SMS Iltis (1905)

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SMS Iltis
Das Schwesterschiff Stolzenfels
Das Schwesterschiff Stolzenfels
Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge) Deutsches Reich
andere Schiffsnamen
  • Turritella
  • Polavon
  • Gutenfels
Schiffstyp Hilfskreuzer
Heimathafen Bremen
Reederei DDG „Hansa“
Bauwerft Flensburger Schiffbau-Gesellschaft, Flensburg
Baunummer 234
Kiellegung 1905
Stapellauf 18. November 1905
Übernahme 16. Januar 1906
Indienststellung 27. Februar 1917 als Hilfskreuzer
Verbleib Selbstversenkung am
5. März 1917
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
135,2 m (Lüa)
Breite 16,76 m
Tiefgang max. 6.27 m
Verdrängung 10.700 t
Vermessung 5.528 BRT
 
Besatzung 1 Offizier, 27 Mannschaften, 46 Chinesen
Maschinenanlage
Maschine 3 Zylinderkessel
1 stehende Vierzylinder-Vierfach-Expansions-Dampfmaschine,
Maschinen-
leistung
2.600
Höchst-
geschwindigkeit
11 kn (20 km/h)
Propeller 1
Bewaffnung
  • 1 × 5,2 cm Sk L/55 (200 Schuss)
  • 25 Minen

Der Hilfskreuzer SMS Iltis wurde 1906 als Frachtschiff Gutenfels für die DDG Hansa gebaut.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde es 1914 in Ägypten von Großbritannien beschlagnahmt.

1917 wurde das inzwischen in Turritella umbenannte Schiff vom Hilfskreuzer SMS Wolf im Indischen Ozean aufgebracht und kurzzeitig als deutscher Hilfsminenleger SMS Iltis gegen Aden eingesetzt.

Schiff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zweite Gutenfels der DDG Hansa gehörte zu den acht Schiffen der Rheinfels-Klasse, die 1905 bis 1907 bei Swan, Hunter & Wigham Richardson (Rheinfels, Braunfels, Rotenfels, Rauenfels), der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (Gutenfels, Stolzenfels), Joh. C. Tecklenborg (Lindenfels) und AG Weser (Uhenfels) für die DDG Hansa gebaut worden waren.

Das 10.700 t verdrängende und 5.528 BRT[1] große Schiff lief am 18. November 1905 bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft unter dem Namen Gutenfels vom Stapel. Es war 135 Meter lang und 17 Meter breit und hatte 6,3 Meter Tiefgang. Seine Höchstgeschwindigkeit betrug 11 Knoten.

Bei Kriegsbeginn wurden sechs Frachter der Klasse von der britischen Marine in Port Said, Perim, Bombay, Kalkutta, Sydney beschlagnahmt oder aufgebracht. Die Rauenfels hatte Zuflucht in dem bis 1917 neutralen Brasilien gefunden, die Uhenfels im neutralen Niederländisch-Indien.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. Februar 1917 bringt der deutsche Hilfskreuzer SMS WOLF im Indischen Ozean den britischen Dampfer TURRITELLA auf und stellt ihn anschließend als Hilfskreuzer ILTIS in Dienst.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs befand sich die Gutenfels in Port Said, Ägypten. Sie wurde von Großbritannien als Feindbesitz beschlagnahmt und zunächst unter dem Namen Polavon, dann 1916 als Tankschiff Turritella (Tanker 147) unter der Regie der Anglo-Saxon Petroleum Company Ltd. für die Royal Navy in Dienst genommen.

Routen der Wolf (rot/grün) und Iltis (blau)

Am 27. Februar 1917 um 06:25 Uhr sichtete der deutsche Hilfskreuzer SMS Wolf westlich von Colombo, der vor dem Krieg ebenfalls der Hansa-Linie gehört hatte, die Turritella im Indischen Ozean. Nach einer kurzen Verfolgung wurde die Turritella um 08:00 Uhr auf der Position 8° 40′ N, 63° 15′ O mit einem Schuss vor den Bug angehalten.[2] Sie wurde sofort mit einer 5,2 cm Kanone und 25 Seeminen unter dem Namen SMS Iltis zum Hilfskreuzer umgerüstet. Kommandant des Schiffs wurde der Erste Offizier der Wolf, Kapitänleutnant Iwan Brandes. Die Besatzung bestand aus 27 Angehörigen der Wolf sowie eine größere Anzahl von Chinesen, die zur ursprünglichen britischen Besatzung gehörten und nun für deutsche Dienste angeworben wurden. Die Iltis sollte die Minen vor Aden legen und dann so lange wie möglich auf eigene Faust Handelskrieg führen.

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Indienststellung und Umbenennung des Schiffes schrieb Fregattenkapitän Nerger, Kommandant der Wolf, folgendes:

„Kapitänleutnant Brandes, der 27 Mann, hauptsächlich Maschinen-, F.T.-, Signal- und Steuermannspersonal mitbekam, erhielt das Kommando über das neueste Schiff der deutschen Flotte, dem ich zur Erinnerung an die erste Gefechtstätigkeit in meinem Leben – ich hatte im Jahre 1900 auf dem ‚Iltis‘ als Oberleutnant unter dem jetzigen Admiral Lans an dem Kampf gegen die Takuforts teilgenommen – den Namen ‚Iltis‘ gab.“

Karl August Nerger: SMS Wolf, Verlag August Scherl, Berlin 1918, S. 35f.

Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwesterschiff HMS Clio der Odin,1905

Beim Legen der Minen wurde die Iltis am Morgen des 5. März 1917 von der britischen Sloop HMS Odin der Cadmus-Klasse entdeckt, die mit sechs 4-inch-Kanonen bewaffnet war. Auch der schon einmal erfolgreich getäuschte Kreuzer HMS Fox näherte sich erneut. In Anbetracht ihrer hoffnungslosen Unterlegenheit versenkte die Besatzung der Iltis ihr Schiff westsüdwestlich von Aden auf 12° 26′ N, 44° 12′ O selbst und wurde von der Besatzung der Odin aufgenommen. Sie kehrte zum Teil erst 1920, so wie Brandes selbst, aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Sie war bis dahin im Internierungslager in Ahmednagar in Indien untergebracht.[3]

Nach der Selbstversenkung gaben die chinesischen Besatzungsmitglieder den britischen Vernehmungsoffizieren eine präzise Beschreibung der Wolf, die das Operationsgebiet im Indischen Ozean aber kurz darauf verließ.[4] Auf die von der Iltis ausgelegten Minen liefen noch zwei englische Dampfer auf. Am 20. März 1917 der 5.064 BRT große Dampfer Danubian und im Januar 1918 die Hong Moy mit 3.910 BRT. Beide Schiffe konnten aber trotz der erlittenen Beschädigungen noch den Hafen von Aden erreichen.

Schicksal der Schwesterschiffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Bauwerft BRT
tdw
Stapellauf
in Dienst
weiteres Schicksal
Rheinfels (2) Swan Hunter
BauNr. 732
5512
8670
19.06.1905
1.08.1905
1914 in Bombay beschlagnahmt, 1922 Baxtergate, März 1930 aufgelegt, August 1933 Abbruch
Gutenfels (2) Flensburg
BauNr. 254
5576
8745
18.11.1905
16.01.1906
1914 in Port Said beschlagnahmt, 1917 'SMS Wolf aufgebracht, als Hilfsschiff Iltis eingesetzt, am 5. März 1917 vor Aden selbst versenkt
Stolzenfels (3) Flensburg
BauNr. 255
5566
8780
6.01.1906
2.03.1906
1914 in Sydney beschlagnahmt: Dongarra, 1925: britische Kotka, 1927 Benvrackie, 1931 Abbruch in Japan
Braunfels (2) Swan Hunter
BauNr. 760
5557
8650
22.06.1906
17.08.1906
1914 in Bombay beschlagnahmt, 1924 an Jugoslawien: Vidovdan, 15. Dezember 1939 in Niederländisch-Indien gestrandet [5], Totalverlust
Rotenfels Tecklenborg
BauNr. 214
5584
8700
18.09.1906
8.11.1906
1914 in Kalkutta beschlagnahmt, 1925 Cape St.Martin, 1927 an Jugoslawien: Dujan Silni, 1925 China: Pei Ping, 1938 Japan: Genzan Maru, 9. November 1942 durch US-U-Boot USS Halibut versenkt[6]
Lindenfels (2) Swan Hunter
BauNr. 768
5476
8600
4.11.1906
18.12.1906
1914 vor Aden aufgebracht: Kingsmere, 1922 an Griechenland: Agios Ioannis, Dezember 1931 aufgelegt, Juni 1933 Abbruch Italien
Rauenfels Swan Hunter
BauNr. 770
5476
8620
14.12.1906
5.02.1907
1914 in Brasilien, 1917 beschlagnahmt: Lages, 1920–1922 an Frankreich verliehen, 1927 Eigentum Lloyd Brasileiro, 27. September 1942 durch U 514 vor brasilianischer Nordküste versenkt[7]
Uhenfels AG Weser
BauNr. 259
5577
8670
19.01.1907
6.04.1907
1914 in Tandjung/ Niederländisch-Indien, Oktober 1918 an Niederlande: Bandoeng, Anfang 1931 aufgelegt und Ende des Jahres zum Abbruch verkauft

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Paul Schmalenbach: Die deutschen Hilfskreuzer 1895–1945. Gerhard Stalling, Oldenburg / Hamburg 1977, ISBN 3-7979-1877-1, S. 47.
  2. John Walter: Piraten des Kaisers – Deutsche Handelsstörer 1914–1918. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1996, S. 176. ISBN 3-613-01729-6
  3. Leserbrief Hermann Rieke. In: FAZ, 30. August 2010, Seite 6
  4. John Walter: Piraten des Kaisers – Deutsche Handelsstörer 1914–1918. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-613-01729-6, S. 177.
  5. Verlust der Vidovdan
  6. Versenkung der Genzan Maru
  7. Versenkung der Lages

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans H. Hildebrand, Albert Röhr, Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe: Biographien – ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart, Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford, Bd. 6, S. 106
  • Kapitel: Hilfskreuzer „Wolf“. In: Carl Herbert: Kriegsfahrten deutscher Handelsschiffe. Broschek & Co, Hamburg 1934
  • Kapitel: S. M. Hilfskreuzer „Iltis“. In: Eberhard von Mantey: Die deutschen Hilfskreuzer, Berlin 1937, S. 315–324.
  • John Walter: Piraten des Kaisers – Deutsche Handelsstörer 1914–1918. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1996, S. 184. ISBN 3-613-01729-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]