SG Leutershausen

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SG Leutershausen
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Name Sportgemeinde Leutershausen 1891 e.V.
Vereinsfarben rot
Gegründet 1891
(als Turnverein Germania 1891)
1946
(Fusion von TV Germania und DJK
zur SG Leutershausen)
Gründungsort Hirschberg an der Bergstraße-Leutershausen
Vereinssitz Geschäftsstelle: Hauptstr. 2
69493 Hirschberg-Leutershausen
Mitglieder 1100
Abteilungen 7
Vorsitzender Jürgen Welling
Homepage www.sgl-verein.de

Die SG Leutershausen (Sportgemeinde Leutershausen 1891 e.V., SGL) ist ein traditionsreicher Sportverein aus Leutershausen, einem Ortsteil der nordbadischen Gemeinde Hirschberg an der Bergstraße. Der Verein entstand 1946 durch Zusammenschluss des 1891 gegründeten Turnverein Germania 1891 und der 1919 gegründeten Deutsche Jugendkraft (DJK).

In sieben Breitensport-Abteilungen − Handball, Judo, Gymnastik, Dance-Aerobic, Ski, Leichtathletik und Turnen – sind derzeit etwa 1100 Mitglieder aktiv (Stand 2012).[1] Damit ist die SGL knapp nach dem TVG Großsachsen der zweitgrößte Hirschberger Sportverein.

Bekannt ist die SGL durch ihre Handballabteilung: Seit den 1950er Jahren ist die SG Leutershausen einer der sportlich erfolgreichsten Vereine des Badischen Handball-Verbands, sowohl im modernen Hallenhandball als auch im früher wesentlich populäreren Feldhandball; der Verein gehörte in beiden Disziplinen zu den Gründungsmitgliedern der jeweiligen deutschen Bundesliga Mitte der 1960er Jahre. Die größten Erfolge gelangen Ende der 1960er Jahre: 1968 wurde Leutershausen Deutscher Handballmeister in der Halle und Vizemeister auf dem Großfeld, 1969 umgekehrt Deutscher Feldhandballmeister und Vizemeister in der Halle.

Handball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SG Leutershausen
Voller Name SG Leutershausen Handball GmbH
Abkürzung(en) SGL
Gegründet 1946
Vereinsfarben rot-weiß
Halle Heinrich-Beck-Halle
Plätze 1.200 Plätze
Präsident Jürgen Welling
Geschäftsführer Jörn Schmitt
Trainer Marc Nagel
Liga 3. Liga
2016/17
Rang 17. Platz (2. Handball-Bundesliga)
DHB-Pokal 1. Runde
Website https://www.sg-leutershausen.de/
Heim
Auswärts
Größte Erfolge
National Deutscher Meister
1968
Vizemeister
1966, 1969, 1992
Feldhandball-Meister
1969
Vizemeister
1956, 1957, 1968
International EHF-Pokal-Halbfinale
1993
Feldhandball-Europacup-Vizemeister
1970

Herren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derzeit (Stand Saison 2017/18) spielt die 1. Männermannschaft in der der 3. Liga.

Diese Mannschaft ist unter dem Dach einer Spielbetriebs-GmbH wirtschaftlich aus dem Gesamtverein ausgegliedert. Trainer ist seit Oktober 2013 Marc Nagel;[2] Geschäftsführer der GmbH ist Jörn Schmitt und Sportlicher Leiter der 1. Herrenmannschaft Ulrich Roth.

Über fünf Jahrzehnte gehörte die SGL zum Handball-Establishment in Deutschland – vom ersten Gewinn des Badischen Pokals 1952 bis zur Insolvenz der Spielbetriebs-GmbH 2006.

Die SG Leutershausen spielte von der Gründung der Handball-Bundesliga 1966 an 40 Jahre ununterbrochen entweder in der höchsten oder der zweithöchsten Spielklasse im deutschen Männerhandball: Insgesamt 17 Spielzeiten lang war Leutershausen erstklassig (1966–1977, 1988/89, 1990–1995), von 1977 bis 1981 spielte der Verein in der Handball-Regionalliga, der zweithöchsten Spielklasse vor Einführung der 2. Handball-Bundesliga. Und insgesamt 20 Spielzeiten war die SGL Mitglied der 2. Liga (1981–1988, 1989/90, 1995–2006, 2012/13).[3]

Der Feldhandball-Bundesliga gehörte die SGL von 1967 bis 1973 in allen sieben regulären Sommerspielzeiten ihrer kurzen Existenz an.

Hallenhandball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1950 bis 1980[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erfolgsgeschichte der Handballabteilung in der Halle begann 1952 mit dem Gewinn des Badischen Handballpokals. In der folgenden Zeit, als die Ligen der Landesverbände noch die höchsten Spielklassen im Hallenhandball waren, wurde die SGL 1955 erstmals Badischer Meister und erneut Pokalsieger.[4] Von 1963 bis 1965 dominierte Leutershausen die Badenliga, wurde jeweils Badischer Meister sowie in den anschließenden Finalspielen 1964 und 1966 Süddeutscher Meister.[5] In allen drei Jahren nahm die SGL an der Finalrunde zur Deutschen Meisterschaft teil und belegte dabei 1964 den fünften und 1965 den dritten Platz.[6] In der Saison 1965/66 unterlag Leutershausen erst im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft dem VfL Gummersbach und wurde damit 1966 erstmals Deutscher Vizemeister in der Halle.[7] Damit war die SGL für die Südstaffel der 1966 neu eingeführten zweigleisigen Bundesliga qualifiziert.

In der Saison 1967/68 gelang im Handballdorf dann der große Wurf: Im Finalspiel der beiden Staffelsieger konnte gegen den VfL Gummersbach die Deutsche Hallenhandballmeisterschaft errungen werden. Auch in der folgenden Saison 1968/69 kam Leutershausen bis ins Finalspiel, erneut gegen Gummersbach. Diesmal konnte der VfL sich den Titel zurückholen und die SG Leutershausen wurde zum zweiten Mal in ihrer Geschichte Vizemeister.

In den nächsten Jahren spielte die SGL mit guten Platzierungen in der Südstaffel der Bundesliga. Als aber nach der Saison 1976/77 die eingleisige Handball-Bundesliga eingeführt wurde, konnte sich die SGL nicht für das neue Oberhaus qualifizieren und spielte im folgenden Jahrzehnt in der jeweils zweithöchsten Spielklasse, zunächst in der Regionalliga.

1980 bis 1995[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Gründung der 2. Bundesliga 1981 gelang die Qualifikation für die neue Spielklasse – die damals 18-jährigen Leutershausener Jugendnationalspieler, die Handballzwillinge Michael und Ulrich Roth zeigten erstmals ihre Klasse in der 1. Mannschaft, konnten aber nicht im Dorfverein gehalten werden. Beide wechselten schnell in die 1. Liga, Uli Roth 1982 zum MTSV Schwabing, Michael Roth 1983 zum TuS Hofweier.[8]

Ende der 1980er Jahre, als die Zeit der kleinen Dorfvereine mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten eigentlich schon Handballgeschichte war, begann überraschend ein zweiter Höhenflug der SGL. Genau 20 Jahre nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft stieg der Verein in der Saison 1987/88 erneut in die erste Bundesliga auf, konnte die Klasse jedoch zunächst nicht halten. Nach dem sofortigen Wiederaufstieg 1990 gehörte der Club aber von der Spielzeit 1990/91 an nochmals für fünf Jahre zur Elite des deutschen Handballs. In der Saison 1991/92 wurde die SG Leutershausen dann sogar zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte Deutscher Vizemeister, nachdem die Finalspiele gegen die damals übermächtige SG Wallau/Massenheim verloren wurden. Danach erreichte Leutershausen das Halbfinale des IHF-Pokals 1992/93.

1995 bis 2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die 1. Mannschaft der SG Leutershausen im Juli 2015

1995 musste die SGL in die 2. Handball-Bundesliga absteigen, in der sie bis 2006 spielte.

Im Sommer 2006 musste die Spielbetriebs GmbH, von der die Bundesligamannschaft getragen wurde, Insolvenz anmelden. Die Mannschaft für die 2. Bundesliga konnte nicht mehr finanziert werden, absolvierte kein Spiel und stand damit als erster Absteiger fest. Der Verein verzichtete allerdings auf das damit gegebene Startrecht für die Regionalliga Süd in der Saison 2007/08 und ließ die erste Mannschaft in die viertklassige Baden-Württemberg-Oberliga (BWOL) zurückstufen, um einen grundlegenden Neuanfang zu versuchen – angeführt von den früheren Profis des Vereins, Uli Roth und Jörg Büßecker im Management und Holger Löhr im Traineramt.[9]

Nachdem in der ersten Oberliga-Saison der Aufstieg am letzten Spieltag knapp verpasst wurde, schloss die SGL die Saison 2008/09 als souveräner Oberliga-Meister ab und konnte bereits fünf Spieltage vor Saisonende den Aufstieg in die Regionalliga feiern. Dort gelang in der folgenden Saison 2009/10 die Qualifikation für die neue 3. Liga. 2011 stand Leutershausen bereits fünf Spieltage vor Saisonende als Meister der 3. Liga fest, war damit zwar für die Relegationsspiele um den Aufstieg in die neu geschaffene eingleisige 2. Bundesliga qualifiziert, scheiterte dabei aber in den Spielen gegen den Tabellenzehnten der 2. Bundesliga.[10] In der folgenden Saison 2011/12 wurde Leutershausen erneut 5 Spieltage vor dem Rundenende Meister der Südstaffel und kehrte damit nach sechs Jahren Aufbauarbeit in die 2. Bundesliga zurück.[11]

Die Saison 2012/13 beendete die SGL als Tabellensiebzehnter zwar auf einem Abstiegsplatz, konnte damit aber die Klasse halten, weil mehrere Drittligisten auf den Aufstieg verzichteten. Anfang März 2014 teilte der Sportliche Leiter Uli Roth mit, dass der Verein – wie zuvor schon angekündigt und unabhängig vom sportlichen Erfolg – aus wirtschaftlichen Gründen keine Lizenz für die Zweite Liga in der Saison 2014/15 beantragen und die Mannschaft in die Dritte Liga zurückstufen lassen werde.[12]

Feldhandball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Große Erfolge konnte Leutershausen auch im Feldhandball feiern: In der Saison 1956 machte die SGL erstmals deutschlandweit auf sich aufmerksam. Erst im Finale um die Deutsche Feldhandballmeisterschaft unterlag die Mannschaft dem SV Bayer 04 Leverkusen und wurde damit Deutscher Vizemeister. Dieser Erfolg konnte in der folgenden Saison 1957 wiederholt werden. Diesmal unterlag die SGL im Endspiel Frisch Auf Göppingen. Wie im Hallenhandball waren auch auf dem Großfeld die späten 1960er Jahre die erfolgreichste Zeit des Vereins. In der Saison 1968 wurde die SGL zum dritten Mal in ihrer Geschichte Deutscher Vizemeister auf dem Großfeld, der Triumph gelang in der Feldhandball-Bundesliga 1969: im Endspiel zwischen den Meistern der Südstaffel und der Nordstaffel wurde gegen den TSV Grün-Weiß Dankersen die Deutsche Meisterschaft gewonnen.[13]

Bekannte aktuelle Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte ehemalige Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die männliche A-Jugend wurde 1968 und 1987 Deutscher Meister in der Halle, die männliche B-Jugend wurde 1975 Deutscher Feldhandballmeister, sowie 1985 Deutscher Vize-Meister in der Halle.[14]

Damen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Frauenmannschaft der SGL stieg 2004 in die Regionalliga auf und belegte sogleich den 2. Platz. Die Klasse konnte dann aber nur zwei Jahre gehalten werden, in der Saison 2006/07 musste die Mannschaft in die baden-württembergische Oberliga absteigen. Die Mannschaft konnte jedoch nach nur einem Jahr 2008 wieder aufsteigen. In der Saison 2009/10 gelang die Qualifikation für die neugegründete 3. Liga. Dort gelang in der Saison 2010/11 zwar der sportliche Klassenerhalt, der Verein hatte aber im Februar 2011 beschlossen, aus Kostengründen ab der Saison 2011/2012 auf leistungsorientierten Damenhandball zu verzichten, und die 1. Damenmannschaft nicht mehr zum Spielbetrieb gemeldet.[15][16][17]

Spielstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spielstätte der SG Leutershausen ist die Heinrich-Beck-Halle (1200 Sitzplätze).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. SG Leutershausen 1891 e.V. (Hrsg.): Vereinsgeschichte. o.J., abgerufen am 16. Mai 2012.
  2. handball-world.com: Rücktritt in Leutershausen: Löhr geht vom 2. Oktober 2013, abgerufen am 2. Oktober 2013
  3. Daten nach Archiv Handballdaten.de
  4. SG Leutershausen 1891 e.V. (Hrsg.): 1946 – 56. o.J., abgerufen am 16. Mai 2012.
  5. Sven Webers (Hrsg.): Platzierungen bei Endrunden zur Deutschen Meisterschaft 1948–1966 (Männer / Halle). o.J., abgerufen am 16. Mai 2012.
  6. Sven Webers (Hrsg.): Meister der Regionalverbände 1947–1966 (Männer / Halle). o.J., abgerufen am 16. Mai 2012.
  7. Sven Webers (Hrsg.): Endrunde um die deutsche Meisterschaft 1965/66. o.J., abgerufen am 16. Mai 2012.
  8. Uli & Michael Roth. Mit Udo Ludwig: Unser Leben, unsere Krankheit. vom richtigen Umgang mit dem Prostata-Krebs. 1. Auflage. Zabert Sandmann, München 2009, ISBN 978-3-89883-263-2, S. 28 f.
  9. Frank Ketterer: Handball-Club SG Leutershausen – Eine Herzensangelegenheit, Spiegel online, 28. Juni 2010, ursprünglich erschienen in: Das Handball-Magazin Nr.6, Juni 2010
  10. HG Saarlouis ist „drin“, handball-world.com am 28. Mai 2011
  11. Die Vorbereitungen laufen auf vollen Touren: Die SG Leutershausen auf dem Weg in die 2. Liga, Webpräsenz SG Leutershausen, 24. April 2012, abgerufen 29. April 2012
  12. Webpräsenz SGL, 5. März 2014: Interview mit Uli Roth zum Lizenzverzicht für die 2. Liga, abgerufen 6. März 2014
  13. Archiv Handballdaten.de, Endspiele Feld, abgerufen 21. April 2012
  14. vgl. Abriss der Vereinsgeschichte auf der Homepage der SGL, abgerufen 21. April 2012
  15. Interview mit dem Vereinsvorsitzenden Jürgen Welling, Weinheimer Nachrichten, 16. Juli 2011, auf der Webseite der SGL, abgerufen 29. April 2012
  16. Aus für die SG Leutershausen. Das in der 3. Liga angesiedelte Frauenteam der SG Leutershausen zieht sich nach fast 20 Jahren aus dem höherklassigen Sport zurück, Gäubote, 28. Februar 2011, abgerufen 29. April 2012
  17. Michael Wendling: Kein Damen-Leistungshandball mehr in Leutershausen (PDF), Handballserver, 26. Februar 2011, abgerufen 29. April 2012