SA-16 Gimlet

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SA-16 Gimlet

SA-16 launcher and missile.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Flugabwehrrakete
Hersteller: Konstruktionsbüro KBM
Entwicklung: 1971
Technische Daten
Länge: 1,593 m
Durchmesser: 72,2 mm
Gefechtsgewicht: 10,8 kg
Spannweite: 160 mm
Antrieb: Feststoff-Raketentriebwerk
Geschwindigkeit: 570 m/s
Reichweite: 5,4 km
Ausstattung
Zielortung: passiv IR
Gefechtskopf: 1,27 kg FRAG-HE
Zünder: Aufschlagzünder
Listen zum Thema

Die SA-16 Gimlet ist ein in der Sowjetunion entwickeltes schultergestütztes Kurzstrecken-Boden-Luft-Lenkwaffensystem. Es dient zur Bekämpfung von Hubschraubern und Kampfflugzeugen in niedrigen Flughöhen. Der GRAU-Index lautet 9K310 Igla-1.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1971 erteilte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion den Auftrag zur Entwicklung einer neuen, tragbaren Flugabwehrlenkwaffe, die Ende der 1970er-Jahre die Systeme SA-7 Grail (9K32 Strela-2) und SA-14 Gremlin (9K34 Strela-3) ersetzen sollte. Das neue Flugabwehrsystem bekam die Bezeichnung 9K38 Igla. Die NATO gab diesem System die Bezeichnung SA-18 Grouse. Bei der Entwicklung kam es immer wieder zu Verzögerungen. Als die Entwicklung im Jahre 1978 immer noch nicht abgeschlossen war, entschied man sich für eine Zwischenlösung. Der bereits fertiggestellte Rumpf und der Raketenmotor der neuen Lenkwaffe sollten mit dem bewährten Suchkopf der SA-14 Gremlin zu einem Interimssystem weiterentwickelt werden. Dieses System bekam die Bezeichnung 9K310 Igla-1. Es wurde im Jahre 1981 bei den sowjetischen Landstreitkräften eingeführt und erhielt von der NATO die Bezeichnung SA-16 Gimlet („Nagelbohrer“).

Varianten:

  • 9K310 Igla-1: Grundversion
  • 9K310E Igla-1E: Exportversion
  • 9K310M Igla-1M: Vereinfachte Exportversion
  • 9K310F Igla-1F: Version für die Marine.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das SA-16-System besteht aus den folgenden Komponenten:

  • 9P322 Transport- und Startbehälter
  • 9M313 Lenkwaffe
  • 9P519 Start- und Visiergerät
  • 9P238 Behälter mit Thermalbatterie und Kühlmittel für den Suchkopf

Die Igla-1 ist eine mit einem passiven Zielsuchkopf ausgerüstete Fliegerabwehrlenkwaffe, deren Detektor im IR-Bereich arbeitet. Sie funktioniert nach dem Fire-and-Forget-Prinzip, d. h. nach dem Abfeuern verfolgt die Rakete ihr Ziel selbstständig − der Schütze muss es nicht wie bei anderen Modellen anvisiert lassen, und nach dem Abfeuern besteht keine Verbindung mehr zwischen der Startplattform und der Rakete.

Die Bekämpfungsreichweite beträgt 5,4 km, wobei vermutet wird, dass die Igla-1 unter günstigen Bedingungen, wie wenig Lenkbewegungen, bis 8 km erreichen kann. Als Antrieb dient ein Feststoff-Raketenmotor, der gezündet wird, sobald die von einer Gasladung ausgestoßene Rakete das Starterrohr einige Meter verlassen hat. Der Splittersprengkopf wird ausschließlich durch Aufschlag gezündet, d. h. die Rakete muss das Ziel direkt treffen.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SA-16 Gimlet (9K310 Igla-1)

Neben den offiziellen Benutzern der Igla-1 wird die Waffe auch noch in den Händen von Separatisten- und Extremistengruppen vermutet.

Einsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das von einer SA-16 schwer beschädigte Heck einer A-10 Thunderbolt II

Die SA-16 Gimlet kam bei verschiedenen kriegerischen Auseinandersetzungen in der Golfregion, in Afrika, in Südamerika, auf dem Balkan sowie im Kaukasus zum Einsatz. Während der Operation Desert Storm im Irak wurden sieben Flugzeuge und vier Hubschrauber der Allianz mit der SA-16 Gimlet abgeschossen.

Bei den Auseinandersetzungen auf dem Balkan fielen mindestens zwei Flugzeuge der NATO der SA-16 GIMLET zum Opfer. Auch bei den Auseinandersetzungen im Kaukasus wurden mehrere russische Kampfflugzeuge und Hubschrauber mit SA-16-Lenkwaffen der Rebellen abgeschossen.

In den Jahren 2003 bis 2006, nach der US-Invasion im Irak, wurden mindestens sechs US-Hubschrauber mit SA-16-Lenkwaffen der Widerstandskämpfer abgeschossen. Im Irak verfügt die nordirakische Armee der autonomen Kurdenregion nach eigenen Angaben über mehrere hundert SA-16 Gimlet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Land-Based Air Defence Edition 2005 Jane's Verlag
  • Das Boden-Luft-Lenkwaffensystem SA-16 GIMLET DTIG – Defense Threat Informations Group, August 2005
  • On Arrows and Needles by Michal Fiszer and Jerzy Gruszczynski, Journal of Electronic Defense (JED), December 2002.
  • RUSSIA'S ARMS 2004 CATALOG Military Parade Publishing House
  • RUSSIA'S ARMS AND TECHNOLOGIES. THE XXI CENTURY ENCYCLOPEDIA Volume 9 – Air and ballistic missile defense The Publishing House – Arms and Technologies

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: SA-16 Gimlet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien