Südwest-Schrift

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Gebiet der Südwestschrift - schwarz
Südwestschrift (Rodríguez Ramos 2000)
Fonte Velha (Bensafrim, Lagos)
Herdade da Abobada (Almodôvar)

Bei der so genannten Südwest-Schrift (Escrita do Sudoeste, auch südlusitanische (Escritura sudlusitana), tartessische (Escritura tartésica) oder Algarve-Schrift genannt) handelt es sich um eine althispanischen Schrift mit etwa 2700 Jahre alten Schriftzeugnissen in Andalusien und Portugal. Als Herkunftsort gilt das Städtchen Almodôvar, rund 70 km nördlich von Faro an der Algarve. Zum geringeren Teil stammen die Schriftzeugnisse aus Andalusien.

Rund um Almodôvar wurden in den letzten Jahrzehnten über 90 Schieferstelen gefunden, die mit einer an Hieroglyphen erinnernden Schrift versehen sind. Zumeist enthalten die Stelen nur kurze Texte, andere sind mit Zeichnungen illustriert. Die „Stele von Abóbada“ trägt 60 Zeichen. Den längsten bekannten Text in der Südwest-Sprache lieferte mit 86 Zeichen die jüngste, erst 2009 gefundene Stele. Almodôvar liegt am Übergang vom Alentejo zur Algarve. Hier ist in der fraglichen Zeit die Anwesenheit von Phöniziern und später von Karthagern nachzuweisen.

Um die ältesten Schriftzeugnisse der Iberischen Halbinsel ranken sich offene Fragen. Die Texte sind meist Grabsteinbeschriftungen, über deren Übersetzung gestritten wird. Das Übersetzen ist schwierig, weil das Schöpfervolk der Schrift vor Jahrhunderten spurlos verschwand. Fest steht dass die Stelen zwischen dem 7. und 5. Jahrhundert v. Chr. entstanden. Obwohl die Südwest-Schrift eindeutig unter Einfluss des phönizischen Alphabets (lesbar von rechts nach links) entstand, ist sie doch schon weit entwickelt und zeigt formal aber nicht orthographisch Einflüsse der südiberischen Schrift. Kannte die phönizische Schrift nur Konsonanten, verwendet die Südwest-Schrift bereits Vokale. Deshalb gehen Archäologen davon aus, dass weniger die Phönizier als die im Süden der iberischen Halbinsel lebenden Tartesser oder verschwundene Völker wie die Kyneten oder Konier die Entwicklung der Schrift prägten. Manche portugiesische Quellen sehen die Südwest-Schrift als identisch mit der tartessischen Schrift an.

Ein neues Museum in Almodôvar will die Schriftzeugnisse aus den alten Zeiten zugänglich machen. Das Museu da Escrita de Sudoeste präsentiert 16 der in der Umgebung von Almodôvar gefundenen Stelen, ergänzt um einige auswärtige Funde. Mit diesen einzigartigen Original-Zeugnissen ergibt sich die Gelegenheit, einen Blick auf die älteste, in Portugal bekannte Schrift zu werfen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermanfrid Schubart, A. Arbeiter, S. Noack-Haley (Hrsg.): Funde in Portugal; Muster-Schmidt Göttingen/Zürich 1993; ISBN 3-7881-1512-2
  • Ulrich Schmoll: Die sudlusitanischen Inschriften, Wiesbaden 1961.
  • Javier de Hoz: El origen de la escritura del S.O. In: Actas del III coloquio sobre lenguas y culturas paleohispánicas, 1985, S. 423-464.
  • José Antonio Correa: La epigrafía del sudoeste: estado de la cuestión. In: La Hispania prerromana, 1996, S. 65-75.
  • Virgílio-Hipólito Correia: A escrita pré-romana do Sudoeste peninsular. In: De Ulisses a Viriato: o primeiro milenio a.c., 1996, S. 88-94
  • Jürgen Untermann: Monumenta Linguarum Hispanicarum. IV Die tartessischen, keltiberischen und lusitanischen Inschriften, Wiesbaden 1997.
  • Jesus Rodríguez Ramos: «La lectura de las inscripciones sudlusitano-tartesias» (PDF; 192 kB), In: Faventia 22, 2000, S. 21-48.
  • Amilcar Guerra: Novos monumentos epigrafados com escrita do Sudoeste da vertente setentrional da Serra do Caldeirao. In: Revista portuguesa de arqueologia 5, 2002, S. 219-231.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]