Ruth Gordon

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Ruth Gordon im Jahre 1919

Ruth Gordon (* 30. Oktober 1896 in Quincy, Massachusetts; † 28. August 1985 in Edgartown, Massachusetts) war eine US-amerikanische Schauspielerin und Bühnenautorin, die als Schauspielerin den Oscar gewann (Rosemaries Baby) und dreimal als Drehbuchautorin nominiert wurde.[1]

Frühes Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruth Gordon mit vier Jahren

Ruth Gordon wurde als einziges Kind eines Fabrik-Vorarbeiters und ehemaligen Schiffskapitäns geboren. Sie war eine getaufte Episkopalerin.[2] Sie interessierte sich bereits früh für das Theater und schrieb während ihrer Jugendzeit in der Kleinstadt Quincy viele berühmte Schauspielerinnen um Autogramme an. Im Jahre 1914 begann Gordon ihre Schauspielausbildung an der American Academy of Dramatic Arts. Im Jahre 1915 begann sie ihre Karriere als Schauspielerin mit Auftritten in einigen Stummfilmen sowie einer kleinen Rolle in einer Bühnenproduktion von Peter Pan am Broadway. Dort wurde Gordon schon Ende der 1910er-Jahre zu einer bekannten Charakterdarstellerin des amerikanischen Theaters. In den folgenden Jahrzehnten übernahm sie sowohl in klassischen als auch modernen Stücken wichtige Rollen.

Ab den frühen 1940er Jahren wechselte Gordon zumindest teilweise das Metier und begann eine zweite Karriere als Drehbuchautorin in Hollywood, meist an der Seite ihres zweiten Ehemanns Garson Kanin. Zusammen war das Ehepaar dreimal für Drehbuchoscars nominiert, immer unter dem Regisseur George Cukor: Beim Drama Ein Doppelleben von 1947 über einen schizophrenen Schauspieler sowie bei den wohl bekanntesten Filmen der beiden, den Screwball-Komödien Ehekrieg (1949) und Pat und Mike (1952) mit Katharine Hepburn und Spencer Tracy in den Hauptrollen. Cukor übernahm auch 1953 in Theaterfieber, der Verfilmung von Gordons autobiographischem Stück Years Ago, die Inszenierung. Daneben übernahm Gordon auch Nebenrollen in einigen Hollywood-Filmen der 1940er-Jahre, etwa als Mary Todd Lincoln in der Filmbiografie Abe Lincoln in Illinois (1940) sowie an der Seite von Greta Garbo in Die Frau mit den zwei Gesichtern (1941).

Am Theater schrieb Gordon für sich und ihren mitunter etwas exzentrischen Darstellungsstil ebenfalls eigene Theaterstücke. Einer ihrer größten Erfolge war die Komödie Over 21, deren Filmrechte sie 1945 für die seinerzeit beträchtliche Summe von 350.000 US-Dollar an Columbia Pictures verkaufte. Die Hauptrolle in der Verfilmung übernahm Irene Dunne, was einen Kritiker zu der Bemerkung veranlasste: “Miss Dunne gives the most commendable impression of Ruth Gordon playing Irene Dunne playing Ruth Gordon.” (zu dt.: „Miss Dunne gibt den höchst überzeugenden Eindruck von Ruth Gordon, die Irene Dunne spielt, die Ruth Gordon spielt.“)

Gordon selbst trat immer wieder in mehr oder weniger großen Nebenrollen auf und avancierte, als sie sich auf die Darstellung exzentrischer älterer Damen spezialisierte, gegen Ende der 1960er Jahre zum Filmstar. Einen ersten Golden Globe Award als beste Nebendarstellerin erhielt sie 1966 für ihre Darstellung der Mutter von Natalie Wood in Verdammte, süße Welt. Für ihre finstere Rolle der Nachbarin Rosemaries in Rosemaries Baby wurde sie 1969 als beste Nebendarstellerin mit einem Oscar und einem weiteren Golden Globe Award ausgezeichnet. In dem Thriller Eine Witwe mordet leise von 1969 mimte sie die Gegenspielerin zu Geraldine Page. Zu ihren bekanntesten Auftritten gehört die Hauptrolle der unkonventionellen Maude in der Tragikomödie Harold and Maude aus dem Jahr 1971, die mittlerweile als Kultfilm gilt. In den Filmen Der Mann aus San Fernando und Mit Vollgas nach San Fernando trat sie in der Rolle als Clint Eastwoods Mutter auf.

Neben Filmauftritten war Gordon auch immer wieder im Fernsehen tätig, in der Columbo-Folge Alter schützt vor Morden nicht spielte sie etwa eine alte Schriftstellerin, die den vermeintlichen Mörder ihrer Nichte mithilfe eines Tresorraumes umbringt. Im Alter war sie ebenfalls für ihre humorvollen Auftritte in Talkshows bekannt, 1977 übernahm sie sogar für einen Abend die Moderation von Saturday Night Live.[3] Ruth Gordon blieb bis zu ihrem Tod als Schauspielerin aktiv, ihr letzter Film The Trouble with Spies (1987) wurde posthum veröffentlicht.

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erster Ehe war Gordon ab 1921 mit dem Schauspieler Gregory Kelly verheiratet, der jedoch nur sechs Jahre später mit 36 Jahren verstarb. Mit dem Broadway-Produzenten und Drehbuchautor Jed Harris hatte sie aus einer Affäre einen gemeinsamen Sohn namens Jones (* 1929). Der Junge war ein uneheliches Kind, was nicht den damaligen gesellschaftlichen Konventionen entsprach, aber Harris zahlte Unterhalt und Gordon hielt die Sache diskret.[4] 1942 heiratete sie den deutlich jüngeren Autoren Garson Kanin, mit dem sie bis zu ihrem Tod verheiratet blieb. Ruth Gordon verstarb 1985 im Alter von 88 Jahren in ihrem Sommerhaus an einem Schlaganfall.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darstellerin
Drehbuchautorin
  • 1947: Ein Doppelleben (A Double Life)
  • 1949: Ehekrieg (Adam’s Rib)
  • 1951: Pat und Mike (Pat and Mike)
  • 1952: Happy-End … und was kommt dann? (The Marrying Kind)
  • 1953: Theaterfieber (The Actress)
  • 1957: The Alcoa Hour
  • 1980: Liebe nach Feierabend (Hardhat & Legs) (Fernsehfilm)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oscar
  • 1948: Nominiert- Bestes Drehbuch für A Double Life (gemeinsam mit Garson Kanin)
  • 1951: Nominiert- Bestes Drehbuch für Adam's Rib (gemeinsam mit Garson Kanin)
  • 1953: Nominiert -Bestes Drehbuch für Pat and Mike (gemeinsam mit Garson Kanin)
  • 1966: Nominiert- Beste Nebendarstellerin in Inside Daisy Clover
  • 1969: Beste Nebendarstellerin in Rosemary's Baby
Golden Globe
  • 1966: Beste Nebendarstellerin in Inside Daisy Clover
  • 1969: Beste Nebendarstellerin in Rosemary's Baby
  • 1972: Nominiert- Beste Hauptdarstellerin in Harold and Maude
Primetime Emmy Award
  • 1976: Nominiert- Beste komödiantische Darstellung in einer Nebenrolle für Rhoda
  • 1977: Nominiert- Beste komödiantische Darstellung in The Great Houdini
  • 1979: Beste komödiantische Darstellung Taxi
  • 1985: Nominiert- beste Performance The Secret World of the Very Young
Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films
  • 1986: Nominiert -Saturn Award Beste Nebendarstellerin für Maxie
Kansas City Film Critics Circle Awards
  • 1968: Beste Nebendarstellerin Rosemary's Baby
Laurel Awards
  • 1968: Nominiert -Beste Nebendarstellerin Rosemary's Baby (Dritter Platz)
Women in Film Crystal Awards
  • 1983: Crystal Award
Writers Guild of America
  • 1951: Nominiert- Bestes Drehbuch für Adam's Rib (gemeinsam mit Garson Kanin)
  • 1953: Nominiert -Bestes Drehbuch für Pat and Mike (gemeinsam mit Garson Kanin)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ruth Gordon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Homepage Garson Kanin
  2. lt. Autobiografie
  3. "Saturday Night Live" bei IMDB
  4. Nachruf auf Ruth Gordon in der Los Angeles Times