SEPECAT Jaguar

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SEPECAT Jaguar
Jaguars im Formationsflug
Jaguars im Formationsflug
Typ: Jagdbomber
Entwurfsland:

Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
FrankreichFrankreich Frankreich

Hersteller:
Erstflug: 8. September 1968
Indienststellung: 1973
Stückzahl: 543

Die SEPECAT Jaguar ist eine Gemeinschaftsentwicklung eines Angriffsflugzeugs von Breguet und der British Aircraft Corporation aus den 1960er-Jahren. Frankreich benötigte ein günstiges Trainings- und Angriffsflugzeug als Nachfolger für die F-100 Super Sabre und Großbritannien einen modernen Jagdbomber in Nachfolge der Hawker Hunter. SEPECAT steht für Société Européenne de Production de l'Avion d'Ecole de Combat et d'Appui Tactique (Europäische Gesellschaft zur Herstellung des Schul- und taktischen Unterstützungsflugzeugs).

Geschichte[Bearbeiten]

Doppelsitzige Version Jaguar T.1 der RAF im Anflug auf Malta im Oktober 2002

Nach dem Erstflug im Jahr 1968 wurden Wünsche nach einigen Verbesserungen laut, so dass die ersten Flugzeuge erst 1973 ausgeliefert wurden. Ein Jahr später wurde die erste Staffel der britischen Luftwaffe dann mit der Jaguar ausgestattet. Die französische Version erhielt eine relativ einfache Avionik und zwei Turbofans Adour Mk.102 mit je 3315 kp Schub. Die britische Royal Air Force setzte zwei Versionen ein: Die „GR Mk.1“ mit höherwertiger Avionik und Rolls Royce/Adour-Mk.102/104-Triebwerken (je 3646 kp Schub) sowie die „International“ als moderne Version mit Adour-Mk.811-Triebwerken (je 3810 kp Schub). Die „International“ besitzt nun zudem ein Radargerät. Alle Versionen erhielten ein stabiles Fahrwerk, um auf unvorbereiteten Pisten starten und landen zu können.

Royal Air Force[Bearbeiten]

Die britische Royal Air Force (RAF) beschaffte ab 1973 insgesamt 200 Jaguar, davon 35 zweisitzige Trainingsflugzeuge. Ab Mitte der 1970er-Jahre wurde der Typ auch bei der RAF Germany eingeführt, auf der Station RAF Brüggen waren vier Jagdbomberstaffeln (April 1975 bis Oktober 1985, 14., 17., 20. und 31. Squadron) und in RAF Laarbruch eine Staffel Aufklärer stationiert (Oktober 1976 bis Dezember 1988, 2. Squadron, diese hatte im Juni 1976 in Brüggen die Umrüstung begonnen). In den 1980er-Jahren erfolgte jedoch bereits die Ablösung durch den Tornado. Ab 1990 kam die Jaguar am Persischen Golf zum Kampfeinsatz. Die letzten Maschinen wurden am 30. April 2007 ausgemustert und durch den Eurofighter Typhoon ersetzt. Einige Jaguar werden weiterhin von QinetiQ und der Empire Test Pilots' School zu Testzwecken eingesetzt.

Armée de l’air[Bearbeiten]

Die französische Armée de l’air stellte ab 1974 ebenfalls 200 Jaguar in Dienst, davon 40 zweisitzige Trainingsflugzeuge. Eine geplante Variante für die französische Marine zum Einsatz auf Flugzeugträgern wurde nie verwirklicht. Die letzten französischen Jaguar wurden am 1. Juli 2005 durch die Dassault Rafale ersetzt.

Export[Bearbeiten]

Größter Exportkunde der Jaguar war Indien, das 1981 die erste von 40 Maschinen in Dienst stellte. Weitere 100 Jaguar wurden als Lizenzbauten der indischen Luftstreitkräfte von Hindustan Aeronautics unter dem Namen „Shamsher“ produziert. Sie sollen ab 2015 durch ein Nachfolgemodell ersetzt werden[1].

Weitere Nutzer waren Oman mit 24, das seine letzten Jaguar als vorletzter Nutzer im Oktober 2014 nach fast 37 Jahren Flugbetrieb außer Dienst stellte, Nigeria mit 18 und Ecuador mit 12 Maschinen.

Varianten[Bearbeiten]

Für die Streitkräfte der beiden Programmpartner gab es folgenden Baureihen (zu den nationalen britischen Baureihenbezeichnungen siehe die Informationen über das Bezeichnungssystem britischer Luftfahrzeuge).

Jaguar A
Einsitziger, allwetterfähiger taktischer Jagdbomber der Armée de l'Air, 160 gebaut zzgl. zwei Prototypen.
Jaguar B
Jaguar T.2
Zweisitziger Kampftrainer der Royal Air Force (RAF), 38 gebaut zzgl. ein Prototyp.
Jaguar T.2A
Modernisierte T.2 analog der GR.1A, 14 umgebaut.
Jaguar T.2B
Inoffizielle Bezeichnung der T.2A für den Einsatz des Thermal Imaging Airborne Laser Designator-(TIALD)-Systems, zwei umgerüstet.
Jaguar T.4
Modernisierte T.2A zum Standard Jaguar 96.
Jaguar E
Zweisitziger Kampftrainer der Armée de l'Air, 40 gebaut zzgl. zwei Prototypen.
Jaguar M
Einsitziger Marine-Jagdbomber für die Marine Nationale, ein Prototyp
Jaguar S
Jaguar GR.1
Einsitziger, allwetterfähiger, taktischer Jagdbomber der RAF, 165 gebaut.
Jaguar GR1.A
Modernisierte GR.1 mit Navigationssystem NAVWASS II, Chaff- und Flare-Werfern, ECM-System und in der Lage, zur Selbstverteidigung Sidewinder-Luft-Luft-Raketen abzufeuern, 75 umgebaut.
Jaguar GR1B
Umgerüstete GR.1 für den Einsatz des Thermal Imaging Airborne Laser Designator-(TIALD)-Systems, zehn umgebaut.
Jaguar GR3
Avionik-seitig modernisierte GR.1A zum Standard Jaguar 96
Jaguar GR3.A
Baureihe, entstanden aus GR.1B/GR.3 mit nochmals aktualisierter Avionik zum Standard Jaguar 97

Die folgenden Versionen waren Bezeichnungen für den Export von Jaguar International und basierten entweder auf der Jaguar S oder Jaguar B.

Jaguar ES
Exportversion der Jaguar S für die Fuerza Aérea Ecuatoriana (FAE), zehn gebaut.
Jaguar EB
Exportversion der Jaguar B für die FAE, zwei gebaut.
Jaguar S(O)
Exportversion der Jaguar S für die Royal Air Force of Oman (RAFO), 20 gebaut.
Jaguar B(O)
Exportversion der Jaguar B für die RAFO, vier gebaut.
Jaguar IS
Einsitziger, allwetterfähiger taktischer Jagdbomber der Indian Air Force (IAF), 35 gebaut bei BAe und 89 gebaut bei HAL.
Jaguar IB
Zweisitziger Kampftrainer der IAF, fünf gebaut bei BAe und 27 gebaut bei HAL.
Jaguar IM
Einsitziger Marine-Jagdbomber der IAF, ausgerüstet mit Agave-Radar und in der Lage, Sea-Eagle-Seezielflugkörper abzufeuern, zwölf gebaut bei HAL.
Jaguar SN
Exportversion der Jaguar S für die Nigerian Air Force (NAF), 13 gebaut.
Jaguar BN
Exportversion der Jaguar B für die NAF, fünf gebaut.

Technische Daten[Bearbeiten]

3-Seiten-Riss
  • Typ: SEPECAT Jaguar International
  • Zweck: Einsitziges Angriffsflugzeug
  • Länge: 15,52 m ohne Auslegersonde und 16,83 m mit Auslegersonde
  • Spannweite: 8,69 m
  • Höhe: 4,89 m
  • Tragflügelfläche: 24,18 m²
  • Leergewicht: 7.000 kg
  • Max. Startgewicht: 15.700 kg
  • Antrieb: zwei Adour-Mk.811-Triebwerke mit je 3.810 kp (37.400 kN)
  • Höchstgeschwindigkeit: (in 11.000 m) 1.750 km/h
  • Max. Flughöhe: 15.240 m
  • Reichweite:
    • typische Reichweite: ca. 1.000 km
    • Reichweite mit nur zwei Luft-Luft-Raketen: 1.408 km

Bewaffnung[Bearbeiten]

Interne Bewaffnung[Bearbeiten]

Externe Bewaffnung[Bearbeiten]

Bewaffnung bis zu 4.763 kg an fünf Außenlaststationen unter den Tragflächen und dem Rumpf sowie an zwei über den beiden Tragflächen

FrankreichFrankreich Frankreich

Luft-Luft-Lenkwaffen

  • 2 × Startschiene für je einen Matra R.550 Magic (wärmebildgesteuerter Kurzstrecken-Luft-Luft-Lenkflugkörper)

Luft-Boden-Lenkwaffen

Ungelenkte Luft-Boden-Raketen

  • 4 × Raketenwerfer Matra LR F4 (für je 18 × ungelenkte SNEB-Luft-Boden-Raketen; Kaliber 68 mm)

ungelenkte Bomben

  • 6 × Société des Ateliers Mécaniques de Pont-sur-Sambre (SAMP) (125-kg-Freifallbombe; analog Mk.81)
  • 6 × Société des Ateliers Mécaniques de Pont-sur-Sambre (SAMP) EU2 (250-kg-Freifallbombe; analog Mk.82)
  • 4 × Société des Ateliers Mécaniques de Pont-sur-Sambre (SAMP) T200 (400-kg-Freifallbombe; analog Mk.83)
  • 4 × Matra/Thomson-Brandt BLG 66 „Belouga“ (305-kg-Streubombe)
  • 1 × CEA AN-52 (freifallende Nuklearbombe, 455 kg schwer; Sprengkraft 25 Kilotonnen)

Zusatzbehälter

Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich

Luft-Luft-Lenkwaffen

Luft-Boden-Lenkwaffen

Ungelenkte Luft-Boden-Raketen

  • 4 × Raketenwerfer MATRA 155 (für je 18 × ungelenkte SNEB-(TDA)-Luft-Boden-Raketen, Kaliber 68 mm)
  • 4 × Raketenwerfer LAU-5003 (für je 19 × ungelenkte CRV7-Luft-Boden-Raketen; Kaliber 70 mm)

Ungelenkte britische Bomben

  • 6 × Hunting BL755 (264-kg-Panzerbekämpfungs-Streubombe)
  • 6 × Aerojet General CBU-87 (340-kg-Panzerbekämpfungs-Streubombe)
  • 6 × Royal Ordnance MC/GP Mk.10 (1.000-lb-/454-kg-Freifallbombe)
  • 6 × Royal Ordnance MC/GP Mk.20 (540-lb-/245-kg-Freifallbombe)
  • 2 × Lepus (80-kg-Leuchtbombe, erzeugt Beleuchtung mittels Magnesium, fallschirmverzögert)
  • 1 × WE.177 (fallschirmverzögerte 10-Kt-Nuklearbombe)

Zusatzbehälter

  • 2 × abwerfbarer Zusatztank für 1.187 Liter Kerosin
  • 1 × TIALD-Aufklärungsbehälter
  • 1 × EO GP1 (JRP) – Aufklärungsbehälter
  • 1 × Vinten VICON 18 Mk.600 – (Long Range Optical Pod, LOROP)

IndienIndien Indien

Selbstverteidigungssysteme[Bearbeiten]

Aktive Maßnahmen
  • 1 × Philips-Matra Phimat – Täuschkörperwerfer mit 210 Düppel-Patronen
  • 1 × AN/ALQ-101(V)-10 – EKF-Störbehälter
  • 1 × Thomson-CSF TMV-004 (CT51J) Caiman – externer EKF-Störbehälter
  • 1 × Thales PAJ-FA – externer EKF-Störbehälter
Passive Maßnahmen

Nutzer[Bearbeiten]

Nutzerstaaten[Bearbeiten]

EcuadorEcuador Ecuador
Fuerza Aérea Ecuatoriana, Jaguar GR1/ES/EB, nicht mehr im Dienst
FrankreichFrankreich Frankreich
Armée de l'Air, Jaguar A/E, bis 2005
IndienIndien Indien
Indian Air Force, Jaguar GR1/T2/IS/IB/IM, 2015 noch in Dienst
NigeriaNigeria Nigeria
Nigerian Air Force, Jaguar SN/BN, bis 1991
OmanOman Oman
Royal Air Force of Oman, Jaguar GR1/T2/S(O)/B(O)/GR.3A, bis 2014[2]
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich

Stationierungsorte in Deutschland[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Informationen des Herstellers HAL
  2. Flight International 9 December 2014, S. 25 (englisch)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: SEPECAT Jaguar – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien