SATCOMBw

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SATCOMBw heißt das satellitengestützte Kommunikationssystem der Bundeswehr. Das System soll dem Militär unter anderem weltweit abhörsichere Telefongespräche, Videokonferenzen und Internetzugang ermöglichen. Es besteht in der derzeit aktiven Ausbaustufe SATCOMBw Stufe 2 aus den beiden Kommunikationssatelliten COMSATBw-1 und COMSATBw-2[1]. Vor Erreichen des Wirkbetriebs waren die Satelliten unter den Namen SATCOMBw-2a und SATCOMBw-2b bekannt. Die Satelliten werden von Bodenstationen der Bundeswehr und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) betrieben. Beide Satelliten und das System inklusive der Bodeneinrichtungen sind seit Ende 2011 im vollständigen Betrieb.

Geschichte und Zukunft des Systems[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorläufer waren das TriMilSat (mit Frankreich und Großbritannien, 1990–1997) und das MilSatCom (mit Frankreich, 1997–1999). Während SATCOMBw Stufe 0 und SATCOMBw Stufe 1 auf angemieteten Satellitenverbindungen basiert, bindet das neue System SATCOMBw Stufe 2 zwei eigene militärische Satelliten (jeweils einen für die östliche und westliche Interessenhemisphäre) ein. Darüber hinaus enthält die Stufe 2 eine Erweiterung des Bodensegmentes, insbesondere die Errichtung einer neuen Kontroll- und Ankerstation auf dem Gelände der Bodenstation Weilheim des Deutschen Raumfahrt-Kontrollzentrums, den Ausbau der vorhandenen Bodenstationen in Kastellaun und Gerolstein sowie die Lieferung von zwei transportablen Kontrollstationen für In- und Auslandseinsätze. Die Kosten einschließlich des Betriebs über 15 Jahre liegen bei rund 950 Millionen Euro.

Federführender Auftragnehmer des Projektes ist die neu gegründete Projektgesellschaft MilSat Services GmbH mit Sitz in Bremen, eine von EADS Space Services und ND SatCom gegründete Firma.

Am 5. Juli 2006 unterschrieben das IT-Amt der Bundeswehr als Auftraggeber und MilSat Services den Hauptvertrag. Mit der Verkündung des Bundeshaushaltsgesetzes 2006 trat der Vertrag in Kraft. Ab 1. Januar 2012 sollte das System einsatzbereit sein.[2]

Wichtige Unterauftragnehmer sind EADS Astrium, die für das gesamte Raumsegment und dessen Bereitstellung im Orbit verantwortlich ist, das DLR als Betreiber der Satellitenkonstellation, Arianespace als Betreiber der Trägerrakete, Thales Alenia Space als Lieferant der Satelliten sowie Intelsat, die zusätzlich kommerzielle Übertragungskapazitäten zur Verfügung stellt.

Am 9. März 2016 wurde bekanntgegeben, dass Airbus Defence and Space SATCOMBw bis 2022 weiter betreiben wird. Hierfür schloss das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) mit Airbus einen Vertrag über 145 Millionen Euro. Dieser sieht den In-Orbit-Betrieb der COMSATBw-Satelliten, sowie den Teleport und den Betrieb der zugehörigen Netze vor.[3]Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren

Die derzeit (2017) geplante Stufe 3 des SATCOMBw Systems sieht die Ablösung des Raumsegmentes durch leistungsgesteigerte Satelliten und Anpassungen des Bodensegmentes vor. Ziel ist eine hochdatenratige Verbindung insbesondere auch zwischen Satelliten und zu fliegenden Plattformen.[4]

Technische Details der COMSATBw-Satelliten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden von Thales Alenia Space gebauten beim Start jeweils 2440 kg schweren Satelliten basieren auf dem Satellitenbus Spacebus 3000 B2.[5] Die Leermasse beträgt jeweils 1040 kg.[6] Die Kommunikationsnutzlast steuerte das Astrium-Tochterunternehmen Tesat-Spacecom bei. Diese besteht aus vier Transponder im militärischen Bereich des X-Bands[7] (auch als SHF-Band bezeichnet) und fünf im UHF-Band an Bord. Die quaderförmigen Satelliten sind dreiachsenstabilisiert, haben eine Größe von 2,8 m × 1,8 m × 2,9 m und eine Spannweite der Solarzellenausleger von 17,2 m welche eine Leistung von 3,2 Kilowatt (end of life) liefern. Als Lebensdauer sind 15 Jahre geplant.[8] Die Apogäumsmotoren der Satelliten verbrennen Monomethylhydrazin und Mixed Oxides of Nitrogen während die Triebwerke zur Lageregelung Hydrazin katalytisch zersetzen.[9]

Der Satellit COMSATBw-1 (wegen Projektstufe 2 auch als SATCOMBw-2a bezeichnet) wurde am 1. Oktober 2009 um 21:59 UTC zusammen mit Amazonas 2 mit einer Ariane 5 ECA vom europäischen Weltraumbahnhof Centre Spatial Guyanais in Kourou (Französisch-Guyana) aus gestartet und in eine Geostationäre Transferbahn abgesetzt.[10] COMSATBw-1 wurde als geostationärer Satellit auf 63° Ost positioniert.[8][11] Dazu wurde sein Apogäumsmotor vier mal gezündet.[12] Seine Startmasse betrug 2440 kg.[13]

Der Start von COMSATBw-2 (wegen Projektstufe 2 auch als SATCOMBw-2b bezeichnet) sollte am 26. März 2010 zusammen mit Astra 3B' mit einer Ariane 5 ECA vom europäischen Weltraumbahnhof Centre Spatial Guyanais in Kourou (Französisch-Guyana) stattfinden, wurde jedoch dreimal verschoben. Der Start erfolgte schließlich am 21. Mai 2010 um 22:01 UTC.[14] Die Startmasse von COMSATBw-2 beträgt 2440 kg und er wurde auf 13,2° Ost, in rund 36 000 km Höhe genau über dem Äquator positioniert. [15] Die Positionierung und Steuerung des Satelliten in der geostationären Umlaufbahn erfolgt, wie bei COMSATBw-1, durch das Raumfahrtkontrollzentrum des DLR in Oberpfaffenhofen, das 33 Minuten nach dem Start Kontakt mit COMSATBw-2 herstellen konnte.[16]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gunter Krebs: COMSATBw 1, 2. In: Gunter's Space Page. 27. September 2009, abgerufen am 2. Oktober 2009 (englisch).
  2. Gerhard Hegmann: Bundeswehr rüstet im All auf. Financial Times Deutschland, 23. September 2009, archiviert vom Original am 28. September 2009, abgerufen am 2. Oktober 2009.
  3. Airbus Defence and Space wird Militärsatellitensystem der Bundeswehr für weitere sieben Jahre betreiben. In: airbusdefenceandspace.com. Airbus Defence and Space, 3. März 2016, abgerufen am 15. März 2016 (PDF; 96,7 KB).
  4. Interview mit Generalmajor Heinrich-Wilhelm Steiner. In: wehrtechnik VI/2016. Abgerufen am 13. Januar 2017.
  5. http://www.arianespace.com/images/launch-kits/launch-kit-pdf-eng/AMAZONAS-2_COMSATBw-1_GB.pdf und http://www.arianespace.com/images/launch-kits/launch-kit-pdf-eng/ASTRA-3B-COMSATBw-2-en.pdf
  6. http://www.astrium.eads.net/media/document/flight-191.pdf und http://www.astrium.eads.net/media/document/vol194en.pdf.
  7. SATCOMBw – Information vom IT-AmtBW (Memento vom 24. Mai 2010 im Internet Archive)
  8. a b A launch for civil and military telecom operators. Arianespace, 28. September 2009, abgerufen am 2. Oktober 2009 (PDF; 560 kB, englisch).
  9. Klein und doch ganz groß: In Satellitenantriebssystemen steckt viel hochkarätige Technologie Airbus Defence and Space, vom 26. Januar 2012 (Abruf am 20. November 2015)
  10. Another successful dual launch: Arianespace orbits AMAZONAS-2 & COMSATBw-1 - 33rd successful Ariane 5 launch in a row. Arianespace, 1. Oktober 2009, abgerufen am 2. Oktober 2009 (englisch).
  11. http://qrg.broker.freenet6.net/?search_value=COMSATBw-1 Abgerufen: 20. März 2010
  12. http://www.dlr.de/rb/desktopdefault.aspx/tabid-4769/5005_read-21940/
  13. http://www.astrium.eads.net/media/document/flight-191.pdf
  14. Ariane 5 makes history with its successful mission to orbit ASTRA 3B and COMSATBw-2. Arianespace, 21. Mai 2010, abgerufen am 22. Mai 2010 (englisch).
  15. http://www.arianespace.com/images/launch-kits/launch-kit-pdf-eng/ASTRA-3B-COMSATBw-2-en.pdf
  16. Zweiter Kommunikationssatellit für die Bundeswehr an Bord der 50. Ariane 5 gestartet. DLR, 22. Mai 2010, abgerufen am 24. Mai 2010 (deutsch).