Ruth Herz

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Ruth Herz (geb. Pick, * 27. Oktober 1943 in Haifa, Palästina[1]) ist eine deutsche Richterin, Fachautorin und Schauspielerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruth Herz ist die Tochter des jüdischen Rechtsanwalts Rudolf Pick aus Breslau, der im Alter von 28 Jahren 1933 vor den Nationalsozialisten nach Palästina floh.[2] Dort heiratete er seine Hebräischlehrerin, Tochter eines 1910 aus Russland eingewanderten Zionisten.[3] 1950 zog das Ehepaar mit Ruth Herz und ihrem Bruder nach Nordrhein-Westfalen, wo die britische Besatzungsarmee ihrem Vater eine Stelle offeriert hatte.[3]

Eingeschult wurde Herz in eine vom British Families Education Service (BFES) unterhaltene Britische Armeeschule in Ratingen. Ab 1955 lebte sie in einem Internat mit internationaler Schule, der International School de Ulenpas in den Niederlanden. Dort schloss sie 1960 mit dem einem Abitur vergleichbaren Cambridge International General Certificate of Education - Advanced Level ab. Von 1960 bis 1963 studierte sie sechs Semester an der der Universität Genf angegliederten Dolmetscherschule und schloss mit der Diplom-Prüfung als akademische Übersetzerin (Englisch und Französisch[4]) ab. Anschließend studierte sie Rechtswissenschaften an den Universitäten Genf, München und Köln.[1] Nach dem Hochschulabschluss und den Staatsexamina (Erstes Staatsexamen 1967[1]) wurde sie mit dem Prädikat cum laude promoviert.[3]

Herz wurde 1974 Richterin am Amtsgericht, 1976 Vorsitzende des Jugendschöffengerichts[4] und ist Publizistin von Fachbüchern. 1998 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet für ihre Verdienste bei der Etablierung des Täter-Opfer-Ausgleichs, bei dem sich jugendliche Verurteilte, die bei einer Straftat andere Menschen geschädigt haben, mit dem Opfer unter Betreuung zusammensetzen, um das begangene Unrecht gemeinsam aufzuarbeiten.[2] Im gleichen Jahr wurde sie bestellte Expertin für Strafrecht beim Europarat.[4]

Von September 2001 bis September 2005 spielte sie sich selbst in der Hauptrolle als Richterin in der RTL-Gerichtsshow Das Jugendgericht.[2][5] Anschließend ging sie für ein Forschungsprojekt über Medien und Justiz an die Universität Oxford.[5][6]

Herz heiratete 1966 den damaligen Diplom-Volkswirt[1] und späteren Professor für Soziologie an der Universität Siegen Thomas Herz und bekam mit ihm in den folgenden drei Jahren eine Tochter und einen Sohn, den Architekten Manuel Herz. Nach dem Tod ihres Mannes 1995 heiratete Herz in den 2000er-Jahren Gabriel Gorodetsky, einen israelischen Historiker.[7][4]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ruth Herz – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Ruth Herz: Lebenslauf in der Dissertation
  2. a b c Eine mutige Richterin: Ruth Herz, welt.de, 26. Mai 2007
  3. a b c Ruth Herz: Recht persönlich: eine Jugendrichterin erzählt, C. H. Beck, 2006, S. 32-36; 39–41
  4. a b c d Biografie Dr. Ruth Herz, RTL, Memento im Webarchiv vom 7. April 2004
  5. a b Dr. Ruth Herz verlässt «Das Jugendgericht», Quotenmeter, 4. August 2005
  6. Das macht Richterin Ruth Herz heute, tvmovie.de
  7. Ruth Herz Judge Playing Judge Ruth Herz: Reflections on the Performance of Judicial Authority in: Volume 14 (2010) Law's Theatrical Presence, S. 201 [1], PDF-Datei, S. 24