SMS Vineta (1863)

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SMS Vineta
SMS-Vineta-1863.jpg
Schiffsdaten
Flagge PreußenPreußen (Kriegsflagge) Preußen
Norddeutscher BundNorddeutscher Bund (Kriegsflagge) Norddeutscher Bund
Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge) Deutsches Reich
Schiffstyp Gedeckte Korvette
Klasse Arcona-Klasse
Bauwerft Königliche Werft, Danzig
Baukosten 576.800 Taler
Stapellauf 4. Juni 1863
Indienststellung 3. März 1864
Verbleib 1897 abgewrackt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
73,32 m (Lüa)
65,5 m (KWL)
Breite 12,9 m
Tiefgang max. 6,53 m
Verdrängung Konstruktion: 2.113 t
Maximal: 2.504 t
 
Besatzung 380 Mann
Maschine
Maschine 4 Kofferkessel
2-Zyl.-Dampfmaschine
Maschinen-
leistung
1.580 PS (1.162 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
11,7 kn (22 km/h)
Propeller 1 zweiflügelig ∅ 4,8 m
Takelung und Rigg
Takelung Vollschiff
Anzahl Masten 3
Segelfläche 2200 m²
Bewaffnung
  • 28 × 68-Pfünder-Geschütze

ab 1869:

  • 17 × 15,0 cm L/22 Rk
  • 2 × 12,5 cm L/23 Rk
Die preußische Kriegskorvette Vineta, 1864

Die SMS Vineta war eine Gedeckte Korvette der Preußischen Marine, der Marine des Norddeutschen Bundes sowie später der Kaiserlichen Marine.

Sie gehörte zur Arcona-Klasse, die die erste Klasse von in Preußen gebauten größeren Kriegsschiffen seit der Kurbrandenburgischen Marine darstellte. Zusammen mit ihrem Schwesterschiff Hertha bildete sie das zweite Baulos dieser Klasse. Als Vorbild für den Grundentwurf nutzte man die Thetis, die 1855 von England gegen zwei Radavisos getauscht worden war. Auch die Dampfmaschine der Vineta wurde in England beschafft. Neben der Unabhängigkeit vom Wind verlieh diese dem Schiff durch einen dampfbetriebenen Destilllierapparat auch die Unabhängigkeit der Trinkwasserversorgung von Land. Der Stapellauf fand am 4. Juni 1863 nach dreijähriger Bauzeit in Danzig statt.

Frühe Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr 1864 übernahm der Kapitän zur See Hans Kuhn das Kommando. Obwohl nicht voll ausgerüstet, nahm die Vineta am 30. April 1864 vor Danzig das dänische Linienschiff Skjold unter Beschuss – sie richtete allerdings keinen Schaden an.

Die erste Weltumsegelung eines preußischen Kriegsschiffs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Indienststellung im Oktober 1864 bewachte die Vineta zunächst den Kieler Hafen. Bereits 1864 war in Südamerika der Paraguayische Krieg ausgebrochen und der preußische Legationssekretär in Brasilien Theodor von Bunsen bat König Wilhelm um Beistand und Schutz des dortigen preußischen Besitzes. König Wilhelm ordnete die Entsendung der Vineta an. Die Vineta verließ Kiel am 19. November 1865 und erreichte am 20. Januar 1866 Rio de Janeiro, wo sie sich bis zum 4. Februar aufhielt. Anschließend segelte die Vineta nach Montevideo, wo sie am 18. Februar eintraf. Da absehbar war, dass der Kriegsverlauf preußische Interessen in der Region nicht mehr gefährden werde, erhielt Kuhn die neue Order. Da in Chile gerade der Spanisch-Südamerikanischer Krieg vor dem Ausbruch stand, sollte die Vineta preußische Handelsinteressen dort schützen. Die Vineta verließ Montevideo am 18. März 1866 und durchquerte Anfang Mai die Le-Maire-Straße, da die Magellanstraße mutmaßlich von Chile vermint worden war. Die Disziplin ließ sich an Bord zu dieser Zeit offenbar nur noch mit drakonischen Strafen aufrecht erhalten, was vor Kap Horn sogar ein Besatzungsmitglied in den Selbstmord trieb.[1]. Als am 6. Mai 1866 Valparaíso erreicht wurde, desertierten dort allein 17 Mann. Valpareiso war allerdings bereits am 31. März von der entsandten Spanischen Flotte beschossen worden, die Vineta kam also zu spät. Als Kuhn somit auch in Chile keine weitere Gefährdung preußischer Handelsinteressen feststellen konnte, erhielt er den Auftrag zunächst nach Callao zu segeln, wo die Besatzung Urlaub und einen Monatssold erhielt, was die Moral der Besatzung verbesserte[2]. Da die hier vermuteten spanischen Kriegsschiffe bereits wieder nach Europa unterwegs waren, folgte Kuhn seiner weiteren Order, den Pazifik zu überqueren und sich nach China zu begeben. Am 2. September 1866 verließ die Vineta Südamerika. Mit Zwischenhalt auf Hawaii wurde zunächst Shanghai angelaufen, wo die Vineta Teil einer internationalen Einheit zur Bekämpfung chinesischer Piraten wurde, anschließend pendelte sie zwischen China und Japan, wo im Vorwege des Boshin-Kriegs Unruhen herrschten. Trotz eines japanischen Lotsen an Bord, fuhr die Vineta am 27. Oktober 1867 in der Hirado-Straße auf eine Klippe auf, kam schwer beschädigt frei und musste vier Monate in Shanghai repariert werden. Kuhn wurde im Mai 1868 zum Konteradmiral ernannt und kehrte im Oktober 1868 nach Kiel zurück. Damit war die Vineta das erste Kriegsschiff der preußischen Marine, dem – wenn auch ungeplant - eine Weltumsegelung gelang.

Weitere Einsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ihrer Rückkehr wurde die Vineta zunächst grundüberholt und diente ab 1871 als Stationsschiff in Westindien. Anfang 1872 hielt sich die Vineta unter ihrem Kommandanten Kapitän zur See Batsch zunächst an der brasilianischen Ostküste auf und wurde dann nach Haiti beordert, um eine Reklamation deutscher Kaufleute in Cap-Haïtien und Port-au-Prince durchzusetzen. Am 23. Mai verließ die Vineta mit dem anderen Stationär SMS Gazelle Havannah und erreichte Port-au-Prince am 11. Juni, wo zwei Kanonenboote kampflos besetzt wurden und die Zahlung so erzwungen wurde.

1873 sollte die Vineta eigentlich als Teil des Reichsgeschwaders von Westindien aus an einer (für sie) zweiten Weltumsegelung mit mehreren anderen Schiffen der Kaiserlichen Marine teilnehmen, wurde aber am 10. März 1873 nach Europa zurückgerufen, da dort durch die Gründung der Ersten Spanischen Republik der Dritte Carlistenkrieg ausgebrochen war. SMS Vineta kehrte daher mit den anderen Schiffen mit Ausnahme des neuen Westindien-Stationärs Albatross, nach Europa zurück. Auf der Überfahrt mußte das Schiff wegen Kohlenmangels teilweise von dem Flaggschiff des Verbandes, der Panzerfregatte Friedrich Carl bis Plymouth in Schlepp genommen werden. Anschließend diete die Vineta vor die spanische Küste als Teil des dortigen deutschen Geschwaders.

Zwischen 1875 und 1877 unternahm die Vineta unter Kapitän zur See Graf v. Monts dann doch noch eine weitere Weltumsegelung und diente anschließend als Kadettenschulschiff, wobei sie wiederum lange Auslandsfahrten - zum Beispiel nach Südamerika - unternahm. 1884 wurde sie von der Liste der Kriegsschiffe gestrichen und als Trainingshulk für Rekruten und Maschinisten verwendet. 1897 wurde das Schiff in Kiel abgewrackt, die Galionsfigur befindet sich mittlerweile in der Marineschule Mürwik.[3]

In Kiel-Gaarden-Ost ist der Vinetaplatz nach ihr benannt. Die Burschenschaft Vineta Heidelberg nannte sich 1879 nach ihr.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Wiechmann: Die Königlich Preußische Marine in Lateinamerika 1851 bis 1867. Ein Versuch deutscher Kanonenbootpolitik, in: Sandra Carreras/Günther Maihold (Hg.): Preußen und Lateinamerika. Im Spannungsfeld von Kommerz, Macht und Kultur (Europa-Übersee Bd. 12), Münster 2004, S. 36–46, 84-173, ISBN 3-8258-6306-9.
  • Christian Voigt: Aus dem Tagebuche eines "Vineta"-Fahrers (1865-1868), in: Marine-Rundschau, 33. Jg. (1928), S. 362-370, 412-418.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: SMS Vineta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard Wiechmann: Die Königlich Preußische Marine in Lateinamerika 1851 bis 1867. Ein Versuch deutscher Kanonenbootpolitik, in: Sandra Carreras/Günther Maihold (Hg.): Preußen und Lateinamerika. Im Spannungsfeld von Kommerz, Macht und Kultur (Europa-Übersee Bd. 12), Münster 2004, S. 36.
  2. Gerhard Wiechmann: Die Königlich Preußische Marine in Lateinamerika 1851 bis 1867. Ein Versuch deutscher Kanonenbootpolitik, in: Sandra Carreras/Günther Maihold (Hg.): Preußen und Lateinamerika. Im Spannungsfeld von Kommerz, Macht und Kultur (Europa-Übersee Bd. 12), Münster 2004, S. 43.
  3. Marine Rundschau: Zeitschrift für Seewesen, Band 67, S. 216