Ruth Westheimer

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Dr. Ruth (1988)
Ruth Westheimer (2007)

Ruth Karola Westheimer, geb. Siegel, bekannt als Dr. Ruth (* 4. Juni 1928 in Wiesenfeld/Karlstadt[1]) ist eine deutsch-US-amerikanische Soziologin, Sexualtherapeutin und Sachbuchautorin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Alter von zehn Jahren wurde Ruth (damals noch Karola Siegel genannt[2]) als Kind jüdisch-orthodoxer Eltern mit einem Kindertransport von Frankfurt-Nordend in die Schweiz geschickt, wo sie den Zweiten Weltkrieg in einem Kinderheim in Heiden verbrachte.[3] Ihre Befreiung, zusammen mit etwa 100 anderen jüdischen Kindern, wurde durch die Schweizer Aktivistin Goldschmidt ermöglicht. Westheimers Eltern wurden in Auschwitz ermordet.

Nach dem Krieg wanderte sie nach Palästina aus und trat der Hagana bei, wo sie als Scharfschützin ausgebildet wurde. Im Palästinakrieg wurde sie 1948 durch eine Bombe verwundet. Später studierte sie Psychologie an der Pariser Sorbonne, wo sie auch Lehraufträge erhielt. 1956 emigrierte sie in die USA. Hier heiraten 1957 (Ruth) Karola Siegel und Manfred Westheimer (1927–1997). An der Columbia University studierte Ruth Westheimer das Fach Soziologie mit einem Master-Abschluss und promovierte zum PhD.

Ruth Westheimer veröffentlichte 1989 ihre Autobiographie All in a lifetime. In einem zweiten autobiographischen Buch Musically Speaking (dt. Die Sprache der Musik) beschreibt sie ihren Lebensweg von ihrer Geburt bis zur Umsiedlung nach New York anhand deutscher Volkslieder.

Ruth Westheimer wurde nach ihrer Auswanderung US-amerikanische Staatsbürgerin; seit 2014 besitzt sie auch wieder die deutsche Staatsbürgerschaft.[4] Bis heute hat sich ihr ausgeprägter hessischer Dialekt in ihrem deutschen erhalten.[5]

Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ende ihrer Hochschulausbildung war sie am New York Hospital – Cornell University Medical Center in New York City tätig.

1980 moderierte sie erstmals die 15-minütige Radio-Kolumne Sexually Speaking, in der sie unbefangen Ratschläge für good sex gibt. Hunderttausende suchten den Rat der Expertin. Bald war Westheimer auch bei Talk-Shows in Europa und anderen Teilen der Welt häufig eingeladener Gast. Mehr als 450 Fernsehsendungen hat sie gestaltet.

Einige der US-Universitäten wie Harvard und Princeton, engagieren Westheimer auch heute noch als Gastdozentin. Von der Yale University bekam sie einen neuen Vier-Jahres-Vertrag. 1994 ehrte sie die Deutsche Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung mit der Magnus-Hirschfeld-Medaille für Sexualreform.

Wertheimer hat über 30 Sachbücher zum Thema Sexualität geschrieben. Ihr bisher letztes, in den USA 2005 veröffentlichtes Werk wendet sich an die Generation der über Fünfzigjährigen.

In ihren Sendungen bezeichnet sie sich gerne als „1 Meter 40 konzentrierter Sex“ (bezogen auf die Körpergröße).[6] Das Wall Street Journal bezeichnete sie einmal als Kreuzung zwischen Henry Kissinger, dessen deutscher Akzent ebenfalls unverkennbar ist, und Minni Maus.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Doctor Ruth’s guide to good sex. (deutsch: „Sprechen wir mal drüber…“ Sexualität und Erotik. Goldmann, München 1983, ISBN 3-442-30505-5.)
  • First Love. (deutsch: First love. Ein Aufklärungsbuch für junge Leute. Ullstein, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-548-34432-1.)
  • Doctor Ruth’s guide for married lovers. (deutsch: Liebe in der Ehe. Ratgeber für ein glückliches Zusammenleben. Ullstein, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-548-34449-6.)
  • All in a lifetime. (deutsch: …und alles in einem Leben. Autobiographie. Benteli, Bern 1989, ISBN 3-7165-0652-4.)
  • mit Louis Lieberman: Sex and Morality. (deutsch: Sex und Moral. Beltz, Weinheim 1990, ISBN 3-407-30535-4.)
  • The Art of Arousal. 1993, ISBN 1-55859-330-6.
  • Dr. Ruth’s Guide to Erotic and Sensuous Pleasures. 1994, ISBN 1-56171-099-7.
  • Dr. Ruth talks to kids. (deutsch: Ab jetzt wird alles anders. Vom Erwachsenwerden, von Liebe und von Sex. Aare, Aarau u. a. 1994, ISBN 3-7260-0415-7.)
  • Sex for Dummies. (deutsch: Sex für Dummies. 1996 und zahlreiche Neuauflagen.)
  • Heavenly sex. (deutsch: Himmlische Lust. Liebe und Sex in der jüdischen Kultur. Campus, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-593-35466-7.)
  • mit Amos Grunebaum: Dr. Ruth’s Pregnancy Guide for Couples. 1999, ISBN 0-415-91972-X.
  • mit Steven Kaplan: Grandparenthood. (deutsch: Ein Glück, dass es Großeltern gibt. Ullstein, München 2000, ISBN 3-550-07118-3.)
  • Who I am!? Where did I come from? (deutsch: Woher kommen nun die kleinen Babys? Coppenrath, München 2003, ISBN 3-8157-2950-5.)
  • Musically Speaking. (deutsch: Die Sprache der Musik. Ein Leben mit Liedern. Gryphon, München 2005, ISBN 3-937800-45-X.)
  • mit Pierre A. Lehu: Sex after 50. (deutsch: Silver Sex. Wie Sie Ihre Liebe lustvoll genießen. Campus, Frankfurt/New York 2008, ISBN 978-3-593-38271-5.)
  • Mythen der Liebe. Collection Rolf Heyne, München 2010, ISBN 978-3-89910-470-7.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gero von Boehm: Ruth Westheimer. 2. September 1986. Interview in: Begegnungen. Menschenbilder aus drei Jahrzehnten. Collection Rolf Heyne, München 2012, ISBN 978-3-89910-443-1, S.134–140.
  • Alfred A. Häsler: Die Geschichte der Karola Siegel. Ein Bericht. In Zusammenarbeit mit Ruth K. Westheimer. Benteli, Bern 1976, ISBN 3-7165-0082-8.
  • Margaret M. Scariano: Dr. Ruth Westheimer. Enslow, Hillside (New Jersey) 1992, ISBN 0-89490-333-0.
  • Gerald Kreft, Ulrich Lilienthal: Jezer hara: Böser Trieb und Sexualität: Bertha Pappenheim – Dora Edinger – Ruth Westheimer. In: Caris-Petra Heidel (Hrsg.): Jüdinnen und Psyche (Schriftenreihe Medizin und Judentum, Band 13). Mabuse, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-86321-323-7, S. 125–152.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ruth Westheimer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Felix Hain: Bekannteste US-Sexaufklärerin stammt aus Franken. In: Main-Post vom 11. Januar 2010.
  2. Alfred A. Häsler: Die Geschichte der Karola Siegel. Ein Bericht. In Zusammenarbeit mit Ruth K. Westheimer. Benteli, Bern 1976, ISBN 3-7165-0082-8.
  3. Ich sehe, wer sexuell befriedigt ist. In: Die Weltwoche, Ausgabe 51/2010.
  4. Es lockt der Herbst, Ausgabe 34 im Jahr 2014, geladen am 23.02.2017
  5. Mathias Plüss: Für uns Frauen war Freud eine Katastrophe. Mit 86 Jahren spricht Ruth Westheimer unverblümt über Pornographie, Onanie, Sex im Alter. Guter Rat von der bekanntesten Sextherapeutin der Welt in unserer Serie „Alte Meister“, Folge VI. In: Das Magazin, N° 11, 14. März 2015, Tamedia Zürich, Seiten 36–41.
  6. Wenn der Schmock stejt. In. Die Presse.