Ruthenen

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Der Ruthenen (lat. Rutheni, Sg. Ruthenus, latinisiert aus dem Ethnonym Rusyn/Rusin) bezeichnet ostslawische Bevölkerungsgruppen, die in der jeweiligen Zeit nicht unter der Hoheit des Großfürstentums Moskau und des daraus entstandenen Russischen Reichs lebten, sondern unter der seiner westlichen Nachbarn.

15./16. Jahrhundert bis 1772[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit waren Ruthenen zunächst die Slawen griechisch-orthodoxen Glaubens im Großfürstentum Litauen. Als Verkehrssprache des litauischen Großfürstentums entwickelte sich eine Variante der russischen Sprachen, die sich deutlich von der Moskauer unterschied. Diese ruthenische Sprache wird heute von Weißrussen als Alt-Belorussisch betrachtet und von Ukrainern als Alt-Ukrainisch. Im Gefolge der politischen Realunion Polens und Litauens in der Lubliner Union von 1569 wurde 1596 die Kirchenunion von Brest geschlossen. Damit pflegten die polnisch-litauischen Untertanen ruthenischer Sprache unter dem Primat des Papstes weiterhin ihren ostkirchlichen Ritus.

1771 bis 1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Teilungen Polens kam der größte Teil der Ostslawen in Polen-Litauen unter die Hoheit des Russischen Reiches. Dort entwickelten sich die regionalen Kulturen Weißrusslands und der Ukraine. Der kleinere Teil kam in das nach dem Fürstentum Halytsch-Wolodymyr benannte österreichische Kronland Galizien und Lodomerien, das allerdings auch den Süden Kleinpolens umfasste. Diese Bevölkerungsgruppe waren dann die Ruthenen im Habsburgerreich.

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spätestens mit dem Ende des Habsburgerreichs definierten sich dessen ostslawische Untertanen zumeist als Ukrainer.

Die ostlawische Mischbevölkerung der Nordkarpaten, verteilt auf die Slowakei, Polen und die Ukraine, zweifellos ein Teil der Ruthenen nach früheren Definitionen, wird heute zumeist als Russinen bezeichnet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]