Ryn

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Ryn (Begriffsklärung) aufgeführt.
Ryn
Wappen von Ryn
Ryn (Polen)
Ryn
Ryn
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Giżycko
Fläche: 4,09 km²
Geographische Lage: 53° 56′ N, 21° 33′ OKoordinaten: 53° 56′ 19″ N, 21° 32′ 45″ O
Einwohner: 2909
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 11-520
Telefonvorwahl: (+48) 87
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 59: GiżyckoMrągowoRozogi
DW 642: Sterławki WielkieWoźnice
Schienenweg: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 34 Ortschaften
17 Schulzenämter
Fläche: 211,21 km²
Einwohner: 5857
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 28 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2806083
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Józef Karpiński
Adresse: ul. Świerczewskiego 2
11-520 Ryn
Webpräsenz: www.miastoryn.pl



Ryn [rɨn] (deutsch Rhein) ist eine Stadt im Powiat Giżycki in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren mit etwa 3000 Einwohnern. Die Stadt ist Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde, die derzeit 5857 Einwohner hat.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftbild des Stadtgebiets

Die Stadt liegt in der historischen Region Ostpreußen, etwa 19 Kilometer südwestlich von Giżycko (Lötzen) auf einer Landenge zwischen dem Ollofsee (Jezioro Ołów) und dem Rheiner See (Jezioro Ryńskie) in Masuren auf einer Höhe von 120 Metern über dem Meeresspiegel.

Die Stadt Ryn (Rhein)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rhein südsüdöstlich von Königsberg, ostnordöstlich von Allenstein und südlich von Rastenburg auf einer Landkarte von 1908
Burg Rhein: Deutlich sind noch die Strukturen des 14. Jahrhunderts am später stark veränderten Bau abzulesen.
Schloss Rhein nach der Renovierung (Aufnahme 2014)
Straßenzug in der Stadt

Im Jahre 1377 ließ der Hochmeister des Deutschen Ordens, Winrich von Kniprode, an der Stelle einer früheren prußischen Wallanlage eine feste Burg zur Ryne (1339 Renus von baltisch renis – Wasserrinne) errichten, die zur Kommende Balga gehörte. Vermutlich entstand zusammen mit der Ordensburg auch eine Siedlung, die jedoch erst 1405 urkundlich erwähnt wird. Unterhalb des Ordensschlosses verbindet im Stadtzentrum ein unterirdischer Kanal den Matussekteich, eine versandete Bucht des Ollofsees, mit dem Mühlenteich der früheren Ordenshausmühle und dem Rheiner See.

1393 wurde die Kommende Ryne, später Hochdeutsch Rhein, errichtet, die nach 1468 nicht mehr nachweisbar ist. Bekanntester Komtur von Rhein war Rudolf von Tippelskirch, der sich auch bei der Kolonisation Ostpreußens verdient gemacht hatte.

Nach der Säkularisation des Ordensstaates zum Herzogtum Preußen im Jahre 1525 amtierte in Rhein bis 1775 ein Amtshauptmann für das Amt Rhein.

Beim Tatareneinfall in Ostpreußen wurde der Ort am 7. Februar 1657 geplündert, niedergebrannt und zahlreiche Bewohner wurden verschleppt. Von 1709 bis 1711 wurde Rhein von der Großen Pest heimgesucht.

Trotz dieser Rückschläge verlieh Friedrich Wilhelm I. dem Ort im Jahre 1723 das Stadtrecht. Ausschlaggebend dafür war die Funktion Rheins als Verwaltungszentrum für einen größeren ländlichen Raum.

Während der Napoleonischen Kriege fanden in Rhein Einquartierungen statt.

Im 19. und 20. Jahrhundert stagnierte die Entwicklung der Stadt. Erst 1902 erhielt Rhein eine Eisenbahnverbindung, jedoch nur über eine von den Rastenburger Kleinbahnen betriebene schmalspurige Nebenstrecke. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Rhein eine evangelische Kirche und ein Amtsgericht; am Ort gab es auch ein Frauengefängnis und eine Zementwarenfabrik.[2]

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags stimmte die Bevölkerung im Abstimmungsgebiet Allenstein, zu dem Rhein gehörte, am 11. Juli 1920 über die weitere staatliche Zugehörigkeit zu Ostpreußen (und damit zu Deutschland) oder den Anschluss an Polen ab. In Rhein stimmten 1.460 Einwohner für den Verbleib bei Ostpreußen, auf Polen entfiel keine Stimme.[3] Bis 1945 gehörte die Stadt zum Deutschen Reich (Ostpreußen). Von 1818 bis 1945 gehörte Rhein dem Landkreis Lötzen an.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Januar 1945 die Rote Armee die Region. Bald darauf wurde Rhein zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung gestellt. Rhein erhielt den polnischen Ortsnamen Ryn. Soweit die Einwohner nicht geflüchtet waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit größtenteils vertrieben.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 ca. 1000
1802 1269 [4]
1810 1260 [4]
1816 1271 [4]
1821 1336 [4]
1831 1058 meist Polen[5]
1875 2340 [6]
1880 2226 [6]
1885 2285
1905 1923 [2]
1925 2084
1933 2290 [6]
1939 2274 [6]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengebäude/Kapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Rhein entstand in den Jahren 1602 bis 1604 an der Stelle einer früheren Kirche ein Gotteshaus, das zwischen 1871 und 1876 durch Beigabe neugotischer Formen und einen hohen Turm umgebaut wurde. Von der alten Ausstattung blieb nur wenig überig. Am 1. Dezember 1940 brannte das Gebäude ab, ein Wiederaufbau erfolgte nicht.

Heute nutzt die kleine evangelisch-lutherische Gemeinde ein Einfamilienhaus mit eingebautem Kirchsaal als Kapelle.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahre 1528 gibt es in Rhein eine evangelische Kirchengemeinde. Ihr war ein weitgefächertes Kirchspiel zugeordnet,[7] in dem im Jahre 1925 nahezu 6000 Gemeindeglieder wohnten. Die Kirchengemeinde war bis 1945 Teil des Kirchenkreises Lötzen in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Heute existiert in Ryn eine kleine Gemeinde, die ihre eigene Kapelle nutzt. Sie gehört zur Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen. Ryn ist wie vor dem Krieg Pfarrsitz; zugeordnet sind die Kapelle in Sterławki Wielkie (Groß Stürlack) und die Kapelle in Koczarki (Kotzargen, 1929 bis 1945 Eichhöhe).

Katholisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche Unbefleckte Empfängnis Mariä in Ryn

Vor 1945 waren die katholischen Kirchenglieder in Rhein in die Pfarrkirche St. Adalbert in Sensburg (polnisch Mrągowo) eingegliedert[8]. Sie gehörte zum Bistum Ermland.

Heute gibt es in Ryn ein eigenes Gotteshaus, die Kościół Niepokalanego Poczęcia Najświętszej Maryi Panny (Kirche Unbefleckte Empfängnis Mariä). Als Pfarrkirche[9] ist sie mit ihren Filialkirchen in Monetki (Sophienthal) und Ławki (Lawken, 1938 bis 1945 Lauken) Teil des Dekanats Św. Szczepana Męczennika in Giżycko (Lötzen) im Bistum Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen.

Gemeinde Ryn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Ryn (gmina miejsko-wiejska) besteht aus folgenden Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
Bachorza Wiesenthal Ławki Lawken
1938–1945 Lauken
Ryńskie Pole Rheinsfelde
Canki Waldhof Ławki (osada) Gut Lawken
1938–1945 Domäne Lauken
Siejkowo Justusberg
Głąbowo Glombowen
1938–1945 Leithof
Mioduńskie Mniodunsken
1929–1945 Immenhagen
Skop Skoppen
1938–1945 Reichenstein
Grzybowo Grzybowen
1929–1945 Birkensee
Mleczkowo Reichenhof Skorupki Skorupken
1927–1945 Schalensee
Hermanowa Wola Hermanawolla
1929–1945 Hermannshorst
Monetki Sophienthal Słabowo Slabowen
1928–1945 Langenwiese
Jeziorko Jesziorken
1928–1945 Preußenburg
Mrówki Mrowken
1929–1945 Neuforst
Stara Rudówka Alt Rudowken
1939–1945 Hammerbruch
Knis Gneist Orło Orlen
1938–1945 Arlen
Sterławki Wielkie Groß Stürlack
Knis-Podewsie Gneisthöhe Prażmowo Salpia Szymonka Schimonken
1938–1945 Schmidtsdorf
Kronowo Kronau Rybical Rübenzahl Tros Trossen
Kronowo (osada) Ryn Rhein Wejdyki Weydicken
1938–1945 Weidicken
Krzyżany Krzysahnen
1927–1945 Steinwalde
Ryński Dwór Rheinshof Zielony Lasek Grünwalde

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber auf grünem Boden ein ruhender, schwarzer Hirsch vor einem grünen Laubbaum.“[10]

Dies Abzeichen der alten Komturei Reyn wurde der Stadt von König Wilhelm I. am 7. Februar 1880 verliehen.[11]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gemeindegebiet von Ryn gibt es außer der evangelischen Pfarrkapelle in der Stadt Ryn noch deren Filialkapelle in Sterławki Wielkie (Groß Stürlack). Sie gehören zur Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Die Katholische Kirche ist im Gemeindegebiet mit drei Pfarrkirchen und zwei Filialkapellen präsent: die Pfarrkirche Ryn mit Monetki (Sophienthal) und Ławki (Lawken, 1938 bis 1945 Lauken), die Pfarrkirche in Sterławki Wielkie (Groß Stürlack) mit Sterławki Małe (Klein Stürlack) – bereits im Gebiet der Gmina Giżycko (Lötzen) gelegen – sowie die Pfarrkirche in Szymonka (Schimonken, 1938 bis 1945 Schmidtsdorf) mit der bereits im Gemeindegebiet von Orzysz (Arys) gelegenen Filialkapelle in Dąbrówka (Dombrowken, 1938 bis 1945 Eichendorf). Sie alle gehören zum Dekanat Św. Szczepana Męczennika (St. Stephanus) in der Stadt Giżycko (Lötzen) im Bistum Ełk (Lyck) der Römisch-katholischen Kirche in Polen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ryn ist auch auf den Wasserwegen der Seenplatte per Hausboot erreichbar. Eine moderne Ecomarina steht den Seglern und Hausbootfahrern zur Verfügung.

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dörfer und Ortschaften im Gebiet der Stadt- und Landgemeinde Ryn sind durch Haupt- und Nebenstraßen sowie durch Landwege gut miteinander vernetzt. Hauptverkehrsadern sind die Landesstraße DK 59 (einstige deutsche Reichsstraße 140) von Giżycko (Lötzen) über Mrągowo (Sensburg) nach Rozogi (Friedrichshof) und die sie in der Stadt Ryn kreuzende Woiwodschaftsstraße DW 642 von Sterławki Wielkie (Groß Stürlack) nach Woźnice (Wosnitzen, 1938 bis 1945 Julienhöfen).

Außerdem berühren die Woiwodschaftsstraßen DW 592 bei Sterławki Wielkie und die DW 643 bei Prażmowo (Salpia) sowie Szymonka (Schimonken, 1938 bis 1945 Schmidtsdorf) das Gemeindegebiet im Norden bzw. Osten.

Schienen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Rhein erhielt relativ spät Anschluss an das ostpreußische Schienennetz. Am 8. November 1903 rollte der erste Zug der Rastenburger Kleinbahnen von Rastenburg (polnisch Kętrzyn) über Reimsdorf (Słakowo) im Kreis Rastenburg und Salpkeim (Salpik) im Kreis Sensburg nach Rhein im Kreis Lötzen. Nach mehrjähriger Unterbrechung in den ersten Nachkriegsjahren wurde der Verkehr auf dieser Strecke noch bis zum 1. Juni 1971 betrieben.

Heute ist Ryn über Sterławki Wielkie als einziger Bahnstation – an der Bahnstrecke Głomno–Białystok gelegen – mit dem Schienennetz der Polnischen Staatsbahn (PKP) verbunden.

Luft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anschluss an den Luftverkehr bietet der allerdings weit entfernt liegende und langwierig zu erreichende Flughafen in Danzig. Der näher aber im Europäischen Ausland gelegene Flughafen Kaliningrad stellt mit seinen bürokratischen Hürden keine Ersatzmöglichkeit dar.

Partnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es bestehen partnerschaftliche Beziehungen zur

  • Rajongemeinde Jurbarkas, Bezirk Tauragė (Tauroggen), Litauen (seit 2001)
  • Gemeinde Amt Neuhaus, Land Niedersachsen, Deutschland (seit 2006).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 456, Nr. 68.
  • Max Toeppen: Geschichte Masurens – Ein Beitrag zur preußischen Landes- und Kulturgeschichte. 1870 (540 Seiten); Nachdruck 1979, S. 104–106.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stadt Ryn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Gmina Ryn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Ryn – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 16, Leipzig und Wien 1908, S. 863.
  3. Herbert Marzian; Csaba Kenez: Selbstbestimmung für Ostdeutschland. Eine Dokumentation zum 50 Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920. Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 81.
  4. a b c d Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 362–363, Ziffer 585.
  5. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 456, Nr. 68.
  6. a b c d http://www.verwaltungsgeschichte.de/loetzen.html#ew33ltznrhein
  7. Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 300–306.
  8. Rhein (Kreis Lötzen)
  9. Parafia w Rynie
  10. Erich Keyser: Deutsches Städtebuch – Handbuch städtischer Geschichte, Band I: Nordostdeutschland. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1939, S. 99–100.
  11. Otto Hupp: Deutsche Ortswappen. Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft, Bremen 1925.