SANU-Memorandum

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Das Memorandum zur Lage der serbischen Nation in Jugoslawien, bekannt als SANU-Memorandum, war eine Denkschrift, die zwischen 1982 und September 1986 von Mitgliedern der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste (serbisch Српска академија наука и уметности Srpska akademija nauka i umetnosti, kurz SANU) ausgearbeitet wurde. Der Text soll vom ehemaligen Mitglied der Akademie und späteren Präsidenten der Bundesrepublik Jugoslawien Dobrica Ćosić (1921–2014) redigiert worden sein, was dieser jedoch bestritt, gleichzeitig aber das Memorandum verteidigte.

Das SANU-Memorandum sollte Grundlage für die Diskussion über eine vermeintliche Benachteiligung Serbiens innerhalb des sozialistischen Jugoslawien sein und enthält Forderungen nach Demokratisierung sowie „politischer Abrechnung“ durch „revolutionären Kampf“ gegen eine „neofaschistische Aggression“ und einen „Genozid“ an den Serben im Kosovo.[1] Damit hatte es einen bedeutenden Einfluss auf das Wiederaufleben des Nationalismus bei den Serben.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 74 Seiten umfassende Memorandum ist zunächst eine Kritik aktueller ökonomischer und kultureller Entwicklungen des jugoslawischen Systems. Es wird dabei die zunehmende Fragmentierung und Regionalisierung der Gesellschaft beklagt und auf mangelnde demokratische Strukturen hingewiesen. Der Titoismus wird als „antiserbische Doktrin“ angesehen, durch die die serbische Nation gezielt geschwächt worden sei, was die anderen Teilrepubliken dann zu ihren Gunsten ausgenutzt hätten. Das Memorandum forderte ein Ende der „Diskriminierungen des serbischen Volkes“.

Neben der „wirtschaftlichen Diskriminierung Serbiens“, beklagte man die „Unterdrückung der Serben in Kroatien“ und sprach sogar von „Völkermord an den Serben im Kosovo“. Der Begriff Genozid bzw. Völkermord wurde damit als Kampfbegriff in die innerjugoslawischen Auseinandersetzungen eingeführt.

Mit der Behauptung, die Kosovo-Albaner würden Völkermord an den Serben verüben, hatte die Akademie dieser Bevölkerungsgruppe die Hauptschuld an der von ihr festgestellten Misere Serbiens zugewiesen. Untermauert wurde die These mit historischen Argumenten, die weit in die Geschichte und lange vor die Gründung des ersten Jugoslawien im Jahr 1918 zurückreichten, mithin nichts mit der aktuellen Krise des sozialistischen Systems in Jugoslawien zu tun hatten.

Die Verfasser stellten abschließend fest das „serbische Volk hat ein historisches und demokratisches Recht auf seine völlige nationale und kultu­relle Identität, unabhängig davon, in welchen Teilrepubliken oder Provinzen es ansässig ist“, ohne zu erklären, wie diese Forderung umzusetzen sei.

Kulturelle Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Belgrader Zeitung Večernje Novosti wurden einige Auszüge des SANU-Memorandums publik gemacht und von der Öffentlichkeit breit diskutiert. Der Gesamttext wurde im Januar 1989 in Zagreb und im Sommer 1989 in Belgrad veröffentlicht.

Intellektuelle und Politiker der anderen Völker Jugoslawiens reagierten auf die Forderung der Akademie mit eigenen nationalen Programmen. Zwischen den Teilrepubliken breitete sich eine zunehmend vergiftete Atmosphäre aus. In den Medien und auch in der Literatur Jugoslawiens wurde immer offener über „Volkszugehörigkeit“ und „Blut und Boden“ geschrieben, die jeweils anderen Nationen wurden immer lauter beschuldigt, die eigene Misere, die Arbeitslosigkeit, die wirtschaftliche und soziale Notlage verursacht zu haben.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Völkermord an den Kosovo-Serben!“ – Das Memorandum der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste 1986. In: J. Bak, K. Kaser, M. Prochazka (Hrsg.): Selbstbild und Fremdbilder der Völker des östlichen Europa (= Wieser Enzyklopädie des europäischen Ostens. Band 18). Klagenfurt 2006, S. 641–648 (aau.at [PDF] Auszüge aus dem SANU-Memorandum zitiert nach Kosta Mihailović, Vasilije Krestić: Memorandum der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste : Stellungnahme zu Kritiken. Hrsg.: Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste. Belgrad 1996.).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Matthias Vetter: Chronik der Ereignisse 1986–2002. In: Dunja Melčić (Hrsg.): Der Jugoslawien-Krieg: Handbuch zu Vorgeschichte, Verlauf und Konsequenzen. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2007, ISBN 978-3-531-33219-2, S. 550.