Sława

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Slawa aufgeführt
Sława
Wappen von Sława
Sława (Polen)
Sława
Sława
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Wschowa
Fläche: 14,31 km²
Geographische Lage: 51° 53′ N, 16° 5′ OKoordinaten: 51° 53′ 0″ N, 16° 5′ 0″ O
Einwohner: 4297
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 67-410
Telefonvorwahl: (+48) 68
Kfz-Kennzeichen: FWS
Wirtschaft und Verkehr
Straße: WschowaZielona Góra
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 24 Ortschaften
Fläche: 326,78 km²
Einwohner: 12.609
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 39 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0812013
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Cezary Sadrakuła
Adresse: ul. Henryka Pobożnego 10
67-410 Sława
Webpräsenz: www.slawa.pl



Sława (deutsch Schlawa, 1937–1945 Schlesiersee) ist eine Stadt im Powiat Wschowski (Fraustadter Distrikt) der polnischen Woiwodschaft Lebus mit 3.900 Einwohnern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlawa nördlich von Glogau auf einer Landkarte von 1905
Schlawaer See

Die Ortschaft liegt in Niederschlesien an der Einmündung der Oberen Obra (früher auch Scharnitz genannt, poln. Czernica) in den größten See Schlesiens, den Schlawaer See (Jezioro Sławskie), etwa 24 Kilometer nördlich der Stadt Głogów (Glogau).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlawa an der Einmündung der Oberen Obra in den Schlawaer See südwestlich der Stadt Posen und östlich der Stadt Grünberg in Schlesien auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Marktplatz in Sława mit früherer evangelischer Kirche und katholischer Kirche im Hintergrund
Geschäftsstraße

Der Ort Schlawa ist im 13. Jahrhundert gegründet worden. Der genaue Zeitpunkt, wann Schlawa Stadtrechte erhielt, ist nicht überliefert, bei ihrer Ersterwähnung auf dem Teilungsrezess des Herzogtums Glogau von 1312 besaß sie diese bereits.

Schlawa war zunächst Teil des Glogauer Weichbildes, wurde aber im 15. Jahrhundert zum Adelssitz. Im Jahre 1468 gelangte die Stadt in den Besitz der Familie von Rechenberg. Im Jahre 1506 kam Schlawa zum Königreich Böhmen. Nach der Schlacht am Weißen Berg wurde der Besitz der Rechenberger konfisziert und kam in den Besitz der Familie von Barwitz, Freiherren von Fernelmont, die 1884 erlosch. Von 1886 bis 1945 besaßen die mährischen Grafen von Haugwitz die Gutsherrschaft Schlawa.

Vier nordöstlich der mit drei Stadttoren versehenen, aber nicht ummauerten Stadt verlief die Grenze zu Großpolen. Neben der Fischerei im See waren die Landwirtschaft und der Grenzhandel mit Polen die wichtigsten Einnahmequellen der Bewohner. In den Jahren 1721 und 1765 brachen in Schlawa zwei große Stadtbrände aus. Seit 1499 war in der Stadt eine Zunft der Tuchmacher ansässig. Die Bedeutung als Tuchmacherstadt ging seit dem Dreißigjährigen Krieg immer mehr zurück, um 1830 erfolgte eine Auswanderung in das damals russische Lodsch.

1735 entstand ein Schlossneubau. Im Jahre 1742 kam die Stadt zu Preußen. Die evangelische Kirchgemeinde errichtete 1834 eine Kirche auf dem Marktplatz, die aus dem 14. Jahrhundert stammende Michaeliskirche gehörte seit der Gegenreformation den Katholiken.

1820 wurde Schlawa dem Landkreis Freystadt zugeordnet. Nach dessen Auflösung im Jahre 1932 wurde die Stadt Teil des Landkreises Glogau, dem die Stadt schon zwischen 1816 und 1820 angehört hatte.

Um 1900 hatte die Stadt eine evangelische und eine katholische Kirche.[2] Schlawa erhielt 1913 einen Eisenbahnanschluss. Als nach dem Ersten Weltkrieg die Provinz Posen zu Polen kam, wurde die Stadt wieder zur Grenzstadt. Durch diese Randlage verlor Schlawa an Bedeutung. 1921 erfolgte die Eingemeindung des Dorfes Schlawa, das Gut Schlawa ist seit 1928 ein Teil der Stadt.

Während des Dritten Reiches erfolgte eine Umbenennung des slawischen Ortsnamens und die Stadt, wie auch der See, erhielten die Bezeichnung Schlesiersee. Im Zweiten Weltkrieg entstand bei Schlesiersee – in den Vorwerken Bänisch Vorwerk und Neu Vorwerk – ein Außenlager des KZ Groß Rosen. In den letzten Kriegsmonaten verlegte das Reichssicherheitshauptamt einen Teil seines Archivs und der Bibliothek, die überwiegend aus in Europa zusammengestohlenen Büchern bestand, unter Rolf Mühler in das Schloss Sława. Die Materialien wurden danach weit verstreut und erst nach der politischen Wende konnten Archivare und wissenschaftliche Antiquare Spuren davon zu suchen.[3]

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Februar 1945 von der Roten Armee besetzt. Kurz darauf wurde Schlawa unter polnische Verwaltung gestellt. Die Bewohner wurden danach von zugewanderten Polen aus ihren Häusern und Gehöften gedrängt und in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

In den ersten Jahren nach Kriegsende war Sława Sitz des Powiat Głogowski, da in Głogów wegen der Kriegszerstörungen keine Gebäude für die Kreisverwaltung vorhanden waren. Auch Schulen und andere öffentliche Einrichtungen fanden zeitweilig in Sława ein Ausweichquartier.

Heute ist die Stadt ein Fremdenverkehrsort.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1787 0 543
1825 0632
1905 0766 [2]
1933 1.678 [4]
1939 1.802 [4]
1961 2.433
1970 2.617

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gmina[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde (gmina miejska wiejska) Sława umfasst ein Gebiet von 327 km² mit 11.887 Einwohnern. Dazu gehören folgende Ortschaften:

  • Bagno (Bruchdorf), 225 Einwohner
  • Ciosaniec (Schussenze, 1937–1945 Ostlinde), 639 Einwohner
  • Droniki (1937–1945 Fleißwiese), 160 Einwohner
  • Gola (Goile, 1936–1945 Rodenheide), 241 Einwohner
  • Krążkowo (Alt Kranz), 514 Einwohner
  • Krępina (Krempine, 1936–1945 Neuacker), 13 Einwohner
  • Krzepielów (Tschepplau, 1936–1945 Langemark), 700 Einwohner
  • Krzydłowiczki (Bergvorwerk), 148 Einwohner
  • Kuźnica Głogowska (Hammer), 209 Einwohner
  • Lipinki (Linden), 657 Einwohner
  • Lubiatów (Aufzug), 109 Einwohner
  • Lubogoszcz (Laubegast), 354 Einwohner
  • Łupice (Lupitze, 1937–1945 Ostweide), 765 Einwohner
  • Nowe Strącze (Neu Strunz), 115 Einwohner
  • Przybyszów (Pürschkau), 437 Einwohner
  • Przydroże (Ingersleben), 24 Einwohner
  • Radzyń, (Rädchen), 304 Einwohner
  • Spokojna, (Friedendorf), 169 Einwohner
  • Sława (Schlawa, 1937–1945 Schlesiersee)
  • Stare Strącze (Alt Strunz, 1937–1945 Deutscheck) 1.284 Einwohner
  • Szreniawa (Schenawe, 1937–1945 Schönforst) 172 Einwohner
  • Śmieszkowo (Lache), 429 Einwohner
  • Tarnów Jezierny (Tarnau, vor 1919 Polnisch Tarnau; 1937–1945 Tarnau am See) 112 Einwohner
  • Wróblów (Sperlingswinkel), 206 Einwohner

Auf dem Gemeindegebiet befinden sich 14 Seen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht aller Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des ganzen jetzt zur Provinz gehörenden Markgrafenthums Ober-Lausitz, und der Grafschaft Glatz. Breslau 1830, S. 680.
  • Wojciech Strzyżewski: Sława. Zarys dziejów. Urząd Miasta i Gminy, Sława 2004, ISBN 83-920100-0-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sława – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 17, Leipzig/Wien 1909, S. 833.
  3. z. B. Werner Schroeder: "Dienstreise nach Holland 1940." Beschlagnahmung und Verbleib der Verlagsarchive von Allert de Lange und Querido, Amsterdam. in Zs. "Exil", Jg. 19, 1999, Heft 1. Hg. Walter-A.-Berendsohn-Forschungsstelle für deutsche Exilliteratur, Univ. Hamburg, S. 44f. Diese Bestände trugen z. B. den Decknamen Brabant 1. Insbes. gab es große Mengen historischer Freimaurer-Literatur sowie mittelalterliche Hexen-Titel. Siehe auch Weblinks, Schröder
  4. a b http://www.geschichte-on-demand.de/glogau.html