Sönke Lorenz

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Sönke Lorenz (Mitte)

Sönke Lorenz (* 30. Juni 1944 in Elmshorn; † 8. August 2012 in Tübingen) war ein deutscher Historiker.

Sönke Lorenz wuchs in Essen auf. Er absolvierte eine Lehre und arbeitete als Elektriker. Anschließend erwarb er das Abitur am Abendgymnasium. Er studierte von 1972 bis 1978 an der Universität Düsseldorf zunächst Mathematik und Physik, dann die Fächer Geschichte, Germanistik und Philosophie. Lorenz wurde in Düsseldorf mit einer von Herbert Kolb und Josef Semmler betreuten Arbeit zum Thema Aktenversendung und Hexenprozeß. Dargestellt am Beispiel der Juristenfakultäten Rostock und Greifswald (1570/82–1630) promoviert. An der Universität Stuttgart wurde er 1979 wissenschaftlicher Assistent bei August Nitschke. Die Habilitation erfolgte 1985 an der dortigen Universität mit der Arbeit Studium generale Erfordense. Zum Erfurter Schulleben im 13. und 14. Jahrhundert. Ihm gelang es 44 Lehrer namhaft zu machen und das Lehrprogramm des Erfurter Studiums zu erhellen. Durch seine Forschungen stieg Erfurt zur „ältesten Hochschule Mitteleuropas“ auf.[1] 1985 gründete er mit Dieter R. Bauer den „Arbeitskreis für interdisziplinäre Hexenforschung“ (AKIH). Von 1991 bis 2011 war er Professor für mittlere und neuere Geschichte und Leiter des Instituts für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaft an der Universität Tübingen und damit zugleich Leiter des Instituts für Geschichtliche Landeskunde. Lorenz war seit 1992 ordentliches Mitglied und seit 1994 Mitglied des Vorstands der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg.

Seine Forschungsgebiete waren die südwestdeutsche Landesgeschichte (insbesondere die Adelsgeschichte des hohen Mittelalters), die Universitätsgeschichte vornehmlich am Beispiel Tübingen und die Hexenforschung. Lorenz gab den Tübinger Professorenkatalog heraus. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Tätigkeit war das Stiftskirchenprojekt. Dabei sollten in einem Handbuch alle Stiftskirchen im Gebiet des heutigen Baden-Württemberg von der Karolingerzeit bis zur Säkularisation erfasst werden. Auch zahlreiche Arbeiten seiner Schüler widmen sich der Stiftskirchenforschung. Die Herausgabe des Handbuches konnte Lorenz selbst nicht mehr zum Abschluss bringen. Lorenz war (mit Andreas Schmauder) Herausgeber der ortsgeschichtlichen Buchreihe „Gemeinde im Wandel“.[2] Auf Lorenz geht auch die landeskundliche Reihe „Tübinger Bausteine zur Landesgeschichte“ zurück, die 2000 mit der von ihm betreuten Magisterarbeit von Miriam Zitter Die Leibärzte der württembergischen Grafen im 15. Jahrhundert (1397–1496) begonnen wurde.

Schriften[Bearbeiten]

  • (mit Dieter R. Bauer, Wolfgang Behringer, Jürgen Michael Schmidt) (Hrsg.): Himmlers Hexenkartothek. Das Interesse des Nationalsozialismus an der Hexenverfolgung (= Hexenforschung 4). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 1999, ISBN 3-89534-273-4.
  • (mit Dieter Mertens, Volker Press) (Hrsg.): Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1997, ISBN 3-17-013605-4.
  • (mit Rainer Loose) (Hrsg.): König, Kirche, Adel. Herrschaftsstrukturen im mittleren Alpenraum und angrenzenden Gebieten (6.–13. Jahrhundert). Vorträge der Wissenschaftlichen Tagung des Südtiroler Kulturinstituts und des Instituts für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Universität Tübingen im Bildungshaus Schloß Goldrain/Vinschgau, 17. bis 21. Juni 1998. Tappeiner, Lana (Bozen) 1999, ISBN 88-7073-283-5
  • (Hrsg.) Frühformen von Stiftskirchen in Europa: Funktion und Wandel religiöser Gemeinschaften vom 6. bis zum Ende des 11. Jahrhunderts (= Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde 54). DVW-Verlag, Lheinfelden-Echterdingen 2005, ISBN 3-87181-754-6

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Dieter Mertens: Nachruf auf Sönke Lorenz (1944–2012). In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte, 72 Jg. (2013), S. 515–522, hier: S. 516.
  2. Buchreihe „Gemeinde im Wandel“ mit Liste der Einzelbände