Säulingssee

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Wasserbüffel als "Landschaftspfleger" im Säulingssee

Der Säulingssee (auch Seulingsee)[1] ist ein früherer See und ausgewiesenes Naturschutzgebiet in der Gemarkung des Ortsteiles Kleinensee der Stadt Heringen (Werra) im Landkreis Hersfeld-Rotenburg in Hessen, unmittelbar an der Landesgrenze zu Thüringen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Naturschutzgebiet liegt an der hessisch-thüringischen Landesgrenze zwischen den Ortschaften Kleinensee und Großensee (Wartburgkreis, Thüringen). Es hat eine Größe von 21,4 ha. Naturräumlich wird das Gebiet als Teileinheit Salzunger Werrabergland der Haupteinheitengruppe Osthessisches Bergland zugeordnet. Mit einer Höhenlage um 230 m ü. NN liegt es außerhalb des Überschwemmungsbereiches der Werra.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Säulingsee ist eine Subrosionssenke, in der durch Auswaschungen des Salzgesteins im tiefen Untergrund das Gelände langsam aber stetig absinkt.[1] Der in dieser Senke entstandene See wurde ab 1704 trockengelegt und die Fläche für die Landwirtschaft kultiviert.

Nach dem Rückzug der Landwirtschaft um 1960 bis 1970 wurden die Drainagen nicht mehr gepflegt und das Gebiet vernässte wieder stärker, was schließlich zur Aufgabe der landwirtschaftlich genutzten Fläche führte.

In der ersten Hälfte der 1980er Jahre begann die Wiederherstellung des Feuchtgebietes durch die Anlage mehrerer Stillgewässerteiche. Im Rahmen eines umfangreichen Pflegeeinsatzes folgten im Winter 2004 / 2005 weitere neue Flachgewässer und alte Gewässer wurden teilweise vergrößert. Die Wasserstände schwanken hier im Laufe des Jahres stark, einige Wasserflächen trocknen während des Sommers aus.

Stillgewässer mit Röhrichtsaum im südlichen Teil.

Die Stillgewässer sind ideale Lebensräume für Amphibien. Erdkröten, Frösche sowie Molche laichen und verbringen hier ihre an das Wasser gebundene Entwicklungsphase. Das bestätigt die Grunddatenerfassung von 2003 für das Schutzgebiet; besonders die großen Vorkommen von Kammmolchen (Triturus cristatus) und Kleinen Wasserfröschen (Rana lessonae) wurden gewürdigt.

Die Grunddatenerfassung hat weiter ein bemerkenswertes Vorkommen stark gefährdeter, regional verschollener oder vom Aussterben bedrohter Wasserpflanzen festgestellt. Als Besonderheiten wachsen hier verschiedene Laichkrautarten (Potamogeton), Wassermoose (Ricciocarpus natans) und (Riccia fluitans) und der Schild-Wasserhahnenfuß (Ranunculus peltatus). In einem verlandeten, im Sommer austrocknenden Tümpel gibt es ein individuenreiches Vorkommen der Wasserfeder (Hottonia palustris), eine besonders geschützte Art nach der Bundesartenschutzverordnung. Das unterstreicht die hohe Bedeutung der Flachgewässer im Schutzgebiet.

Die Übergangszonen mit Röhricht und Gehölzen sind ein wichtiger Lebensraum für Brutvögel wie auch für Zug- und Rastvögel und die charakteristischen Insektenarten der Kleingewässer und des Feuchtgrünlands.

In den Jahren 2008 bis 2013 wurden von einer örtlichen Gruppe des NABU (Naturschutzbund Deutschland) Beobachtungsdaten ausgewertet und danach kamen in dem Gebiet folgende in ihrem Bestand gefährdete Vogelarten vor: Bei den Brutvögeln unter anderem Bekassine (Gallinago gallinago), Blaukehlchen (Luscinia svecica), Braunkehlchen (Saxicola rubetra), Neuntöter (Lanius collurio), Wasserralle (Rallus aquaticus) und bei den Gast- und Rastvögeln Rohrweihe (Circus aeruginosus) Rotmilan (Milvus milvus), Schwarzmilan (Milvus migrans), Silberreiher (Ardea alba), Weißstorch (Ciconia ciconia). Die Vögel finden wieder ausreichend Lebensraum, der durch die Erhaltungsmaßnahmen auch langfristig gesichert wurde.

Durch ihr Verhalten sorgen die Wasserbüffel im beweideten Feuchtgrünland für eine Vielfalt an Kleinbiotopen und unterschiedlichen Vegetationstypen.

Seit 2006 grasen Wasserbüffel auf der nordöstlichen Gebietsfläche. Durch die extensive Abweidung der Hochstaudenfluren und den Verbiss der Gehölze sollen die Verschattungs- und die Verlandungsprozesse der Gewässer aufgehalten werden. Der naturnahe Weidebetrieb hat das Ziel, den Schutzzweck für dieses Gebiet, eine offene Landschaft mit vielfältigen Kleinstrukturen in den Feuchtbiotopen zu erhalten.

Unterschutzstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Säulingssee wurde erstmalig in 1984 vom Land Hessen mit einer Fläche von rund 21,5 Hektar als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Der Zweck der Unterschutzstellung war damals die Hochstaudenfluren, Feuchtwiesen und Gräben als Lebensraum zahlreicher bestandsgefährdeter und teilweise seltener Amphibien- und Vogelarten zu sichern. Auch sollte der Bereich als Standort für die im Rückzug begriffenen Pflanzengesellschaften erhalten werden.[2]

Mit gleichem Namen und gleicher Größe wurde das Naturschutzgebiet in 2002 als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet mit der Nummer 5025-302 an die EU gemeldet.[3] Der Säulingssee und die drei nahe gelegenen FFH-Gebiete, die ebenfalls durch Wasserflächen und Feuchtbiotope geprägt sind, 5026-350 Rhäden bei Obersuhl und Bosserode, 5026-302 Obersuhler Aue und 5026-301 Rohrlache von Heringen gelten als wichtige Teile im europäischen Schutzgebietsnetz "Natura 2000".

Touristische Erschließung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinweistafel am Rundweg im Schutzgebiet

Das Schutzgebiet ist von Kleinensee aus mit einem grasbewachsenen Rundweg erschlossen. Er beginnt und endet in der Nähe des Sportplatzes am westlichen Ortsrand. Hier informiert auch eine Hinweistafel über den Bereich.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lothar und Sieglinde Nitsche, Marcus Schmidt: Naturschutzgebiete in Hessen, Band 3, Verlag cognitio Kommunikation & Planung, Niedenstein 2005, ISBN 3-932583-13-2. S. 185 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Naturschutzgebiet Säulingssee bei Kleinensee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stadt Heringen, aufgerufen am 23. April 2015
  2. Verordnung über das Naturschutzgebiet "Säulingssee bei Kleinensee" vom 1. März 1984 im Staatsanzeiger für das Land Hessen Nr. 13/84 sowie Verordnung vom 21. Juli 1994 im Staatsanzeiger Nr. 36/94.
  3. Steckbrief des FFH-Gebietes auf der Webseite des Bundesamtes für Naturschutz (BfN); abgerufen am 27. Mai 2018.

Koordinaten: 50° 55′ 54,5″ N, 9° 58′ 1″ O