Sägebarsche

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Sägebarsche
Schriftbarsch (Serranus scriba), Unterwasseraufnahme aus dem Mittelmeer, vor Calvi (Korsika).

Schriftbarsch (Serranus scriba), Unterwasseraufnahme aus dem Mittelmeer, vor Calvi (Korsika).

Systematik
Acanthomorphata
Stachelflosser (Euacanthomorphacea)
Barschverwandte (Percomorphaceae)
Ordnung: Barschartige (Perciformes)
Unterordnung: Serranoidei
Familie: Sägebarsche
Wissenschaftlicher Name
Serranidae
Swainson, 1839

Die Sägebarsche (Serranidae) sind eine Familie kleiner bis sehr großer Meeresfische aus der Ordnung der Barschartigen (Perciformes). Mit über 500 Arten gehören sie zu den artenreichsten Fischfamilien. Fast alle Sägebarsche leben küstennah in tropischen und subtropischen Regionen aller Ozeane. In Australien und Neuguinea gibt es auch einige wenige Süßwasserarten. Die meisten Arten leben in flacherem Wasser oberhalb von 300 Metern, nur wenige tiefer. Zu den Sägebarschen gehören als Unterfamilie auch die imposanten Zackenbarsche und die meist rötlichen Fahnenbarsche (Anthiinae), die zu den häufigsten Fischen der Außenriffhänge gehören.

Merkmale[Bearbeiten]

Viele Sägebarsche sind große, massige Fische von typischer Barschgestalt. Ihre Größe reicht von 2,3 Zentimetern langen Pseudogramma guineensis [1] bis zum Riesenzackenbarsch (Epinephelus lanceolatus), der 2,70 Meter lang und bis zu 400 Kilogramm schwer werden kann [2]. Auf dem Kiemendeckel befinden sich drei Dornen, ein zentraler großer und oben und unten jeweils ein kleiner. Der Vorkiemendeckel ist fein gezähnt. Die Seitenlinie ist vollständig und reicht nicht bis auf die Schwanzflosse. Bei einigen Fahnenbarschen folgt sie der Rückenflossenbasis, bei einer Art fehlt sie. Die Rückenflosse ist normalerweise durchgehend, hart- und weichstrahliger Teil können durch eine Einbuchtung voneinander getrennt sein. Ihr vorderer Teil wird von sieben bis zehn (13 bei Acanthistius und Niphon) Stacheln gestützt. Die Afterflosse hat drei Flossenstacheln, die Bauchflossen einen Stachel und fünf Weichstrahlen. Die Schwanzflosse ist abgerundet, spatenfömig oder sichelförmig, nur selten gegabelt. Bei vielen Fahnenbarsch-Männchen sind die Flossen lang ausgezogen. Der Unterkiefer steht bei vielen Arten vor. Es gibt normalerweise 24 Wirbel, 25 bis 28 bei den Fahnenbarschen und 30 bei Niphon. Die Anzahl der Branchiostegalstrahlen liegt bei sieben. Viele Arten sind bunt gefärbt, viele dienen als Speisefische.

Lebensweise[Bearbeiten]

Individuenreiche Schwärme der roten Fahnenbarsche sind typisch für viele Korallenriffe, wie hier im Ras-Mohammed-Nationalpark (Sinai-Halbinsel).

Die meisten Arten findet man im Bereich von Korallenriffen und an den Küsten tropischer und subtropischer Gewässer. Die eigentlichen Sägebarsche und die Zackenbarsche ernähren sich von Fischen, Kopffüßern und Krebstieren, die Fahnenbarsche von Zooplankton. Alle daraufhin untersuchte Arten sind Hermaphroditen. Die meisten zeitlich gestaffelte Hermaphroditen, die als Männchen geschlechtsreif werden und sich später in Weibchen verwandeln. Einige Arten z.B. die der Hamletbarsche (Hypoplectrus), sind simultane Hermaphroditen, d.h. haben gleichzeitig funktionierende weibliche und männliche Keimdrüsen. Eine Selbstbefruchtung findet nicht statt, da bei einem Laichvorgang nur Eier oder Spermien abgegeben werden. Simultaner Hermaphroditismus gilt als primitiver gegenüber dem zeitlich gestaffelten Hermaphroditismus. Große Sägebarsche produzieren große Mengen an Laich. Die Larven sind planktonisch und lassen sich von den Meeresströmungen zu geeigneten Lebensräumen transportieren.

Äußere Systematik[Bearbeiten]

Die Sägebarsche werden in die Ordnung der Barschartigen (Perciformes) gestellt und sind dort die einzige Familie der Unterordnung Serranoidei.[3]

Innere Systematik[Bearbeiten]

Die Sägebarsche werden in fünf bis sieben Unterfamilien unterteilt.

Stammesgeschichte[Bearbeiten]

Der Serranide Amphiperca multiformis aus der Grube Messel im Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe.

Die Sägebarsche sind fossil gut überliefert. Prolates wurde schon in der Oberkreide und im Paläozän von Europa nachgewiesen, Dapalis vom Paläozän bis zum Miozän. Acanus, Amphiperca, Balbe, Palaeoperca, Priacanthopsis, Properca und Smerdis sind ausgestorbene Gattungen aus dem Eozän, dem Oligozän und dem Miozän. Von den heute lebenden Gattungen Epinephelus und Serranus kennt man Fossilien seit dem Miozän bzw. vom mittleren Eozän bis rezent. [4]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pseudogramma guineensis auf Fishbase.org (englisch)
  2. Epinephelus lanceolatus auf Fishbase.org (englisch)
  3. Ricardo Betancur-R., Richard E. Broughton, Edward O. Wiley, Kent Carpenter, J. Andrés López, Chenhong Li, Nancy I. Holcroft, Dahiana Arcila, Millicent Sanciangco, James C Cureton II, Feifei Zhang, Thaddaeus Buser, Matthew A. Campbell, Jesus A Ballesteros, Adela Roa-Varon, Stuart Willis, W. Calvin Borden, Thaine Rowley, Paulette C. Reneau, Daniel J. Hough, Guoqing Lu, Terry Grande, Gloria Arratia, Guillermo Ortí: The Tree of Life and a New Classification of Bony Fishes. PLoS Currents Tree of Life. 2013 Apr 18, Edition 1. doi:10.1371/currents.tol.53ba26640df0ccaee75bb165c8c26288, PDF
  4. K. A. Frickhinger: Fossilien Atlas Fische, Mergus-Verlag, Melle, 1999, ISBN 3-88244-018-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sägebarsche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien