Südostasiatische Maulwürfe

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Südostasiatische Maulwürfe
Euroscaptor mizura, ausgestopftes Exemplar

Euroscaptor mizura, ausgestopftes Exemplar

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Insektenfresser (Eulipotyphla)
Familie: Maulwürfe (Talpidae)
Unterfamilie: Altweltmaulwürfe (Talpinae)
Tribus: Eigentliche Maulwürfe (Talpini)
Gattung: Südostasiatische Maulwürfe
Wissenschaftlicher Name
Euroscaptor
Miller, 1940

Die Südostasiatischen Maulwürfe (Euroscaptor) sind eine Säugetiergattung aus der Familie der Maulwürfe (Talpidae). Die Gattung umfasst gegenwärtig zehn Arten, die im östlichen und südöstlichen Asien leben.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südostasiatische Maulwürfe haben den typischen Körperbau der Eigentlichen Maulwürfe. Ihr Körper ist walzenförmig, die Schnauze zugespitzt. Die rosafarbenen Vordergliedmaßen sind zu Grabwerkzeugen umgebildet und im Vergleich zur Körpergröße die größten aller Maulwürfe. Das dichte Fell ist meist dunkelbraun gefärbt. Diese Tiere erreichen, soweit bekannt, eine Kopfrumpflänge von 10 bis 16 Zentimeter und eine Schwanzlänge von 0,7 bis 2,5 Zentimetern. Der Schwanz ist kurz und spärlich behaart.

3 · 1 · 4 · 3  = 44
3 · 1 · 4 · 3
Zahnformel der Südostasiatischen Maulwürfe

Die Tiere besitzen ein Gebiss, das sowohl im Ober- wie im Unterkiefer aus drei Schneidezähne (Incisivi), einem Eckzahn (Caninus), vier Vorbackenzähne (Praemolares) und drei Backenzähne (Molares) in einer Kieferhälfte besteht. Insgesamt besitzen die Tiere entsprechend 44 Zähne und unterscheiden sich damit von anderen asiatischen Maulwürfen.[1][2] Das Gebiss ist durch die kleinen Schneidezähne, die vergrößerten Eckzähne und den ebenfalls vergrößerten letzten Prämolar charakterisiert.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arten der Gattung sind in Ost- und Südostasien verbreitet, wobei einzelne Arten nur sehr kleine Verbreitungsgebiete haben können oder nur von einzelnen Orten nachgewiesen sind. Am weitesten Verbreitet ist Euroscaptor longirostris, der in großen Teilen des südlichen China vorkommt. Von China reicht das Verbreitungsgebiet einzelner Arten, vor allem von Euroscaptor klossi über Vietnam, Thailand, Laos und Myanmar bis zur Malaiischen Halbinsel. Euroscaptor micrura lebt im östlichen Himalayagebiet über Nepal und Bhutan bis in das nordöstliche Indien.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Lebensweise dieser Tiere ist wenig bekannt, sie dürfte aber mit der der übrigen Eigentlichen Maulwürfe übereinstimmen. Demnach leben sie größtenteils unter der Erde, wo sie Gangsysteme errichten. Ihre Nahrung besteht aus Regenwürmern, Insekten und anderen Kleintieren.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arten der Südostasiatischen Maulwürfe wurden früher in die Gattung Talpa eingeordnet,[1] heute aber aufgrund von Unterschieden im Bau der Zähne und des Beckens in einer eigenen Gattung geführt. Sie dürften eng mit dem Weißschwanzmaulwurf (Parascaptor leucura) und dem Kurzgesichtmaulwurf (Scaptochirus moschatus) verwandt sein, während die ebenfalls im Verbreitungsgebiet lebenden Ostasiatischen Maulwürfen (Mogera) phylogenetisch etwas weiter von ihnen entfernt sind.[2] Die Gattung wurde 1940 von Gerrit S. Miller eingerichtet. Miller unterschied Euroscaptor von Talpa durch die sehr enge Lage der Genitalien zum Anus und die Form des Penis. Dessen Eichel ist bei Euroscaptor kurz und dick, bei Talpa lang und schmal. Im Zahnbau sah er dagegen keinen Unterschied zwischen beiden Gattungen. Als Typusform bestimmte Miller den Kloss-Maulwurf (Euroscaptor klossi).[3]

Innere Systematik der Südostasiatischen Maulwürfe nach Zemlemerova et al. 2016[4]
 Euroscaptor  



 Euroscaptor klossi


   

 Euroscaptor orlovi


   

 Euroscaptor malayana




   

 Euroscaptor longirostris


   

 Euroscaptor kuznetsovi




   

 Euroscaptor parvidens


   

 Euroscaptor subanura




Vorlage:Klade/Wartung/Style

Wilson & Reeder 2005 führten innerhalb der Gattung Euroscaptor noch sechs Arten.[5] In der Folgezeit kam es zur Beschreibung weiterer Formen, zum Teil nachdem durch molekulargenetische Studien erkannt wurde, dass die Südostasiatischen Maulwürfe mehrere kryptische Arten enthielten.[6][4] Folgende Arten sind heute anerkannt:

Der Japanische Bergmaulwurf (Euroscaptor mizura) gehört wahrscheinlich nicht zu den Südostasiatischen Maulwürfen, da er das Schwestertaxon der Ostasiatischen Maulwürfe (Mogera) bildet. Die Eigenständigkeit des Großen Chinesischen Maulwurfs (Euroscaptor grandis) wiederum ist momentan unsicher.[6][4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Südostasiatische Maulwürfe (Euroscaptor) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Robert S. Hoffmann, Darrin Lunde: Genus Euroscaptor. In: Andrew T. Smith, Yan Xie (Hrsg.): A Guide to the Mammals of China. Princeton University Press, Princeton NJ u. a. 2008, ISBN 978-0-691-09984-2, S. 322–323.
  2. a b c Shin-ichiro Kawada, Nguyen Truong Son, Dang Ngoc Can: A new species of mole of the genus Euroscaptor (Soricomorpha, Talpidae) from northern Vietnam. In: Journal of Mammalogy. 93 (3), 2012, S. 839–850, doi:10.1644/11-MAMM-A-296.1.
  3. Gerrit S. Miller: Notes on Some Moles from Southeastern Asia. Journal of Mammalogy 21 (4), 1940, S. 442–444
  4. a b c d e E. D. Zemlemerova, A. A. Bannikova, V. S. Lebedev, V. V. Rozhnov und A. V. Abramov: Secrets of the underground Vietnam: an underestimated species diversity of Asian moles (Lipotyphla: Talpidae: Euroscaptor). In: Proceedings of the Zoological Institute RAS. 320 (2), 2016, S. 193–220.
  5. Euroscaptor. In: Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. 2 Bände. 3. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4.
  6. a b Kai He, Akio Shinohara, Kristofer M. Helgen, Mark S. Springer, Xue-Long Jiang und Kevin L. Campbell: Talpid Mole Phylogeny Unites Shrew Moles and Illuminates Overlooked Cryptic Species Diversity. In: Molecular Biology and Evolution. 34 (1), 2016, S. 78–87.
  7. Kawada Shin-ichiro, Yasuda Masatoshi, Shinohara Akio, Lim Boo Liat: Redescription of the Malaysian Mole as to be a True Species, Euroscaptor malayana (Insectivora, Talpidae) (Biodiversity Inventory in the Western Pacific Region II. Indonesia and Malaysia). In: Memoirs of the National Science Museum. 45, 2008, S. 65–74, [1].