Südliche Fröttmaninger Heide

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Naturschutzgebiet „Südliche Fröttmaninger Heide“

IUCN-Kategorie IV − Habitat-/Species Management Area

Fröttmaninger Heide (Aufnahme in südlicher Blickrichtung)

Fröttmaninger Heide (Aufnahme in südlicher Blickrichtung)

Lage München, Garching bei München und Oberschleißheim, Oberbayern, Bayern, Deutschland
Fläche 3,47 km²
Kennung NSG100.134 (PDF; 3,49 MB)
Natura-2000-ID DE-7735-371
FFH-Gebiet ca. 332 ha sind Bestandteil der „Heideflächen und Lohwälder nördlich von München“, Nr. 7735-371
Geographische Lage 48° 13′ N, 11° 36′ OKoordinaten: 48° 13′ 5″ N, 11° 36′ 26″ O
Südliche Fröttmaninger Heide (Bayern)
Südliche Fröttmaninger Heide
Seehöhe von 491 m bis 497 m
Einrichtungsdatum 9. Mai 2016
Rahmenplan Pflege- und Entwicklungskonzept Fröttmaninger Heide (2010) (PDF; 10,2 MB)
Verwaltung Regierung von Oberbayern

Die Südliche Fröttmaninger Heide ist ein durch die Naturschutzverordnung der Regierung von Oberbayern und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU geschütztes Gebiet am nördlichen Stadtrand von München. Sie umfasst eine Fläche von 347 ha und war früher ein Panzerübungsgelände der Bundeswehr. Die Fläche zählt zu den größten, zusammenhängenden Grasheiden Mitteleuropas. Sie ist Teil des Münchner Grüngürtels. Von der einst ausgedehnten Heidefläche im Norden der Landeshauptstadt existieren neben der Fröttmaninger Heide heute nur noch die Panzerwiese, die Heiden im Mallertshofer Holz, die Garchinger Heide sowie die Heiden bei Oberschleißheim.

Seit Mai 2012 ist das Gebiet vor Nutzungen vorläufig sichergestellt, in Erwartung einer baldigen Ausweisung als Naturschutzgebiet.[1] Von Januar 2012 bis Mai 2015 lief dazu ein Bürgerbeteiligungsverfahren.[2] Es endete mit einem Kompromiss, dass das Gelände in vier Zonen eingeteilt werden soll, in denen unterschiedliche Vorschriften gelten. Nachdem Forderungen der Interessengemeinschaft Heide nach weiteren Lockerungen zugunsten Erholungssuchender im Sommer 2015 teilweise die Unterstützung im Münchner Stadtrat fand, steht nun eine Entscheidung der Regierungsbehörde aus.[3]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahe gelegene Allianz Arena östlich der Heide und U-Bahn-Strecke
HeideHaus, Informations- und Umweltbildungszentrum

Im Süden grenzt die Fröttmaninger Heide an die Stadtteile Schwabing Nord und Freimann. Im Westen reicht sie ans Gelände der Fürst-Wrede-Kaserne und des Helmholtz Zentrums München bzw. verläuft bis zur Nordheide. Im Osten endet sie an der U-Bahnlinie 6, die Haltestelle ist Fröttmaning. Östlich der Fröttmaninger Heide stehen die Heilig-Kreuz-Kirche des ehemaligen Dorfes Fröttmaning und seit 2005 das Fußballstadion Allianz Arena. Im Norden endet das Schutzgebiet an der Autobahn A99. Nördlich der Autobahn setzt sich die Heidelandschaft bis kurz vor Garching-Hochbrück fort. Dieser Teil wird nach wie vor als Standortübungsplatz von der Bundeswehr in Anspruch genommen.

Die Fröttmaninger Heide liegt auf den Gemarkungen von Oberschleißheim, Garching und München. Eigentümer ist seit 27. Juni 2007 der Heideflächenverein Münchener Norden e.V.[4][5], in dem die genannten Kommunen sowie Eching, Neufahrn und Unterschleißheim sowie die Landkreise Freising und München Mitglied sind.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts nutzte das Militär, darunter die bayerische Artillerie, die Fröttmaninger Heide für Geländeübungen sowie als Exerzier- und Schießplatz. Im Jahr 1935 entstand im Nordteil des Gebiets eine Heeresnebenmunitionsanstalt, zugleich diente das gesamte Areal fortwährend als Schieß- und Übungsplatz. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs beanspruchte die US Army die Fröttmaninger Heide als Übungsplatz für die im Norden Münchens stationierten US-amerikanischen Soldaten. Ab 1956 gingen die Flächen schrittweise ins Eigentum der Bundeswehr über. Von 1971 bis 1972 zog die US Army vollständig vom Standortübungsplatz ab. Zuletzt nutzte die Bundeswehr die Fröttmaninger Heide für ihre regionalen Streitkräfte zur militärischen Geländeausbildung.[6]

Belastung mit Munition und Kampfmitteln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überreste des ehemaligen Truppenübungsplatzes in der Fröttmaninger Heide

Erheblich belastet ist die Fröttmaninger Heide mit Relikten aus dem Zweiten Weltkrieg: Munition, Granaten, Blindgänger, Kampfmittel.[7] Teilweise lagern die Stoffe, die zum Teil aus der wiederholten Bombardierung eines Truppenübungsplatzes stammen, nur wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche. Die Kampfmittelsuche und Räumungsaktivitäten werden fortgesetzt.

Heidefläche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fröttmaninger Heide befindet sich auf der Münchner Schotterebene im Teilbereich der Garchinger Schotterzunge. Würmeiszeitliche Schotterablagerungen der Isar prägen den Grund. Der Bodentyp ist eine flachgründige und nährstoffarme Ackerpararendzina mit hoher Wasserdurchlässigkeit und geringem Filtervermögen. Der abwechslungsreiche Biotopverbund umfasst Kalkhalbtrocken- und Trockenrasen, offene Kiesflächen mit Tümpeln und Pioniervegetation sowie lichte Kiefernwälder.

Der besondere Charakter der offenen Heidestandorte ergibt sich aus der Kombination des trockenen Bodens wegen des wasserdurchlässigen Schotteruntergrunds und einer traditionellen Weidenutzung. Letztere verhindert das Aufwachsen von Bäumen und wird heute durch Schafe durchgeführt oder zu Naturschutzzwecken durch eine jährliche Mahd ersetzt.[8][9]

Flora, Funga und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steppen-Trichterling
(Infundibulicybe glareosa)
Kalkholder Filz-Saftlinge

Das artenreiche Heidegebiet beherbergt zum Beispiel Pflanzen wie Büschel-Miere, Deutscher Backenklee, Kiel-Lauch, Langblättriges Hasenohr, Silberdistel.

Die Pilzgesellschaft der Offengrasflächen wird von Rötlingen dominiert, darunter farbenfreudige Arten wie der Montane Blaustiel-Zärtling, der Blaublättrige Zärtling und der Braungrüne Zärtling. Daneben kommen Arten mit unscheinbar gefärbten Fruchtkörpern vor, wie z. B. der Trichterlingsähnliche Zärtling, der Flockige Nabel-Rötling und der Braunblättrige Nabel-Rötling. Von den bundesweit geschützten Saftlingen ist der kalkliebende Safrangelbe Saftling besonders häufig vertreten. Mit dem Steppen-Egerling und dem Steppen-Trichterling sind zwei seltene Arten heimisch. Darüber hinaus konnte der Kleinsporige Specht-Tintling nachgewiesen werden. Eine echte Rarität stellt der Fuchsigbraune Risspilz dar, der hier für Bayern vermutlich das erste Mal nachgewiesen werden konnte.[10][11]

Die Tierwelt umfasst u. a. Fasan, Feldlerche, Flussregenpfeifer, Goldammer, Heidelerche, Mäusebussard, Rebhuhn, Schwarzkehlchen, Steinschmätzer, Stieglitz, Turmfalke, Zauneidechse, Wechselkröte und Laubfrosch sowie 41 Tagfalterarten wie Ockerbindiger Samtfalter und Malven-Dickkopffalter. Weiter sind die Blauflügelige Ödlandschrecke, Gefleckte Keulenschrecke, Grünes Heupferd, Kleiner Heidegrashüpfer und Zweifarbige Beißschrecke zu finden.

Siedlung Haidpark am Rande der Fröttmaninger Heide.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Regierung von Oberbayern: Verordnung über die einstweilige Sicherstellung der Fröttmaninger Heide – Südlicher Teil in der Landeshauptstadt München und im Landkreis München als Naturschutzgebiet und zur Regelung des Betretens der Fröttmaninger Heide – Südlicher Teil vom 26. April 2012. In: Oberbayerisches Amtsblatt. Nr. 9, 4. Mai 2012, S. 58 ff. (PDF; 2,6 MB).
  2. PAN Planungsbüro für angewandten Naturschutz GmbH und Elmauer Institute: Bürgerbeteiligung – UnsereHeide.de. Abgerufen am 26. Juni 2013.
  3. Stefan Mühleisen: Fröttmaninger Heide - Hundewiese oder Naturschutzgebiet? In: sueddeutsche.de. 18. November 2015, abgerufen am 18. November 2015.
  4. Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb mbH (g.e.b.b.), Köln: Die Heide blüht auf. 27. Juni 2007, abgerufen am 5. Mai 2012.
  5. Andreas Weiß: Fröttmaning - Der große Truppenabzug. In: Wochenanzeiger München; Ausgabe „Münchener Nord-Rundschau“. 3. Juli 2007, abgerufen am 5. Mai 2012.
  6. Bundeswehr: Standortbroschüre München. 1. Auflage. Nr. 80331067, 2007, S. 32 (PDF; 3,77 MB).
  7. Thomas Kronewitter: Minen unter Magerrasen. In: Süddeutsche Zeitung online, München. 16. Dezember 2010, abgerufen am 16. Dezember 2010.
  8. Entstehung der Landschaft. Heideflächenverein Münchener Norden e.V., Unterschleißheim, abgerufen am 5. Mai 2012.
  9. Sonja Wiedemann: Die Entwicklung der Wald- und Heideflächen im Münchner Norden zwischen 1800 und 2000. Diplomarbeit an der Fachhochschule München. 2007, S. 10 f., abgerufen am 5. Mai 2012 (PDF; 6,0 MB).
  10. Matthias Dondl: Tag der Artenvielfalt in der Fröttmaninger Heide. Exkursionsbericht des Vereins für Pilzkunde München e.V. vom 27.6.2009. Abgerufen am 5. Mai 2012.
  11. Matthias Dondl: Inocybe-Bestimmungen 2009; Portrait Nr. 10: Fuchsigbrauner Risspilz (Inocybe vulpinella). Abgerufen am 5. Mai 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Südliche Fröttmaninger Heide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien