Südtirol (Weinbaugebiet)

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Daten
Weinbaugebiet Südtirol
Land Italien
Weinanbau seit circa 1000 v.Chr.
Anbaufläche 5414 ha
Ertrag 350.000 hl
Anteil Qualitätsweine 98 %
Website www.suedtirolwein.com
Karte
Weinbau bei Tramin im Unterland
Weinbau bei Kaltern im Überetsch

Der Weinbau in Südtirol hat eine lange Tradition, die sich aufgrund von Indizien bis in vorrömische Zeiten zurückverfolgen lässt. Als italienisches Weinbaugebiet verfügt Südtirol über eigene DOC-Bestimmungen.

Die recht unterschiedlichen klimatischen Bedingungen in den einzelnen Anbaugemeinden zusammen mit den stark divergierenden Höhenlagen (200–1000 m) ermöglichen einen vielseitigen Weinbau von zahlreichen roten und weißen Rebsorten. Es gibt drei autochthone Rebsorten, die in Südtirol kommerziell angebaut werden: Vernatsch, Gewürztraminer und Lagrein.[1]

Anbaugebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südtirol ist ein kleines, aber facettenreiches Weinanbaugebiet. Im Jahr 2016 umfasste die gesamte Weinbaufläche 5.414 ha.[2] Damit gehörte es zu den kleinsten italienischen Weinbauregionen (etwa 0,7 % der Gesamtfläche). Viele Südtiroler Lagen sind von relativ milden klimatischen Bedingungen geprägt, welche im Etschtal (Unterland, Überetsch, Bozen, Terlan, Burggrafenamt) bis nach Meran reichen. Der Vinschgau und das Eisacktal sind hingegen etwas rauer. Das Weinbaugebiet beinhaltet Höhenlagen, die von 200 bis 1150 m Seehöhe reichen.

Südtirol weist eine hohe Dichte an DOC-Weinen (Denominazione di origine controllata), also Weinen mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung auf. Die ca. 5.000 Weinbaubetriebe in Südtirol liefern ihre Trauben an ca. 160 Kellereien, die im Durchschnitt jährlich insgesamt an die 350.000 hl Wein produzieren. Rund 70 % des Südtiroler Weines wird in genossenschaftlich geführten Kellereien gekeltert. Weitere 25 % der jährlichen Weinproduktion kommen aus dem Verband „Südtiroler Weingüter“ und die restlichen 5 % der Südtiroler Weine stellen die „Freien Weinbauern Südtirol“.[3]

Die weißen Rebsorten nehmen rund 60 % der Südtiroler Weinbaufläche ein. Grauburgunder, Gewürztraminer, Weißburgunder und Chardonnay sind mengenmäßig die am häufigsten angebauten Weißweinsorten in Südtirol. Bei den Rotweinen dominieren neben den beiden autochthonen Rebsorten Vernatsch und Lagrein insbesondere Blauburgunder, Merlot und Cabernet Sauvignon. Rote Sorten nehmen etwa 40 % der gesamten Rebfläche ein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinernte in Südtirol, romantisierende Darstellung von Eduard Schönfeld, 19. Jahrhundert

Durch Funde von Traubensamen aus der Eisenzeit (Stufels bei Brixen) und archäologische Ausgrabungen von ca. 400 v. Chr. wird auf einen Weinbau schon vor 3000 Jahren geschlossen. Die vermutlich ältesten Quellen stammen von den Römern über die damaligen Weine aus Rätien. Marcus Porcius Cato hat in seinem Werk De agricoltura den rätischen Wein hervorgehoben, bevor dieses Einzugsgebiet von den Römern erobert wurde. Die Römer übernahmen von den Rätern Weinlagerung und -transport in Holzfässern (nach Plinius). Besonders Augustus und Tiberius (Spitzname „Biberius“) schätzten den rätischen Wein.

Im Jahre 720 n. Chr. beauftragte Korbinian, der erste Bischof von Freising, Weingärten im Burggrafenamt anzulegen. Seit dem 12. Jahrhundert geben Aufzeichnungen von den regen Aktivitäten der süddeutschen Klöster und Adeliger Aufschluss über den Weinbau.[4]

Rebanlagen bei Bozen – noch in der traditionellen Pergelerziehung

Die Einkellerung an Südtiroler Weinhöfen hatte im endenden Mittelalter und in der Habsburgerzeit eine Blüte. Durch die Tätigkeiten der Weinhandelsfamilien seit dem 19. Jh. und der Kellereigenossenschaften seit Beginn des 20. Jh. hat sich die Produktion und Vermarktung des Weines zum heutigen Stand entwickelt. Im 20. Jh. gab es mehrere Krisen: zu Beginn die Reblaus (Phylloxera), dann Erster Weltkrieg und Abtrennung von den traditionellen Märkten (Österreich-Ungarn, Bayern) mit Repression unter dem Faschismus, sowie der Zweite Weltkrieg. Durch Massenproduktion bis in die 1980er konnte sich die Weinwirtschaft konsolidieren. In den 1980er Jahren wurde im Südtiroler Weinbau eine Krise der damals geläufigen Vermarktungskanäle akut, insbesondere der Offenweinverkauf in die Schweiz in Tanks. Die Kellereien änderten ihre Absatzstrategie. Es wurden fortan mehr Qualitätsweine hergestellt; der reine Quantitätgedanke trat in den Hintergrund und spielt heute keine Rolle mehr. Entscheidend war in Südtirol für den Weinbau auch die auf das Jahr 1971 zurückgehende Eingrenzung und Aufwertung der Weinlagen mit der DOC-Regelung. Die Qualitätsproduktion, welche seit nunmehr über 20 Jahren forciert wird, sowie die vermehrte Abfüllung in die 0,75 l-Flasche hat dem kleinen Weinbaugebiet zu höchstem Renommee verholfen. Dies gilt vor allem in Italien für die Weißweine, aber zunehmend auch in den internationalen Märkten.

Einen Überblick über Geschichte und traditionelle Techniken des lokalen Weinbaus bietet das Südtiroler Weinmuseum in Kaltern.

DOC-Bestimmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiß-, Rosé- und Rotweine sowie Schaumweine aus dem gesamten Südtiroler Anbaugebiet können bei Einhaltung der DOC-Bestimmungen mit der Bezeichnung „Südtirol“ (italienisch „Alto Adige“) oder „Südtiroler“ (italienisch „dell’Alto Adige“) vermarktet werden. Zugelassen sind folgende Rebsorten:

Scheint neben dem Zusatz „Südtirol“ oder „Südtiroler“ die Bezeichnung einer Rebsorte auf dem Etikett auf, muss der Wein zu mindestens 85 % aus der entsprechenden Sorte hergestellt worden sein. In einigen definierten Fällen können auch zwei Rebsorten angegeben sein. An reglementierten Prädikaten gibt es Passito, Spätlese (vendemmia tardiva) und Riserva.[5]

Das Weinbaugebiet Südtirol enthält weiters sieben DOC-Unterregionen mit jeweils gesonderten Bestimmungen: Um die Stadt Meran herum befindet sich die Lage „Südtirol Meraner“, weiter westlich liegen die Rebhänge des „Südtirol Vinschgau“. In der Hügellandschaft des Überetsch und südlich davon befindet sich das Anbaugebiet „Südtirol Kalterersee“, im mittleren Etschtal der „Südtirol Terlaner“. Im Eisacktal zwischen Vahrn und Völs der „Südtirol Eisacktaler“, östlich der Stadt Bozen der „Südtirol Bozner Leiten“ und nördlich davon der „Südtirol St. Magdalener“.[6]

Anbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinberge bei Tscherms im Burggrafenamt

Mit umweltschonenden Anbaumethoden in den Weinbergen, oftmals durch Handarbeit in steilen Hanglagen, gewinnen die Südtiroler Winzer ihre Weintrauben. Der Mehraufwand dient sowohl der Qualität als auch dem Landschaftsschutz. Durch so genannten integrierten Weinbau unterstützen die Südtiroler Winzer die Widerstandskräfte der Trauben, schonen damit Nützlinge und begünstigen deren Ausbreitung. Strenge Ertragsbegrenzung und konsequente Umstellung von der klassischen Pergel- auf die moderne Drahtrahmenerziehung steigern die Qualität der Rebe.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gotthard Andergassen: Südtiroler Weinbau und Weinwirtschaft im Mittelalter. In: Südtirol in Wort und Bild, 49/2005, S. 7–14
  • Matthias Ladurner-Parthanes: Vom Perglwerk zur Torggl. Athesia, Bozen 1972
  • Ivo Maran, Stefan Morandell: Vernatscher, Traminer, Kalterersee Wein. Neues aus Südtirols Weinbaugeschichte (= Schriften zur Weingeschichte, Nr. 188). Gesellschaft für Geschichte des Weines, Wiesbaden 2015
  • Josef Nössing: Bozens Weinhandel im Mittelalter und in der Neuzeit. In: Ferdinand Opll (Hrsg.), Stadt und Wein, R. Trauner, Linz 1996, S. 181–192
  • Barbara Stocker: Der Wein und seine Geschichte. In: Südtirol in Wort und Bild, 49/2005, S. 1–6
  • Roland Zwerger: Vom Weißen Lagrein über den „Weißterlinger“ zum Gewürztraminer. Kleine Südtiroler Sortengeschichte mit besonderer Berücksichtigung von Tramin. In: Der Schlern, 79/2005, S. 78–87

Guides[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Kilchmann: Weine aus Südtirol. Müller Rüschlikon, Cham 1995, ISBN 3-275-01168-5
  • Jens Priewe unter Mitarbeit von Christoph Tscholl: Die Weine von Südtirol. Der Guide für Kenner und Genießer. Collection Rolf Heyne, München 2006, ISBN 3-89910-299-1
  • Falstaff-Weinguide: Österreich, Südtirol. Falstaff-Verlag, Wien (jährlich erscheinend)
  • Vini d’Italia. Gambero Rosso, Rom (jährlich erscheinend)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.facebook.com/Alto-Adige-Wines/ Aufgerufen im April 2011
  2. Statistisches Jahrbuch 2013. Kapitel 13: Land- und Forstwirtschaft. Autonome Provinz Bozen – Südtirol, Landesinstitut für Statistik (ASTAT); abgerufen am 11. März 2015.
  3. Konsortium Südtiroler Wein, Weinbau in Südtirol.
  4. Andreas Otto Weber: Studien zum Weinbau der altbayerischen Klöster im Mittelalter: Altbayern, österreichischer Donauraum, Südtirol. Stuttgart: Franz Steiner 1999.
  5. Disciplinare di Produzione della Denominazione di Origine Controllata (Produktionsvorschriften und Beschreibung). wineacts.com, 7. März 2014; abgerufen am 26. Februar 2017 (PDF, italienisch).
  6. Meiniger Einkaufsführer „Weine und Winzer aus Südtirol“., Meininger 2005, S. 15