20-Meter-Klasse der DGzRS

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20-m-Klasse
SK 33 Buesum.jpg
Schiffsdaten
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Schiffsart Seenotrettungskreuzer
Reederei DGzRS
Bauwerft Fassmer, Berne
Gebaute Einheiten 4
Dienstzeit Seit 2008
Fahrtgebiete Nord- und Ostsee
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
19,9 m (Lüa)
Breite 5,05 m
Tiefgang max. 1,3 m
Verdrängung 40 t
 
Besatzung 3
Maschinenanlage
Maschine 1 x Dieselmotor
Maschinen-
leistung
1.675 PS (1.232 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
22 kn (41 km/h)
Propeller 1
Tochterboot
Eiswette(II) 20090105 Bremen (108).jpg
Schiffsdaten
Flagge DeutschlandDeutschland Deutschland
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
4,8 m (Lüa)
Breite 2,0 m
Tiefgang max. 0,4 m
Verdrängung 1,2
Maschinenanlage
Maschine 1 x Dieselmotor
Maschinen-
leistung
163 PS (120 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
30 kn (56 km/h)

Die 20-Meter-Klasse ist derzeit die kleinste Klasse von Seenotkreuzern (SK) der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Zwischen 2008 und 2013 wurden vier Schiffe von der Fassmer-Werft in Berne gebaut. Zwei weitere Kreuzer sind aktuell bei derselben Werft im Bau. Wie schon bei der 23,3-Meter-Klasse heißt das Typschiff dieser Klasse Eiswette.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anforderungen an diese Einheiten liegen gezielt im küstennahen Bereich bei geringen Wassertiefen. Verglichen mit anderen Kreuzern hat diese Klasse einen deutlich geringeren Tiefgang, welcher primär durch Gewichtseinsparungen erreicht wurde. So wurde auf ein typisches DGzRS-Tochterboot verzichtet und stattdessen ein Festrumpfschlauchboot als Arbeitsboot in die Heckwanne integriert. Dieses wird zur Assistenz bei Einsätzen oder zum Befahren extremer Flachwassergebiete benutzt. Darüber hinaus wurde auf Wohnräume für die Besatzung verzichtet. Sie wohnt im Stationsgebäude und kann im Einsatzfall den Kreuzer kurzfristig besetzen.

Ferner wurde erstmals ein elektrisches Bordnetz mittels Datenbussystems realisiert. Hierbei handelt es sich um ein spezielles Leitungssystem zum Austausch von Daten und Energie zwischen Steuerelementen und elektrischen Systemen, wie dies in einem Computer, aber auch in Flugzeugen und immer häufiger in komplexen Maschinen und modernen Kraftfahrzeugen geschieht. Neben der erhöhten Betriebssicherheit führt dies zu einer deutlichen Gewichtseinsparung.

Der Rumpf wurde in der bewährten Netzspantenbauweise aus seewasserfestem Aluminium gebaut. Die Form wurde von der früheren 19-Meter-Klasse übernommen und optimiert. Wie alle Einheiten der DGzRS ist auch dieser Kreuzer als Selbstaufrichter gebaut. Erstmals wurde mit der Eiswette ein Seenotkreuzer einem Kentertest unterzogen.

Angetrieben wird der Kreuzer von einem Dieselmotor (Caterpillar C 32 V12, 1.232 kW/1.675 PS bei 2300/min). Dieser wird ausschließlich für den Vortrieb verwendet. Als Hilfs- und Notantrieb dient ein weiterer Dieselmotor (Steyr MO 166, 120 kW/163 PS bei 2800/min). Zusätzlich sorgt eine Bugstrahlanlage für eine verbesserte Manövrierfähigkeit. Das Tochterboot wird ebenfalls von einem Dieselmotor (Steyr MO 164, 120 kW/163 PS) über einem Jetantrieb angetrieben. Damit erreicht es eine Geschwindigkeit von 30 Knoten (ca. 55 km/h).

Zur weiteren Ausrüstung gehören ein Schlepphaken, eine Feuerlöschpumpe mit einer Leistung von 140 m³/h, Suchscheinwerfer, Sanitäts- und Feuerlöschmaterial, mobile Rettungsmittel und Lenzpumpen sowie modernste Funk- und Navigationstechnik. Die Reichweite beträgt bis zu 820 Seemeilen.

Beginnend mit dem vierten Kreuzer der Serie kommt ein modifiziertes Arbeitsboot zum Einsatz.[1]

Die Schiffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eiswette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eiswette bei der Taufe in Bremen

Der Kreuzer wurde 2008 unter Werft-Nr. 2090 erbaut. Die DGzRS-interne Bezeichnung lautet SK 30. Nachdem der erste Seenotkreuzer mit dem Namen Eiswette Ende 2008 außer Dienst gestellt worden war, übernahm SK 30 diesen traditionsreichen Namen, um die langjährige Verbundenheit der Bremer Eiswette mit der DGzRS zu dokumentieren. Dementsprechend wurde er bei der Eiswette am 6. Januar 2009 in Bremen getauft. Die Namensgebung des Arbeitsbootes Novize wurde auch in Anlehnung an den Eiswettbrauch gewählt. Novizen sind die jeweilig neuen Mitglieder der Eiswettgemeinschaft.

Seit 22. November 2008 ist der Kreuzer auf der Halbinsel Nordstrand stationiert. Am 11. März 2009 erfolgte die offizielle Indienststellung im Hafen von Strucklahnungshörn auf Nordstrand im Beisein des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen.

Eugen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eugen im Jahr 2009 bei Frest

Die Eugen wurde 2008/2009 unter Werft-Nr. 2091 erbaut. Die DGzRS-interne Bezeichnung ist SK 31. Am 25. April 2009 wurde der Seenotkreuzer im Hafen von Freest auf den Namen Eugen getauft. Das Arbeitsboot erhielt den Namen Hubertus. Mit der Namensgebung würdigt die DGzRS das großzügige Engagement eines Förderers, der den Bau der Rettungseinheiten finanziell wesentlich unterstützte.

Seit dem 6. Februar 2009 ist der Kreuzer auf der Insel Greifswalder Oie stationiert. Ab Ende 2017 soll sie auf Norderney stationiert werden und dort die Bernhard Gruben ablösen.[2]

Theodor Storm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Theodor Storm kurz nach ihrer Taufe in Büsum

Die Theodor Storm wurde 2010 unter Werft-Nr. 4090 erbaut. Die DGzRS-interne Bezeichnung lautet SK 33. Am 13. August 2011 wurde das Schiff von Sandra Carstensen, der Gattin des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen in Büsum auf den Namen des Schriftstellers Theodor Storm getauft. Das Arbeitsboot bekam den Namen Nis Puk von einer Märchenfigur, die vor allem im deutsch-dänischen Grenzland bekannt ist.

Die Theodor Storm ist seit Mitte Januar 2011 in Büsum stationiert.

Pidder Lüng[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pidder Lüng auf dem Lister Tief

Die Pidder Lüng wurde unter der internen Bezeichnung SK 34 als vierter Kreuzer der Klasse im September 2012 in Berne auf Kiel gelegt.[3] Am 16. September 2013 wurde der Kreuzer erstmals zu Wasser gelassen. Nach der Erprobung auf Weser und Nordsee fand am 28. Oktober 2013 der Flaggenwechsel an der DGzRS-Zentrale in Bremen satt.[4] Am 1. November 2013 begann der Probebetrieb auf der Station List auf Sylt[5], am 16. November 2013 wurde der Kreuzer in Dienst gestellt.

Um die Finanzierung des Kreuzers zu unterstützen, wurde unter dem Slogan „Reetdach gegen Reeperbahn“ erstmals ein Spendenwettbewerb ins Leben gerufen. Die Teilnehmer konnten für einen Namensbezug für Sylt oder Hamburg spenden, dabei gewann Sylt.[4][6]

Die Taufe fand am 14. Dezember 2013 in List auf Sylt statt.[7][8] Der Name des Seenotkreuzers stammt aus der gleichnamigen Ballade von Detlev von Liliencron (1844–1909) über den Sylter Fischer Pidder Lüng. Das Arbeitsboot ist nach der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis – im Hamburger Volksmund „Michel“ – benannt. Es hat die interne Bezeichnung TB 38.

Die Pidder Lüng ist seit dem 1. November 2013 in List (Sylt) stationiert.

SK 38[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. November 2016 wurde der Kreuzer mit der Baunummer 7020 bei der Fassmer-Werft in Bardenfleth auf Kiel gelegt. Anfang April 2017 war der Rohbau fertiggestellt und wurde per Straßentransport nach Motzen gebracht. Dort findet aktuell der Endausbau statt.[9] Das Schiff soll ab Ende 2017 auf der Station Greifswalder Oie zum Einsatz kommen und dort die Eugen ablösen.[10] Das Arbeitsboot trägt die interne Bezeichnung TB 42.

SK 39 [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2016 hat die DGzRS einen weiteren Kreuzer dieser Klasse bei der Fassmer-Werft bestellt und am 24. März 2017 mit der Baunummer 7021 in Bardenfleth auf Kiel gelegt.[11] Er soll Ende Mai 2018 in Flensburg getauft werden. Das Schiff wird auf der neuen Station Olpenitz zum Einsatz kommen und den Kreuzer Nis Randers der Station Maasholm ablösen. [12]

Fotos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulf Kaack: Die Seenotkreuzer-Klasse EISWETTE - Konstruktion und Bau der DGzRS-Rettungseinheiten SK 30 und SK 31. Verlag Peter Kurze, Bremen 2009, ISBN 978-3-927485-93-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DGzRS-Jahrbuch 2017
  2. Seenotretter mehr als 2.000 Mal auf Nord- und Ostsee im Einsatz, dgzrs.de, 17.01.2017
  3. DGzRS-Jahrbuch 2012
  4. a b Sylt und Hamburg fast gleichauf: Spendenwettbewerb für neuen Seenotkreuzer bleibt spannend. Abgerufen am 15. November 2015.
  5. DGzRS-Facebookseite. Abgerufen am 15. November 2015.
  6. Entscheidung im Spendenwettbewerb: Neuer Seenotkreuzer erhält Namen mit Bezug zu Sylt. Abgerufen am 15. November 2015.
  7. Neuer Sylter Seenotkreuzer heißt „Pidder Lüng“. In: Die Welt. (online [abgerufen am 14. Dezember 2013]).
  8. Großer Auflauf bei Taufe des neuen Sylter Seenotkreuzers. In: Sylter Rundschau. (online [abgerufen am 16. Dezember 2013]).
  9. DGzRS: Seenotkreuzer als Straßenkreuzer, 5. April 2017
  10. Werfttagebuch SK38
  11. DGzRS: Neuer Seenotrettungskreuzer für die Schleimündung auf Kiel gelegt. 24. März 2017, abgerufen am 24. März 2017.
  12. Neuer Liegeplatz für Seenotrettungskreuzer in Olpenitz, 4. Juli 2016