Sándor Dóró

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Sándor Dóró (* 28. Mai 1950 in Hajdúböszörmény, Ungarn) ist ein in Deutschland lebender ungarischer Maler, Grafiker und Performancekünstler. Als außerplanmäßiger Professor lehrt er an der Hochschule für Bildende Künste Dresden.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sándor Dóró besuchte vor seinem Abitur 1968 am Fazekas-Gymnasium in Debrecen Zeichenkurse bei Lajos Biró, László Félegyházi und János Kapcsa. Zeitgleich begann er mit dem Ringen, welches er bis 1982 mit Unterbrechungen professionell betrieb. 1978 nahm er das Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden auf, welches er mit einer Diplomarbeit bei Günter Horlbeck abschloss. Nach einer vierjährigen Assistenzzeit bei dem Künstleranatom Gottfried Bammes ließ er sich 1985 als freischaffender Künstler im Künstlerhaus Dresden-Loschwitz nieder.[2]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Bekanntheit als Künstler erlangte Dóró Ende ab 1989 mit seinen „Kastenbildern“, in denen er sich in der Tradition der Concept Art und der Arte Povera durch die Erweckung von räumlichen Illusionen mit der Einbeziehung der Zuschauer in das Kunstwerk selbst und dadurch die konzeptuelle Überschreitung des darstellenden Malens auseinandersetzte.[3] In den frühen 1990ern schuf Dóró im Sinne der Arte Povera auch eine Reihe von Installationen und Skulpturen. Seinen Installationen hat er den Namen Re-Installationen gegeben. Diese beschäftigten sich mit der Versetzung von Gegenständen in einen neuen Kontext, wodurch sowohl an den Gegenständen, als auch an ihrer neuen Umwelt neue Sinnzusammenhänge aufgezeigt werden sollten, bzw. den Gegenständen und ihrer Umwelt ein neuer Sinn gegeben werden sollte. Diese Re-Installationen waren wesentlich durch Gegenstände inspiriert die in der DDR produziert oder verwendet.[4]

In den späten 1990ern wandte sich Dóró den Performances zu, in denen er sich, so wie in seinen Re-Installationen mit der Rekontextualisierung von Gegenständen, aber auch mit der Kommunikation der unaussprechbaren und unbenennbaren Aspekte der Dinge beschäftigte. In seinen Performances arbeitete er auch persönliche Erlebnisse aus seiner Kindheit und Jugend, wie das Ringen, auf. Als Performance-Künstler wurde er auch Teil der Dresdener Gruppe von Performance-Künstlern flexible: X. Als Künstler beteiligte sich Dóró an architekturbezogenen Kunstprojekten, Zum Beispiel an der Gestaltung der JVA Dresden im Jahr 2000.

Nach dieser ausschließlich freischaffenden Phase wurde Dóró 2008 als künstlerischer Mitarbeiter an die HfbK Dresden berufen, um künstlerische Anatomie und Aktzeichnen zu unterrichten. Diese Position schließt sich an seine Assistenzzeit bei Gottfried Bammes Mitte der 1980er an. In den Jahren seit 2008 hat Dóró in Anlehnung an seine erste Zeit an der HfbK einen räumlich-perspektivischen Zugang zur künstlerischen Anatomie entwickelt, den er in seinem 2015 erschienenen Buch ausgearbeitet hat.[5] 2016 wurde Dóró zum außerplanmäßigen Professor im Fachbereich Künstleranatomie bestellt.

Sándor Dóró lebt mit seiner Familie im Künstlerhaus Dresden-Loschwitz.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2015: Künstleranatomie: Menschliche Körper zeichnen[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Badstübner-Gröger, Sibylle: Künstler für Sibylle Badstübner-Gröger., Berlin 2013.
  • Bodó, Sándor (Hrsg.): Block-Csoport: Sándor Dóró, Katona Zoltán, Nagy Árpád Pika, Nayg István, Palkó Tibor, Sebestyén Zoltán. Látható, vagy Láthatatlan. (Kat. Ausst. Museum Kiscelli, Budapest 2004), Budapest 2004.
  • Claußnitzer, Anne/Steude, Martin/Künstlerhäuser GbR (Hrsg.): Einhundertzehn Jahre Künstlerhaus. Dresden-Loschwitz 1898–2008., Dresden 2008.
  • Horváth, István: V. Országos Rajzbiennálé. Maracskó Gabriella Kamarakiállitása. (Kat. Ausst. 5. ungarische landesweite Zeichenbiennale, Salgótarján 1990), Salgótarján 1990.
  • Kunsthaus Dresden (Hrsg.): 100 Jahre Künstlerhaus. Dresden-Loschwitz 1898–1998. Die Gegenwart. (Kat. Ausst. Kunsthaus Dresden, Dresden 1998), Dresden 1998.
  • Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (Hrsg.): Kunst und Bauen., Dresden 2005.
  • Verband Bildender Künstler der DDR (Hrsg.): Erste Quadriennale. Zeichnungen der DDR. (Kat. Ausst. Museum der Bildenden Künste Leipzig, Leipzig 1989), Leipzig 1989.
  • Walther, Sigrid: Die Bildhauer, in: 100 Jahre Künstlerhaus. Dresden-Loschwitz 1898–1998. (Kat. Ausst. Leonhardi-Museum, Dresden 1998), o. O. o. J.
  • Weber, Karin: Die Macht der Bilder. Dresdener Malerei und Graphik zwischen 1985 und 1995 anhand ausgewählter Beispiele aus dem Bestand des Kunstfonds des Freistaates Sachsen., Publikationen des Kunstfonds des Freistaates Sachsen Teil 3, Dresden 1997.
  • Werkleitz Gesellschaft e.V. (Hrsg.): real[work] Manual (Kat. Werleitz Biennale, Tornitz 2000), Werkleitz 2000.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.hfbk-dresden.de/studium/studium/lehrende/theoretische-lehre/sandor-doro/ abgerufen 24. November 2016
  2. Sándor Dóró Abgerufen am 2. Februar 2016
  3. Badstübner-Gröger, Sybille: Montagen aus Metall, Stein und Holz., in: Veit Hofmann. Objekte. Sándor Dóró. Collagen., Lamspringe 1994.
  4. Badstübner-Gröger, Sybille: Kastenbilder., in: Sandor Doro. Kastenbilder, Objekte, Zeichnungen., o. J. o. O., o. S. und Tannert, Christoph: Malerei als Berührung des Nicht-Sichtbaren., in: Sandor Doro. Kastenbilder, Objekte, Zeichnungen., o. O. o. J., o. S. und Lange, Alexander: Rede zur Eröffnung der Ausstellung am 2. Mai 1997., in: re-Art. Skulpturen aus Schwarzschrott. (Kat. Ausst., Pieschener Alle/Augustusbrücke, Dresden 1997), o. O. o. J., o. S.
  5. Dóró, Sándor: Künstleranatomie. Menschliche Körper zeichnen., Bern 2015.
  6. Deutsche Nationalbibliothek Sándor Dóró, 392 Seiten, mit 700 Fotografien, Haupt Verlag 2015, ISBN 978-3-258-60128-1