SMS Undine (1869)

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Preußische Kriegsflagge ab 1850.svg Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge)
Brigg SMS Undine.jpg
Baudaten
Bauwerft Königliche Werft Danzig
Kiellegung 1869
Stapellauf 8. Dezember 1869
Fertigstellung 21. Mai 1871
Verbleib 28. Oktober 1884 Strandung an nordjütischer Küste
Technische Daten
Vermessung
(Rauminhalt)
310 BRT
194 NRT
Wasserverdrängung Konstruktion: 598 t, maximal: 624 t
Länge KWL: 35,82 m, über alles: 41,92 m
Breite 10,2 m
Tiefgang 4,3 m
Bewaffnung 8 × 24-Pfünder
nach Umrüstung:
6 × 8 cm L/20 Rk
Takelage Brigg
Segelfläche 1035 m²
Bauweise Querspant-Kraweelbau
Geschwindigkeit 10 kn
Besatzung 8 Offiziere und 142 Mann

Die SMS Undine war eine Brigg der Königlich Preußischen und der Kaiserlich Deutschen Marine, die von 1871 bis 1884 als Schulschiff eingesetzt wurde. Die Undine ging Ende Oktober 1884 bei der Ausreise zu einer Ausbildungsfahrt nach der Umrundung Skagens in einem Orkan durch Strandung vor der jütischen Küste verloren.

Geschichte der Undine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1868 wurde bei der Königlichen Werft in Danzig eine Brigg als erster Neubau des Norddeutschen Bundes bestellt, die den alten Schoner Hela ersetzen sollte. Die Brigg Undine lief 1869 auf der Königlichen Werft Danzig vom Stapel. Verzögert durch den Deutsch-Französischen Krieg wurde sie erst am 21. Mai 1871 als Schulschiff für Schiffsjungen in Dienst gestellt und neben den 1862 aus Großbritannien erworbenen Briggs Rover und Musquito sowie der Segelfregatte Niobe eingesetzt.

Ihre erste Auslandsreise führte die Undine ab dem 12. Juli 1871 über englische, spanische und portugiesische Häfen bis zu den Kapverdischen Inseln, von denen sie am 1. Mai 1872 wieder in Kiel eintraf. 1872/1873 wurde eine ähnliche Fahrt durchgeführt.[1] Nach Außerdienststellung und Überholung führte die Undine vom 14. Juli 1874 bis zum 14. September 1875 eine große Ausbildungsreise bis nach Rio de Janeiro und zurück über westindische und US-Häfen durch. Kommandant des Schulschiffes auf dieser Reise war der Korvettenkapitän Köster,[1] später der erste Großadmiral der Kaiserlichen Marine.

1876 erstreckten sich die Übungsfahrten der Undine nur bis zur norwegischen Nordseeküste.[2] Kommandant des Schiffes war in diesem Jahr der Korvettenkapitän Hollmann,[1] gleichzeitig Chef der Zentralabteilung der Kaiserlichen Admiralität und später ab April 1890 Staatssekretär des Reichsmarineamtes und Vorgänger von Alfred Tirpitz.

Nach einem Instandsetzungsjahr folgten 1878 und 1879 für die Undine nur Fahrten in der Ostsee und nach einem weiteren Ruhejahr 1881 und 1882 sowie 1884 erneut nur Ausbildungsfahrten im Sommer in der Ostsee. Im Herbst 1884 wurde das Schiff entgegen der ursprünglichen Absicht nicht wie in den Vorjahren außer Dienst gestellt, sondern für eine große Ausbildungsreise zu den Atlantischen Inseln herangezogen.[2]

Das Ende der Undine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. Oktober 1884 strandete sie unter dem Kommando des Korvettenkapitäns Victor Cochius während eines Orkans an der nordjütischen Küste. Die Brigg befand sich auf einer Auslandsreise nach Lissabon mit 90 Schiffsjungen und Vierjährig-Freiwilligen. Die Position der Strandung war 56° 48′ N, 8° 14′ O. Bei dem Unglück ging ein Matrose beim vergeblichen Versuch, den Großmast nach der Strandung zu kappen, über Bord. Alle anderen Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden. Der dänischen Seenotrettung gelang es nicht, mit einem Rettungsboot die gestrandete Brigg zu erreichen. Die Abbergung der Besatzung gelang aber mit einem gerade neu entwickelten Raketenapparat und einem an der zum Havaristen verschossenen Leine befestigten Rettungsstuhl.[3]

Am 8. November 1884 wurde von der geretteten Besatzung die aufliegende Brigg Rover wieder in Dienst gestellt. Mit dem seit Jahren nur im Sommer in der Ostsee eingesetzten Schiff wurde am 13. November die Ausbildungsfahrt fortgesetzt, die bis zu den Kapverdischen Inseln führte und von der die Rover am 8. Mai 1885 nach Kiel zurückkehrte.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erich Gröner, Dieter Jung und Martin Maass: Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945 Band 1. Bernard & Graefe Verlag, München 1982, ISBN 3-7637-4800-8.
  • Hans H. Hildebrand/Albert Röhr/Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe: Biographien - ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart, Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford,

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Hildebrand u.a.:Die deutschen Kriegsschiffe, Bd. 6, S. 21.
  2. a b Hildebrand, Bd. 6, S. 22.
  3. Hildebrand, Bd. 6, S. 21f.
  4. Hildebrand ua.:Die deutschen Kriegsschiffe, Bd. 5, S. 881f.