Rydzyna

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Rydzyna
Wappen von Rydzyna
Rydzyna (Polen)
Rydzyna
Rydzyna
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Leszno
Fläche: 2,17 km²
Geographische Lage: 51° 48′ N, 16° 40′ OKoordinaten: 51° 48′ 0″ N, 16° 40′ 0″ O
Einwohner: 2788
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 64-130
Telefonvorwahl: (+48) 65
Wirtschaft und Verkehr
Schienenweg: Breslau–Leszno
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 136,00 km²
Einwohner: 8893
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 65 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3013043
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Grzegorz Jędrzejczak
Adresse: Rynek 1
64-130 Rydzyna
Webpräsenz: www.rydzyna.pl



Rydzyna (deutsch Reisen) ist eine Stadt im Powiat Leszczyński (Kreis Lissa) der polnischen Woiwodschaft Großpolen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Riesen südlich der Stadt Posen und südöstlich der Stadt Lissa auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Schloss Reisen, 1742 bis 1745 von Baumeister Carl Martin Frantz im Rokoko-Stil umgestaltet.
Rydzyna im April 2005

Die Ortschaft ist eine Gründung der böhmischen Grafen Werbna; sie erbauten Schloss und Kirche und hießen später nach dem Ort die Rydzyński.[2] In einer Urkunde von 1403 wurde als Gründer der Ortschaft der Adelige Jan Rydzyński genannt. Die Stiftungsurkunde der Stadt ist verbrannt, doch das Stadtsiegel enthält die Zahl 1422, und es galt deutsches Stadtrecht. Im Jahr 1458 hatte die Stadt vier ausgerüstete Krieger zu stellen. Die Bewohner waren mehrheitlich Deutsche.[2]

Die Stadt hat von ihrem Besitzer das Wappen Wierzbno übernommen, das eine Festungsbastei mit einer Vierfelder-Tafel auf der zwei Tafeln mit Pfeilen und zwei mit Lilien zu sehen sind, darstellt. In dem Besitz der Familie Rydzyński war Rydzyna bis Ende des 17. Jahrhunderts. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts gehörte die Stadt der Adelsfamilie Leszczyński und war zu Beginn des 18. Jahrhunderts auch häufiger Aufenthaltsort des polnischen Königs Stanislaus I. Leszczyński. Als die Leszczyńskis aus Polen weichen mussten, verkauften sie die Grafschaft Leszno sowie die Herrschaft Rydzyna im Jahr 1738 an den polnischen Magnaten Aleksander Józef Sułkowski, dessen Familie sie noch im 19. Jahrhundert in Besitz hatte.[2] Da Sułkowski auch die Herrschaft Bielitz im österreichischen Schlesien aufgekauft hatte, die 1752 von Kaiser Franz I. Stephan zum Fürstentum erhoben worden war, stand ihm seither der Titel deutscher Reichsfürst zu. August Anton Sułkowski (1820–1882) und Anton Sułkowski (1844–1909) waren Mitglieder des Preußischen Herrenhauses.

Seit ihrer Zugehörigkeit zum Deutschen Reich hieß die Stadt Reisen. Bis 1887 gehörte Reisen zum Kreis Fraustadt (poln. Wschowa), von 1887 bis 1920 war es Bestandteil des Kreises Lissa. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die preußische Provinz Posen durch den Versailler Vertrag aufgelöst, die Stadt Reisen musste an die Zweite Polnische Republik abgetreten werden, zu der sie von 1920 bis 1939 unter dem Namen Rydzyna gehörte.

Im Rahmen des Polenfeldzugs wurde die Region 1939 von der deutschen Wehrmacht besetzt. Danach gehörte der Ort bis zum Kriegsende 1945 erneut zum Deutschen Reich (Landkreis Lissa (Wartheland)). Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt und bald darauf der Verwaltung der Volksrepublik Polen übergeben. In der Folgezeit wurden die deutschen Bewohner von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1800: 1.615, davon 171 Juden[2]
  • 1816: 1.290[2]
  • 1843: 1.377[2]
  • 1861: 1.493[2]
  • 1885: 1.155, davon 408 Katholiken und 49 Juden[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das gotische Schloss Rydzyna der Adelsfamilie Rydzyński wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts von Johannes von Czernina aus Rydzyna errichtet. Es wurde von der Familie Leszczyński übernommen und auf seinen Mauern wurde von 1682 bis 1695 das barocke Schloss gebaut. Weitere Umbauten erfolgten um 1700 nach Plänen des italienischen Architekten Pompeo Ferrari. Zusammen mit seinem Park und den angrenzenden Flächen stellte es damals die prachtvollste Magnatenresidenz in Großpolen dar. Von 1705 bis 1709 war es Residenz des polnischen Königs Stanislaus Leszczynski. 1709, während des Nordischen Krieges, wurde das Schloss von Truppen des Zaren teilweise niedergebrannt. Sein Schloss in Rydzyna hatte Stanislaus Leszczynski an Alexander Josef Sulkowski verkauft, der ihm seine vormalige Pracht wiedergab. Die Familie Sułkowski übernahm das Schloss, welches in den Jahren 1742 bis 1745 vom Baumeister Carl Martin Frantz, einem Sohn des aus Reval stammenden Architekten Martin Frantz, erneut umgebaut wurde. Das Schloss erhielt zu dieser Zeit neue Dächer, die Fassaden und der prachtvolle Haupteingang wurden im Rokokostil umgestaltet. Die Arbeiten am Schloss und seiner Umgebung wurden dann von Fürst August, Alexander Josef Sulkowskis Sohn, weitergeführt. Die Wirtschaftsgebäude des Schlosses wurden mit klassizistischen Fassaden versehen und auch der Ballsaal wurde im selben Stil ausgeschmückt. Neu errichtete man die Orangerie und die stilvollen Pavillons im Park. Die fürstliche Residenz der Familie Sulkowski war in den 1780er Jahren in ganz Großpolen als kulturelles Zentrum (Hoftheater der Familie Sulkowski) und Bildungszentrum (Gymnasium des Piaristenordens) berühmt. Der letzte Umbau erfolgte in den Jahren 1785 bis 1790 unter der Leitung von Ignacy Graff; die Pläne werden dem Architekten Domeniko Merlini (1730–1797) zugeschrieben. Neben Rogalin, Kórnik und Gołuchów zählt Schloss Rydzyna zu den bedeutendsten Palastbauten in Großpolen. Die Nationalsozialisten richteten 1940 im Schloss die Nationalpolitische Erziehungsanstalt Reisen ein. Die heutige Form kann nicht mehr als barockes Original gelten, da das Schloss 1945 von den sowjetischen Truppen niedergebrannt, und erst 1970 bis 1989 nach alten Plänen rekonstruiert wurde.

Die St.-Stanislaus-Kirche (Kościoł św. Stanisława) wurde in den Jahren 1746 bis 1751 im Stil des Barock gebaut.

Gemeinde Rydzyna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Rydzyna besteht aus den Orten

Rittergut Gabel um 1860, Sammlung Alexander Duncker
Name deutscher Name
(1815–1919)
deutscher Name
(1939–1945)
Augustowo Augustowo Augustenfeld
Dąbcze Dambitsch Dambitsch
Jabłonna Gabel Gabel
Junoszyn Friedrichshuld Friedrichshuld
Kaczkowo Katschkau Katschkau
Kłoda Kloda Roden
Lasotki Lestwitzhof Lestwitzhof
Maruszewo Marianowo Abbau  ?
Moraczewo Moraczewo
1905–1919 Lindenau
Lindenau
Nowawieś Neuguth Neugut
Pomykowo Pomykowo
1905–1919 Wilhelmsau
Wilhelmsau
Przybina Przybin
1905–1919 Brausewitz
Brausen
Robczysko Robczysko Schlesingen
Rojęczyn Roniken Roniken
Rydzyna Reisen Reisen
Tarnowa Łąka Tharlang Tharlang
Tworzanice Groß Tworsewitz 1939–1943 Groß Torsdorf
1943–1945 Großtorsdorf
Tworzanki Klein Tworsewitz 1939–1943 Klein Torsdorf
1943–1945 Kleintorsdorf

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 424–426.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rydzyna – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b c d e f g Wuttke (1864), S. 434–426.
  3. http://www.geschichte-on-demand.de/pos_lissa.html