SIG P210

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SIG P210
P210 LS Mag Mun.jpg
Allgemeine Information
Zivile Bezeichnung: P210
Militärische Bezeichnung: Pistole 49, M/49, Modèle 49, Pistole Neuhausen, P2[1]
Einsatzland: Schweiz, Deutschland, Dänemark u.A.
Entwickler/Hersteller: Charles L. Petter, SIG
Herstellerland: Schweiz, Deutschland
Produktionszeit: 1947 bis 2006
Modellvarianten: P210-1 bis -8
Waffenkategorie: Pistole
Ausstattung
Gesamtlänge: 215 mm
Gesamthöhe: 145 mm
Gewicht: (ungeladen) 0,970 kg
Lauflänge: 120 mm
Technische Daten
Kaliber: 9 mm Parabellum, 7,65 × 21 mm Luger, .22 lfB
Mögliche Magazinfüllungen: 8 Patronen
Feuerarten: Einzelfeuer
Anzahl Züge: 6
Visier: Standvisier, Sportversionen: Mikrometer
Verschluss: verriegelt
Ladeprinzip: Rückstoßlader
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Die Pistole SIG P210 ist ein Rückstoßlader mit einer Verriegelung im Browning-Petter-System. Im Gegensatz zu den ersten in Großserie hergestellten Browning-Pistolen (typisches Beispiel Colt M1911) geschieht die Entriegelung nicht durch ein Kettenglied, sondern durch eine Kulisse. Typisch für die SIG P210 und ihre heute in Deutschland gefertigten Nachfolger ist die Herstellung mittels Ausfräsen aus Vollmaterial und die damit erreichte hohe Fertigungspräzision. Dies führt dazu, dass sie bei gewissen Schießdisziplinen immer noch Verwendung findet. Bei der Schweizer Armee wurde sie ab 1975 durch die SIG P220 abgelöst.

16-schüssige SIG 44/16 der 6000er Vorserie
Schloss der SIG-210 Pistole
Versuchspistole 1943 der Waffenfabrik Bern

Die Waffe ist ein Beispiel technischer Superlative und von Schützen und Sammlern hoch bewertet. Selbst die Militärversion braucht den Vergleich mit Sportwaffen nicht zu scheuen, da lediglich die Visierung, die Feinabstimmung des Abzugs und minimale Detailänderungen bei den Wettkampfversionen ins Gewicht fallen.

Die SIG P210 wurde ab Werk in den Kalibern 9 mm × 19 und 7,65 × 21 mm Luger sowie .22 lfB gefertigt. Im Gegensatz zum 9-mm- und 7,65-mm-System ist die .22 lfB-Variante unverriegelt. Die 3 Systeme sind untereinander austauschbar.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Entwicklung der SACM (Pistolet automatique modèle) 1935 durch den Schweizer Konstrukteur Charles Petter erwarb SIG 1937 eine Lizenz für das Browning-Petter-System, um eine neue Selbstladepistole zu entwickeln. Die Entwicklung der Waffe wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg beendet – dies auf Initiative des schweizerischen Armeekommandos, das die damalige Parabellum-Ordonnanzpistole im Kaliber 7,65 mm sowie den Ordonnanzrevolver im Kaliber 7,5 mm ersetzen wollte.

Nach Erprobung diverser Versuchsmodelle, darunter auch von solchen der Waffenfabrik Bern wurde die P210-1 als Standardmodell (ursprüngliche Bezeichnung SP47/8) erstmals 1947 an die schweizerische Armee ausgeliefert. Eine erste Serie wurde an schwedische Sportschützen und an die dänische Armee geliefert. In der Schweizer Armee wurde die Pistole als Pistole 49 eingeführt.

Insgesamt fertigte die SIG 113.110 Pistolen dieses Typs.[2] Die letzte größere Bestellung durch Behörden ging im Jahr 1951 an den deutschen Bundesgrenzschutz. Erwähnenswert ist die Tatsache, dass zur Befreiung der Geiseln der Lufthansa-Maschine Landshut in Mogadischu durch die GSG 9 unter Führung von Ulrich K. Wegener diese Waffe (SIG P210-4) zum Einsatz kam.

Anfangs des Jahres 2006 beschloss die bisherige Herstellerfirma Swiss Arms AG, die Produktion der P210 einzustellen. Auf der Website der Swiss Arms AG ist die P210 deshalb nicht mehr zu finden.

Zur IWA 2010 in Nürnberg stellte SIG Sauer aus Eckernförde die neugestaltete P210 Legend im Kaliber 9 mm × 19 mit innenliegender Fallsicherung in Heavy-Frame Ausführung vor. Die Visierung hat neu einen eckigen Kimmenausschnitt, die frühere Magazinhalterung wurde durch einen links oben angebrachten Magazinhalteknopf ersetzt und der Magazinboden hat eine ergonomisch verbesserte Form.

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • SIG P 47/8, später SIG P210-1. Die zivile Version in 9 × 19 und .30 Luger, mit Holzgriffschalen, fester Visierung, Schlitten und Griffstück sind feingeschlichtet und brüniert.
  • SIG Ordonnanzpistole der Schweizer Armee, offizielle Bezeichnung 9 mm Pistole 49, in 9 × 19, erste Ausführung, Seriennummer A 100001 - A 109710, Holzgriffschalen, Fangriemenöse, feste Visierung. Schlitten und Griffstück feingeschlichtet und brüniert. Ohne Fangrast am Hahn, später Austausch gegen Hahnen mit Fangrast.
  • SIG Ordonnanzpistole der Schweizer Armee, offizielle Bezeichnung 9 mm Pistole 49, in 9 × 19, zweite Ausführung, Seriennummer ab A 109711, Kunststoffgriffschalen, Fangriemenöse, feste Visierung. Schlitten und Griffstück feingeschlichtet und brüniert, Fangrast am Hahn.
  • SIG P210-3 Die Version der Schweizer Polizeikräfte in 9 × 19 und .30 Luger, mit Holzgriffschalen, fester Visierung, mit Ladeanzeiger, Schlitten und Griffstück sind feingeschlichtet und brüniert
  • SIG P210-4 Die Bundesgrenzschutzausführung, in 9 × 19 eine abgeänderte Version der P210-3 mit Kunststoff- oder Holzgriffschalen, mit Ladeanzeiger ohne Fangriemenöse
  • SIG P210-5 Die Sportversionen mit längeren Lauf (150 mm) in 9 × 19 und .30 Luger, Holzgriffschalen, einstellbarer Sportvisierung, verstellbarem Abzug, Schlitten und Griffstück sind sandgestrahlt und brüniert.
  • SIG P210-6 Die Sportversionen in 9 × 19 und .30 Luger, Holz- oder Kunststoffgriffschalen, einstellbarer oder fester Visierung, verstellbarem Abzug auf einem Standard oder Heavy Frame. Schlitten und Griffstück sind sandgestrahlt und brüniert
  • SIG P210-7 Die Ausführung in .22 LR Holz- oder Kunststoffgriffschalen, einstellbarer oder fester Visierung. Ein besonders gefertigter Schlitten, Lauf, Magazin und Federn sowie ein bearbeiter Hammer in der Version mit Mikrometervisier vervollständigen diese KK Ausführung. Lauf und Schlitten sind unverriegelt.
  • SIG P210-8 Eine Sportversion mit seitlichem Magazinauslöser und Heavy Frame Griffstück, Holzgriffschalen, einstellbarer Sportvisierung eines Fremdherstellers, Schlitten und Griffstück sind sandgestrahlt und brüniert. Von dieser Version wurden nur 250 Stück gefertigt, wobei 200 Stück im Auftrag eines arabischen Scheichs als Geschenk für seine Führungsoffiziere gekauft wurden ???
  • SIG P210-5LS Die 2003er Version in 9 × 19, welche über einen seitlichen Magazinauslöser, Holzgriffschalen, eine einstellbare Sportvisierung und einem längeren Schlitten und Lauf auf einem Heavy Frame verfügt. Schlitten und Griffstück sind sandgestrahlt und brüniert.
  • SIG M/49 Die dänische Armeeausführung in 9 × 19, eine besonders gekennzeichnete (HTK oder FKF) Version der P210-1 oder der P210-2.
  • P210 Legend Neueste Ausführung von 2010 durch SIG Sauer in Deutschland gefertigt, mit Heavy Frame, seitlichem Magazinhalter, Varianten P210 Target (5") und P 210 Supertarget (6") auch in Silber Finish

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erwin Armbruster, Werner Kessler (Hrsg.): Begegnungen mit einer Legende. SIG SP 47/8 / P 210. Kessler Waffen AG, 2007.
  • Hans P. Doebeli: Die SIG-Pistolen. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 3-87943-739-4.
  • Lorenz Vetter: Das große Buch der SIG-Pistolen. Stocker-Schmid, Dietikon-Zürich 1995, ISBN 978-3-7276-7123-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: SIG P210 – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://dienstwaffen.info/herstellersasi/sig/51197999ac10c922e.html
  2. Waffen Crottet GmbH