farben ausdrücken“, sagte die Künstlerin. Doch was hier die Notwendigkeit von Darstellung und bildnerischer Umsetzung diktiert, erscheint zugleich als eine Ehrerbietung der Vitalität gegenüber, womit das Leben in Afrika einem sensibel wachen Geist imponierte.[7]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ruth Baumgartes Afrika-Zyklus wurde international in Museen, Kunstvereinen oder auf Kunstmessen wie der Art Cologne, Fiac, Arte Fiera Bologna, der art Karlsruhe bzw. in weltweit bekannten Galerien wie Aberbach Fine Art New York, Galleria Giulia Rom, der Fondation Veranneman oder Frost & Reed Ltd in London ausgestellt.
  • Seit 1995 hat alle zwei Jahre in der Samuelis Baumgarte Galerie eine Präsentation von Ruth Baumgarte stattgefunden und die Künstlerin wird von der Galerie ständig vertreten.
  • 2015 Ruth Baumgarte, Farbrausch am Kessel, Städtische Kunstsammlungen Salzgitter, Schloss Salder, 22. November 2015 bis 31. Januar 2016
  • 2013 Hommage zum 90. Geburtstag, Retrospektive mit wichtigen Werken aus sieben Jahrzehnten, Samuelis Baumgarte Galerie, Bielefeld
  • 2013 Ruth Baumgarte, Samuelis Baumgarte Galerie, art KARLSRUHE 2013
  • 2012 Ruth Baumgarte, Samuelis Baumgarte Galerie, art KARLSRUHE 2012
  • 2011 Ruth Baumgarte, Samuelis Baumgarte Galerie, art KARLSRUHE 2011
  • 2010 Ein Hauch von Eden, 27.11.2010 - 31.01.2011, Samuelis Baumgarte Galerie
  • 2004 – 2009 Verstärkte Reisen nach Afrika, es entstehen zahlreiche weitere Werke
  • 2004 Galleria Marieschi, Mailand
  • 2004 Arte Fiera Bologna
  • 2002 Galerie Schloss Mochental, Ehlingen Ulm
  • 2001 Susan Aberbach Fine Art, New York
  • 2000 Galerie Sala Pelaires, Palma de Mallorca, Spanien
  • 1998 Samuelis Baumgarte Galerie, Bielefeld
  • 1998 Stichting Fondation Veranneman, Belgien
  • 1997/98 Galerie Schloss Mochental, Ehlingen Ulm
  • 1997 "La Pelle Nera", Galleria Marieschi, Mailand / Monza
  • 1995 Fiac, Paris
  • 1995 Art Cologne, Köln
  • 1994 Art Frankfurt
  • 1994 Artfair, Kunst- und Antiquitätenmesse Hannover-Herrenhausen
  • 1994 Galerie Schloss Mochental, Ehlingen Ulm
  • 1994 Galleria Giulia, Rom
  • 1994 Art Cologne, Köln
  • 1994 Samuelis Baumgarte Galerie, Bielefeld
  • 1993 Kunstverein Paderborn
  • 1993 Art Frankfurt
  • 1993 G.W. Einstein Company, Inc., New York
  • 1992 Frost & Reed, Ltd., London
  • 1991 Ladengalerie, Berlin

Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr 2012 hat die Künstlerin im Alter von 88 Jahren die Kunststiftung Ruth Baumgarte gegründet, die ihr künstlerisches Lebenswerk verwaltet und fördert.[8] Den Vorsitz der Stiftung bekleidet auf Lebenszeit ihr Sohn, der Galerist und Kunsthändler Alexander Baumgarte. Der künstlerische Beirat setzt sich aus folgenden Personen zusammen:

Kunstpreis Ruth Baumgarte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2014 vergibt die Stiftung den mit 20.000 € dotierten Kunstpreis Ruth Baumgarte an einen gegenständlich arbeitenden Künstler.[9] Preisträger waren seither:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Allgemeines Künstlerlexikon Internationale Künstlerdatenbank deGruyter online (letzter Zugriff: 19. Oktober 2016)
  • Arensi, Flavio: Tetralogia della natura, FUOCO, Galleria Marieschi, Monza 2003
  • Bütow, Kurt: Europäisches Künstlerlexikon. Malerei und Zeichenkunst. Band 1, Bavaria Kunstverlag, Königsbrunn 1995
  • Frost & Reed, Ltd. (Hg.): Ruth Baumgarte. Paintings & Works on Paper, London 1992
  • Galeria d'Art Sala Pelaires (Hg.): Ruth Baumgarte, Visiones Africanas, Palma de Mallorca 2000
  • Galleria Giulia (Hg.): Ruth Baumgarte. De Africa, Rom 1994
  • G.W. Einstein Company Inc.: Ruth Baumgarte. African Paintings, New York 1993
  • Magani, Fabrizio/ Malberti, Claudio: La Pella Nera, Galleria Marieschi, Monza 1997
  • Pizziolo, Marina: Ruth Baumgarte. Il tamtam del colore, Mailand 2004
  • Samuelis Baumgarte Galerie (Hg.): Ruth Baumgarte. Hommage zum 90. Geburtstag, Wichtige Werke aus sieben Jahrzehnten, Bielefeld 2013 (ISBN 978-3-00-042551-6)
  • Samuelis Baumgarte Galerie (Hg.): Ruth Baumgarte. Retrospektive 1942 – 1989, Bielefeld 1989
  • Städtische Kunstsammlungen Salzgitter (Hg.): Ruth Baumgarte. Farbrausch am Kessel, Salzgitter 2015 (ISBN 978-3-9816004-5-2)
  • Susan Aberbach Fine Art (Hg.): Ruth Baumgarte. African Visions, New York 2001

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Klassenlisten der Staatlichen Hochschule für bildende Künste vom WS 1939/40 - WS 1943/44 im Archiv der Universität der Künste Berlin
  2. Vgl. Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Ingenieurschule für Spielzeugformgestaltung und Maschinenbau Sonneberg, Nr. 1027
  3. Vgl. Stadtarchiv Sonneberg, Bestand Meldeunterlagen
  4. Siehe hierzu: http://www.samuelis-baumgarte.com/galerie/de/galerie/galerie.html
  5. Vgl. Stadtarchiv Bielefeld, Zeitschriftenbestand, Freie Presse 29.06.1949 – 22.02.1953
  6. Vgl. u.a. Schwarz, M.M.: Keinbein hält die Fährte, Schlösser-Verlag, Braunschweig, 1954; Knaak, Kurt: Brav, mein Weidgesell! Schmidt-Verlag, Bielefeld 1954; Hoppe, Marei: Bille, der Backfisch, Erich Schmidt Verlag, Berlin, 1955; Bratt, Berte: Gewagt-gewonnen, Schmidt-Verlag, Bielefeld 1956
  7. Siehe hierzu auch http://www.samuelis-baumgarte.com/galerie/de/kuenstler/Ruth_Baumgarte.html
  8. Website der Kunststiftung Ruth Baumgarte
  9. Kunstpreis auf der Website der Stiftung; abgerufen 24. November 2016.
  10. Erste Wahl Neue Westfälische, 17./18. Januar 2015, S. 11
  11. Ein Fixpunkt der Kunstszene Westfalen-Blatt, 17./18. Januar 2015
  12. Okzident und Orient Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Juni 2016, S. 11
  13. Wahlberliner Kader Attia erhält Baumgarte-Kunstpreis Berliner Zeitung, 4. Juni 2016, S. 11
  14. Stattlich dotierter Kunstpreis ging an Kader Attia informationsdiens KUNST, 9. Juni 2016, S. 20
  15. Up Beaux Arts magazine, 1. Juli 2016
  16. Amelie von Wulffen erhält Baumgarte-Preis Neue Westfälische, 4./5. Februar 2017, Lokale Kultur